Mida Huber Wanderweg – Landsee

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

4,8 km153 HM1,5 h
    

Die Ruine Landsee im Mittelburgenland gehört zu den größten Burgruinen Mitteleuropas. Sie liegt mitten im Naturpark Landseer Berge. Ein Naturpark mit einer gigantischen Burgruine – klar, dass wir uns das ansehen wollten. Als wir im Juni 2026 Urlaub im Mittelburgenland machten, steuerten wir bereits auf der Hinfahrt die Ruine an.

Ehrfürchtig standen wir vor dem alten Gemäuer. Eine Holzbrücke führte zu einem mächtigen Tor mit einer prächtigen Pechnase. Nichts wie hinüber und hinein in die Ruine! In den äußeren Burggraben wollte ich zwar ebenfalls noch hinabsteigen, aber alles zu seiner Zeit.

Kaum hatten wir den Torturm durchschritten, standen wir vor der ersten Entscheidung: rechts hinauf oder geradeaus weiter? Wir entschieden uns zunächst für den Anstieg. Hoch zwischen zwei tiefen Gräben – dort, wo einst der Wall mit Palisaden befestigt war – marschierten wir dahin. Über eine Treppe gelangten wir in den inneren Burggraben und schließlich in jenen Teil der Burg, in dem sich einst die Wirtschaftsgebäude befanden.

Heute liegt zwischen der Hochburg und den hoch aufragenden äußeren Ringmauern ein Veranstaltungsgelände mit einem außergewöhnlich sauberen WC samt Waschraum – ein Luxus, den die Bewohner der Burg einst sicherlich nicht kannten.

Vor uns lag der Brunnen. 66 Meter soll er tief sein. Welch gewaltige Mühe musste es gewesen sein, ihn in den Fels zu treiben! Und ebenso beschwerlich war es wohl, das Wasser täglich aus dieser Tiefe heraufzuziehen.

Hoch über uns thronte die Hochburg. Es zog uns förmlich zum nächsten Burgtor – nicht zuletzt deshalb, weil wir es plötzlich eilig hatten. Schwarze Wolken zogen auf, und wir wussten nicht, wie viel Zeit uns für die Besichtigung noch blieb.

Die Ruinen hinter dem vierten Burgtor waren einst Wohngebäude aus dem 17. Jahrhundert. Zahlreiche Mauern ragen noch heute in den Himmel. War der Hof vielleicht dreieckig angelegt? Unzählige Räume mussten sich einst in diesem Gebäudekomplex befunden haben. Bauherr war vermutlich Paul Esterházy.

Davor hatte man in der Hochburg gewohnt, die deutlich kleiner war. Dort befand sich auch der alte Bergfried. Im 16. Jahrhundert lebte hier eine durchaus berüchtigte Frau: Gertrud von Weisspriach, die Witwe des Kärntner Landeshauptmannes Ulrich von Weisspriach.

Offenbar kam es in der Geschichte immer wieder vor, dass sich einflussreiche Frauen mit Räubern oder Freibeutern verbündeten. Ein prominentes Beispiel ist die englische Königin Elisabeth I. Unter ihrer Herrschaft erhielten Freibeuter sogenannte Kaperbriefe und durften damit spanische Galeonen angreifen und plündern. Im Gegenzug erhielt die Krone einen beträchtlichen Teil der Beute. Der bekannteste dieser Freibeuter war Francis Drake.

Auch Gertrud von Weisspriach verbündete sich mit einem Räuber. Sein Name war Franz Magusch. Gemeinsam mit seiner Bande und von Gertrud angeworbenen Söldnern terrorisierte er die Umgebung bis ins heutige Sopron. Anders als Elisabeth I. ließ Gertrud jedoch nicht Feinde des Reiches berauben, sondern die eigene Bevölkerung. Schließlich wurde sie deshalb verhaftet und eingesperrt.

Wir stiegen weiter bergauf und durchschritten das fünfte Tor. Nach einem dunklen Durchgang mit einer Rinne im Boden standen wir plötzlich im engen Hof der Hochburg. Besonders beeindruckten uns die Küche mit ihrem gewaltigen Kamin – oder was immer dieses mächtige Bauwerk ursprünglich gewesen sein mag – sowie der Bergfried mit seinen bis zu zehn Meter dicken Mauern und seinen fünf Geschossen.

