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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg |
3,97 km |
0 HM |
1 h |
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Start: |
Bildein |
Kirche |







„In Bildein gibt es Bienenfresser – ich will dorthin“, beharrte Gregi, obwohl ich ihn darauf hinwies, dass die Temperaturen auf über 30 Grad klettern würden und ich daher eher einen Spaziergang im Wald vorziehen würde. „Bienenfresser“, kam nochmals als Argument und: „Ich bin heute um 5.00 Uhr aufgestanden, wir sind ja noch früh dran. Da werden wir nicht die ganz arge Hitze abbekommen.“
Gut, dann halt nach Bildein. Dorthin wollte ich schon länger, um den Grenzerfahrungsweg zu erkunden. Auch das burgenländische Geschichte(n)haus reizte mich. Also fuhren wir an die österreichisch-ungarische Grenze, nach Bildein.
Geparkt haben wir in der Nähe der Kirche. Das Ortszentrum gefiel mir ausgesprochen gut. Die Mariensäule mit den Weinranken, das Gemeindehaus, das Gotteshaus und die Platane, die daneben wuchs. Ein richtig hübsches Ensemble.
Von der Kirche gingen wir den Fußgängerweg in Richtung Friedhof, und dort gab es schon die erste Station: ein Labyrinth aus unzähligen weiß-roten Stangen. Ich muss ehrlich gestehen – ich habe das Zentrum des Labyrinths nicht erreicht. Irgendwie hat es mich wieder zum Ausgang geführt, obwohl ich es fast schon bis zur Mitte geschafft hatte. Einen zweiten Versuch wollte ich nicht wagen, immerhin hatten wir noch eine Wanderung vor uns, und es war schon recht warm. Also keine Zeit vertrödeln, dachte ich, während Gregi noch seelenruhig für lange Zeit im Labyrinth verschwunden blieb. Er fand das Zentrum, und ihm war es offensichtlich egal, dass es immer heißer und heißer wurde.
Als er es endlich auch wieder raus geschafft hatte, folgten wir dem Weg weiter bis zum Trafo, da mussten wir links abbiegen.
Bei der nächsten Station sahen wir einen sowjetischen Panzer, einen Schützengraben und einen originalen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Es ist empfehlenswert, die Informationstafeln aufmerksam zu lesen. Wie krank war doch das letzte Jahrhundert!
Von der Errichtung des Südostwalls wird berichtet, von den Todesmärschen der jüdischen Zwangsarbeiter, von der Ausbildung von „Arbeitsmaiden“ (die Männer waren ja an der Front, und die Frauen mussten sehen, dass sie die Wirtschaft und Landwirtschaft am Laufen hielten).
Dann kamen die Russen, und die Bevölkerung tat gut daran, so schnell wie möglich zu fliehen. Zwischen Bildein und Eberau gab es sogar einmal einen sowjetischen Militärflughafen.
Der Wanderweg führte uns bis zur Pinka. Unter der Staustufe badeten bereits Jugendliche. Wir haben es heute in Österreich richtig gut.
Vor der Pinka bogen wir rechts ab und folgten dem Fluss. Die Uferböschungen sehen naturbelassen aus – hier ist die Kinderstube von unzähligen Vögelchen. Emsig flatterten Schwalben in der Luft. Ein helles Zwitschern war zu hören. Gregi entdeckte sie zuerst. Fünf Schwalbenküken saßen auf einem Ast und wollten gefüttert werden. Keine leichte Aufgabe für die fürsorglichen Eltern.
Bildein gehört noch zum „Naturpark in der Weinidylle“. Es liegt zwar am Rand des Naturparks, in der Tiefebene. Aber wenn man am Ufer der Pinka entlanggeht, versteht man, dass diese Gegend wirklich schützenswert ist. In der Ferne sieht man Weinberge, Kirchtürme und Pappelalleen.
Und in der Nähe tummelten sich jede Menge Vögel. Zwei Bussarde kreisten in der Luft, ein Graureiher beschwerte sich lauthals, bevor er losflog. Eine blau schillernde Prachtlibelle sonnte sich auf einem Blatt, und auch Schmetterlinge waren unterwegs.
Zwei Kilometer östlich vom Ort Bildein verläuft die Grenze zu Ungarn. Und an dieser Grenze war es auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1989 nicht unbedingt harmlos. Ungarn gehörte zum Ostblock mit der Planwirtschaft. Der Westen mit seinen Freiheiten war verlockend… Doch Ungarn unternahm einiges, um seine Bürger daran zu hindern, nach Österreich auszuwandern. Bereits 1948 wurden vom ungarischen Staat auf 356 km Grenze erste technische Abriegelungssysteme eingerichtet. Beobachtungstürme, drei Meter hohe Stacheldrahtzäune und Minenfelder (Tretminen sowie Berührungsminen) sollten eine Flucht aus Ungarn verhindern.
1955 bis 1956 wurde die Grenze dann wieder entmint. 1956 kam es in Ungarn zu einem Aufstand. Große Teile der Bevölkerung erhoben sich gegen die kommunistische Diktatur. Zirka 180.000 Menschen flohen nach Westen.
1957 wurden wieder Tretminen verlegt. Diese blieben dann recht lange, bis man 1965 bis 1970 die Minen wieder räumte. Man hatte neue technische Möglichkeiten entdeckt: ein elektrisches Signalsystem wurde errichtet. Ein Entkommen aus dem kommunistischen Staat war immer noch nicht einfach. Erst 1989 beschloss das ungarische Politbüro, die technischen Grenzsperren abzubauen.
Als Kind bin ich mit meinen Eltern einige Male nach Ungarn gefahren. Am ungarischen Grenzübergang gab es immer ganz viele schwer bewaffnete Grenzbeamte oder Soldaten – so genau weiß ich das nicht. Ein Visum musste ausgefüllt werden, die Autos wurden akribisch durchsucht. Der Anblick von Männern mit Gewehren (auch wenn es meistens hübsche und junge Soldaten waren) war unheimlich. Es ist gut, dass diese schlimmen Zeiten vorbei sind.
Eine Station, der Grenzwächterturm, erinnert noch an den Eisernen Vorhang. Bei unserer Wanderung saß ein junger Gartenrotschwanz auf dem Masten mit den Lautsprechern. Wir wanderten in den Ort zurück und sahen noch die „schwimmende Brücke“. Gregi fotografierte einen sehr fotogenen Wandergelbling (Schmetterling).
Dann besuchten wir die Konditorei „Lendl’s Backstube“ in der Hauptstraße 132. Der Kaffee und die Mehlspeisen waren köstlich – unbedingt einkehren!
Leider hatte das Geschichte(n)haus noch nicht geöffnet (sonntags erst ab 14.00 Uhr).
Der Grenzerfahrungsweg von Bildein ist besonders empfehlenswert.
Doch auch die Natur rund um Bildein hat einiges zu bieten. Gut, Bienenfresser, deretwegen wir nach Bildein gefahren sind, haben wir keine gesehen. Aber trotzdem ist mir dort das tollste Vogelfoto meiner Hobbyfotografinnenlaufbahn geglückt. Und seien wir ehrlich – kleine Schwalben sind ja auch sowas von süß.






































