















Mühlgraben ist die kleinste Gemeinde im Bezirk Jennersdorf und hat nicht viele Einwohner. Laut der Website der Gemeinde Mühlgraben sind es 382. Im Beiheft meiner Wanderkarte, welche wahrscheinlich 2017 gedruckt wurde, wird die Einwohnerzahl noch mit 410 angegeben.
Die Anreise nach Mühlgraben ist nicht ganz einfach. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, kommt man nur über schmale Gemeindestraßen dorthin.
Aber man soll sich nicht täuschen lassen: Mühlgraben hat einen äußerst aktiven Fußballclub, der in der II. Liga Süd spielt (2. Tabellenrang). Ebenso findet man einen Tennisplatz und natürlich auch eine tüchtige Feuerwehr.
Am 1. Juni 2025, als wir diese Wanderung unternahmen, gab es ein Feuerwehrfest in Mühlgraben. Ein beachtenswertes Jubiläum wurde gefeiert – 101 Jahre Feuerwehr Mühlgraben. Zelte waren aufgebaut, hübsch gedeckte Tische, Blasmusik. Man kann viel leisten, wenn man zusammenhält.
Wir wollten den im Vorjahr eröffneten Erlebnisweg erwandern. Wie viele Kilometer er hat, konnte ich leider nicht eruieren. Auf der Schautafel gab es keine Angaben, auch in Bergfex, Komoot oder Outdoor ist der neue Weg noch nicht zu finden. Die früheren Themenwege „Wildwechsel“ und „Lebensweg“ sollten bei dieser Wegführung irgendwie integriert worden sein.
Die Wanderung startet beim Parkplatz im Zentrum des Ortes. Rechts gibt es ein ganz originelles Pub, davor steht der weltberühmte Wappenvogel der irischen Biermarke Guinness: der Tukan. Das Pub hat zwei Türme, auf einem ist ein Kreuz befestigt. Und zu Mittag läutet in diesem Turm eine Glocke, ganz wie in einer richtigen Kirche. Mühlgraben ist wirklich ein originelles Dorf!
An der Volksschule vorbei geht es aus dem Dorf bis zum Wald. Da beginnen dann die sehr liebevoll gestalteten Schautafeln. Wir folgten dem Forstweg bergauf, wunderbar riesige Farne säumten den Weg. Auch die Bäume, die hier wachsen, sind mächtig. Die Schautafeln erzählen vom Werden des Lebens. Vor zirka 15 Milliarden Jahren soll der Urknall gewesen sein. Vor 4,5 Milliarden Jahren ist unsere Erde entstanden, und eine weitere Milliarde Jahre hat es dann gedauert, bis sich Leben auf die Erde verirrt hat.
Die Tafeln erzählen, wie neue Arten die Bühne betraten, aber auch von den Phasen, in denen es zu einem Massensterben der Arten gekommen ist. Noch ein Stückchen bergan führte der Weg vor einem Bauernhaus links im Wald weiter. Welche Artenvielfalt dieses Stückchen Erde bietet, konnten wir besonders gut am nächsten Wegabschnitt sehen. Eine blühende Wiese, Grillen zirpten um die Wette, Schmetterlinge und anderes Getier flatterten in der Gegend herum. Der Wegrand wurde von Edelkastanien, Hainbuchen, Eichen und anderen Bäumen gebildet. In den Ästen versteckten sich die Vögel. Nur lautes Gezwitscher war zu hören.
Man hat den Weg für Kinder besonders interessant gestaltet und einige Erlebnisstationen eingebaut. Vor uns war eine Art Sandkasten. Man sollte probieren, wie weit man springen konnte – wie eine Maus oder wie ein Marder … oder doch etwas weiter wie ein Eichhörnchen … oder war man so sportlich wie das leichtfüßige Reh? Ich landete zwischen Maus und Marder. Zu meiner Verteidigung muss ich jedoch sagen, dass ich am Rücken einen Riesenrucksack trug und um den Hals eine schwere Kamera hängen hatte.
