Rohrbach: M31 – Rundwanderweg Teichwiesen

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

M31 Rundwanderweg Teichwiese7,26 km76 HM

1:50 h

 

Zusatztour zum Öden Kloster Baumgarten???

Eigentlich hatten wir ja eine gemütliche Wanderung geplant. Wir starteten unsere Tour am Badeteich von Rohrbach bei Mattersburg, gingen zur Wegkreuzung vor und marschierten, links abbiegend, der asphaltierten, ebenen Nebenstraße entlang. Immer wieder waren Schilder mit der kleinen Waldohreule zu sehen; über einen QR-Code konnte man Informationen abrufen.

Getreidefelder so weit das Auge reichte schimmerten goldig. Auf einem Hang war das Gras gemäht worden – unzählige Krähen hatten sich dort versammelt. Eine äußerst muntere Schar: aufgeregtes Krächzen und Schnarren, An- und Abflüge, herrliche Schwungfedern, breit gefächerte Schwanzfedern – schwarze Körper, graue Körper. Saatkrähen, Nebelkrähen und Rabenkrähen hatten sich hier in geselliger Runde zusammengefunden – samt Teenager-Nachwuchs. Und wie mir bei der Wanderung schien, kommunizierten alle miteinander.

Es gibt Menschen, die mögen Krähen (so wie ich), und es gibt welche, die ihnen äußerst kritisch gegenüberstehen. Zwei Dinge stehen jedenfalls außer Frage: Krähen sind äußerst liebevolle Eltern, die ihren Jungen alles geduldig von der Pike auf lehren müssen. Junge Krähen kennen zum Beispiel keine Feinde – ihre Eltern müssen ihnen erst „erklären“, vor welchen Bösewichten sie sich in Acht zu nehmen haben. Krähen sind äußerst gescheit; die Forschung hatte sogar einmal mit einer Krähendame zu tun, die sich selbst in ihrem eigenen Spiegelbild erkannte. Eine enorme Leistung – außer Menschenaffen schafft das kaum ein anderes Tier.

Doch zurück zu unserer Wanderung. Wir bogen links zu den Aussichtsplätzen „Teichwiese“ und „Wiesenberg“ ab, wobei wir zuerst den Aussichtsplatz über dem Teich mit seinem üppigen Schilfgürtel ansteuerten. Eine Hecke wuchs zwischen den Feldern – Vögel und Libellen tummelten sich darin. Zarte Libellen in Blau hockten auf den grünen Blättern und ließen sich von der Sonne bescheinen. Die Schmetterlinge hatten weniger Muße – sie waren äußerst geschäftig unterwegs und dachten nicht daran, kurz stillzuhalten und als Fotomotiv zu posieren. Schwarz-weiße Schmetterlinge, von denen Gregi behauptete, dass es sich um „Damenschachbrett“ handle, gefielen mir besonders. Doch auch die Distelfalter waren recht adrett anzusehen … und erst der zarte, hellblaue Flattergeselle mit seinen schwarzen Punkten.

Von oben konnten wir hervorragend das Geschehen in dem unter uns liegenden Feuchtgebiet beobachten. Riesige Rohrweihen segelten um den Teich, während zwei Graureiherdamen in Nachbarschaft im dichten Schilf brüteten. Enten schwammen auf der kleinen freien Wasserfläche, und die Frösche gaben ein ohrenbetäubendes Konzert.

Im Mittelalter wurde dieses Gewässer als Fischteich genutzt – heute brüten in diesem wertvollen Gebiet unzählige Vögel (sehr viele von ihnen tragen im Namen das Wort „Rohr“): Rohrammer, Rohrweihe, Rohrschwirl, Drossel-, Teich- und Sumpfrohrsänger zum Beispiel. Doch auch Reiher lieben dieses Gebiet als Heim für ihre Jungen: Nacht-, Silber-, Purpur- und Graureiher fühlen sich im Schilf sehr wohl – ebenso die Zwergdommel. Schön wäre es, sie zu entdecken – doch die Gute kann sich im Schilf beinahe unsichtbar machen. Die Teichwiesen sind nicht nur ein wertvolles Habitat für Vögel – auch für Amphibien ist dieses Gebiet ein erstklassiges Zuhause.

Der nächste Aussichtspunkt war der Wiesenberg. Von hier aus hatten wir einen Traumblick auf die Burg Forchtenstein, auf Mattersburg und auf den Kogelberg mit seinen hell leuchtenden Abbrüchen. Hörten wir von dort nicht die zarten Stimmchen von Bienenfressern? Wunschdenken oder Realität – wer weiß das schon. Unter uns fuhr ein Traktor über das Feld; direkt neben dem landwirtschaftlichen Gerät marschierten Störche auf der Suche nach aufgeschreckten Tieren zum Fressen.

