Distanz | Höhenmeter | Dauer | |
ERLebenspfad Unterlamm | 3,08 km | 77 HM | 0:55 h |
ERLebenspfad Magland | 5,5 km | 65 HM | 1:30 h |





Feiertage sind geschenkte Freizeit. Diese kostbare Zeitgeschenke wollen wir mit schönen Erlebnissen füllen. Zu Ostern hatten wir den ERLebenspfad Oberlamm erkundet und waren sehr begeistert. Daher beschlossen wir, den Fronleichnamstag wieder nach Unterlamm zu fahren – zwei ERLebenspfade kannten wir noch nicht. Da am Nachmittag Regen prognostiziert war, fuhren wir schon in der Früh los. Als erstes wollten wir den kürzeren ERLebenspfad Unterlamm ansehen. Das Auto kann man im Zentrum von Unterlamm parken, bei der Wandertafel gibt es auch gratis Wanderkarten zum Mitnehmen.
Die Kirche Unterlamm kann mit einer Besonderheit aufwarten: die Nachbildung der Mariengrotte von Lourdes. Sie wurde im Jahre 2006 auf Initiative des damaligen Pfarrers von Unterlamm, Franz Brei, gebaut. Pfarrer Franz Brei ist ein talentierter und musikalischer Mensch. Bekannt wurde er 2009, als er beim Grand Prix der Volksmusik teilnahm und den respektablen 3. Platz erreichte.
In der Monstranz der Lourdsgrotte soll sich eine Reliquie der Heiligen Bernadette befinden. Doch Unterlamm kann noch mit weiteren Reliquien aufwarten: eine von der Diözese Bamberg und eine von der Diözese Regensburg. Beide befinden sich noch nicht allzu lange in Unterlamm. Ich muss gestehen, dass mich tote Knochen wenig begeistern, und mit dem Reliquienkult kann ich wenig anfangen. Ich schätze mehr die Natur und die Tiere, die man dort entdecken kann.
Daher zog es mich den Hügel hinauf, wo sich bei den früchtetragenden Kirschbäumen das pralle Leben entfaltete. Da fühlte ich mich schon eher wohl, genau wie die Stiglize, Stare, Amseln und Spatzen. Besonders ein Jungstar (Vogel, kein Künstler) hatte es mir angetan. Er saß auf einem Hausdach und versuchte, mit seinen starken, bereits mit wunderbaren Federn ausgestatteten Flügeln wie ein Kücken zu fächeln und nach Futter zu betteln. Etwas weiter entfernt saß ein Elternteil (gleich groß wie er selbst) und blickte ihn ungläubig an.
Der Weg führte weiter bergauf zu den Naturschutzwiesen Vorderberg und zur Aussichtswarte. Die Artenvielfalt auf diesen Wiesen war herrlich. Die Schmetterlinge waren emsig unterwegs, und Gregi war ganz außer sich. „Ein Wiesenvögelchen mit zwei Punken auf dem Unterflügel“, schwärmte er. Ich kam zuerst gar nicht richtig mit. Gut, ich hatte im Gras auch einige Vögelchen fotografiert, die auf einem Halm saßen. Doch was um alles in der Welt meinte er mit Punkten? Okay, ein Schmetterling also, der Wiesenvögelchen genannt wird. Nur das die Wiesenvögelchen eigentlich keine Punkte am Unterflügel hätten – seiner aber schon – erfuhr ich von Gregi.
Von der Aussichtswarte hat man einen tollen Blick auf die Riegersburg, unter der Aussichtswarte stehen bequeme Liegen … ein idealer Platz für ein Picknick. Die nächste Wegstrecke verlief wie durch einen finsteren Tunnel – ein kleiner, schattiger Wald. Danach kamen wieder Hecken und Wiesen mit ganz vielen Schmetterlingen und Vögeln. Schwalben schwirrten wie Pfeile durch die Luft, in einer Geschwindigkeit, dass man sie unmöglich ablichten konnte. Sie sind meines Erachtens die größten Flugkünstler.
