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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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6,8 km |
238 HM |
2:30 h |
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Start: |
Bad Gleichenberg |
Eichgrabenweg |










Diese Wanderung gehört zur „Tour de Steiermark – die Bewegungsrevolution“.
Wir haben diese Wanderung hitzebedingt etwas abgeändert.
Wenn es draußen über 30 Grad Celsius hat, gibt es einige Tätigkeiten, die Sinn machen. Zum Beispiel ins Freibad gehen, in einem schattigen Gastgarten Eiskaffee schlürfen oder sich im Keller verschanzen und den Kopf in die Tiefkühltruhe halten … aber definitiv geht man nicht wandern.
Es sei denn, man hat einen Vogel und heißt Mörath. Dann entschließt man sich, bei Hundehitze eine Wanderung im steirischen Süden zu unternehmen – genauer gesagt in Gleichenberg.
Von Panoramaplätzen aus erkennt man einige südsteirische Landmarken sehr gut … die Riegersburg zum Beispiel und auch die Gleichenberger Kogel. Zwei Kogel sind es: der Hochkogel mit seinen 598 Metern und der Bscheidkogel mit seinen 563 Metern. Die beiden sehen fast wie Zwillinge aus und somit haben sie dem Ort zu seinem Namen verholfen: Gleichenberg. Diese Berglein wollten wir an diesem heißen Tag besteigen. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass sie heutzutage nur noch knapp 600 Meter hoch sind – früher ragten sie 1500 Meter in die Höhe. Der größte Teil liegt heute unter einer Schotterschicht verborgen.
Der Gleichenberger Vulkan war der älteste und mächtigste Vulkan der Region. Er hatte einen Durchmesser von circa 30 Kilometern und ragte wie eine Insel aus dem Meer. Vor 17 bis 12 Millionen Jahren spuckte er glutflüssige Lava. Ehrlich: damals wären selbst wir nicht auf diesen steinernen Drachen geklettert. Aber das Hügelchen von heute – auch wenn es 31 Grad hat: „Was soll’s“, dachten wir. „Wir gehen ja einen Waldlehrpfad und sind im Schatten.“
Also fuhren wir in den wunderbaren Kurort, flanierten noch vergnügt durch den traumhaften Park mit seinen großen, freundlichen Platanen, den mächtigen Mammutbäumen aus China und Amerika, den munteren Vögelchen und den märchenhaften Brunnen. Der Park wurde von Emma, der Frau des Landesgouverneurs Mathias Constantin Capello Graf von Wickenburg, gestaltet. Wir sehen uns immer wieder gerne im Fernsehen „Die Gartenprofis“ an. Fleißige Gärtner, die in wenigen Tagen heruntergekommene Hausgärten in schweißtreibender Schwerstarbeit auf Vordermann bringen. Wie erst musste es damals zugegangen sein, als das 20 Hektar große Areal als Park gestaltet wurde?
Gregi liebt diesen Park – wunderschöne Kindheitserinnerungen verbindet er damit. Damals gab es bei der Rindenkapelle Vogelfutter zu kaufen, welches man sich einfach auf die flache Hand streute und darauf wartete, dass eine hungrige Kohlmeise sich darauf setzte. Eichhörnchen, so erzählt er gerne, hätte man auch füttern können. Doch aus der Hand hätten sie nicht gefressen.
Schließlich kamen wir zum Hauptplatz. Vor dem Springbrunnen hatten sich schon Leute versammelt, es wurde „An der schönen blauen Donau“ (das Meisterwerk von Johann Strauss) gespielt und die Wasserfontänen hüpften fröhlich nach dem Takt. Herrlich. Dann wollten wir endlich mit unserer Wanderung beginnen. „Wir müssen lange auf Asphalt gehen, bis wir in den Eichgraben kommen“, überlegte ich. „Und das bei der Affenhitze.“ „Oder wir fahren mit dem Auto zum Eichgraben und parken am Wanderparkplatz“, sagte mein kluger Mann und schon war die Sache abgemacht.
