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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg |
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400 HM |
4 h |
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Start: |
Kanzianiberg | Parkplatz Kletterpark |






















Diese Wanderung haben wir in mehreren Wanderbüchern angefunden, und lustigerweise sind die Angaben zu den Höhenmetern etwas unterschiedlich. In einem Buch sind es 300 HM, im anderen 400 HM. Wie dem auch sei: Die Wanderung ist sehr gut und leicht zu schaffen, und man benötigt nicht allzu viel Kondition … nur ein Stück auf dem Sepplweg ist etwas abenteuerlich und abschüssig.
Die Wanderung startet beim Parkplatz für den Klettergarten (Tagesticket kostete 2025 EUR 6,00). Der Kanzianiberg ist der größte Klettergarten Kärntens – wir hätten die Zufahrt trotzdem beinahe nicht gefunden. Mehrmals mussten wir umkehren, bis wir endlich begriffen, dass eine extrem schmale Asphaltstraße in Richtung Altfinkenstein die richtige Wahl war.
Schroff und steil ist der Kanzianiberg, wenn man vom Wanderparkplatz die steilen Wände hochsieht. Dohlen umflattern ihn mit hohlem Krächzen, riesige Gesteinsbrocken liegen in der Gegend herum. Unheimlich war es hier … wie auf dem Weg zur Hölle. Als wir aus dem Auto ausstiegen, hatte es gerade einmal 4 Grad Celsius, und irgendwie wunderte ich mich nun nicht mehr, wieso wir so ziemlich die einzigen Gäste waren, die das wunderbare Hotel (Karnerhof in Drobollach – sehr empfehlenswert) freiwillig für eine Wanderung verließen.
Wir marschierten zwischen den hohen Felswänden, welche dunkle Schatten warfen, und der Straße den Wanderweg bergauf. Plötzlich wurde es heller, die Felswände wurden niedriger, wir querten eine geschotterte Fläche, und nun begann der Weg lieblich zu werden. Neben uns gab es eine Wiese, und von dieser Seite sah der Kanzianiberg nur mehr wie ein Hügel aus. Ein hübscher Hügel mit einer Kirche. Eindeutig – so gefallen mir Berge besser.
Bei der Wanderwegkreuzung entschlossen wir uns, zuerst den Kanzianiberg über den Wanderweg zu besteigen. Ich nehme an, dass auch die frühen Siedler des Kanzianiberges schon auf dieser Seite nach oben gegangen sind. Gut, ganz nach oben waren wir dem Wanderweg dann doch nicht gefolgt. Irgendwann wechselten wir auf den Kreuzweg. Dieser sah sehr idyllisch aus, war jedoch weitaus steiler als der normale Wanderweg. Unter der Bergkuppe gibt es ein Dorfmuseum, das leider geschlossen hatte. Danach wurde es auf dem Kreuzweg wirklich sehr steil, und das letzte Stück zur Kirche mussten wir fast kraxeln. Egal, von welcher Seite man den Kanzianiberg besteigt – das letzte Stück zur Kirche ist überall extrem steil.
Oftmals wundere ich mich, was in manchen Wanderbüchern steht. Der Autor eines Wanderführers überlegte doch tatsächlich, ob es sich überhaupt auszahle, auf den Kanzianiberg zu gehen. Die Kreuzwegstationen hätten die Läden zu, und die Kirche sei ohnehin geschlossen. Man könne nur durch einen Schlitz in der Tür ins Innere sehen.
Wir sahen durch den Schlitz in der Tür, wir sahen die steilen Treppen, welche zu einem noch steileren Pfad hinunterführten, wir sahen uns die verblassten Gemälde auf der Außenseite der Kirche an, die Reliefs, den Opfertisch neben der Eingangstür und den enorm hohen Turm. Wir waren mehr als beeindruckt. Wer um alles in der Welt hatte die Energie, auf diesem steilen Berg eine so große Kirche zu bauen? Und wer hatte das ganze Baumaterial hier heraufgeschafft?
Wir waren beim Aufstieg über den bequemeren Altweg ins Schwitzen gekommen, so steil und steinig war er. Ich stellte mir die Menschen vor, die das Material und das Werkzeug auf den Berg getragen hatten. Vor gar nicht langer Zeit musste wieder einmal jemand etwas Schweres heraufgetragen haben, überlegte ich mir (eine Zufahrt bis zur Kirche gibt es nicht), und betrachtete die Photovoltaikanlage, die aus dem Fenster des Turmes herauslugte. Es sah fast so aus, als würde der Turm dem Berg dahinter die Zunge zeigen.
Als ich meinem Vater von dieser Photovoltaikanlage erzählte, meinte er – klug, wie er ist: „Jetzt kann man doch alles mit Hubschraubern auf die Berge bringen – da braucht man nicht mehr schleppen.“ Vielleicht bin ich doch zu romantisch veranlagt. Doch damals, als man die Kirche baute, gab es diese Möglichkeit noch nicht. Und vor der Leistung dieser Menschen habe ich den allergrößten Respekt.