Die Aussichtswarte heißt Wiesenberg, und die Trockenwiese hinter der Warte kann sich sehen lassen: welche Kräuter hier wachsen, wie viele Schmetterlinge sich hier tummeln und wie viele verschiedene Heuschrecken es gibt.

Wir wanderten wieder hinunter auf den Asphaltweg und marschierten zu dem wunderbaren Teich. Auf dem Weg dorthin passierten wir erneut die goldenen Getreidefelder mit Mohn- und Kamilleblüten. Gregi entdeckte sogar eine Schlange – Äskulapnattern und Schlingnattern würden hier vorkommen. Über unseren Köpfen segelten die Rohrweihen – ein seltsames Gefühl.

Nun ging der Weg bergauf, und die Wiese war violett – so viel Salbei! Drei Arten von Salbei würden hier auf sehr engem Raum wachsen. Wir waren nun an einem Punkt der Wanderung angelangt, an dem wir uns entscheiden mussten: zurück laut Wanderweg oder hinauf zum Kogelberg.

Der Kogelberg war zu verheißungsvoll, um ihn nicht zu besteigen. Der Naturpark in diesem Gebiet heißt Rosalia-Kogelberg. Rosalia ist das Gebirge, das wir vorhin vom Wiesenberg aus gesehen hatten – mit der Burg Forchtenstein am Hang. Der Kogelberg ist ein Korallenriff, ein Überbleibsel aus dem Sarmat-Meer, das vor zwei Millionen Jahren verlandete. Vielleicht hatten wir die Möglichkeit, Bienenfresser zu sehen?

Wir schnauften den Berg hinauf – die Aussicht wurde immer aufregender. Dann kam der Wald, und dann kamen (für das Burgenland ganz untypisch) Wandermarkierungen mit der Aufschrift „Baumgarten“. Gab es da nicht das Öde Kloster, überlegte ich – und wurde dabei leichtsinnig. Naiv wie ich war, nahm ich an, dass dieses ehemalige Paulinerkloster gar nicht weit entfernt sein konnte. Der Waldweg war einladend, allzu steil war es nun auch nicht mehr, der Flaumeichen-Buschwald bot wunderbaren Schatten – also marschierten wir los, ohne Wanderkarte, schließlich gab es ja die Bergfex-App – falls alle Stricke reißen würden.

Wir waren schon eine ganze Weile durch den, zugegebenermaßen idyllischen, Wald marschiert. Der Weg stieg nicht mehr an, sondern ging schon seit geraumer Zeit bergab, und ich wurde unrund. Ich wollte das Kloster sehen – wenn das überhaupt der richtige Weg war. „Ödes Kloster“ war ja schließlich nicht auf den Wegschildern zu sehen, sondern nur „Baumgarten“. Apropos Schilder – diese vermisste ich seit geraumer Zeit ebenfalls. Erleichtert sahen wir, dass uns eine Wanderin entgegenkam. Wir erkundigten uns bei ihr. Die Frau war sehr nett und meinte, sie würde auch zum Öden Kloster gehen und wir könnten uns ihr anschließen.

Wir bogen links in einen Waldweg ab (Wegweiser gab es sogar, jedoch hinter den Ästen eines Strauchs), marschierten weiter durch den Wald, und die nette Frau war erstaunlich fit – wir konnten kaum mithalten. Also blieben wir zurück, und die Wanderin ging ihres Weges, zeigte uns jedoch von weitem, wie wir weiterzugehen hatten. Der Weg verlief nun entlang eines Feldes, dann steil bergab – und da stand es endlich vor uns: das Öde Kloster Baumgarten.

Ein intensiver Lindenblütenduft lag in der Luft – prächtige Linden gab es hier viele. Doch die allerprächtigste stand direkt vor der Kirche: eine Winterlinde, die schon über 250 Jahre alt ist.

Der Baum ist so riesig, dass man kaum erkennt, wie breit das Gebäude eigentlich ist. Da ist die gotische Kirche, dann eine Kapelle, die ebenfalls nicht gerade klein ist, und dazwischen ein Verbindungstrakt, in dem früher die Eremiten lebten.

Gestiftet wurde das Kloster von Ulrich von Grafenegg. Der Bayer war Söldnerführer und stand teils in Diensten von Kaiser Ferdinand III. sowie von dessen Widersacher König Matthias Corvinus. Der Paulinerorden betrieb das Kloster, das 1475 gegründet wurde. Doch schon 1493 war das Ordensleben vorbei – ein Brand zerstörte das Gemäuer, und die Mönche zogen in andere Klöster.

