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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg |
10,2 km |
194 HM |
2:75 h |
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Start: |
Neumarkt an der Raab |






Bis heute weiß ich nicht, wieso dieser Weg als „Hexenweg“ bezeichnet wird. Gut, wir haben viele Schwammerln gesehen, sind an einem englischen Park vorbeigegangen, wo angeblich Nonnenstatuen stehen sollten, sind an einer ehemaligen Wallfahrtsstätte vorbeigekommen (wo die Bäuerin in den 1950er-Jahren eine Muttergotteserscheinung gesehen haben soll), haben sehr viel Wald gesehen und ein Gedenkkreuz eines Ermordeten, der im Auftrag seiner Frau getötet worden ist. Aber was bitte hat das alles mit Hexen zu tun? Der Hexenweg ist ein schöner burgenländischer Wanderweg, direkt an der ungarischen Grenze. An jenem sonnigen Herbstsonntag, an dem wir unterwegs waren, hatte die Gegend nichts Unheimliches … abgesehen von einigen Schüssen. Doch dazu später.
Unsere Wanderung starteten wir in Neumarkt an der Raab. Schon bei der Anreise mit dem Auto entdeckten wir zwischen Sankt Martin und Neumarkt römische Hügelgräber – also war dieses Gebiet schon sehr früh besiedelt. In Neumarkt gibt es viele alte, denkmalgeschützte Bauernhäuser, teilweise mit Stroh gedeckt und mit schönen Arkaden. In den Gärten mit den alten Obstbäumen stehen gemütliche Bänke. In diesen Häuschen kann man seine Ferien verbringen und an diversen Kursen teilnehmen – von Tango Argentino bis Schreiben oder Radierungen. Ein tolles Programm wird hier angeboten. Das Künstlerdorf Neumarkt ist ein richtig hübscher Ortsteil von Neumarkt, das wussten schon H. C. Artmann, Peter Handke und viele andere Autoren und Künstler zu schätzen.
Doch nicht nur die idyllischen alten Häuser gefielen mir: Besonders angetan hatte es mir ein kaputter alter Baumstamm, der noch im Garten eines Bauernhauses stehen durfte. Auf diesem Stamm fühlte sich ein Kleiber sehr wohl, und dieses hübsche Vögelchen sah auf dem sattgrünen Moospolster richtig fotogen aus.
Wir hatten den Ort noch nicht verlassen, als wir das nächste interessante Denkmal entdeckten: Ein freistehender Glockenturm aus Holz. Ein Straßenschild kündigte die Schlossstraße an – doch der Versuch, das Schloss Batthyány irgendwo hinter dem Wald auf dem Hügel zu entdecken, war erfolglos. Wir verließen den Ort in Richtung Sankt Martin. Rechts der Straße gab es eine Pferdekoppel, und wir mussten laut Wanderwegweiser links abbiegen. Bald sahen wir hinter dem Bach und den Bäumen einen schönen Teich, der von einem richtig tollen englischen Park umgeben war. Eine Statue stand in der Nähe des Teiches. Sie war vom Wanderweg leider zu weit entfernt, als dass ich erkennen konnte, ob es sich wirklich um eine Nonnendarstellung handelte. Gregi meinte, es wäre eher ein Pfarrer.
Wir wanderten dem Bach entlang und übersahen leider, dass wir den Weg rechts hinauf in den Wald hätten nehmen sollen. Dank Bergfex-App fanden wir im Wald wieder auf den Wanderweg und entdeckten dabei große Löcher im Waldboden sowie viele Gräben. Gregi überlegte laut, ob dies Schützengräben waren. Die ungarische Grenze war nicht weit weg … möglich wäre es.
Wir erreichten eine Asphaltstraße und bald erste Häuser, grübelten noch immer über die Möglichkeit von militärischen Anlagen in dieser Gegend, als wir einen lauten Schuss hörten. Shit! Was, wenn hier ein Wahnsinniger Amok lief? Was tun … umdrehen und schnell fliehen? Während mein Adrenalinspiegel in unermessliche Höhen kletterte, sah ich gottlob die beiden Schützen mit Kopfhörern, die vor einem Haus auf eine Zielscheibe im angrenzenden Weingarten schossen. Auch so kann man seine Sonntage verbringen.
Beruhigt marschierten wir weiter, sahen einen missmutig dreinblickenden Gartenzwerg, der in einem überdimensionalen Vogelkäfig eingesperrt war, und kamen dann bei einem leeren Gehege für Wildschweine vorbei.
Lieblich anzusehen war das strohgedeckte Speicherhäuschen aus Lehm, welches richtig schön vom Sonnenlicht beleuchtet wurde. Einladend wirkte die Bank vor diesem Denkmal, doch wir gingen zielstrebig weiter. Irgendwo hier müsste es ja das Rasenkreuz geben, welches früher dafür sorgte, dass ganze Busladungen von Wallfahrern aus der Schweiz und sogar aus den Niederlanden angekarrt wurden.
Ein Schild wies uns auf das heilige Rasenkreuz hin. Ein weiteres Schild machte uns darauf aufmerksam, dass es sich um eine heilige Stätte handele, wo man nicht sprechen etc., etc., etc. dürfe. „Gott lässt sich nicht spotten“, oder so ähnlich stand noch darunter. Wir standen auf der Asphaltstraße, wo früher wohl mal die Busse geparkt hatten, und sahen in den nicht gerade einladenden Garten. Das Rasenkreuz gab es von 1956 bis 1992. Kein Pilger war mehr hier, der sich das „heilige Leitungswasser“ holen wollte. „Ich habe keine Lust, da reinzugehen“, sagte ich zu Gregi, der das Schild mit all seinen Verboten studierte. „Ich auch nicht“, meinte er, und so besuchten wir die „heilige Stätte“ nicht, wo Mutter Lex 1954 angeblich die Muttergottes und zwei Jahre später einen Engel gesehen haben soll. Die römisch-katholische Kirche hat diese Marienerscheinung nie anerkannt.
Wenn man den Weg weiter folgt, kommt man zum Hotel „Das Eisenberg“. Wir bogen jedoch links in den Graben hinab ab. Hier gab es das pure Leben, die Vögel tummelten sich zwischen den Zweigen. Schwanzmeisen sind gesellige Kerlchen und Eichenbäume scheinen sie zu mögen.
Wieder ging es bergauf, immer am Zaun eines Wildschweingeheges entlang. Wildschweingehege sind hier offensichtlich beliebt – auch wenn sie zurzeit nicht bewohnt sind. Davon gingen wir jedenfalls aus, da einige Tore offenstanden. Und auch das Drahtgeflecht hatte schon seine besten Tage hinter sich. Wieder ging es bergab – noch immer am Maschendraht entlang, und dann kam der meines Erachtens tollste Punkt der Wanderung. Ein Sumpf und ein Teich in der Senke. Ein blauer Pfeil schoss davon … wenn das kein Eisvogel war. Die Weidenmeise war emsig unterwegs, ebenso der Baumläufer, der einen Baum nach dem anderen von unten nach oben nach Essbarem absuchte. Ein Zaunkönig versteckte sich noch rechtzeitig, bevor wir unsere Kameras zücken konnten. Auch Libellen waren noch an diesem Herbsttag unterwegs. Ein schöner Platz zum Verweilen, zwischen Sumpf und Teich.
Nach dem Sumpf folgten wir den W1-Grenzwanderweg (rechts abbiegen), wieder einen Hügel bergan. Mitten im Wald stand ein verlassenes Haus – ein „Lost Place“ im Naturpark Raab im Dreiländereck. Hier mussten wir links abbiegen und wanderten den Hügelkamm entlang. Viele verschiedene Pilze konnten wir entdecken. Immer wieder gab es Wasserstellen und auch hie und da (besonders unter Eichen) Plätze, wo offensichtlich gewühlt worden war. Ob nicht doch hie und da Wildschweine in diesem Wald unterwegs waren?
Als wir den Wald verließen, konnten wir einen schönen Blick auf Maria Bild erhaschen. Zumindest ich. Gregi war mit einem Wandergelbling beschäftigt – ein Schmetterling, der eilig von Blüte zu Blüte flog. Über einen Hohlweg ging es dann zurück ins Tal, und schon hatten wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung wieder erreicht.
Bei der Heimfahrt machten wir in Fehring Halt. An der Konditorei Winkler kamen wir einfach nicht vorbei. Noch dazu so kurz vor Halloween, wo immer diese wunderbaren, süß-gruselig-kreativen Torten in der Auslage zu besichtigen sind. Wir genossen Kekserln mit Gruselgesichtern, Katzen- und Fledermausgestalten und waren recht zufrieden, einen so schönen Sonntag erlebt zu haben.


















