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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg |
7,2 km |
kaum |
1:45 h |
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Start: |
Burgau |
Schwimmbad |














Der Juli 2024 war reich an Insekten. Nach einer Wanderung, die in einem Gemetzel an Gelsen und Bremsen endete, hatten wir recherchiert und uns einen hervorragenden Insektenspray organisiert. „Organic“ stand auf dem Produkt und „wirkt und riecht gut“. Wir wunderten uns, wieso die Apothekerin uns unbedingt ein anderes Mittel einreden wollte – wir wollten den ökologischen Wunderspray.
Wir sprühten uns also großzügig mit diesem „gut riechenden“ Schutzmittel ein, stiegen ins Auto und hielten den Atem an. Also das Versprechen mit „gut riechen“ war gelogen. Egal ob wir stanken oder nicht… Wir würden wandern gehen – und zwar in Burgau. Den Fischbachteichweg waren wir schon öfters gegangen, ein angenehmer Weg durch den Wald zu einem herrlichen Teich … mit Libellen, Schmetterlingen und fröhlichen Vögeln.
In Burgau parkten wir unter schattenspendenden Bäumen und betrachteten das Freibad wohlwollend. Das Burgauer Schwimmbad mögen wir sehr gerne. Erstens ist es nicht überfüllt, zweitens gibt es darin riesige, schattenspendende Platanen, drittens ist es wirklich toll ausgebaut (viele Attraktionen für Kinder und Junggebliebene) und viertens schwimmt man im ehemaligen Wassergraben der Burg. Also in einem geschichtlich höchst interessanten Bauwerk … das hat schon was. Weiters muss ich jetzt den netten Bademeister lobend erwähnen, der seinen Badesee und seine Arbeit wirklich liebt und alles über seine Geschichte und über die Geschichte des Ortes weiß und auch gerne davon erzählt. Unter anderem erfuhren wir von ihm, dass durch den Lehmabbau für die Ziegel des Schlosses ein Teich entstanden ist, der treffenderweise Ziegelteich genannt wird.
Kurzerhand planten wir um. Diesen Ziegelteich wollten wir sehen. Also doch nicht die „Fischbachteichrunde“, sondern die Entendammrunde (mit ihrer gelb-weißen Markierung). Ausgestattet mit Wanderkarten, die wir vom Bademeister bekommen hatten, marschierten wir über den Hauptplatz, durch die Herrengasse (danach rechts abbiegend) in den Forsthausweg, dann nochmals rechts hinauf zum „Müllner-Kreuz“. Hier hielten wir uns wieder rechts und kamen an Freilandrindern vorbei. Die Weizen- oder Gerstenfelder (so genau weiß ich das nicht) waren bereits abgeerntet, ein gigantischer Strohballen lag noch auf dem Feld. Der größte, den ich je in meinem Leben gesehen hatte.
Neben dem Feldweg wuchsen mächtige Eichen, eine Reihe mit alten Streuobstbäumen war zu sehen und eine ganze Schar Gelsen war hinter mir her und versuchte mich (teilweise erfolgreich) zu stechen. „Wahrscheinlich hätten wir uns mit dem Insektenschutz nicht einsprühen sollen, sondern darin baden“, ätzte ich.
Im Wald war es dann wieder kühler und schattig. Die Stechmücken machten nach wie vor ihre „Treibjagd“ auf uns, während die Schmetterlinge (wahrscheinlich wegen des Geruchs) vor uns Reißaus nahmen. „Irgendwie ergibt es nun mächtig Sinn, wieso die Apothekerin dir einen anderen Spray verkaufen wollte“, meinte ich an Gregi gewandt. Einige Gelsen nützten seine Abgelenktheit (er fotografierte gerade ein hübsches Blümchen). Wäre ich eine Lehrerin in der Gelsenschule, ich würde den Jungen beibringen: „Wartet, bis die Zweibeiner die Kameras vors Gesicht halten – dann könnt ihr attackieren!“ Doch diesen Unterricht brauchten unsere Gelsen nicht … die wussten das bereits.
