|
Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
|
|
Rundweg |
12 km |
221 HM |
4:05 h |
|
Start: |
Bad Tatz-mannsdorf |
Joseph Haydn Platz |






Bad Tatzmannsdorf sieht eigentlich für einen Kurort recht unspektakulär aus. Die Häuser wirken noch alle recht jung. Keine K&K-Pracht wie in anderen respektablen Bädern. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen. Bad Tatzmannsdorf gehört zu den ältesten bekannten Kurorten in Europa. Unglücklicherweise wurde es noch kurz vor Kriegsende im Frühjahr 1945 zerstört.
Schon in der Bronzezeit war es besiedelt. Später, im 11. Jahrhundert, wohnten ungarische Grenzwächter in diesem Gebiet, welches der Familie „de Tarcsa“ gehörte. Da kann man sich schon vorstellen, woher der Name des größten burgenländischen Kurortes stammt.
Schon früh begann man hier mit Heilbehandlungen bei Herz- und Kreislauferkrankungen, Rheuma und Frauenleiden. Seit dem 14. Jahrhundert ist der Kurbetrieb nachgewiesen.
Der ungarische Hochadel schätzte den Kurort, der sich im Besitz der Familie Batthyány befand. Doch nicht nur blaublütige Kurgäste tummelten sich hier: Auch Künstler und Schriftsteller waren anzutreffen, um Trinkkuren zu machen. Einer von ihnen war Franz Grillparzer, der 1852 in Bad Tatzmannsdorf weilte und immer wieder gerne zitiert wird: „Ich war früh aufgestanden, hatte Wasser aus dem Sauerbrunnen getrunken, gebadet, darauf wieder einen Becher Wasser getrunken und ging in den Garten spazieren.“ Weniger gerne zitiert man den Ausschnitt aus einem Brief von Franz Grillparzer: „Der Ort selbst ist der langweiligste, den man sich denken kann.“
Ich weiß nicht, ob sein Urteil stimmte oder ob der Dichter einfach an diesem Tag nur schlecht gelaunt war. Heutzutage ist dieser Ort ganz bestimmt nicht langweilig. Neben einigen Museen (Freilichtmuseum, Brotmuseum, Kurmuseum), zahlreichen Kaffeehäusern und Gastrobetrieben, Thermalbädern, einem tollen Kurpark mit Veranstaltungsbühne sowie vielem Sportmöglichkeiten (Golf, Tennis …) gibt es auch Wanderwege. Und im Gegensatz zu den Wanderwegen anderer burgenländischer Orte sind diese auch bestens markiert.
Vor vielen Jahren (als die Burg Schlaining noch nicht so schön renoviert war) sind wir einmal am Neujahrstag bei kaltem und nebligem Wetter von Bad Tatzmannsdorf nach Stadtschlaining marschiert. Wir kehrten zu Mittag in Stadtschlaining in das einzige geöffnete Lokal ein und trafen dort noch auf „übergebliebene“ Silvestergäste, die durchgefeiert hatten. Gut, ein richtiges Mittagessen hatten wir in diesem Lokal dann auch nicht bekommen … aber das ist eine andere Geschichte.
Diesmal waren wir im August unterwegs, und es hatte wieder einmal über 30 Grad Celsius. Zahlreiche Gäste saßen in schattigen Gastgärten, und wir folgten dem Wanderweg W12. Zuerst kam der schweißtreibende Anstieg auf den Sulzriegel. Da es so ein heißer Tag war, nahmen wir zum Glück die Abkürzung W12a. Auf diese Weise fanden wir den traumhaft schönen Zyklamen-Waldhang.
„Vögel hört man, bevor man sie sieht – und Zyklamen riecht man vorher“, meinte Gregi und sog genüsslich Luft ein. Der Zyklamenduft ist einzigartig und besonders intensiv an sehr heißen Tagen. Ein einziges Stöcklein dieser besonderen Blumen sorgt schon für ein außergewöhnliches Dufterlebnis. Doch wenn der ganze Waldhang vor lauter Blümchen violett gefärbt ist, mag man sich von solch einem bezaubernden Ort fast nicht trennen. Also verweilten wir hier fotografierend und schnuppernd eine geraume Zeit. Vergessen war die Hitze.
