„Gußwerk Rundweg“ – Mariazell

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

11 km

335 HM

3:20 h

Start:

Mariazell

Zentrum  

Die Tourismusinformation in Mariazell befindet sich über dem Hauptplatz, und von dort aus starteten wir bei klarem Wetter und frischen 4 Grad Celsius unsere Rundwanderung nach Gußwerk.

Wir marschierten die Wiener Neustädter Straße stadtauswärts und kamen beim Ungarn-Urlauberkreuz an. „Irgendwie müssen wir zum Hügel da rüber“, überlegte ich und sah auf die Bergfex-App. Wir waren zu weit gegangen, also gingen wir zurück bis zum Parkplatz Nr. 5. Dort bogen wir in den Erzherzog-Johann-Weg ein, querten die Bundesstraße und wanderten an wunderbar verfärbten Ahornbäumen hinauf zum Erzherzog-Johann-Denkmal. Das Denkmal wurde 1914 errichtet, und wenn ich es richtig mitbekommen habe, wurde es vom Industriellen Arthur Krupp gesponsert (Kaiserin Elisabeth bezog von ihm Essbesteck, ihr Mann, Kaiser Franz Josef, kaufte im Ersten Weltkrieg Rüstungsgüter von ihm). Die Aussicht auf die Basilika von Mariazell war von diesem Platz aus herrlich. Allerdings war der Weg beim Denkmal zu Ende. Also aktivierten wir wieder die Bergfex-App – okay, wir hatten uns schon wieder verlaufen – doch in Anbetracht des tollen Panoramas war das auch gut. Also gingen wir das Wegerl wieder zur Bundesstraße hinunter, einige Meter bergab und dann in Richtung Bundesschulheim.

Der Weg führte uns durch eine Siedlung, durch einen Wald, über eine Wiese, und dann kamen wir zu einer großen Wanderwegkreuzung. Links würde es zur Salzaklamm gehen und auch nach Gußwerk (1,5 Stunden). Rechts bergab kämen wir ebenfalls nach Gußwerk – und zwar über den Siegmundsberg. Und genau zum Siegmundsberg wollten wir. Neben dem Asphaltweg gab es eine tolle Allee aus Eschen und Weißdorn. Bald kamen wir nach Rasing (vor der Brücke die Straße queren und den Weg neben der Salza wählen). Das Wasser der Salza ist klar, man sieht ganz toll auf den Grund. Wir genossen den Weg neben dem Gewässer. Ein leichter Anstieg war zu bewältigen, und wir sahen bereits unser erstes Ziel: die Siegmundsbergkapelle.

Der Siegmundsberg war ein heiliger Berg – das meinte Franz Jantsch in seinem Buch „Kultplätze im Land Steiermark“. Er wäre schon in vorchristlicher Zeit ein Kultplatz gewesen. Eigentlich ist er eher ein Hügel, der mitten im Tal steht. Rechts und links von ihm stehen hohe richtige Berge. Irgendwie wirkt der Hügel wie ein Kind der beiden – schön in der Mitte und gut behütet.

Auf der Kuppe steht dann die Siegmundsbergkapelle. Umgeben ist sie von einer mächtigen Wehrmauer. Eine neue überdachte Holztreppe führt zur Kapelle hinauf. Als wir auf den Kirchplatz kamen, sahen wir als erstes einen riesigen Steinhaufen. Bußsteine wären das, die von Pilgern hier abgelegt wurden. Heute wachsen hübsche Blümchen auf dem Steinhaufen, viele neue Steine dürften in den letzten Jahren nicht mehr dazugekommen sein.

Eine starke Strahlung sollte es in der Siegmundsbergkirche geben. Gregi wurde es beim Portal der Kirche schwindlig – etwas, das er normalerweise nicht kennt. Als er weiterging, wurde es sofort besser. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Doch außerhalb der Kirche auf dem Plateau fühlten wir uns pudelwohl. Besonders, als wir den Ausblick nach Mariazell genossen. Hier würde ich es länger aushalten.

Zur offiziellen Geschichte der Siegmundsbergkapelle: 1443 wurde sie erbaut und bereits 1464 mit einer Ringmauer versehen. Wehrhaft sollte sie sein und den Ort Mariazell vom Süden her schützen. Leider half diese Ringmauer nicht sonderlich viel – bereits 1485 wurde die Kapelle von den Söldnern von König Mathias Corvinus zerstört. 1501 wurde die Kapelle wieder aufgebaut. 1827 brannte die Basilika von Mariazell – die legendäre Gnadenstatue brauchte eine zwischenzeitliche Bleibe, also wurde sie hierhergebracht. Ich glaube, dass sich die Gnadenstatue auf dem Siegmundsberg sehr wohl gefühlt hat.