Die Burgauer Bevölkerung hat eine lange Geschichte im Umgang mit Plagegeistern und Blutsaugern. Und damit meine ich jetzt keine Insekten. Geplagt wurden die Bauern der Grenzregion von den einfallenden Ungarn, Haiducken, Kuruzzen und Türken … und leider auch von der eigenen Herrschaft. Im 16. Jahrundert stand Burgau im Besitz der Familie Trauttmannsdorff. Und diese verlangten enorm viele Robotleistungen. Die Bauern legten Beschwerde ein … und bekamen nicht Recht.
Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass die Bauern (wenn sie schon so viele Leistungen für die Herrschaft erbringen mussten) von dieser wenigstens beschützt wurden, so ein Feind einfiel. Dem war leider nicht so. Bei den Ungarnzügen blieb das Schloss mit seinen festen Mauern und seinem Wassergraben unbeschädigt. Das Dorf wurde geplündert, und die Kirche in Brand gesetzt. 1529 kamen die Türken. Die Festung hielt stand – die Bevölkerung wurde von den Feinden getötet oder als Sklaven verschleppt. Danach war die Gegend beinahe menschenleer.
Nach den ungeliebten Trauttmannsdorffs kamen die Batthyánys, und wie mir scheint, war das ein Glück für die Bewohner von Burgau. Die erste Baumwollspinnerei der k. und k. Monarchie wurde gegründet. Der letzte private Besitzer des Schlosses war Ludwig Graf Batthyány, der wegen Hochverrats 1849 hingerichtet wurde (er war Premier im ersten Ministerium der ungarischen Revolution).
Doch zurück in die Gegenwart zu unserer Wanderung. Eben gingen wir durch den Wald. Orange Dickkopffalter konnten wir sehen und andere wunderbare Schmetterlinge, wie den Kaisermantel. Neben dem Weg im Straßengraben gab es Wasser. Die Frösche ließen sich eilig ins Nass plumpsen, sobald wir uns näherten. Und direkt am Straßenrand wuchsen Wegwarten, Johanniskraut, Disteln und Seifenkraut.
Ein kurzes Stückchen mussten wir auf Asphalt marschieren, dann konnten wir wieder in den nächsten Waldweg einbiegen. Entweder war der „gute Geruch“ des Insektensprays verflogen, oder es gab in diesem Waldabschnitt weniger Plagegeister. Jedenfalls hatte ich jetzt mehr Ruhe vor den Insekten. Der Waldweg führte bergab, und wir erreichten ein beeindruckendes Überschwemmungsgebiet. Scharen von Frösche flohen panisch über das Wasser, als sie uns bemerkten. Wir waren von diesem Fleckchen Natur so angetan, dass wir hier wahrscheinlich den vorgesehenen Wanderweg verloren. Über die Asphaltstraße kehrten wir in den Ort retour, ohne den Ziegelteich (das eigentliche Ziel unserer Wanderung) entdeckt zu haben. Egal – die Wanderrunde war trotzdem richtig toll und bot uns viele schöne Eindrücke.
Wir kamen bei der Kirche von Burgau an. Ein Kirchfest fand am Vorplatz statt, die Leute hatten es sich schon auf den Bierbänken gemütlich gemacht und studierten gerade die Speisekarten, während der Priester mit seinem Auto davonfuhr.
Über Treppen erreichten wir wieder das Schloss sowie das Bad und bedauerten aufrichtig, dass wir keine Schwimmkleidung eingepackt hatten. Das Bedauern war nur kurz … denn ein weiterer Höhepunkt des Ausflugs wartete noch auf uns: die wunderbare Erdäpfellasagne im „Hirschen“ (ein weiterer Grund für mich, immer wieder gerne nach Burgau zu fahren).
Im Innenhof des Gasthauses saßen wir im Schatten, genossen das Essen und nahmen uns vor, einen neuen Gelsenspray zu kaufen. Damit wir bei unserer nächsten Wanderung besser gerüstet wären.






