Vom Wanderparkplatz im Eichgraben aus ging es dann direkt in den Wald. Schattig war es hier, wunderbare Eichen wachsen am wasserarmen Hang. Wir folgten der Markierung Nr. 13, es gab einige (leider in die Jahre gekommene) Erlebnisstationen. War ja gar nicht so übel, diese Sommerwanderung. Zudem trafen wir durchwegs auch andere Leute, die sich von der Hitze nicht abhalten ließen und im Wald unterwegs waren. Schließlich erreichten wir den Mühlsteinbruch. Dort gibt es einen Aussichtsturm mit einem herrlichen Blick auf Straden und nach Slowenien sowie einen Kegelplatz. Auf einem durchlöcherten Felsen steht ein Gipfelkreuz. Tief eingegraben sind die alten Schleifwege, über die die Mühlsteine ins Tal hinabbefördert wurden. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden hier Steine abgebaut.
Wir folgten der Wegmarkierung 13 weiter, neben dem Weg wuchsen Kanadische Goldruten und dort tummelten sich Schmetterlinge, Schwebfliegen, Hummeln etc. Hier gab es keinen Schatten, also fiel das Fotoshooting nur kurz aus. Auf dem Weiterweg kamen wir auf eine Wanderwegkreuzung und hier verließen wir den Weg mit der Markierung 13 und folgten der Nr. 12, die uns auf den Gipfel des Hochkogels führen sollte. Zuerst frohlockten wir. Noch mehr Schmetterlinge. Dukatenfalter, Perlfalter, Kleines Landkärtchen, Russische Bären – sogar einen Aurorafalter bildete ich mir ein, entdeckt zu haben. Ablichten ließ sich dieser muntere Geselle leider nicht.
Und dann kam die Bergwertung. Vulkane können ganz schön steil sein. 20 Meter vor dem Gipfel überlegte ich ernsthaft, umzudrehen. Zum Glück hielt ich durch. Auf dem Gipfel steht eine Ruine. Ein ehemaliger Turm und davor liegt ein steinerner Kopf. „Schau, der R.“, meinte ich scherzhaft zu Gregi. „Welch eine frappierende Ähnlichkeit!“, bestätigte auch er. Es dauerte nicht lange, und ein weiterer Wanderer kam des Weges, und danach noch einer. Vielleicht sind wir doch keine Aliens? Oder es gibt einfach mehrere von uns.
Nachdem wir getrunken hatten und erfolglos einem Schwalbenschwanz mit der Kamera gejagt hatten, traten wir den Rückweg an. Nicht den ganz steilen, den wir heraufgekrochen waren, aber auch nicht den ebeneren, der nach „Gleichenberg Dorf“ führte, sondern die dritte Variante. Bergab – schon auch steil, aber halt nicht ganz so steil. Schließlich und endlich kamen wir wieder zur Lichtung mit den vielen Schmetterlingen und dann folgten wir den bereits bekannten Weg. Bis wir auf die hölzerne Wegtafel „Kirchenweg Gosendorf“ trafen. Diesen Kirchenweg folgten wir eine Weile und entdeckten dabei einen alten Bildbaum. Endlich trafen wir wieder auf ein Wanderschild mit der Aufschrift „Waldlehrpfad“. Diesem folgten wir und kamen beim „Bründl“ heraus – der einzigen Quelle des Bscheider Kogels. Dieses Wasser musste den Bergmännern, die weiter oben auf dem Mühlsteinbruch arbeiteten, ebenso kostbar vorgekommen sein wie die Heilquellen im Tal, die schon von den Römern genutzt wurden. Nicht nur die Bergmänner selbst benötigten dieses Wasser, sondern auch ihre Zugtiere.
Apropos Heilquellen im Tal: 1845 fand man vier Meter unter der Erde einen steinernen Brunnenkranz aus der Römerzeit. Weiter entdeckte man dort 74 römische Münzen und 12 versteinerte Haselnüsse. Lustig … 12 versteinerte Haselnüsse. Ob es in der Antike bei dieser Quelle auch schon einen Park zum Lustwandeln gab – und ob tierliebende Römer die Eichhörnchen auch schon fütterten? Wer weiß.


























