„Kulturwanderweg Hengist-Weitendorf-Kuketz-Runde“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg:

9,5 km

92 HM

3 h

Start:

Weitendorf

Kirche  

Manchmal muss man sich überwinden, bei kaltem und nassem Winterwetter ins Freie zu gehen. Aber ehrlich… immer wieder ist man froh darüber, den inneren Schweinehund besiegt zu haben.
Mitte Dezember – ein trüber, kühler Tag ohne Sonnenschein – da trifft man auf Wanderwegen kaum Passanten. Jedenfalls nicht in Weitendorf in der Nähe von Wildon. Schade eigentlich, denn dieser auf den ersten Blick nicht gerade aufregende Ort hat einige wirklich interessante Plätze, die es verdienen, entdeckt zu werden.
Wir parkten unser Auto vor dem Gemeindeamt von Weitendorf (welches unser Autonavi aus welchen Gründen auch immer einfach nicht finden wollte). Weitendorf gehört zu den Kulturgemeinden Hengist. Dieses Gebiet ist seit etwa 6000 Jahren von Menschen besiedelt (Hügelgräber und Urnenfelder aus verschiedensten Epochen). Doch nicht nur Menschen haben hier ihre Spuren hinterlassen: Funde bezeugen, dass es in dieser Gegend auch recht interessante Tiere gab – wie zum Beispiel Wollhaarmammuts. Doch dazu später.
Wir marschierten vom Gemeindeamt los, an der Kirche vorbei in Richtung Westen. Weitendorf war früher ein Rundangerdorf. Heute befinden sich die Häuser samt Ställen links und rechts der Asphaltstraße. Wo sich der „Anger“, der kreisförmig umbaut worden war, einst befand, konnte ich nicht mehr ausmachen.
Wir kamen an einem hübschen Dorfteich vorbei, bogen kurz darauf rechts in eine Siedlung ab und von dort erreichten wir den Waldrand des „Kaiserwaldes“. Im Schotter der „Kaiserwaldterrasse“ hat man etwas Altes und sehr Interessantes gefunden: den Backenzahn eines jungen Wollhaarmammuts. Wer den Film „Ice Age“ gesehen und sich an „Manny“ erinnern kann, hat in etwa eine Ahnung, wie so ein Wollhaarmammut ausgesehen haben mag (nur ohne exakten Scheitel und Lockentolle).
Unser nächstes Ziel war der Weitendorfer Basaltsteinbruch. International ist dieses Bergwerk bei Fachleuten wegen seiner außergewöhnlichen Mineralien berühmt … und auch wegen der Fossilien. Dieser Steinbruch hat es wirklich in sich. Wären wir vor etwa 15 Millionen Jahren hier unterwegs gewesen, hätten wir nicht wandern können, sondern hätten schwimmen müssen. Hier gab es ein Meer – besser gesagt, ein tropisches Flachmeer mit vielen Bewohnern. Über 100 verschiedene Meeresorganismen haben hier friedlich gelebt … bis vor etwa 14,5 Millionen Jahren aus den Erdritzen glutflüssiges Magma austrat. Dieses Magma bildete eine 10 km² große und etwa 30 m hohe Basaltdecke über dem Meeresboden.
Unter der Basaltdecke des Steinbruchs liegt nun dunkelgrauer Tonmergel. In diesem kann man die Fossilien dieser ehemaligen Meeresbewohner finden. Untersuchungen haben gezeigt, dass man heute die nächsten Verwandten dieser versteinerten Wasserwesen im Indischen Ozean und im Roten Meer antreffen kann.
Doch nicht nur das, was sich unter dem Basalt befindet, begeistert die Geologen. Auch die vulkanische Schicht ist für Mineraliensammler und Wissenschaftler höchst aufregend. In den Blasenhohlräumen des Vulkangesteins bildeten sich hübsche Mineralien aus. So wurden im Weitendorfer Steinbruch bereits Calcite in den verschiedensten Farben, Aragonite, Chalcedon, Achate, CT-Opale etc. gefunden.
Es ist verboten, dieses Bergwerk zu betreten. Daran hielten wir uns natürlich. Doch auch von der Straße aus hatten wir die Möglichkeit, ganz originelle Bilder von der ehemaligen Steinbrechanlage zu knipsen. Ein erstklassiger Lost Place. Die Außenfassade zur Straße hin war so interessant, dass wir hier sehr lange Zeit immer wieder außergewöhnliche Details ablichten konnten.
