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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg |
15 km |
28 HM |
3:45 h |
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Start: |
Deutsch Goritz |
Kirche |




Mitte Februar war es und wir hatten uns in den Süden der Steiermark aufgemacht, um den Frühling zu suchen. Und wie soll ich sagen: Wir haben ihn gefunden.
Wir starteten unsere Wanderung bei der Kirche von Deutsch Goritz und diese hat eine sehr interessante Geschichte. 1783 war es bereits vorgesehen gewesen, in Deutsch Goritz eine Kirche zu gründen – dazu war es vorerst einmal nicht gekommen. 65 Jahre später gab es dann Verhandlungen über den Bau einer Messkapelle. Weitere 21 Jahre später erlaubte das Ordinariat Graz, eine Kapelle zu bauen, was die Bevölkerung so nicht wollte. Immerhin wollte man eine Pfarrkirche haben, keine kleine Kapelle – groß war der Eifer beim Bauen nicht. Es kam zu einigen Ermahnungen, und siehe da, 20 Jahre später war die Kapelle endlich fertig. Fünf Jahre später, 1894, setzten sich die Geschwister Gollmann dafür ein, einen ständigen Seelsorger in den Ort zu bekommen. Nötigenfalls würde man ein Kloster bauen. Und 1902 war es endlich so weit: Kloster und Kirche wurden feierlich eröffnet, der Orden der Kalasantiner zog ein und 1928 war Deutsch Goritz sogar eine eigene Pfarre. Die Kirche von Deutsch Goritz sollte besonders sehenswert sein, hatte ich gelesen. Gemälde im Beuroner Stil seien zu bewundern.
Als wir in Deutsch Goritz ankamen, war gerade Gottesdienst. Die Bilder würden wir besser ein andermal ansehen, beschlossen wir und marschierten in Richtung Weixelbaum los. Nach circa 700 Metern bogen wir in die Betriebszufahrt der Peterquelle ein. Auf der linken Seite gab es eine riesige Weide mit Hochlandrindern, auf der rechten Seite begrüßte uns freudig wedelnd ein Hund. Sein Kollege war bei Weitem nicht so fröhlich drauf, wurde aber zum Glück von einem Zaun davor gehindert, uns von „seinem Revier“ zu vertreiben. Haushoch stapelten sich die Leerkisten vor dem Betriebsgelände der Peterquelle, allzu stabil sahen die Kistentürme nicht aus. An einem Getränkeautomaten vorbei – und schon betraten wir ein absolut idyllisches Gebiet.
Alles fließt – glaubt man: Bächlein und noch ein Bächlein. Und ganz, ganz viele Frühlingsknotenblumen. Ein junger Mann stand nachdenklich zwischen den weißen Frühlingsboten und sinnierte, ob sich diese Pflanzen gut in seinem Garten machen würden. Bitte nicht. Diese Frühblüher wachsen nicht umsonst so üppig in diesem Gebiet. Hier ist für sie der optimale Standort, wo sie sich so richtig wohlfühlen. Und wenn man sich vorstellt, dass jeder Wanderer Pflänzchen ausgräbt und mit nach Hause nimmt – dann ist von dieser Pracht hier bald nichts mehr zu sehen.