Dann war es um das zerstörte Gebäude lange ruhig – 250 Jahre tat sich nichts –, bis 1743 der 21-jährige Buchdruckergeselle Arsenius Braidenaicher die Bewilligung erhielt, als Einsiedler im Öden Kloster Baumgarten zu leben. Wer alte Ruinen kennt, weiß, dass sich die Natur alles zurückholt. Der Mönch musste vermutlich Rodungsarbeiten übernehmen, das Dach erneuern, die Kirche restaurieren und die Mönchszellen errichten. Geld und Handwerker waren notwendig. Braidenaicher beschaffte Mittel und heuerte Novizen an, die praktische Fähigkeiten für die Sanierung mitbrachten. So wurde das Kloster wiederbelebt. 1762 war es bereits funktionstüchtig, blieb es aber nur etwa 20 Jahre, bis es unter Kaiser Joseph II. aufgehoben wurde. Einsiedler leisteten keinen Dienst an Kranken und unterrichteten nicht – daher die Auflösung.

Wir betraten die Kirche durch die kleine Seitenpforte und sahen vor uns die steile Treppe zu den Mönchszellen hinauf. Komfort suchte man in dieser Einsiedelei vergeblich: kleine Räume mit einem Fenster und ohne Heizung – selbst im sonnenverwöhnten Burgenland alles andere als angenehm.

Links gab es eine Tür zur Kirche, rechts eine zur Kapelle, in der sich heute eine Lourdesgrotte befindet. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich im Freien unter der alten Linde wesentlich wohler fühlte als in der Kirche oder der Kapelle. Die Leistung von Braidenaicher und seinen Mitbrüdern ist beachtlich – doch die Natur ist nach wie vor der beste Baumeister. Ich stand unter der riesigen Linde und verstand, warum alte Völker Bäume für heilig hielten.

„Retour kennen wir den Weg schon“, sagte ich voller Leichtsinn, als wir den Rückweg antraten. Wir hatten schon viel Wandererfahrung – eigentlich sollten wir uns den Weg merken können. Doch irgendwie schafften wir es in diesem riesigen Waldgebiet, uns zu verlaufen. Wie schon erwähnt: Die Burgenländer halten eine gute Wegmarkierung offenbar für verzichtbar – auch in einem Gebiet, in dem der Handyempfang so schlecht ist, dass man die Bergfex-App nicht nutzen kann.

Als wir an einer Waldwegkreuzung standen und mir nichts mehr bekannt vorkam, entschieden wir uns, den Weg zu nehmen, der am ehesten in die richtige Richtung zu führen schien. Habe ich schon erwähnt, dass unser Orientierungssinn auch nicht besonders ausgeprägt ist? Wir marschierten etwa eine halbe Stunde eine Forststraße bergab – nur um festzustellen, dass wir ziemlich weit vom Ziel entfernt waren. Also wieder bergauf – wir waren schon fix und fertig. Doch was kann ein Mensch alles leisten, wenn er nicht im Wald übernachten will?

Schließlich folgten wir den gelben Schildern hinauf zum Kogelberg – das war unsere Rettung. Dadurch, dass wir uns verlaufen hatten, entdeckten wir ein besonderes Naturjuwel: den Rohrenbacher Kogel. Dankbar, wieder am Waldrand zu sein – noch dazu in der richtigen Richtung – ließ ich mich großmütig stimmen, und Gregi durfte noch einige Zeit ein Knabenkraut fotografieren. Ein Traum von einer blühenden Wiese.

Recht beschwingt marschierten wir den Hügel hinunter. Zwischendurch trafen wir wieder auf die noch immer hyperaktiven Krähen. „Die sieben Raben“ heißt ein Märchen – siebenhundert Krähen träfe es wohl eher. Je näher wir Rohrbach kamen, desto mehr Menschen begegneten uns, die einen Abendspaziergang auf den Kogel machten. Bald entdeckten wir das Bad – ein Glück auch. Nach 37.539 Schritten taten meine Zehen schon etwas weh.

Die Rohrenbacher Teichwiesen sowie der Rohrenbacher Kogel und der Wiesenberg sind mit bestem Gewissen zu empfehlen. Das Öde Kloster ist ebenfalls äußerst sehenswert – ich würde jedoch diese beiden Highlights nicht mehr in einer einzigen Wanderung kombinieren … und wenn doch, dann zumindest mit Wanderkarte.

Burgenland ist so schön und besonders – die Landschaften haben es verdient, in „Langsamkeit“ entdeckt zu werden. Gut, es gibt einige Weitwanderwege wie den Bernstein Trail oder den alpannonia-Weitwanderweg … doch Wanderungen zwischen neun und vierzehn Kilometern – vorzugsweise als Rundweg – wären für uns Normalsterbliche auch ganz angenehm. Besonders, wenn sie ausreichend beschildert wären. Vielleicht erlebe ich es noch, dass dieses einzigartige Bundesland beginnt, seine wunderbaren Naturschauplätze und interessanten kulturellen und historischen Stätten besser durch Wanderwege zu erschließen. Träumen darf man ja noch, oder?

 

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