Wir stiegen dann noch weiter den Berg hinauf, sahen auf den Faaker See, nach Villach und auf die Karawanken. Später forschte ich auf der Landkarte nach, wie der Berg gleich hinter dem Kanzianiberg hieß. Dabei fiel mir etwas auf: Es gibt den Mittagskogel (den jeder an seiner Pyramidenform erkennt), aber auch den Kleinen Mittagskogel, den Mallestiger Mittagskogel, den Techantinger Mittagskogel und wahrscheinlich auch noch andere Mittagskögel. Jeder Ort hat wohl seinen Berg, über dem um 12.00 Uhr die Sonne am höchsten steht.
Doch zurück zum Kanzianiberg. Dieser war schon ganz, ganz früh besiedelt. Bereits in der Jungsteinzeit lebte man hier oben recht sicher. Die steilen Wände, welche heute als Klettergarten benutzt werden, schützten die Siedlung recht wirkungsvoll. Eigentlich ist der Berg nur von einer Seite zu begehen; darunter im Tal ist ein Morast. Ein Angriff von dieser Seite war auch nicht leicht. Und die Siedler haben ihre Spuren hinterlassen. Ein toller Fund war ein prähistorischer Tonstempel, der zum Auftragen von Farbe auf menschliche Körper benutzt wurde. Doch auch ein frühmittelalterliches Reliquienkästchen aus Elfenbein wurde gefunden – leider fehlte die dazugehörende Reliquie.
Gregi hat auf dem Kanzianiberg auch etwas gefunden – nämlich ein Geocache-Versteck (und das ohne Navigationsgerät und ohne gezielt nach einem Versteck zu suchen … alle Achtung!).
In Prospekten werden vor allem der Klettergarten, das Dorfmuseum und der Schaukalkofen beworben … doch die eigentliche Sehenswürdigkeit ist das Plateau auf dem Kanzianiberg mit seiner Kirche und dem alten Siedlungsplatz. Ein wunderbarer Ort, den man nur sehr ungern wieder verlässt.
Der Abstieg war anfangs wieder etwas steil, doch dann kamen wir auf den Wanderweg. Beim Wanderwegkreuz folgten wir nun den Pfeilen Richtung Altfinkenstein. Nun ging es durch den Wald, und links und rechts neben uns wuchsen hübsche Schneerosen. Die nächste Wegstrecke war weniger interessant, da sie auf der Straße verlief. Doch schon bald sahen wir sie, den nächsten Höhepunkt der Wanderung: die Ruine Altfinkenstein.
Vor der alten Festung gab es satte Wiesen und Bauernhöfe; sie selbst steht auf einem hohen, nackten Felsen. Wir hatten leider Pech: Das Burgstüberl war geschlossen, und die Ruine würde man erst ab Mai besichtigen können. Also weiter auf die Baumgartenhöhe über den Sepplweg.
Die Wiese war gekalkt, weiße Krokusse bildeten weitere helle Tupfer. Ein Steig führte dann den Berg hinauf, zuerst noch recht angenehm zu gehen, bis der Bach zu queren war. Jetzt wurde es richtig steil, und es gab keinen Weg mehr. Ein Teil des Pfades war wohl fortgeschwemmt worden. Dank Wurzeln konnten wir uns hochziehen, um wieder auf einen Wandersteig zu gelangen. Schließlich kamen wir auf eine Weide, die sehr abschüssig war. Doch auch diese Anstrengung schafften wir ohne zu murren, sahen wir doch eine Einkehrmöglichkeit – den Baumgartnerhof.
Unsere Zungen hingen schon fast bis zum Kinn; wir freuten uns richtig auf ein gutes Essen und noch mehr auf ein tolles Erfrischungsgetränk … „Dienstags geschlossen“.
Von der Baumgartenhöhe führen viele Wanderwege weg. Ein Weitwanderweg sollte (laut Beschreibungen ab März) über die Berge nach Slowenien führen. Wir sind keine Berggeher, und auf den Karawanken lag zu diesem Zeitpunkt eine Schneehöhe von 1,5 Metern. Also wieder hinunter – diesmal über eine Skipiste. Von oben hatten wir wenigstens eine herrliche Aussicht auf die Burgruine (welche wir vorhin nicht erkunden konnten) und den See dahinter. Nach dem Wildgehege kamen wir wieder auf die Asphaltstraße und marschierten den bekannten Weg retour.
Schön und beeindruckend war der Kanzianiberg … toll wären auch die Burgruine und der Baumgartnerhof gewesen, wären sie nicht geschlossen gewesen. Nächstes Mal machen wir diesen Ausflug ab Mai und ab mittwochs – wenn möglich. Dann könnte man die Wanderung durchgehend genießen.






