Wenn ich so ein magisches Platzerl entdecke, überlege ich jedes Mal, ob ich es wohl weitererzählen darf. Allerdings glaube ich fest daran, dass meine LeserInnen diesen Plätzen auch Respekt zollen und keine Blumenstöcklein ausgraben und sich auch keinen Blumenstrauß pflücken. Einfach nur dastehen, sich der Blütenpracht erfreuen und den Duft inhalieren – das schadet nicht. Und vom Wegrand aus Fotos zu schießen auch nicht. Leider ist es mir nicht gelungen, die Pracht dieses Blütenmeers wirklichkeitsgetreu einzufangen.
Vom kühlen Wald gelangten wir dann auf eine Hochfläche mit wunderbarem Panorama. Doch die erbarmungslose Sonne sorgte dafür, dass wir uns sputeten, den nächsten Wald zu erreichen. Sobald man in den Schatten der Bäume eintaucht, ist selbst der heißeste Tag erträglich, und so überlege ich mir, ob es nicht am klügsten wäre, in den Gärten statt englischem Rasen Waldbäume zu setzen.
Sorgten noch in der letzten Waldpassage die Zyklamen für ein einmaliges Aroma, waren es nun die Nadelbäume, die uns mit ihrem Geruch verwöhnten. Unzählige Kiefernzapfen lagen auf dem mit Nadeln weich gepolsterten Wanderweg. Immer wieder kamen wir zu Lichtungen, wo Gregi nach Schmetterlingen Ausschau hielt. Schließlich ging es bergab, einem Bachlauf entlang – wir befanden uns in einer richtigen Schlucht. Diagonal rankten die Felsen aus dem Bachbett, und ich zweifelte beinahe, ob wir wirklich im Burgenland waren. In einem Bachtümpel schwammen kleine Fische – aber auch ein sehr großes Exemplar konnte ich entdecken.
Die ersten Häuser des Ortes Drumling waren zu sehen. Ein Mann war dabei, sein Haus zu sanieren. Im Juni gab es hier ein Hochwasser. Zwanzig Zentimeter hätte das Wasser in seiner Garage gestanden, erzählte uns der Mann. Auch erzählte er uns, dass er einen großen Karpfen gerettet hatte, der nach dem Hochwasser auf dem Weg lag. Er hätte ihn wieder in den Bach geworfen. Ob es sich bei diesem Karpfen um den großen Fisch gehandelt hat, den ich kurz davor im Tümpel gesehen hatte?
Im Ort Drumling ging es dann rechts, einen bewaldeten Hang hinauf, über Felder und wieder durch Wald. Schließlich erreichten wir das „Reiters Reserve“. Wir freuten uns aufrichtig, es zu sehen. Denn nun, das wussten wir, war es nicht mehr weit nach Bad Tatzmannsdorf. Die Hitze machte uns zu schaffen, und unsere Trinkflaschen waren inzwischen geleert. Wir freuten uns auf ein richtig kaltes Getränk – und Eis.
Im August 2024 war es in Bad Tatzmannsdorf überhaupt kein Problem, ein gutes Lokal zu finden. Allein auf der Gästeinformation waren 19 Gastrobetriebe eingezeichnet. Wir setzten uns im Zentrum in das Kaffeehaus und waren ein bisschen traurig, dass es die „Bio Vollwertbäckerei Gradwohl“ nicht mehr gab. Seine Getreidegerichte waren spitze und aus einer Zeit, wo man noch nicht dem Irrsinn verfallen war, alles Getreide zu verteufeln und mit Eiweißprodukten zu ersetzen.
Dabei verzehrten wir voller Genuss einen großen Becher Eisschokolade bzw. Eiskaffee und unsere trüb-nostalgische Stimmung hellte sich augenblicklich auf. Morgen würde ich etwas aus dem gesunden Kochbuch vom Gradwohl kochen – nahm ich mir vor. Vielleicht die leckeren Dinkeltascherln mit Lauch-Tofu-Füllung? Die waren immer ein Gedicht.















