Anger – Schloss Külml-Runde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 9,1 km98 HM2:30 h
    

Start: Bad Anger

Anger hat einige tolle Wanderwege zu bieten. An einem sonnigen, aber kalten Jännertag entschlossen wir uns, die Ruine Waxenegg und das Rauchstubenhaus zu besuchen. Wir parkten das Auto beim Pendlerparkplatz gleich unter der Brücke beim Schwimmbad. Dann gingen wir den hübschen Ort hinauf und wollten schon die Stiegen hinaufsteigen, die in den Wald führten, als wir lasen, dass das Rauchstubenhaus geschlossen hatte.

Also Plan B: eine Wanderung zum Schloss Külml und zur Ulrichskapelle.

Wir gingen wieder den Ort hinunter, bewunderten das alte, ehrwürdige Steinpeißhaus mit seinem sehenswerten Sgraffitoschmuck an der Fassade. Dieser ehemalige Verwaltungssitz der Stubenberger Dienstmannen beherbergt heute ein Museum („Mystische Unter- & Oberwelten“). Das Steinpeißhaus, das älteste Gebäude in Anger, ist mit der Kirche verbunden.

Ursprünglich war die Kirche, die dem Heiligen Andreas geweiht ist, ein romanisches Gebäude aus dem 12. Jahrhundert mit Wehrcharakter. Von 1708 bis 1711 wurde dann praktisch ein neuer Kirchenbau errichtet. Der Baumeister Lorenz Stattaler stammte aus Sankt Ruprecht an der Raab.

Beim Schwimmbad Anger startete dann die „Schloss-Külml-Runde“. Zuerst gingen wir in Richtung Fresen. Bei einem bunten Bildstock mussten wir dann in Richtung der Schulen gehen, bei der Mittelschule rechts abbiegen und durch eine Unterführung in Richtung Feistritz wandern.

Rechts neben uns lagen urige Schrebergärten, später wanderten wir auf vereisten Wegen entlang des Flusses. Der Himmel war tiefblau, einige weiße Wolken schmückten ihn, und die Wälder auf den Bergkuppen um uns herum waren weiß vom Reif.

Ein Blick zurück nach Anger: Vorne der wunderbare Garten mit seinen Nussbäumen, zwischen deren Zweigen die Andreaskirche hervorlugte, dahinter der Hohe Zetz. Links von mir konnte ich das Bergwerk auf dem Rabenwald sehen. Das Bergwerk, die weißen Bäume, der tiefblaue Himmel – darüber flogen einige große, schwarze Vögel in Richtung Rabenwald. Wie in einem Märchen. Ob das die sieben verzauberten Brüder waren, die darauf warteten, von ihrer Schwester erlöst zu werden?

Das Bergwerk auf dem Rabenwald baut Talk und Leukophyllit (Weißerde) ab. Talk wird von der Industrie stark nachgefragt. Die Autoindustrie verwendet ihn für Kunststoffteile, außerdem wird er bei Farben und Lacken eingesetzt. Doch auch auf unsere Haut kommt dieser Wunderstoff in Form von Rouge oder Babypuder. Auf dem Rabenwald befindet sich das größte Talkvorkommen Europas.

Wir marschierten unter der Materialseilbahn hindurch und hielten uns nun in Richtung Töchterlehof – dem bekannten Gestüt in Oberfeistritz. Die Straße neben dem hölzernen Riesenpferd mussten wir hinaufsteigen. Die wenig befahrene Asphaltstraße führte den Külmlberg bergauf, über die Gleise der Schmalspurbahn, und schließlich erreichten wir das Schloss Külml.

Die Stubenberger Ritter hatten bereits im 14. Jahrhundert einen Ansitz auf diesem „kleinen Kulm“. Dieser war vermutlich noch nicht so prächtig wie das Schloss, das wir nun betrachteten. Es wirkte sehr gepflegt und freundlich mit seinen Mosaikzierfeldern unter den Fenstern: Hirsche, Herzen und Blumenvasen mit Blüten. Heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz. Im 17. Jahrhundert erholten sich hier die Augustiner-Chorherren aus dem Stift Pöllau.

