Peggau Märchenweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Peggau Ort

7,4 km

178 HM

2 h

       

2023 haben wir den Märchenweg in Peggau aus purem Zufall entdeckt. Eigentlich waren wir losgezogen, um die Badlschlucht zu erkunden. Wir stiegen damals beim Wanderparkplatz aus (und wunderten uns, dass wir praktisch alleine dort waren), bis wir dann die Schilder sahen, dass die Badlschlucht gesperrt war (Stand 2025 – sie ist noch immer nicht zugänglich). Also suchten wir kurzfristig über Bergfex eine andere Wanderung in der Umgebung und stießen dabei auf den Märchenweg. Und weil uns der Weg damals so gut gefallen hat, entschlossen wir uns an einem heißen Augusttag, diese Wanderung noch einmal zu machen.

Die Runde startet normalerweise bei der Semriacher Lurgrotte (für Kinder kann man ein Büchlein für die Wanderung erwerben). Die Lurgrotte ist die größte Tropfsteinhöhle in Österreich. Sie hat zwei Zugänge: einen in Semriach und einen in Peggau. Früher konnte man die Höhle von Semriach bis Peggau durchqueren. Dann gab es in den 1970er-Jahren ein Hochwasser – und jetzt kann man eben nicht mehr ganz durch. Bei der Peggauer Lurgrotte gibt es außerdem ein Museum. Dort kann man Funde aus der Umgebung bestaunen: den Schädel eines Höhlenbären, Steinwerkzeuge, ein Schwert aus der Mur etc.

Das Gebiet ist seit der Steinzeit durchgehend besiedelt. Im Kalkgestein gab es viele Höhlen – die Repolusthöhle im Badlgraben, die Große Badlhöhle, das Zigeunerloch, die Drachenhöhle von Mixnitz und auch die Höhlen vom Kugelstein. Die Funde aus diesen Wohn- und Kulthöhlen haben das Archäologiemuseum in Graz Eggenberg sehr bereichert.

Steht man im gewaltig großen Höhlenportal der Peggauer Lurgrotte, kommt einem ein kalter Luftzug aus dem Berg entgegen (drinnen hat es sowohl im Sommer als auch im Winter 10 Grad Celsius). Geht man jedoch links zu der Höhle mit den Museumsstücken, dann kommt es einem dort fast schon richtig heimelig vor. Unter dem mächtigen Höhlenportal gibt es außerdem eine kleinere Höhle, aus der der Lurbach strömt. Vor diesem Wasseraustritt befindet sich ein hübsches, natürliches Wasserbecken.

Die Wanderung führt durch den Ort Peggau. Zwei Kirchen stehen hier nebeneinander: eine uralte, gotische katholische und eine neuere evangelische. Die katholische Kirche wurde im 14. Jahrhundert von Margarethe von Pfannberg gestiftet – als Patronin der Kirche wurde daher die heilige Margarethe eingesetzt. Von ihr gibt es ein Altarbild, außerdem soll es in der Kirche auch ein Bild der heiligen Barbara geben. Es fehlt also nur noch die heilige Katharina, und schon wären die „Heiligen drei Madeln“ vereint.

So viele Frauen in der männerdominierten Kirche – das hat für mich den Anschein, dass sich der alte Glaube an eine Muttergottheit recht lange gehalten hat.

Die Alte Landstraße ist schmal – zwei Autos kommen hier fast nicht aneinander vorbei. Doch damals, als diese Straße noch ein wichtiger Verkehrsweg war, stellte das wohl kein so großes Problem dar. Links erhebt sich die Peggauer Wand. Die steile Kalkfelsenwand mit ihren unzähligen Höhlen bietet vielen Tieren ein großartiges Zuhause. Die spektakulärsten Vertreter sind dabei Fledermäuse, der Uhu oder auch Wanderfalken.

Die Alte Landstraße liegt etwas höher – so war sie wohl gut vor Hochwasser geschützt, glaube ich zumindest. Bänke und eine große Wandertafel zeigen an, wo der Rundweg in den Wald abzweigt. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf eine riesige, märchenhafte Wiese, dahinter eine extrem steile Felswand, und darauf thront die Burgruine Peggau.

