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Distanz |
Stationen |
Schwierigkeit |
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Rundweg |
3,5 km |
13 |
leicht |
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Start: |
Fürstenfeld |
Pfeilburg |









Von einer Fürstenfelder Wanderung habe ich schon einmal berichtet: „Sagenpfad und Motorikpark in Fürstenfeld“. Dazumal habe ich angekündigt, dass wir auch den Festungsweg beschreiben werden. Und dieses Versprechen löse ich jetzt ein.
Wir waren wieder einmal in der „Advent(markt)zeit“ unterwegs. Geparkt hatten wir wieder in der Nähe des Freibads, und über die steile Treppe und durch den Friedhof sind wir dann zur Altstadt marschiert. Der Festungsweg beginnt bei der Pfeilburg. Dort liegt auch ein Folder mit Informationen über diesen Stadtspaziergang auf. Auf dem Folder ist der Plan abgedruckt und eine zarte schwarze, strichlierte, sehr unscheinbare Linie zeigt, wie man gehen sollte. Ich bin leider manchmal etwas begriffsstutzig… Bei unserem Ausflug bin ich erst auf Höhe der Ungarbastei draufgekommen, dass es diese tolle schwarzstrichlierte Linie gibt, die den Weg anzeigt. Als ich das endlich begriffen hatte, fanden wir die restlichen Stationen des Lehrpfades wesentlich leichter. Denn mit meinen geliebten, gelben Wanderwegweisern kann diese Wanderung nicht aufwarten. Hin und wieder sieht man auf dem Weg das achtspitzige Kreuz des Johanniterordens, doch mit diesen Markierungen allein hätten wir die Route nie und nimmer gefunden.
Aber zurück zur Pfeilburg. Fürstenfeld hatte früher mehrere Burgen. Die älteste war das Schloss am Stein, das wir später noch sehen würden. Doch auch die Pfeilburg hat sehr alte Bauteile zu bieten. In ihr soll noch ein Wohnturm, welcher Bestandteil der mittelalterlichen Stadtmauer war, stecken. Schwarzturm heißt dieser mittelalterliche Wohnturm und hat seinen Namen entweder davon, dass er ausgebrannt und daher schwarz war, oder weil man in ihm einmal Schwarzpulver lagerte. Die Pfeilburg ist wunderbar renoviert, präsentiert sich im dunklen Anthrazit und beherbergt Museumsräumlichkeiten. Das Tabakmuseum (in der Pfeilburg war im 17. Jahrhundert eine Tabakfabrik) sowie das Kruzitürkenmuseum. Und da wir nun schon bei den Kuruzzen und den Türken sind … wir wollten ja dem Festungsweg folgen.
Wir durchquerten den Durchgang der Pfeilburg mit seinen Schaustücken und stiegen die Treppen hinauf zum „Kavalier“. Der Kavalier ist ein hoch aufgeschütteter Erdhaufen hinter der Pfeilburg, alte Obstbäume wuchsen auf ihm, und hier leben die mit Abstand fettesten Spatzen, die ich je gesehen habe. Von hier aus sieht man in den Festungsgraben, der heute sinnvoll als Spielplatz benutzt wird. Eine lange und tolle Rutsche schlängelt sich über den Hang des Kavaliers in den Graben.
Wir studierten die Schautafeln des Lehrweges und wurden – ehrlich gesagt – auch nicht unbedingt schlau daraus. Sie waren gespickt mit militärischen Begriffen, mit denen zumindest ich wenig anfangen konnte. Wir lasen, dass der Bereich, in dem uns gerade aufhielten, „Kavalier“ genannt wurde. Von einer „Katze“ las ich auch … und ich nahm schwer an, dass damit wahrscheinlich nicht die schwarze Katze gemeint war, die sich in meiner Nähe auf die Lauer gelegt hatte (wie gesagt, hier leben feiste Spatzen im Gebüsch).
Wollte ich nicht dumm sterben, müsste ich wohl mein Handy zu Rate ziehen. Dank Google weiß ich nun, dass eine „Katze“ eine erhöhte Schussstellung und der „Kavalier“ eine Geschützstellung ist, welcher alle umliegenden Festungsbauten deutlich überragt. Wieder was gelernt! Ob ich dieses Wissen je in meinem Leben nochmals brauchen werde, sei dahingestellt.