Bei unserer letzten Wanderung in dieser Gegend stellte ich fest, dass Unterlamm das Osterhasenland sei. Bei dieser Wanderung wurde meine Annahme bestätigt. Als ich ins Tal hinuntersah, erblickte ich auf einem Feld vier riesige Feldhasen, die miteinander abfangen spielten. Hasen sind schon urige Tiere. Gehen sie nur ein kleines Stückchen, machen sie fast einen Katzenbuckel und strecken die Beinchen hoch auf … bei größerer Geschwindigkeit schnellen die starken Beine nach hinten, während der Körper recht tief am Boden ist (wie ein tiefgelegter Ferrari).
Den Hügel ging es auf einem schmalen Asphaltstreifen hinab, dann kamen wieder herrliche Wiesen. Ein Perlfalter war gutmütig und ließ sich fotografieren. Ein Neuntöterweibchen mit einer Spinne im Schnabel hielt ebenso still. Plötzlich begannen die Glocken zu läuten – es war ein derartiger Lärm, den selbst ein Flughafen kaum übertreffen konnte. Das war der Zeitpunkt, in dem mir die Bewohner von Unterlamm etwas leidtaten.
Als wir wieder ins Dorf kamen, war es bereits Mittag, und wir waren schon etwas hungrig. Zum Glück fanden wir einen ganz tollen, schattigen Gastgarten. Beim Mittagessen konnten wir die Trachtenkapelle, den Pfarrer, die Feuerwehr, den Kameradschaftsbund sowie die Pfarrbevölkerung beobachten, die am Fronleichnamsumzug teilnahmen.
Frisch gestärkt traten wir nun den ERLebnispfad Magland an. Zuerst mussten wir der Straße ein kurzes Stück aus dem Ort hinaus folgen, und dann kam das erste Highlight: ein Fünfsterne-Insektenhotel. Danach kamen wir zur Naturteichanlage. Auf einem Schild las ich mit Verwunderung, dass Erdkröten bis zu zwölf Jahre werden könnten. Gregi fotografierte indessen einen hübschen Wasserfrosch. Eine kecke Mücke hatte es sich hinter den Nasenlöchern des Frosches bequem gemacht. Zwischen den Seerosen entdeckten wir eine Sumpfschildkröte. Rund um die Teiche war ein keltischer Baumkalender angelegt, riesige Spiegelkarpfen drängten sich im Uferbereich in der Hoffnung, gutes Fischfutter zu bekommen.
Die einzige Stelle des Wanderweges, an der die Beschilderung nicht eindeutig war, war am oberen Ende der Teichanlagen. Bitte links die Straße bergauf gehen. Im Wald wurden wir von einem Eichelhäher beobachtet. Mit seinen hellblauen, klugen Augen beäugte er uns kritisch, kam schließlich zum Schluss, dass wir harmlose Zeitgenossen seien, und ließ sich letztendlich sogar fotografieren. Im weiteren Verlauf der Wanderung sahen wir auch einen Gartenrotschwanz und einen „Schwammerlsucher“, dessen Ausbeute nicht allzu üppig war.
Im Ortsteil Magland gab es dann richtig viele Vögelchen. Neben den Schwalben und Spatzen sahen wir einen Truthahn, der unter dem Eskimo-Sonnenschirm einen Balztanz aufführte. Besonders hübsche, wuschelige große Hühner scharrten unter Obstbäumen, sogar eine Gänseweide gab es in Magland.
Beim Zurückgehen marschierten wir wieder durch wunderbare Wiesen. Jetzt muss ich mal ein großes Lob aussprechen: der Wanderweg ist sehr gepflegt, und durch die Wiesen sind schmale Streifen für Wanderer ausgemäht. Eine Tafel wies uns darauf hin, dass der Naturschutzbund in dieser Gegend bei einer Biokartierung eine Orchideenwiese gefunden hatte, wo 24 geschützte Blumenarten wuchsen. Den Standort dieser Wiese würde man (was ich nachvollziehen kann) nicht verraten. Das letzte Wegstück zurück zum Ort führte uns entlang des Baches.
Wir können diese Wanderungen mit besten Gewissen weiterempfehlen. Selten haben wir so eine große Artenvielfalt gesehen. Die herrlichen, belebten Wiesen, die vielen Kirschbäume, die Naturteichanlage … wir hoffen, dass dieses wunderbare Stückchen Natur noch lange erhalten bleibt.



















