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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Keltenweg kurz Vogelstimmenweg |
5,3 km 1,82 km |
193 HM 30 HM |
2 h 1 h |
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Start: |
Ligist |
Zentrum |














Der Name „Keltenweg“ klingt fast wie eine Verheißung. Dieses geheimnisvolle Volk, das für seine Kunstfertigkeit bekannt ist, fasziniert uns zu Recht. Der irische Tourismus wirbt ganz stolz mit dem keltischen Erbe der Insel. Doch auch bei uns waren diese findigen Menschen beheimatet. An einem goldenen Septembertag machten Gregi und ich uns auf den Weg, um einen Siedlungsplatz der Kelten zu besuchen.
Ligist ist ein alter Ort, seit 1464 besitzt er Marktrecht. Enge Straßen führen ins Zentrum, das mit einladender Gastronomie lockt. Im Gastgarten des Gasthauses Gangl hatten wir schon bei einer früheren Wanderung gesessen und sehr gut gespeist. Gegenüber liegt das Restaurant Wörgötter, das mit einer Haube ausgezeichnet und mit 14 Punkten im Gault&Millau bewertet ist. Doch nicht nur die Gastronomie bereichert den Hauptplatz; der kunstvoll gefertigte Brunnen kann sich ebenfalls sehen lassen. Überhaupt: Im Ort Ligist findet man immer wieder beeindruckende Steinskulpturen. Als wir am Sonntagmorgen ankamen, feierten hübsch in Trachten gekleidete Leute am Hauptplatz bei einem Glas Wein. Ligist ist das Tor zur Schilcherstraße.
Dem Weg Nr. 11 wollten wir folgen – hinauf zu den Kelten. Weit kamen wir jedoch nicht. Schon beim „Eckwirt“ kamen wir auf Abwege. „Vogelstimmenweg“, sagte Gregi begeistert und zeigte auf ein Wanderschild. „Schlosswald“, las ich mit leuchtenden Augen, und schon waren der Wanderweg Nr. 11 und die Kelten vorläufig vergessen. Der Weg hinauf zur Burgruine Ligist ist nicht anstrengend und richtig idyllisch. Die Aussicht auf den Ort ist wunderbar, rundum sind Hügel und Berge. Diese mussten überquert werden, um ins Aichfeld, nach Judenburg oder auch nach Kärnten zu gelangen. Und deswegen steht die Burg auch an dieser Stelle. „Dorf Lubgast“ war ein Zufahrtsort zum Herzogberg. Über ihn ging es dann weiter über die Pack. Wein, Getreide, Salz und Eisen sollten transportiert worden sein.
Wir transportierten nur unsere Rucksäcke sowie unsere Kameras, die nun zum Einsatz kamen. Wilder Salbei, Efeu (der Teile der Burgruine überwuchert hatte und bei den Bienen äußerst beliebt war), im Burggraben flatterten Schmetterlinge … einfach herrlich. Über die steinerne Bogenbrücke (die bis ins 17. Jahrhundert noch eine Zugbrücke war) gelangten wir in den Burghof. Der Bergfried war einst fünf Stockwerke hoch – den untersten Raum darf man betreten. Früher war der Eingang des Bergfrieds im ersten Stock. Alt ist sie, die Burg. Sie wurde im 12. Jahrhundert von den Wildoniern errichtet. Doch war sie als Ersatzburg gedacht für die noch viel ältere Dietenburg, die zu den ältesten Burgen der Steiermark zählte. 1066 wurde die karolingisch-ottonische Mittelpunktsburg bereits urkundlich erwähnt. Und die Dietenburg stand natürlich auf dem Dietenberg, den wir ja ursprünglich besuchen wollten.
Also verließen wir die Burgruine Ligist wieder, umrundeten sie noch einmal, stiegen dann ab zum Schloss Ligist (ebenso wie die Burgruine im Besitz des Malteser Ordens), marschierten bei einem verwunschen wirkenden, vom wilden Wein umwucherten Haus vorbei (ehemaliger Weinkeller) und weiter bis zur Bundesstraße. Hier hielten wir uns rechts, kamen bei der Leitinger Mühle vorbei, betrachteten ein besonders schönes Marterl und querten dann die Bundesstraße auf Höhe der Feuerwehr.
Bei dieser Kreuzung ist ein riesiger hölzerner Hammer zu sehen, der daran erinnern soll, dass am Ligistbach einst fünf Hammerwerke standen und für den Wohlstand des Ortes sorgten. Anker, Achsen, Pflüge, Krampen, Schaufeln, Hauen, Hacken, Hufeisen, Pfannen, Sensen, Nägel. Geräte für harte Ackerarbeit – hart war die Arbeit bei den Hammerwerken sicherlich auch.
Wir überquerten eine Brücke und bogen sofort links ab. An einem Hundeabrichteplatz vorbei, ging es dann in den Wald. Steil führte der Steg bergauf. Als wir den Wald verließen, sahen wir die nächste Ruine. Diesmal war es kein Schloss, sondern ein verlassenes Wohnhaus. Als Kontrast dazu war etwas weiter oben ein hypermodernes, riesiges Anwesen errichtet worden. Eine traumhaft schöne Wiese mit Flockenblumen ließ uns wieder die Kameras zücken, dann ging es steil weiter die Asphaltstraße bergauf. Ein Wegweiser (der für uns nicht ganz eindeutig war) und ein Bankerl. Wir entschieden, dass der Wanderweg sicherlich in Richtung Bankerl führen würde (falsch). Wären wir links über den Weinberg gegangen, hätten wir die richtige Route erwischt. Aber ganz schlimm war dieser Irrtum auch nicht, wir erreichten unser Ziel auch so – halt nur von der anderen Seite.
Auf dem Dietenberg gibt es einen erstklassigen Buschenschank. Kremser heißt er. Und da der Kremser erst um 14.00 Uhr öffnete, entschlossen wir uns, zuerst noch das Siedlungsgebiet aus der Urnenfelderzeit sowie der La-Tène-Zeit zu besichtigen. Endlich würden wir die Überreste der keltischen Siedlung sehen. In den Siebzigerjahren gab es auf dem Dietenberg Ausgrabungsarbeiten. Siedlungsspuren bis ins 4. Jahrtausend vor Christus konnten nachgewiesen werden. Um ehrlich zu sein … man sieht gar nichts mehr. Die einzige Enttäuschung auf der ansonsten so wunderbaren Wanderung. Auch von der legendären Dietenburg konnten wir keine Überreste entdecken. Wo einst die Burg und die Kreidfeuerstelle waren, gibt es jetzt einen Hochbehälter des Wasserverbands Söding-Lieboch.
Andererseits hatten wir Glück, dass wir nicht zu viel Zeit bei der Ausgrabungsstätte vergeudeten. So kamen wir um 13.45 Uhr beim Buschenschank Kremser an (der eigentlich erst um 14.00 Uhr öffnete) und staunten nicht schlecht. Eine Viertelstunde vor der offiziellen Öffnungszeit waren die Bänke im Gastgarten schon ordentlich belegt. Wir hatten noch das Glück, uns ein angenehmes Plätzchen zu ergattern. Personen, die nur fünf Minuten nach uns eintrafen, mussten schon im Haus Platz nehmen. Nachdem wir bei allerfeinsten Panoramablick vorzüglich gespeist hatten, verstanden wir auch, wieso dieser Buschenschank so beliebt war.
Satt waren wir, warm war es … und wir waren etwas müde. Die große Keltenrunde, beschlossen wir, würden wir ein andermal gehen. Wir waren ja eh schon fleißig gewesen und hatten sogar einen Abstecher zur Burgruine gemacht … also trabten wir gemütlich die Asphaltstraße nach unten, immer den Blick auf den Ort Ligist gerichtet.
Bis zum Ersten Weltkrieg war Ligist ein beliebter Badeort. Und wie es scheint, kein ganz unbedeutender. Gäste aus der ganzen Monarchie, aus Italien und sogar aus dem fernen Russland waren zu Gast in der „Fichtenloh Warm- und Kaltwasseranstalt Ligist“. Es ist schon erstaunlich, was Ligist alles zu bieten hatte.
Vor der Heimfahrt wollten wir uns noch einen Kaffee genehmigen … doch leider hatten die Gasthäuser am Hauptplatz schon geschlossen.
Der Eckwirt, der direkt unter der Burgruine einen tollen Gastgarten hat, hatte noch offen. Die Gastwirtin ist eine freundliche Frau, liebt ihren Gastgarten und hat ihn richtig lieblich gestaltet. Unter einem schattigen Baum genossen wir den Kaffee und ließen den wunderbaren Tag Revue passieren.




