Der weitere Wegverlauf bis zum Bohrwerk war richtig toll. Knorrige, riesige Bäume und ein alter, angenehmer Weg. Dort, wo der Weg felsig war, sah man sogar noch die alten, eingeschnittenen Wagenspuren. „Das war bestimmt ein römischer Weg“, sinnierte Gregi. Es ist immer das gleiche mit ihm. Jeder Weg, der alt zu sein scheint, ist bei ihm ein römischer Weg. „Die Römer waren überall“, behauptet er dann immer.

Ob römischer Weg oder nicht, ich wanderte gerne darauf. Bald schon kamen wir zum „Bohrwerk“. Die Salza ist hier gestaut, und der bunte Herbstwald spiegelte sich herrlich im Wasser. 1829 wurde hier das „Kanonenbohrwerk“ gegründet.

Gußwerk – unser nächstes Ziel – ist wahrscheinlich um 1342 entstanden. Schon früh entdeckte man hier Eisen. Der Abt von St. Lambrecht (das Gebiet gehörte dem Stift St. Lambrecht) erbat sich von Kaiserin Maria Theresia das Recht, ein Eisengußwerk zu gründen. Er erhielt die Erlaubnis, und von 1743 bis 1767 wurde hier ein richtig modernes Eisengußwerk mit drei Hochöfen errichtet.

Aus diesem (von einem Abt gegründeten) Eisengußwerk wurde ab 1769 eine der bedeutendsten Artilleriewarenproduktionen der österreichischen Monarchie. Die Kanonen, die man hier erzeugte, wurden offensichtlich im ganzen Habsburgerreich eingesetzt. Zwei Kanonen sind heute im Ort ausgestellt. Sie wurden im 20. Jahrhundert von Kroatien nach Gußwerk gebracht.

Ist man montags oder dienstags in diesem Ort unterwegs, sieht es betreffend Gasthäuser eher mau aus. Als wir ankamen, gefiel uns das Gasthaus Kohlhofer von außen recht gut – der einzige Nachteil war, dass es seinen Ruhetag hatte.

Die Volksschule Gußwerk ist ein beeindruckender Bau – noch mehr Eindruck machte aber das Wehr, das direkt vor dieser Schule war. Waren wir bis jetzt in Fließrichtung der Salza unterwegs gewesen, strömten hier Massen an Wasser in eine andere Richtung. Gußwerk ist in der Nähe der Wildalpen, und Wasser ist hier offensichtlich keine Mangelware.

Wir überquerten die Bundesstraße, marschierten an den bereits erwähnten Kanonen vorbei und stiegen dann den Hang steil bergauf. Herbstzeitlosen wuchsen hier neben Zyklamen. Wir begannen zu schwitzen und freuten uns, als wir endlich die starke Steigung hinter uns gebracht hatten. Und dann das: Ein gelber Wegweiser gab an, dass es 1,5 Stunden nach Mariazell wären – ein Schild hinderte uns, diesen Wanderweg zu betreten, da es Bauarbeiten gäbe. Ich suchte verbissen auf meinem Handy nach einer alternativen Route, als ein Walker ganz gemütlich aus dem „verbotenen Weg“ herausmarschierte. „Ach, das Schild“, meinte er. „Das hat man vergessen, wieder wegzuräumen.“

Also doch die vorgesehene Route. Auf dem Hang auf der anderen Flussseite lagen Baumstämme kreuz und quer wie bei einem Riesenmikado, auf unserem Hang hatten gröbere Forstarbeiten stattgefunden. Und dann sah ich es – ein weiteres Highlight der Wanderung: Eine gotische Pforte, direkt in den Berg. Klammheimlich hielt ich Ausschau nach Thorin Eichenschild aus „Herr der Ringe“.

Wir kamen an Bauern- und Reiterhöfen vorbei, stiegen zur Salza hinab, überquerten die Brücke und wanderten den Wald wieder bergauf. Und dann waren wir wieder an der Wanderwegkreuzung, wo wir beim Hinweg in Richtung Siegmundsberg abgezweigt waren. Den Rückweg kannten wir bereits, doch bei der Bundesstraße entschieden wir uns, links nach unten zu gehen. Schön lag Mariazell vor uns.

Über den Parkplatz, den Minigolfplatz und die Schule ging es dann zum Hauptplatz. Eingekehrt sind wir bei Pirker’s Selbstbedienungsrestaurant. Uns hat alles sehr gut geschmeckt, und die Aussicht auf den Hauptplatz und die Basilika ist erstklassig.

 

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