Im 12. Jahrhundert wurde sie erbaut und im 13. Jahrhundert bereits zerstört (Adelsverschwörung gegen den böhmischen König Ottokar II.). Bald darauf wurde sie wieder aufgebaut und hatte viele verschiedene Besitzer, darunter prominente wie die Grafen von Montfort. Vielleicht war einer von ihnen ein Alchemist, denn in der Burgruine wurde ein besonders hoher, sechseckiger, pyramidenförmiger Rauchfang gefunden, der jünger war als die Mauern um ihn herum. Ein Alchemist soll auch Georg Amelreich von Eibiswald gewesen sein. Er war kein guter Mensch. Die Bauern hatten unter ihm sehr zu leiden. 1641 ließ er einen Viehhirten im Turm einsperren, wo der arme Mann schließlich erfror. Ich nehme an, dass die Peggauer richtig froh waren, als die Burg 1652 vom Stift Vorau gekauft wurde.

Vorau liegt doch recht weit von Peggau entfernt, daher benötigte man einen Verwalter für die Besitzungen. Dieser wohnte zunächst in der Burg. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Peggau ein neues Amtshaus errichtet, in dem der Verwalter sicherlich weitaus komfortabler wohnen konnte. Die Burg wurde daraufhin dem Verfall überlassen.

Ich nehme an, dass der Verwalter damals recht gerne in das neue Amtshaus umgezogen ist. Doch es gibt Menschen, die Burgen so sehr lieben, dass sie alle Nachteile und Unbequemlichkeiten dieser alten Bauwerke vergessen und dort wohnen wollen. So auch in der Burgruine Peggau, wo heute ein rotes Holzriegelhaus auf dem Ruinenareal steht.

Genug von der Burg – zurück zu unserer tollen Wanderung. Wir schnauften ordentlich über einen felsigen Pfad bergauf. Es roch wieder einmal ganz himmlisch nach Zyklamen, die sich hier extrem wohlzufühlen scheinen. Irgendwann kamen wir zu einer Forststraße – und dort hätten wir eigentlich bergab gehen sollen. Haben wir aber nicht. Wir querten die Forststraße und folgten der rot-weißen Wandermarkierung bergauf in den Wald. Es war keine schlechte Entscheidung, denn so hatten wir die Möglichkeit, die Burgruine von oben zu besichtigen.

Ein wunderbarer Wanderweg mit Bänken und toller Aussicht führte uns bald an einem tiefen Graben mit einem Bach entlang. Da wir jedoch vom Märchenweg weit abgekommen waren und laut Wetter-App nur noch eineinhalb Stunden trockenes Wetter zu erwarten waren, suchte ich nach einer Abkürzung – und fand sie in Form eines unmarkierten Forstweges (rechts abbiegen). Dieser führte uns zu einer Asphaltstraße, der wir zügig nach unten folgten. Dabei erhaschten wir wieder tolle Blicke auf die Burgruine, bis wir plötzlich direkt vor ihr standen. Das Betreten des Geländes ist verboten – verständlich. Wer will schon neugierige Wanderer im eigenen Hausgarten haben?

Der Straße folgten wir noch ein kurzes Stück bergab, dann entdeckten wir eine Wandertafel und bogen rechts in den Wald ein, an einem Stacheldrahtzaun vorbei, und HALLELUJA – wir waren wieder auf dem Märchenweg. Und zwar auf einer ganz besonders schönen Etappe: dort, wo der Mitterbach über eine hohe Felswand in die Tiefe stürzt. Wir standen unterhalb des Wasserfalls und genossen die kühle, feuchte Luft.

Über eine Brücke gelangt man zu einem wunderschönen Picknickplatz mit Bänken. Da ich nun wusste, dass wir bald wieder in der sicheren Zivilisation mit wetterfesten Gasthäusern sein würden, hatte ich auch die Muse, mich hinzusetzen und zu genießen.

Wir marschierten weiter an einem idyllischen Bauernhof und beim Eisschützenverein vorbei und erreichten schließlich trocken und mit großem Eishunger den Ort.

Da wir die Märchenrunde nicht korrekt gegangen sind, haben wir leider das Marienbründl nicht gesehen. Dafür hatten wir sozusagen einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Burgruine, was uns ebenfalls sehr gut gefallen hat. Egal, welche Variante man hier wählt – beide sind wirklich interessant und wunderschön.

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