Grafendorf Beisteinrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6,1 km

270 HM

2 h

       

Diese Wanderung haben wir in der Broschüre „Wandern – Unsere Wälder & Hügel im Garten Österreichs“ entdeckt. Diese Broschüre ist gratis und wurde vom Tourismusverband Oststeiermark herausgegeben.

Startpunkt der Wanderung ist das Hotel Wiesenhof. Laut Wanderführer würde man links neben dem Hotel vorbei der Asphaltstraße folgen … wir hatten jedoch zuvor die Hinweistafel „Beistein“ gesehen und marschierten daher gleich hinter dem Hotel den Feldweg bergauf. Die Aussicht war grandios – Grafendorf mit dem Schloss Kirchberg im Walde. Dahinter das steirische und burgenländische Hügelland.

Obwohl es Ende Jänner war, hatten wir ein angenehmes Wanderwetter: Sonnenschein und blauer Himmel. Immer wieder gab es Rastbänke auf Glücks- und Kraftplätzen. Einladend wirkten sie, besonders in Anbetracht des Panoramas … doch wir wollten weiter, zum Beistein.

Auch dieser Hügel war im Sommer nicht ganz vom Sturm verschont geblieben. Einige Bäume waren gefallen und wurden bereits aufgearbeitet. Trotzdem war es hier sehr schön … Rotföhren und Buchen wuchsen in diesem Wald. Der Boden war sehr trocken, hatte es doch schon lange nicht mehr geregnet, und Schnee gab es auch keinen. Eine Buche umklammerte ihren Nachbarn, kreisrunde Formen in der Rinde verliehen dem Baum ein Gesicht … und dieses sah äußerst erschrocken oder gar entsetzt aus. Gut, im Sommer waren hier einige ihrer Kollegen gefallen. Ich verstand den Baum.

Über uns in den Baumkronen waren die Vögel recht munter unterwegs. Sie genossen die beinahe frühlingshaften Temperaturen und sangen daher besonders schön. Der steile Anstieg und das erstaunlich warme Wetter sorgten dafür, dass ich zu schwitzen begann – also zog ich kurzerhand die Wanderjacke aus – wohlgemerkt, es war Ende Jänner.

Ein Wegweiser wies uns an, rechts abzubiegen, und plötzlich türmten sich vor uns große Felsen auf. Wir hatten den Beistein erreicht. Hier hätten die Kelten in Vollmondnächten gebetet und gefeiert.

Die Mondfeste der Kelten waren Samhain (Anfang November), Imbolc (Anfang Februar), Beltaine (Anfang Mai) und Lughnasadh (Anfang August). Wie sich die Kelten fühlten, wenn sie auf dem Beistein ihre Mondfeste feierten, kann ich mir heute nicht mehr vorstellen. Wenn man täglich mindestens sechs Stunden vor dem Computer sitzt, dann hat man die ganz starken Wurzeln zur Natur, welche unsere Urahnen noch hatten, verloren. Und wenn man die Lebensmittel bequem im Geschäft kaufen kann, kann man wohl auch nicht mehr von sich behaupten, sich in die kargen Verhältnisse der Vergangenheit hineinversetzen zu können.

Die Termine der keltischen Mondfeste hat die Kirche übernommen: Allerheiligen, Maria Lichtmess, die Walpurgisnacht und Erntedank. Apropos Walpurgisnacht – ich könnte mir vorstellen, dass sich die „Kleine Hexe“ mit ihren sieben Röcken und ihrem klugen Raben Abraxas auf dem Beistein richtig wohl gefühlt hätte. Die Gesteinsblöcke hätten eine gute Abflugrampe in Richtung Wechsel abgegeben. „Heissa, Walpurgisnacht!“

Eine Gesteinsplatte hat eine besondere Form – halbkreisförmig fehlt ein Stück. Ich glaube kaum, dass Mutter Natur diesen Halbkreis in den Gesteinsblock geschürft hat.

Auf dem Beistein gibt es gemütliche Bänke, und man kann diesen besonderen Platz auf 813 Höhenmetern richtig genießen.

Weiter führte der Weg über den Jägersteig. Heidelbeerbüsche wuchsen links und rechts des Wanderwegs, der über eine Kuppe führte. Weich marschierten wir über die Baumnadeln, es roch herrlich nach Harz. Wir hatten eine Stelle erreicht, an der noch Forstarbeiten stattfanden. Hier verließen wir den Wanderweg und marschierten am Waldrand weiter. Wieder hatten wir eine wunderbare Aussicht.

An der Wanderwegkreuzung ging es links im Wald bergab. Eine große Föhre war gefällt worden – besser gesagt, gefallen war sie nicht. Sie hatte sich in den Kronen der anderen Bäume festgekrallt. Die armen Forstarbeiter – hier weiterzuarbeiten war mehr als gefährlich.

Steil ging es nun den Weg bergab, und auf der Asphaltstraße war nicht ganz klar, wie es weiterging. Wir entschieden uns (zum Glück) richtig und zweigten wieder links ab. Die Bauernhöfe, die nun kamen, hatten eine wunderbare Lage mit traumhafter Aussicht.

Und hier entdeckte ich zu meiner Freude ein munteres, blaues Bällchen: eine Blaumeise. Blaumeisen sind ganz clevere Vögel. In den 1920er-Jahren wurden in England Milchflaschen mit Folienabdeckung bei den Häusern zugestellt – besser gesagt, sie wurden vor den Häusern abgestellt. Dort standen die Flaschen dann, bis die Konsumenten die Milch in die Wohnungen holten. Vögel sind keine Säugetiere, und trotzdem gab es da offensichtlich eine Meise, die auf den Geschmack gekommen war. Und nicht nur das, sie schaffte es auch, die dünne Folie zu öffnen. Das gewiefte Vögelchen teilte ihre Entdeckung ihren Kollegen mit, und bald schon rätselten die Leute, wieso die Folien auf den Milchflaschen durchlöchert waren. In den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts wussten wohl bereits alle Blaumeisen auf den Britischen Inseln, was man so alles mit Milchflaschen anstellen konnte.

Ich glaube, wir hätten die Asphaltstraße weitergehen können, doch ein Wegweiser wies links bergauf. Wir gingen recht unsicher durch den Hof eines Bauern, und schon entdeckten wir die Wandermarkierung G3, die uns durch eine Birkenallee und den Wald zu einem Aussichtsbankerl führte, welches wir beim Anstieg auf den Beistein schon einmal gesehen hatten.

Also gingen wir den bekannten Weg wieder zurück und konnten dabei ein herrliches Panorama genießen.

 

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