Nach meiner sportlichen „Höchstleistung“ rastete ich auf einer der zwei bereitgestellten Holzliegen. Über eine Waldkuppe führte der Weg hinab zu einer Lichtung, die durch große und weniger große Glockenblumen richtig aufgehübscht wurde. Die Holunderblüten verbreiteten ihren süßen Duft, und natürlich fühlten sich hier viele Insekten richtig wohl.
Wir tauchten wieder in den Wald mit seinen nun riesig hohen Bäumen ein. In einer Senke gab es eine Quelle, ein kleiner Bach sprudelte weiter. Zwei Amseln rauften im Flug – auch zwei Spechte schienen aneinandergeraten zu sein. Wir konnten eine wütende Verfolgungsjagd erleben.
Der Pfad wurde ganz schmal, und nun ging es steil bergab. Tafeln informierten über Flusskrebse, Milzkraut, Schachtelhalm und Feuersalamander. Vor einigen Jahren waren wir hier schon einmal unterwegs (zu diesem Zeitpunkt hieß der Themenweg noch Lebensweg). Dazumal konnten wir Feuersalamander-Babys beobachten. Heuer war leider beinahe kein Wasser im Bach.
Eine Schautafel beschäftigte sich damit, wann Singvögel in der Früh ihren Gesang anstimmen. Da gibt es ganz genaue Regeln, nach denen man nahezu die Uhr stellen kann. Wer einen Gartenrotschwanz vor seinem Zimmerfenster wohnen hat, darf kein großer Morgenmuffel sein: 80 Minuten vor Sonnenaufgang ist das Vögelchen schon zum Musizieren aufgelegt.
Schattig geht es neben dem Bächlein entlang. Diese Wanderung eignet sich bestens auch für warme Sommertage, da sie fast ausschließlich im Wald verläuft. Vor einem Teich mit einem hübsch gestalteten, kecken Frosch gibt es dann noch ein Gästebuch zum Eintragen. Doch keine Angst, der Lehrpfad ist noch nicht zu Ende.
Links geht es nun den größeren Mühlgrabenbach entlang. Bei unserem Besuch hatten die Robinien gerade ihre weißen Blütenblätter abgeworfen, und das sah wirklich sehr romantisch aus. Die Thematik der Schautafeln befasste sich mit der Wasserqualität. Findet man im Wasser Flusskrebse, dann darf man getrost annehmen, dass das Wasser vorzüglich ist – Wasser mit Rotalgen sollte man besser meiden.
Beim Tennisplatz gibt es wieder eine Brücke, und man kann zu einem hübschen Teich gelangen. Ein Teichfrosch nahm gerade Gesangsunterricht – er klang etwas frustriert. Schilf und gelbe Sumpfschwertlilien rahmten das Gewässer ein.
Wir hatten unsere Runde geschafft. Schnell die Rucksäcke verstaut und ab zum Feuerwehrfest.
Fazit: Wunderbare Wegführung und liebevoll gestaltete Schautafeln. Besonders gut für Kinder geeignet (jedoch nicht mit Kinderwagen). Da man fast immer im Schatten unterwegs ist, ist diese Wanderung auch an heißen Tagen gut zu bewältigen.
Im „Burgenlandbuch“ von Karl Lukan habe ich einmal gelesen, dass das Neuhauser Hügelland laut einem „Burgenland-Führer“ aus dem Jahr 1932 als „lieblichster Winkel des Burgenlandes“ bezeichnet wurde. Ich kann bestätigen, dass diese Gegend sehr idyllisch ist.
Die Gemeinde Mühlgraben gehört zum Naturpark „Raab-Örség-Goričko“. Dieser Naturpark ist der einzige trilaterale Naturpark in Europa. Wie oben schon erwähnt: Man kann viel schaffen, wenn man nur zusammenhält.






























