Distanz | Höhenmeter | Dauer | |
Hainburg Donaulände | 4,5 km | ? HM | 1,5 h |




Wir sind eigentlich Morgen- und Vormittagswanderer. Doch wenn man nach der Anreise zu einem Urlaubsort erst nachmittags wandernd unterwegs sein kann, dann sucht man sich halt auch kleinere Runden aus. Und diese können durchwegs sehr interessant und äußerst sehenswert sein. So auch diese kleine Tour zur Ruine Röthelstein.
Wenn Mörath’s Urlaub machen, spielt das Wetter normalerweise verrückt. Kälteeinbrüche und Regen sind die Regel. Doch in Hainburg war es anders. Wir waren im Oktober 2023 dort, und wir sahen Kinder in der Donau baden. Gut – man könnte auch in diesem Fall behaupten, dass das Wetter verrückt spielte.
Der Panoramaweg startet in der Hainburg-Donaulände. Gemütlich begleiteten wir den Strom in Fließrichtung. Der Pfad wurde schmäler, ganz romantisch waren die beiden Felsdurchbrüche. Bald befanden wir uns im Auwald. Knorrige Bäume, rechts der Hang des Braunsbergs, links die Nebenarme der Donau. Brachiges Wasser und Enten, die sich darin badeten. Es ist ein romantischer Steg, der irgendwann in einen breiteren Weg mündet. Und dann sahen wir sie – die Stufen, die zur Ruine Röthelstein hochführten.
Bei der Ruine sollten Schlangen hausen. Daher verließ ich den vorgesehenen Pfad zur dem verfallenen Gebäude nicht. Da hätte man sich die Schilder ruhig sparen können, die darauf hinwiesen, dass das Betreten des Geländes abseits des Weges nicht gestattet sei.
Röthelstein wurde zwischen 1156 und 1220 errichtet. Der Standort der Burg war hervorragend – rechts auf österreichischer Seite der Braunsberg, links der Thebener Kogel auf der damals ungarischen Seite. Dazwischen hatte sich die Donau einen Weg gesucht – der Durchbruch der Donau, die Porta Hungarica. Dreißig Meter ist der Burgfelsen hoch, der einst von der Donau umflossen wurde.
Irnfriedus de Heimenburg (wie toll dieser Name doch klingt) ließ die Burg bauen. Er mochte seinen Namen scheinbar nicht sonderlich, denn er ließ sich später in Irnfriedus de Roetilnstein umbenennen. Irnfriedus war ein bedeutender babenbergischer Adeliger. Und er war clever. Er hatte nicht nur für seine Burg eine tolle Stelle gefunden – die Auwälder der Umgebung boten ihm reichlich Wild, die Donau hatte viele Fische, und man konnte bei der Donauüberfahrt zum gegenüberliegenden Theben recht gut verdienen –, er fand auch günstiges Baumaterial, schön bearbeitet bereits und nicht weit zu transportieren. Und so wanderten fachmännisch behauene Quadersteine aus dem ehemaligen römischen Legionslager Carnuntum auf die Burgbaustelle.
Röthelstein wurde sehr repräsentativ. Der Bergfried hatte ganze fünf Stockwerke, und es gab sogar eine Vorburg. Die Herren von Röthelstein waren nicht arm, so konnten sie sich auch noch in der Stadt Hainburg den Götzenhof leisten.
Die Aussicht von der Burgruine ist schön. Von oben sieht man auf die Ruine Theben, den Auwald, auf die Seitenarme der Donau und natürlich auch auf den Strom selbst – der jetzt nicht mehr direkt unter dem Felsen strömt.
Zur Burgruine gibt es auch noch eine Sage: Neusonntagskinder können des Nachts Seltsames in der Ruine Röthelstein erleben – las ich und musste erst einmal nachschlagen, was ein Neusonntagskind ist.
Kinder, die an einem Monatsersten auf die Welt kommen, der zufällig auf einen Sonntag fällt, nennt man Neusonntagskinder. Und dann las ich auch noch, dass diese Kinder mit der Geisterwelt in Verbindung treten könnten, besonders, wenn zur Zeit ihrer Geburt auch noch Neumond ist.
Als Neusonntagskind geht man besser des Nachts nicht aus dem Haus. Und schon gar nicht auf eine alte Burgruine – auch nicht auf die Burgruine Röthelstein. Wenn doch, dann darf dieses Neusonntagskind Männern mit roten Mänteln und Kappen, Nonnen und Mönchen dabei beobachten, wie sie Quadersteine aus der Mauer brechen und in den Abgrund werfen. Ist das Neusonntagskind klug, zieht es sich spätestens zu diesem Zeitpunkt geräuschlos zurück … ansonsten erwartet es selbst der Abgrund. Soweit die Sage.
Mönche und Männer mit roten Mänteln und roter Kopfbedeckung … einige Menschen sehen darin die legendären Tempelritter, die in dieser Gegend auch Besitzungen gehabt hätten. Viele Kreuzfahrer haben Hainburg passiert, galt es doch als Tor zum Orient. Ob das so stimmt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Jedoch glaube ich kaum, dass Geister die schönen Quadersteine der Burg abgetragen haben. Diese Quadersteine, die ihren Ursprung eigentlich in Carnuntum hatten, wurden nämlich im 17. Jahrhundert an einen Pressburger Baumeister verscherbelt. Viele Quader sind daher für die armen Geister nicht übrig geblieben.
Doch zwischen dem Bau der Burg und dem Verkauf ihrer Steine im 17. Jahrhundert musste dieses Gemäuer recht viel erleben. Da gab es die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Habsburg und Ungarn, die den Aufenthalt in dieser Gegend recht ungemütlich und vor allem sehr gefährlich machten. Später siedelte sich der Söldnerführer Ledwenko mit seiner Truppe an. Da war das Gebäude ein recht komfortables Raubritternest, von wo aus man die Schiffe anhalten und plündern konnte. Das funktionierte bis 1458. Dann wurde es auch für die Räuber zu heiß, denn Erzherzog Albrecht rückte mit Sprengstoff an und vernichtete die einträglichen Sperren.
Der Wanderweg führt nun weiter bergauf, kurz vor der Braunsbergstraße zweigt man rechts ab. Man kommt zu einer wahrlich schönen Aussichtsbank mit Blick auf die Donau, und dann geht es weiter bergab zum Ausgangspunkt.
An der Donaulände gibt es das „Donau Cafe am Hainburg Beach“. Dort sind wir dann eingekehrt und haben es nicht bereut. Irgendwie bildet die Donaulände einen originellen Kontrast zur mittelalterlichen Stadt Hainburg mit ihrer beinahe 2,5 Kilometer langen Stadtmauer und den Toren. Die Donau ist zwar kein See oder gar das Meer – aber Leute können hier trotzdem baden (sogar im Oktober 2023) und eine Strandbar besuchen.
Als wir dann satt und zufrieden waren, verließen wir diesen neuen Teil von Hainburg, um ins Kloster zurückzukehren, dessen alte Mauern nun ein Hotel beherbergen.



