Danach wanderten wir weiter zur Kainach. Ich will nicht beurteilen, was das größte Highlight dieser Wanderung ist, aber die Wegstrecke zwischen Kainachbrücke und Faltikögerl steht ganz weit oben. Zwischen einem sehr großen Teich und dem noch recht naturbelassenen Fluss gibt es einen Weg, viel Wildnis und ganz viele Vögel. Das nasse Moos leuchtete in einem Sattgrün, das Eis des Teiches schimmerte im dunklen Türkis und bildete einen herrlichen Kontrast zu den orangen Blättern eines Strauchs.
Der Faltikögerl ist ein Hügel … ein sehr, sehr steiler Hügel … und er ist wahrscheinlich nicht von Natur aus so steil. In früheren Zeiten waren die Menschen auch recht fleißig und sie hatten den Wunsch, einigermaßen sicher zu leben. Daher hatten die Leute, die den Faltikögerl besiedelten, auf allen Seiten deutlich abgeböscht. Seit 2007 finden Grabungsarbeiten auf dem Faltikögerl statt. Drei Bau- und Siedlungsphasen konnten nachgewiesen werden – von der jüngeren Urnenfelderzeit bis zum Mittelalter. Keramikfragmente hat man gefunden, Spinnwirtel und Webstuhlgewichte, aber auch einen Fußboden. Wir statteten dem Faltikögerl einen Besuch ab. Ruhende Ausgrabungen sind nicht sonderlich spektakulär: eine Hütte, Zäune und Abdeckplanen. Der Ort selbst allerdings hat schon etwas, auch wenn das Plateau des Kögerls nicht allzu groß ist.
Und weiter ging unsere Wanderung. Über tief eingeschnittene Hohlwege stiegen wir stetig den Kuketz bergauf. Nur 399 Meter ist dieses Bergerl hoch, doch geologisch hat es trotzdem viel zu bieten. Neben Sanden und Mergel (die etwa 15 Millionen Jahre alt sind) gibt es hier auch sehr, sehr alte Gesteine, die stolze 400 Millionen Jahre auf dem Buckel haben. Und Eisenerz fand man hier auch. Auf dem Kuketz gab es früher Bergbautätigkeiten. Dazu waren allerdings keine Sprengungen nötig, nein, man musste nur die Erzbrocken ausbuddeln. Die Limonitknollen, welche einen Eisengehalt von bis zu 60 % hatten, fand man gleich unter der Erdoberfläche. Über 200 bis zu 2 Meter tiefe Mulden (Pingen), wo man diesen Brauneisenstein ausgegraben hat, kann man am Kuketz zählen.
Irgendwann kamen wir wieder ins Tal und zur Kainach. Die nächste Wegstrecke war leider nicht mehr so idyllisch und interessant. Zuerst ging es unter der Eisenbahnbrücke durch, dann kamen wir bei der Kompressorstation der Trans Austria Gasleitung vorbei. Dann noch unter der Autobahn durch und schon waren wir im Ort Lichendorf. Über Feldwege und kleine Asphaltstraßen erreichten wir Klein-Weitendorf, von dort wieder unter der Autobahn durch zum Ausgangspunkt.
Da wir in Weitendorf selbst kein offenes Restaurant fanden, beschlossen wir, einen Abstecher ins nahe gelegene Wildon zu machen. Direkt im Ort gibt es das Café/Pizzeria „Marktstüberl“. Dort bekamen wir am frühen Nachmittag ein gutes Mittagessen.
Anschließend spazierten wir über Treppen zur Kainach (das letzte Stückchen des Flusses, bevor sie in die Mur mündet) und weiter zum Badeteich, wo es im Dezember einen kleinen Adventmarkt gab. Hier war es (trotz des nicht gerade lauschigen Wetters) sehr belebt. Verkaufs- und Glühweinstände befanden sich auf der einen Seite. Für vorweihnachtliches Ambiente sorgten die Lichterketten in den Bäumen. Nicht schlecht. Und trotzdem bevorzugte ich die andere Seite. Die Badesee-Seite, wo zwei Eltern-Schwäne mit ihren drei Teenagerschwänen (graue Färbung) unterwegs waren. Dieser Familie hatte sich auch eine Ente angeschlossen, die sich ordentlich ins Zeug legen musste, um beim Tempo, welches die großen Schwäne vorlegten, mithalten zu können.
Doch richtig sensationell finde ich den Blick auf den Ort Wildon mit der hoch aufragenden Kirche und dem legendären Burgberg dahinter, den wir schon einmal auf einer früheren Wanderung erkundet hatten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert