Klammleiten-Klamm – Königswiesen

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

511 HM

4:30 h

Start:

Königswiesen

   

Der Wetterbericht hatte 6 Grad Celsius prognostiziert und ab Mittag sollten Niederschläge kommen. Gregi und ich wollten wandern gehen. Wettervorhersage hin oder her … es werde wohl nicht so schlimm kommen, dachten wir. Eines kann ich schon mal vorwegnehmen: Der Wetterbericht ist zuverlässig.

Circa acht km ist Königswiesen von Unterweißenbach entfernt. Schnell waren wir mit dem Auto dort, geparkt wurde am öffentlichen Parkplatz beim Friedhof. Gregi hatte schon mal eine Bäckerei entdeckt – die würden wir nach der Wanderung aufsuchen. Und wenn wir schon dabei seien, könnten wir dann auch noch die gotische Kirche mit ihrer bemerkenswerten Gewölbedecke besuchen, erklärte ich.

Zu Königswiesen: Es gibt da eine Sage, dass eine Königstochter ihren Schleier verlor. Dieser wurde dann in „Chunigeswisen“ aufgefunden, die Prinzessin war glücklich und ließ aus Dankbarkeit eine Kapelle erbauen. Viel berühmter ist die Schleierlegende, die von der Gründung von Klosterneuburg erzählt. Da trug der Wind den Hauptschleier von Agnes (der Gemahlin des Markgrafen Leopold) vom Kahlenberg nach Klosterneuburg, woraufhin der Markgraf ein Kloster stiftete. Die edlen Herren hätten ihren Damen besser hübsche Spangen zum Befestigen der Kopfbekleidung geschenkt, die wären weitaus günstiger als Klöster oder Kapellen gewesen.

Verschleiert war die Landschaft, als wir in Königswiesen losmarschierten. Wolken, Nebelschwaden, eine düstere Stimmung … und plötzlich in der klatschnassen Wiese ein geschäftiges Treiben. Eine Drossel hüpfte tapfer zwischen den tropfnassen Halmen umher.

Weiter ging es dann in Richtung Klammleitenklamm. Früher gab es hier Mühlen … heute gibt es hier ein Wasserkraftwerk. Trotz dieses E-Werks ist es hier idyllisch. Das Bächlein schlängelt sich durch die saftige Wiese, Sumpfdotterblumen wachsen am Ufer. Das Gelb der Blumen harmoniert herrlich mit dem braunen Bach. Aber nicht dass das Wasser schmutzig wäre, nein – glasklar sieht man auf den Grund. Moorwasser – würde ich mal sagen. Viele Bäche im Mühlviertel haben diese Färbung.

Beim E-Werk Ebner überquert der Wanderweg das Bächlein. Hier gibt es eine grandiose Blumenvielfalt. Rote Lichtnelken, Taubnesseln, Wolfsmilch, Milzkraut, Günsel, Lungenkraut …

Wir erreichten den Wald, steil ging es nun bergan – es war eine Rundwanderung, hier müsste ich zum Glück nicht mehr heruntergehen. Zunächst wanderten wir hoch über dem Bach, etwas später waren wir beinahe auf Bachbetthöhe – jedoch war der Bach verschwunden. Unterirdisch fließt er hier – die Stelle wird Teufelsmühle genannt und dazu gibt es auch eine Sage. Ein braver Müller verstarb und hinterließ die Mühle seiner hartherzigen und gierigen Frau, die kein Herz für Notleidende hatte. Wer sich einigermaßen mit Sagen auskennt, weiß, dass der Untergang der Mühle in diesem Fall unumgänglich ist. Still war es in diesem Klammteil, große Granitblöcke lagen im Bachbett, vom Wasser war weder was zu sehen noch zu hören. Nur an einem Platz – beim „Kindlstein“ – sollte man das Rauschen des unterirdischen Baches vernehmen. Dort würde der Teufel in der versunkenen Mühle weitermahlen.

Die Sagen sind unheimlich, die Umgebung einfach märchenhaft. Ein Baumstamm erinnert an eine Zwergenkathedrale, man wandert zwischen moosbewachsenen Steinblöcken durch beziehungsweise an riesenhaften Granitwänden vorbei. Immer weiter folgten wir dem verschütteten Bachbett bergauf und endlich konnten wir das munter über kleine Kaskaden springende Wasser wieder sehen.

In früheren Zeiten, wo man Holz noch über die Bäche transportiert hatte, war im Bereich der Holzschwemme (des Gfluders) das Wasser gestaut worden. Viel Wasser benötigte man, um die Holzstämme über den Teil der Klamm zu transportieren, an dem der Bach im Normalfall unterirdisch fließt. Im Frühling – bei Tauwetter – wurde dann geschwemmt. Bis zu 3000 Personen hatten bei dieser gefährlichen Arbeit mitgeholfen – auch Frauen und Kinder.