Zunächst stiegen wir über die hölzernen Treppen empor und erreichten die eiserne Wendeltreppe. Doch inzwischen grollten Blitz und Donner. Auf einer Metalltreppe einen hohen Turm auf einem Berg während eines Gewitters zu besteigen, erschien uns keine besonders gute Idee. Also traten wir rasch den Rückweg an – mit dem festen Vorsatz, wiederzukommen.

Ganz so eilig hatten wir es dann aber doch nicht. Beim Kiosk am Eingang setzten wir uns auf die überdachte Terrasse und genossen einen ausgezeichneten Gemüsestrudel.

Als unser Kurzurlaub im Mittelburgenland zu Ende ging, stand unser Entschluss fest: Wir würden nach Landsee zurückkehren.

Im Naturpark Landseer Berge gibt es mehrere Wanderwege. Einer führt von Kobersdorf über die Ruine und den Pauliberg wieder zurück. Da das Thermometer bereits am Vormittag knapp 30 Grad zeigte, entschieden wir uns gegen diese längere Tour. Stattdessen wählten wir den deutlich kürzeren Mida-Huber-Bankerlwanderweg, der zum Öden Kloster führt.

Mida Huber war eine Schriftstellerin, die von 1880 bis 1974 lebte.

Wir parkten bei der Burgruine und folgten den Wegweisern. Vorbei am kleinen Waldfriedhof ging es durch den Wald bergauf. Auf einer Lichtung entdeckten wir Himbeersträucher, über denen zahllose Schmetterlinge flatterten.

Immer weiter führte der Weg durch den Wald, bis wir plötzlich vor der Florianikapelle standen. Dort fanden wir eine wunderschön gestaltete Sitzgelegenheit und dahinter das wohl vornehmste Gipfelbuch, das ich je gesehen habe.

Von der Florianikapelle ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Öden Kloster – allerdings hat es dieses kurze Stück in sich. Der Anstieg ist ausgesprochen steil.

Der Hügel wurde einst künstlich eingeebnet und terrassiert. Hier standen früher die dem heiligen Michael geweihte Klosterkirche sowie acht freistehende Eremitenklausen. Eine hohe Mauer ist bis heute erhalten geblieben und nicht zu übersehen. Mehrere zum Teil beachtliche Erdwälle können bestiegen werden; unter ihnen dürften sich noch die Reste der einstigen Gebäude befinden. Auch an den Bodenformen lässt sich gut erkennen, wo die Fundamente der Klausen lagen.

Nur 81 Jahre bestand hier ein Kloster des Kamaldulenserordens. Ich muss gestehen, dass ich von diesem Orden zuvor noch nie gehört hatte. Also bemühte ich das Internet und erfuhr, dass der Orden im Jahr 1012 in der Toskana gegründet worden war.

Anschließend wanderten wir wieder bergab durch einen idyllischen Wald und erreichten schließlich eine stark befahrene Straße. Immer wieder donnerten schwer beladene LKW an uns vorbei. Wie froh war ich, dass hier ein sicherer Gehsteig vorhanden war.

Die Lastwagen steuerten den Pauliberg an, wo im Steinbruch Gestein abgebaut wird. Der Pauliberg ist der jüngste Vulkan der oststeirischen Vulkankette.

Durch den Ort Landsee gelangten wir schließlich wieder zur Burgruine. Diesmal steuerten wir sofort den mächtigen Bergfried an und genossen den herrlichen Rundumblick.

Doch nicht nur das Panorama begeisterte uns. Auch ein junger Falke, der sich geduldig fotografieren ließ, ließ unsere Herzen höherschlagen.

Wer die Ruine besucht, sollte unbedingt alle Burggräben durchwandern. Besonders der innere Burggraben beeindruckt durch seine enorme Tiefe. Die unzähligen Ziegel, die hier verbaut wurden, lassen einen voller Ehrfurcht an den gewaltigen Fleiß unserer Vorfahren denken.

Auch der äußere Burggraben ist beeindruckend. Der äußere Befestigungsring misst rund 1.700 Meter Länge. Man ist eine ganze Weile unterwegs, bis man die gewaltige Wehranlage vollständig umrundet hat. Spätestens dann wird klar, dass die Burg ihren angeblich ursprünglichen Namen „Ehre des Landes“ – aus dem sich später „Landsee“ entwickelte – mehr als verdient.

 

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