Wir gingen die Schleife zur Pfeilburg zurück und freuten uns am buckeligen Mauerwerk. Diesmal marschierten wir an der Treppe vorbei und folgten dem Asphaltweg, wobei wir (laut Schautafeln) zur „Kurtine“ gelangen sollten. (Kurtine ist laut Internet ein gerade geführter Wallabschnitt zwischen zwei Bastionen.) Womit die nächste Abfrage fällig wurde. Bastion würde auch Bastei heißen und wäre ein pfeilförmig vortretender Bauteil (gleich des Turmes einer Wehrmauer). Das war vor allem deswegen praktisch, weil man auf diese Weise sicher auf Angreifer schießen konnte, die versuchten, die Wehrmauer zu erklimmen. Dank meines klugen Handys kann ich mir jetzt ein bisschen vorstellen, wozu welcher Bauteil gut war. Gut, im Alltag braucht man dieses Wissen zum Glück nicht. Unser Haus kommt auch recht gut ohne Bastion, Wehrmauer und Wallgraben aus. Und ich bin auch recht froh darüber, dass unsere Nachbarn keinen Kavalier aufgeschüttet haben – obwohl sich unsere Katze darüber sicherlich gefreut hätte.
Die mittelalterliche Stadt, welche um 1215 ausgebaut wurde, war von einer Stadtmauer umgeben. Im 16. Jahrhundert war diese Wehranlage nicht mehr sicher genug. Vom Osten drohte immer wieder Gefahr, also wurde wieder „in die Hände gespukt“, und man zog eine Festung nach den Plänen des Tessiner Baumeisters Domenico dell’Allio auf. Oder zumindest eine Sparversion davon – denn das Geld war knapp. Wir erreichten die Ungarbastei mit Bunker und staunten nicht schlecht. So mächtig, wie sie vor uns stand, war ich überzeugt, dass an dieser Stelle sicherlich nicht gespart wurde.
Zwei Tore gab es in Fürstenfeld. Das noch bestehende Grazer Tor sowie das leider nicht mehr existierende Ungarntor. Hier befindet sich jetzt der Türkenbrunnen. Man schöpfte aus dem 26 Meter tiefen Brunnen nicht nur Wasser sondern man versteckte darin in Krisenzeiten auch Wertgegenstände. Nein, es zahlt sich heutzutage sicherlich nicht mehr aus, diesen Bereich mit dem Metalldetektor zu untersuchen – es sei denn, man hat auch einen Preßlufthammer im Gepäck, um den Asphalt aufzustemmen.
Über die Burgenlandstraße kamen wir zur Jugendherberge, marschierten ins Areal (links halten) und kamen auf eine Eisenbrücke. Die ATW-Brücke spannt sich sehr hoch über den Stadtgraben, ist 65 Meter lang und wurde in den 1880er-Jahren gebaut.
Nun lag die zweite Burg von Fürstenfeld vor uns: die Burg am Stein. Die landesfürstliche Burg wurde um 1170 zum Schutz vor den Magyaren gebaut. Man hatte einen geeigneten Platz ausgesucht, auf einer Geländestufe: 20 Meter über der Feistritz. Diese Burg sollte die Täler der Feistritz, Lafnitz (Grenzfluss), Rittschein, Safen und der Ilz schützen. Die Fürstenfelder haben nicht nur zwei Burgen – in beiden war (zuerst in der Pfeilburg, dann in der Burg am Stein) auch die Zigarettenfabrik untergebracht.
Wir marschierten runter zur Feistritz und durchschritten ein Eisentor (nicht auf die andere Uferseite wechseln). Dies war nun der meines Erachtens schönste und urtümlichste Wegabschnitt entlang des Flusses. Über eine Eisentreppe erreichten wir wieder die Altstadt und besuchten den stimmungsvollen Weihnachtsmarkt.
Über die Theatergasse und Santnergasse erreichten wir die Mühlbastei. Hätten wir an einer geführten Tour teilgenommen, hätten wir hier wahrscheinlich die Bunker besichtigen können. Der Grazer Platz (früher Grazer Vorstadt) war unser nächstes Ziel. 26 Häuser und das Schloss Falbenhaupt wurden im 17. Jahrhundert abgerissen, um die Stadt Fürstenfeld besser vor den Türken schützen zu können. Die Besitzer bekamen nur kärgliche Ablösen.
Durch das alte Grazer Tor schieben sich heute die Autos – besonders wenn in Fürstenfeld der Adventmarkt stattfindet. Wir gingen nicht durchs Tor. Der Weg führte wieder in den Graben, wo sich ein hübsches Biotop befindet. Über die Augustinerbastei erreichten wir wieder die Pfeilburg.
Zum Abschluss unseres Ausflugs besuchten wir „The Italian“. Da gab es einen Orangenkuchen, von dem Gregi noch wochenlang schwärmte.




























