Distanz | Höhenmeter | Dauer | |
als Rundweg | 12 km | ? HM | 3:45 h |
Streckenwanderung lt. Bergfex | 9,67 km | 337 HM | 3 h |






In meinem alten Wanderführer ist der Riegersburgweg noch als Rundweg beschrieben. Auch auf der Wandertafel in Breitenfeld ist diese Wanderung als Runde eingezeichnet. Sieht man jedoch in der Bergfex-App nach, gilt als Riegersburgweg nur mehr die Strecke von Breitenfeld über Oberlembach nach Riegersburg – hin und retour 9,67 km.
Ich glaube, die Reduzierung auf die Strecke über Oberlembach hatte einen praktischen Grund. Ich muss gestehen, dass wir über die Jahre mehrmals versucht haben, die Rundwegvariante zu gehen. Und jedes Mal hatten wir uns verlaufen. Im November 2025 starteten wir erneut – voll Motivation – einen weiteren Versuch, und ich glaube, dass wir nun die richtige Wegführung gefunden haben. Daher wird bei diesem Text der Weg sehr detailliert beschrieben. Die Wanderung ist wunderbar. Vor allem kommt man bei dieser Route auch auf den Aussichtsplatz auf dem Loiberg. Ein besonderes Platzerl, das mir von einer ganz lieben Freundin bei einem richtig tollen Ausflug gezeigt wurde.
Breitenfeld ist ein sehr kleiner Ort mit einer außergewöhnlich großen Kirche. Es ist ein Wallfahrtsort, einst wohl sehr bedeutend, denn es war ein Pestwallfahrtsort. 1624 gab es in Breitenfeld eine böse Epidemie. 130 Menschen fielen dieser schlimmen Krankheit zum Opfer. Ein eigener Friedhof musste angelegt werden. Zehn Jahre später wütete wieder der Schwarze Tod, und erneut starben über hundert Menschen. Gab es zuerst eine Kapelle auf dem Pestfriedhof, wurde später eine kleine Kirche errichtet. Schließlich wurde ab 1681 auf dem feuchten Breitenfelder Untergrund mithilfe von 117 Piloten die Kirche „Zum Heiland der Welt“ gebaut – Salvator Mundi.
Der Bau erfolgte in einer Zeit, in der es in der Steiermark wieder einmal eine Pestwelle gab (1679 bis 1683). Um die Krankheit einzudämmen, hatte man damals auch eine Art Lockdown. Handelsrouten wurden geschlossen. Straßensperren mit Schranken hinderten am Weiterreisen, Pesthäuser mit erkrankten Menschen wurden markiert, Händler benötigten einen Pestpass, Bettler und andere Hausierer wurden ausgeschlossen.
In dieser turbulenten Zeit schafften es die Breitenfelder, dieses riesige Gotteshaus zu bauen. Alle Achtung.
Wir wanderten von der Kirche in Richtung der aufgelassenen Raiffeisenbank-Filiale, vorbei beim Salvator-Mundi-Marterl bis zur nächsten Brücke (Wegweiser Kaisberg, Schammelberg, Tiefenbach, Hatzendorf). Diese Brücke mussten wir queren und die Gemeindestraße bergauf marschieren – jetzt hatten wir den richtigen Weg eingeschlagen.
Wir bewunderten die traumhaft schönen, gepflegten Gärten. Doch auch ein Blick zurück nach Breitenfeld zahlte sich aus: der Kessel mit der riesigen Kirche und dahinter die Weinberge. Die Aussicht auf dem Hügel wurde immer besser. Links in der Ferne sahen wir das neue Schloss des Weinguts Thaler: gebaut für den Genuss. Rechts konnte man die alte Festung Riegersburg erblicken: gebaut zum Schutz vor feindlichen Überfällen. Und vor uns entdeckten wir ein Schild, das auf einem Gartentor montiert war: „Support the local witch“. Kräuterwanderungen, Workshops etc. werden von der regionalen Hexe angeboten. „So sieht also ein Hexenhaus aus“, überlegte ich, und plötzlich kam eine Frau aus diesem. Nicht alt mit Hakennase und Falten, sondern sympathisch, hübsch und wesentlich jünger als ich. Ihr folgten zwei Huskys. Helle Schlittenhunde mit blauen Augen … keine schwarzen Katzen!!! Was für eine ungewöhnliche Hexe.
Etwas weiter die Straße bergauf gab es dann eine Wegkreuzung. Wir folgten dem Wegweiser Loiberg/Rohrberg (nicht die Sackgasse). Bald kamen wir auf den Wanderweg 07, den wir ab nun folgten … über einen Wiesenweg zum Aussichtsplatz oben am Loiberg. Gleichenberger Kogel, Riegersburg, Rabenwald, Stuhleck, Bucklige Welt. Einfach herrlich. Hier mussten wir einfach innehalten und genießen.