Weniger gefährlich ist es heutzutage, die „Himmelsleiter“ zu ersteigen. Dank eines Drahtes, der fest an der Steinwand verankert ist, konnte sogar ich zum nächsten Teil der Klamm gelangen. Und schon erreichten wir die nächste Attraktion.

Der Kanzlstein ist eine riesige Felsformation, hoch aufragend. Über Stiegen könnte man hochklettern zur „Kanzl“. Die erste Stiege wagte ich mich hoch, das Moos auf dem Stein war klatschnass und rutschig, ein tiefer Spalt müsste überwunden werden, um auf dem nächsten Steinblock und zur nächsten Leiter zu kommen. Daneben geht es runter – freier Fall. „Ich pass einfach auf keine Kanzel“, entschied ich und kletterte unverrichteter Dinge wieder die Leiter runter. Dafür setzte ich mich aufs Bankerl in der „Herberge“. Ein überhängender Steinblock, der ein trockenes Platzerl für mindestens eine Familie schuf. Über die Reindlmühle ging es weiter, immer den Bach entlang. Holzarbeiten hatten in diesem Teil der Klamm stattgefunden, dadurch war es hier bei Weitem nicht mehr so hübsch.

Am Ende der Klamm kamen wir auf eine Asphaltstraße, dann ging es bergauf in Richtung Haid. Auf den weiten Wiesenflächen gibt es hin und wieder riesenhafte Granitblöcke, dort wachsen auch Bäume, Büsche und Blümchen. Kaum hatten wir die Anhöhe erreicht, begann ein heftiger Graupelschauer, kleine Eisklümpchen sammelten sich am Straßenrand. Mir taten die blühenden Apfelbäume leid. Wir marschierten an einem wunderbaren Steinbloß-Gehöft vorbei – aus Kalkmangel hatte man früher nicht die ganze Fassade verputzen können. Die unverwüstlichen Steine hatte man ausgelassen, nur die heiklen Zwischenräume waren mit weißem Kalkputz versehen worden.

Langsam, aber sicher näherten wir uns der Ortschaft Haid. Hier sollte es eine Gastwirtschaft geben, den „Hoadhof“, der sein 150-jähriges Jubiläum feierte. Wir hatten Glück, der „Wirt auf da Hoad“ hatte geöffnet. Wir waren die einzigen Gäste, doch wir speisten vorzüglich. Gregi war ganz besonders vom Topfenschmarrn begeistert.

In Haid gibt es viele Pferde – Wanderreiten ist in dieser Gegend angesagt. Als wir beschwingt das Gasthaus verließen, beobachteten uns die Vierbeiner neugierig. Bei diesem Wetter wollte niemand reiten. Den Pferden war fad und wir unerschrockenen oder „depperten“ Wanderer, die sich bei diesem Wetter raustrauten, waren da eine kleine Sensation. Inzwischen war es richtig kalt geworden, der Wind hatte aufgefrischt und die Eisklümpchen kamen waagrecht daher und taten auf der Gesichtshaut ein klein bisschen weh.

Zum Glück dauerte dieser Schauer nur kurz an, außerdem stiegen wir wieder in Richtung Tal, wo der Wind nicht ganz so arg ankonnte. Der Schwarzaubach hat auch eine braune Färbung – trotz klaren Wassers. Ihm folgten wir bis kurz vor Königswiesen – wo uns der nächste Graupelschauer empfing.

Klatschnass waren wir inzwischen – trotz Regenponcho –, doch das hielt uns nicht ab, die Kirche anzusehen. Sie ist uralt, Teile stammen aus dem Jahr 1147 (Romanik). Doch berühmt ist sie wegen des gotischen Schlingrippengewölbes, bestehend aus 480 Feldern. Auch der geschnitzte Altar sowie der Hochaltar sind wunderhübsch.

Und dann war da ja noch die Bäckerei, die ein Kaffeehaus angeschlossen hatte. Diese mussten wir natürlich auch noch besuchen.

Bei 13 km und 511 Höhenmetern darf man schon ein bisschen was naschen – als Gehzeit waren 4,5 Stunden angegeben (was wir natürlich nicht schafften). Ehrlich, wäre der schlimme Graupelschauer nicht gewesen, der uns gehörig Tempo zulegen ließ, ich schätze, wir wären erst kurz vor der Abenddämmerung zurückgekommen. Ob die Speicherkarte der Kamera ausgereicht hätte? Wer weiß …

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