Die Mönche sind wohl auch des Öfteren den Hügel weiter hinaufgestiegen, zur Ulrichskapelle auf dem Gipfel des Külmls. Diese Kapelle existierte bereits vor dem Schloss. Steil geht der Weg bergauf, doch er lohnt sich. Da wir im Jänner unterwegs waren und die Bäume kein Laub trugen, konnten wir schön auf den großen Bruder des Külmls blicken – den Kulm.

Ich war erstaunt über die Größe der Kirche auf dem Gipfel des Külmls; ich hatte eigentlich nur mit einer kleinen Kapelle gerechnet. Ich umrundete sie. Man konnte sogar noch die Gerüstlöcher erkennen. In einem dieser Löcher hatte ein Vogel sein Nest gebaut. In Richtung Anger gab es kein Fenster – diese befanden sich ausschließlich in Richtung Kulm. Und unter diesen Fenstern stand eine Bank an der Kirchenmauer, die sehr einladend wirkte. Ein wohltuender Ort, sehr ruhig, abgesehen von einem Raben, der mit seiner tiefen, kehlig klingenden Stimme seine Anwesenheit verriet.

Mich würde es nicht wundern, wenn schon in sehr frühen Zeiten hier eine Siedlung bestanden hätte. Nur schweren Herzens trennten wir uns von diesem wunderbaren Fleckchen Erde.

Beim Abstieg ins Tal hatten wir immer den Kulm im Blick. Erinnerungen an unsere Jugend kamen auf, als wir bei der „Disco Jackson“ vorbeikamen. Ich weiß nicht, ob es diese Diskothek noch gibt – vor über 30 Jahren war sie jedenfalls ein beliebter Jugendtreffpunkt.

Hier mussten wir rechts abbiegen, kurz darauf links, und schon ging es wieder entlang der Feistritz. Der Fluss war gestaut, und viele Vögel tummelten sich am Ufer. Kleine, flinke Federbällchen – mit ihrer Geschwindigkeit kamen wir mit unseren Kameras einfach nicht mit.

Tiefenentspannt war hingegen ein Gänsesägerpärchen. Er im herrlichen Balzkleid: weißer Körper, grünlich schimmernder Kopf und eine tadellose Frisur mit exakt anliegendem Schopf. Sie wirkte dagegen etwas wuschelig. Ihre Kopffedern erinnerten ein wenig an eine Sturmfrisur – eine braune, abstehende Haube. Beide schwammen im eiskalten Wasser und tauchten ihre Köpfe immer wieder unter. Offenbar gab es hier gute Fischlein. Schließlich gaben die beiden die Jagd auf und widmeten sich der Gefiederpflege – er im Wasser, sie auf einer kleinen Eisfläche. Ausgiebig rieb sie ihren Kopf an der Bürzeldrüse; schließlich müssen die Federn das Wasser abweisen können.

Nicht nur die Vögel fühlen sich an der Feistritz wohl, auch der Biber ist hier heimisch. Und wie fleißig dieser Nager ist! Wir sahen zwar die Stellen, an denen er sein Baumaterial geholt hatte, seine Burg entdeckten wir jedoch nicht.

Dafür sahen wir ein menschliches Bauwerk der Meisterklasse: ein Bahnviadukt. Hoch ragen seine Bögen auf, und das Viadukt beschreibt sogar eine leichte Kurve. Eine Zeit lang gingen wir den bekannten Weg zurück, dann mussten wir erneut durch eine Unterführung und waren nun neben den Gleisen der Schmalspurbahn unterwegs. Gefällte Bäume lagen auf den Schienen.

Schließlich erreichten wir wieder die Schulen, und schon waren wir zurück am Ausgangspunkt.

In Anger gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten. Besonders gerne kehren wir beim „Thaler“ ein.

 

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