Weiter ging es dann hinunter zum Wald. Zwischen alten Buchen führte der Weg auf eine Hauszufahrt. Danach folgten wir rechts der Gemeindestraße. Bei der nächsten Kreuzung verließen wir dann den Wanderweg 07 und gingen die Straße bergab zu einem Bauernhaus mit Pferden. Beim nächsten Bauernhaus im Erzherzog-Johann-Stil bogen wir links in einen Forstweg ab und kamen schließlich in einen Wald.
Durch den Wald gelangten wir ins Tal. Große Ställe gibt es im Ort Unterlembach. Bei der Ankündertafel mussten wir rechts abbiegen. Wir folgten kurz der Gemeindestraße, nach der Kurve ging es links über den Feldweg bergauf zum Geßlberg. Bei dieser Wanderung ging es immer wieder Hügel hinauf, dann hinab ins Tal, um anschließend den nächsten Hügel wieder hinaufzuschnaufen. Wir waren im steirischen Hügelland unterwegs, wo wir einen Riedel nach dem anderen bezwingen mussten.
Die Kapelle auf dem Geßlberg ist hübsch restauriert und zeigt eine Taufszene. Hier mussten wir rechts abbiegen und der Asphaltstraße weiter nach oben folgen. Jetzt hatten wir einen ganz tollen Blick auf die Riegersburg, und von hier aus konnten wir erahnen, wie der Burgberg einst mit seinen beiden Burgen ausgesehen haben musste.
Dieser Abschnitt der Wanderung ist auch Teil des Genusswegs Göllesschleife. Bei der silbrigen Wegtafel mit der Riegersburg-Silhouette mussten wir rechts in den Wald abbiegen. Die Laubwälder rund um die Riegersburg sind einfach herrlich. Durch den Wind segelten unendlich viele bunte Blätter auf den Boden. Ich bin mir sicher, dass unternehmungslustige Elfenkinder diese Blätter als Beförderungsmittel lieben, um in der Luft zu surfen.
Schließlich kamen wir zur „Geisterkapelle“, wo der Teufel hin und wieder sein Unwesen treiben soll. Hier mussten wir entscheiden: den Stichweg hinauf, um zur Wippls Hofbergstubn zu gelangen? Oder doch rechts hinunter gehen, um dem „offiziellen“ Riegersburgweg nach Breitenfeld zu folgen? Unsere Entscheidungshilfe: Ja, es ging zwar wieder einmal bergauf … aber das Essen beim Wippl ist hervorragend und die Aussicht auf die Riegersburg einfach grandios. Und so weit war es von hier aus auch nicht mehr.
Wieder zurück bei der Geisterkapelle wanderten wir schließlich durch den Wald hinab nach Oberlembach. Alte Obstbäume, ein Saloon und andere Western-Buden warteten im Tal. Bei der Kapelle rechts abbiegen, an einem Graffiti vorbei, und dann beim Sackgassenschild die Hauszufahrt nach oben wählen.
Wieder ging es durch einen tollen Wald mit einer aufgelassenen Sandgrube. Ein altes, verlassenes Bauernhaus, ein weniger altes – noch bewohntes – Bauernhaus … schließlich hatten wir die letzte Steigung unserer Wanderung bezwungen. Ein Blick zurück lohnte sich auf jeden Fall. Ab nun ging es nur mehr bergab. Zwei Möglichkeiten gibt es, den Ausgangspunkt Breitenfeld zu erreichen: über den alten Kirchweg auf der Asphaltstraße oder auf dem Wanderweg mit blau-weißer Markierung im Wald.
Diese Wanderroute ist wunderbar. Es wäre sicherlich lohnend, sie wieder besser zu markieren. Hätten wir nur den Hin- und Rückweg über Oberlembach gemacht, so wären wir nicht zum Loiberg mit seiner extrem schönen Aussicht gekommen.
Von Breitenfeld aus gibt es noch einen weiteren Wanderweg: den Salvator-Mundi-Wanderweg. Apropos Salvator Mundi: Eines der teuersten Bilder der Welt, das wahrscheinlich von Leonardo da Vinci gemalt wurde, stellt den „Heiland der Welt“ dar. Das Bild des „Christus Salvator“ in der Breitenfelder Kirche ist natürlich nicht so wertvoll oder so berühmt, aber es hat bestimmt wesentlich mehr Menschen gesehen, die voller Hoffnung und Vertrauen mit ihren Anliegen davor gebetet haben. Wenn man bedenkt, wie vielen Menschen es Trost gespendet hat – so gesehen ist das unscheinbarere Breitenfelder Bild für mich weitaus wertvoller.



























