„Sagenpfad und Motorikpark“ – Fürstenfeld

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg:

6,3 km

32 HM

3 h

Start:

Fürstenfeld

Schwimmbad 

Normalerweise startet der Sagenpfad bei der Pfeilburg. Schön ist sie, diese Burg. Sie wurde um einen mittelalterlichen Wohnturm aus dem 13. Jh. errichtet, den Schwarzturm, der Teil der Ringmauer war. Die Form der Pfeilburg, wie sie jetzt vor uns steht, erhielt sie im 16. und 17. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte hatte die Burg viele Funktionen. 1690 wurde sie eine Tabakfabrik, später war sie einmal eine Schule, dann eine Kaserne und noch später ein Kriegsgefangenenlager. Und in den 1970er-Jahren hätte sie abgerissen werden sollen. Zum Glück gab es da kluge und weitsichtige Personen in Fürstenfeld, die das verhinderten. Ein Museumsverein sowie die Stadt Fürstenfeld entschlossen sich, das alte geschichtsträchtige Gemäuer zu revitalisieren. Und darin wurde 1999 das Stadtmuseum von Fürstenfeld eingerichtet („Kruzitürken-Museum“, „Tabakmuseum“).

Der Wanderweg leitet weiter zur Augustinerkirche, durch das Stadttor – links runter zum Wallgraben, auf den Dreikreuzberg zum Campingplatz und in den Buchenwald.

Da es in Fürstenfeld eine zweite ganz tolle Wanderung gibt (den Festungsweg), der die Innenstadt auch beinhaltet (von dieser Wanderung werden wir ein andermal berichten), starteten wir die Wanderung zum Sagenpfad beim Parkplatz des Freizeitbades. Wir stiegen aus dem Auto und ein Schneesturm empfing uns. Binnen kürzester Zeit war ich klatschnass (trotz Schirm). Gut, den hatte ich hie und da weggelegt, gab es doch so tolle Fotomotive bei der Freizeitanlage (und ich habe eben nur zwei Hände). Gregi, der partout nicht verstehen wollte, was an diesem Schwimmbad so interessant wäre, belächelte mich nur. Klar auch – er war trocken geblieben. Trotz Schneegestöbers und inzwischen eiskalten Händen marschierten wir zu zweit heldenhaft in Richtung einer gespenstisch einsam wirkenden Campinganlage. Schnell an diesem saisonbedingten „Lost Place“ vorbei und hinein in den Buchenwald. Hier beginnt der Motorikpark mit seinen abenteuerlichen Stationen, hier findet sich auch eine Station des Sagenpfades (Wasserspielplatz).

Doch viel, viel interessanter fanden wir das Getümmel, das sich über unseren Köpfen in den Wipfeln der Bäume abspielte. Ein Buntspecht hämmerte voller Energie – der hohle Baumstamm war ein wunderbarer Klangkörper. Auf den hohen Fichten ernteten winzige Meisen irgendwelche Samen. Kopfüber hing da ein Federbällchen auf einem Ästchen und futterte etwas. Was für eine akrobatische Leistung! Wir sind zwar auch recht geübte Esser, doch kopfüber auf einem Ast hängend würden wir wohl kaum etwas runterkriegen.

Wir gingen die Feistritz entlang, links von uns erhob sich ein Hügel nach dem anderen. Hinter den sieben Bergen der Sagenpfad. Ob wir den Zwergen begegnen würden? Kurzer Abstieg in einen Graben, dann rauf auf den nächsten Hügel zur Energiepyramide. „Jetzt haben wir den Rilkeweg von Fürstenfeld erreicht“, bemerkte ich und hielt einen ordentlichen Respektabstand zur Abbruchlinie, unter der sich die Feistritz schlängelte. „War denn der Rilke mal in Fürstenfeld?“, wollte Gregi wissen. „Glaub nicht. Doch irgendwie erinnert mich das an Duino. Nur dass das Gewässer da unten nicht das Meer ist, sondern die Feistritz, und dass das hier keine Felsen sind, sondern … äh … Erde“, erklärte ich. „Schaut ganz anders aus“, stellte Gregi lapidar fest und betrachtete interessiert das „Graue Männlein am Kogel“, das mutig auf einer Wurzel thronte. Darunter nichts – mindestens 20 Meter bis zur Feistritz.