Eine Gebirgsbachstelze hüpfte fröhlich am Ufer entlang, die mussten wir natürlich fotografieren. Ebenso die Krokusse. Doch dann ging es weiter nach Salsach. Bei der Bundesstraße hätten wir eigentlich nach rechts abbiegen müssen, wir entschlossen uns allerdings dazu, noch einen Abstecher in den Ort Salsach zu machen, um die „Träne von Salsach“ zu besichtigen. Hübsch angelegt ist der Teich und ganz viele neugierige Kois tummeln sich darin. Diesen Teich soll es schon lange geben, das Dorf war wie ein Ring darum gebaut worden. Salsach hat auch eine ganz originelle Chronik. Verfasst worden war sie 1924 von Anton Puntigam. Da stehen so lustige Sachen wie: „Das Dorf gilt als wohlhabend. Es hat keine Armen zu versorgen und hat noch niemals Umlagen (= Schulden) gehabt, wessen sich kein anderes Dorf im Bezirk Mureck rühmen kann.“
Wir kehrten nun wieder um, um der Bundesstraße und dem ursprünglichen Wanderweg zu folgen. Gut – ganz genau folgten wir den Wegweisern nicht. Anstatt vor der Brücke rechts einzubiegen, überquerten wir die Brücke sowie die Kreuzung, um durch den Hof des Bauernhauses in den Wald zu gelangen. Der „Jaun“ ist ein Feuchtgebiet und im Vorfrühling das Paradies schlechtweg. Wir mussten richtig gut aufpassen, um auf keine der hübschen Blumen zu treten. Rechts neben mir war der Hang ganz blau – so viele Krokusse wuchsen hier. Links, im sumpfigen Teil des Waldes mit dem verzweigten Bächlein, waren die Frühlingsknotenblumen. Eine Pracht.
Der Kailash ist ein heiliger Berg in Tibet. Ich hatte einmal eine Dokumentation gesehen, wo Pilger den Weg mit ihrer Körperlänge ausmaßen, also sich immer wieder niederwarfen. Wir sind weder Buddhisten noch Hinduisten, noch waren wir auf einem felsigen Berg, sondern im Flachland (in einem Feuchtgebiet). Doch auch wir warfen uns immer wieder auf die Erde – bei so vielen wunderbaren Fotomotiven. Wir haben zum Glück eine funktionierende Waschmaschine. Das hatte es früher leider nicht gegeben. Dazumal wuschen die Leute ihre Wäsche zum Teil am Bach – in Ratschendorf heißt eine Stelle am Bach treffenderweise noch „Die Wäsch“.
Ratschendorf hat ein nettes Gasthaus und ein Römermuseum, beides hatte leider an dem Sonntag, an dem wir unterwegs waren, geschlossen. Wirklich schade. Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, war früher eine Tiefkühlgemeinschaftsanlage gewesen. Unsere Tiefkühltruhe wird niemals so eine Karriere machen. Neugierig wäre ich schon auf das Museum. In der Nähe von Ratschendorf, im Wäldchen, welches sich „Hügelstaudach“ nennt, hatte man zahlreiche Hügelgräber gefunden. 1987/88 konnten mehrere intakte Gräber freigelegt werden. Kräftige Bäume wachsen jetzt auf den Hügelgräbern und beschützen sie mit ihren mächtigen Wurzeln.
In Ratschendorf hat man die Möglichkeit, über die Bundesstraße nach Deutsch Goritz zurückzukehren (dauert circa 15 Minuten), oder man geht noch die zweite Schleife nach Maria Helfbrunn. Maria Helfbrunn sollte schon in keltischer Zeit ein heiliger Platz gewesen sein. Die Kapelle steht auf der oberen Seite der Geländekante. Ich stand vor der Kirche und sah den angrenzenden riesengroßen Mastbetrieb. Dieser Ort hat leider seine Magie verloren. Über Treppen kletterte ich dann die Geländekante hinunter und erreichte die Heilquelle. Das Wasser sollte gut für die Augen sein, gegen Warzen angewendet werden und den Innereien wohltun. Über eine Asphaltstraße wanderten wir entlang der Geländekante zurück zur Bundesstraße und fanden diese Schleife wenig reizvoll.
Mein Tipp wäre es, von Ratschendorf aus die Mostschenke „Pechmanns alte Ölmühle“ zu besuchen. Ein Sammelsurium von alten landwirtschaftlichen Geräten, Fliegern, Militärfahrzeugen, Rädern etc. und die Heimat von Büffeln, Alpakas, Kamelen und Dromedaren.
Auch der Abstecher zu den Hügelgräbern im Wäldchen „Hügelstaudach“ ist zwar nicht unbedingt sensationell, allerdings doch sehr interessant.



