Wir gingen weiter und fühlten uns etwas beobachtet. Hatte sich bei diesem unwirtlichen Wetter noch jemand hinausgetraut? Riesige, giftig grüne Augen lugten über kleine Fichten zu uns rüber. Ein Waldtroll, weit ist sein Maul aufgerissen. Dieses mussten wir passieren, da wir den Klinserlpfad runterklettern wollten.

„Der Kerl hat bestimmt Mundgeruch. Ich werde da nicht durchgehen“, bemerkte ich. „Folgen wir weiter den Erlebnisstationen des Motorikparks.“ „Du traust dich da nicht runter“, entgegnete Gregi grinsend und beäugte den steilen Waldpfad (schneebedeckter Boden, dazu eine dicke Laubschicht). „Das auch“, gab ich zu, „und schau, da vorne gibt es zwei tolle Trichter!“

Wusste ich es doch! Gregi hatte auch keine Lust, diesen halsbrecherischen Pfad hinunterzuwandern. Schon war er bei den Holztrichtern. Begeistert kniete er auf der Bank zwischen den beiden Holzkunstwerken (auf der Bank lag Schnee!!) und sagte begeistert: „Jetzt sehe ich aus wie Shrek mit seinen Ohren. Mach ein Foto!“ Und ich machte ein Foto. Aber nicht von Gregi, der glaubte, wie ein Filmmonster auszusehen, sondern von einem hübschen Rehlein im Teenageralter. Dieser junge und sichtlich unerfahrene Waldbewohner beobachtete mich und überlegte angestrengt, wie er jetzt angemessen reagieren sollte. Sich hinter einem Baum verstecken (blöderweise ragte jedoch immer das Hinterteil hinter dem Stamm hervor) oder vielleicht doch weglaufen? Letztendlich trollte er sich – jedoch nicht allzu hastig. Bei dieser Wanderung kehrten wir nach Fürstenfeld zurück, um den wahrlich interessanten Adventmarkt zu besuchen.

Bei einer früheren Wanderung waren wir den Klinserlpfad nach unten gegangen und hatten auf dem weiteren Sagenpfad noch ganz bezaubernde Sagenwesen entdeckt. Nicht entdeckt hatten wir jedoch die kupferzeitliche Siedlung, die sich im Buchenwald befunden haben soll. Aber egal, die Wegführung hier – so hoch über der Feistritz – ist einfach prächtig. (Und egal, was Gregi auch sagt, sie sieht doch ein klein bisschen aus wie der „Rilkeweg“).

Altenmarkt (die Endstation des Sagenpfades) trägt seinen Namen nicht umsonst, immerhin war es früher eine Römersiedlung. Die vom Johanniterorden gegründete Pfarrkirche zum Hl. Donatus hat es auch in sich. 1986 war die Kirche renoviert worden und man hatte (unter zwölf Farb- und Putzschichten) alte Fresken aus dem 13. Jahrhundert gefunden.

Die Fresken konnten wir nicht besichtigen, hatten wir es doch eilig. Bald würde es dunkel werden und wir mussten nach Fürstenfeld zurück. Wir hatten Glück, über den Feldweg kamen wir rasch vorwärts, denn unsere Umgebung war jetzt nicht mehr ganz so lieblich wie im Buchenwald. Einen kurzen Fotostopp gab es trotzdem noch (bei einer Teichanlage).

Es war bereits finster, als wir in Fürstenfeld ankamen. Das Auto stand noch immer beim Badparkplatz und wir wollten die Konditorei Ulreich am Hauptplatz besuchen. Sollten wir das Auto starten? Oder sollten wir noch die steile Stufe hinaufsteigen und direkt durch den nächtlichen Friedhof in die Stadt gehen? Aber das ist eine ganz andere Geschichte …

www.sagenpfad.at.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert