„Europaschutzgebiet Neudauer Teiche“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6,52 km

30 HM

2 h

Start:

Neudau

Zentrum oder Friedhof  

Die Neudauer Teiche sind ein absoluter Geheimtipp und rund ums Jahr traumhaft schön. Wir fahren immer wieder gerne zu diesem Naturparadies (Natura 2000-Schutzgebiet sowie Ramsar-Schutzgebiet). Auch an heißen Tagen kann man diese einfache Wanderung bewerkstelligen, da man immer im Schatten geht.

Wir parken normalerweise beim Friedhof von Neudau und gehen dann bergauf in Richtung des Waldes. Zwischen einem Einfamilienhaus und dem Waldrand führt uns der Weg direkt zum Fuchsschweifteich. Schilder weisen den Wanderer darauf hin, unbedingt auf dem Wanderweg zu bleiben. Eine Bitte, die man unbedingt befolgen sollte. Die Neudauer Teiche sind ein einzigartiges Habitat für sehr viele fast schon ausgestorbene Pflanzen- sowie Amphibienarten. Zudem ist es ein bedeutendes Brutgebiet für unzählige Vögel. Daher sollte man sich in diesem Gebiet wirklich achtsam und rücksichtsvoll verhalten und unbedingt auf dem Weg bleiben.

Die Neudauer Teiche, das sind der Fuchsschweifteich und der Große Neudauer Teich. Diese beiden sind aus ökologischer Sicht die wichtigsten Teiche der Oststeiermark. Ornithologen haben hier 222 verschiedene Vogelarten gezählt.

Bei unserer Wanderung Ende August standen wir am Ufer des Fuchsschweifteiches und suchten im Blütenteppich aus gelben Seekannen bewusst nach Wasservögeln … und Bingo. Die großen, weiß leuchtenden Schwäne hatten wir natürlich gleich entdeckt, doch die Blässhühner und Teichhühner waren sehr gut getarnt. Sie zupften genüsslich am Grünzeug, das sehr üppig wuchs. Dank der Tatsache, dass die Teiche nur circa 1,5 Meter tief sind, fühlen sich darin Wasserpflanzen sehr wohl. Gelbblühende Teichrosen, Seekannen sowie Wassernuss wachsen hier und bieten den Wasservögeln üppige Nahrung. Einige Stockentendamen waren fröhlich unterwegs.

Der Weg entlang des Fuchsschweifteiches ist äußerst idyllisch. Eine Allee aus mächtigen alten Eichen säumt den Weg. Die Äste sind so ausladend, dass man bequem im Schatten spazieren kann. Leider litten die Eichen bei unserer Wanderung im August 2024 sehr unter der Eichennetzwanze, die ursprünglich aus Nordamerika kommt.

Am Ende des Fuchsschweifteiches gibt es eine Infotafel. Hier wanderten wir rechts dem Damm entlang – aber nicht weit. Ein großer Ast ragte aus dem Wasser, und darauf saß tatsächlich ein Eisvogel. Natürlich flog er davon – schillernd blau – wie ein fliegender Kristall.

Wir kamen an einer besonders alten Eiche vorbei (Naturdenkmal), dann den Weg hinab zur Forststraße. Links und rechts der Schotterstraße gab es Wassergräben, und links und rechts neben uns hörten wir Platsch-Platsch-Platsch. Grüne Frösche – braune Frösche – große Frösche – kleine Frösche – Frösche mit Streifen – Frösche mit Punkten. Wobei wir bei der Bedeutung der Teiche für die Amphibien angelangt wären. Gleich 12 bedrohte Amphibienarten bietet dieses Schutzgebiet eine Heimat: darunter der Alpenkammmolch, die Knoblauchkröte sowie der Balkan-Moorfrosch. Der Moorfrosch ist übrigens ein ganz besonderes Kerlchen. Ende März „zieht“ er sozusagen seine „Hochzeitstracht“ an … zumindest für circa fünf Tage. Nicht im Steirergrün präsentiert er sich dann – sondern im schillernden Blau.

Im Wald mussten wir links in einen Forstweg abbiegen, eine Zeit lang gingen wir, bis wir das Ufer des Großen Neudauer Teichs sehen konnten.

Die beiden Neudauer Teiche haben zusammen, mit Berücksichtigung der periodischen Überschwemmungsflächen, eine Größe von circa 50 Hektar. Man geht eine Weile, bis man beide Teiche umrundet hat. Da kriegt man einen richtigen Respekt vor den Menschen, die diese Teiche im 17. Jahrhundert (unter der Herrschaft der Familie Rottal) angelegt haben. Es musste eine gewaltige Plackerei gewesen sein. Eine stauende Sedimentschicht (oststeirisch „Obock“) sorgt dafür, dass das Wasser im Teich bleibt und nicht versiegt. Zufluss gab und gibt es keinen. Das Wasser stammt ausschließlich von der Schneeschmelze bzw. vom Regen. In einem Regenjahr (2024 gab es im Juni ein Hochwasser in Neudau) sind die „Himmelsteiche“ gut gefüllt. Als wir hier wanderten, sahen wir riesige Karpfen, die sich im Wasser tummelten.

Graureiher lauerten im seichten Wasser neben dem Schilf. Für die riesigen Karpfen waren sie keine Gefahr mehr. Am Damm des Großen Neudauer Teichs kann man nach der Reihe uralte und riesige Eichen bestaunen – allesamt Naturdenkmale – allesamt ein Zuhause für unzählige Tiere. Ein Kleiber lief voller Freude den Stamm hinauf, Eicheln fielen auf den Boden. Wildschweine lieben Eicheln. Immer wieder konnten wir im Wald Stellen ausmachen, wo die „Schweinderln“ gewühlt haben.

Über unsere Köpfe zog ein Fischadlerpaar seine Kreise. Nicht nur hoch am Dachstein haust der Aar – auch im tiefgelegenen Neudau, welches auf 289 Meter Seehöhe liegt. Ein junges Teichhuhn beschwerte sich lauthals, Stockenten tauchten am Teichrand in der Nähe des Schilfs. Auch Libellen waren unterwegs.

Die Teiche werden sehr naturnah bewirtschaftet. Gottlob. Sie sind seit dem frühen 18. Jahrhundert im Besitz der Familie Kottulinsky. Das imposante Mausoleum der Familie haben wir leider bei dieser Wanderung nicht besucht (vom Ortszentrum Neudau am Schloss vorbei, links abbiegen, dann rechts in die Wörther Straße. Nach einer Weile sieht man das Mausoleum auf einer Anhöhe. Ein Feldweg führt dorthin).

Dafür haben wir dem Markt Neudau einen Besuch abgestattet. Zwei Gebäude prägen Neudau. Das eine ist das Schloss, welches ursprünglich eine Wasserburg war (1371 erstmals urkundlich erwähnt). Neudau war ein Grenzort. Die Lafnitz war jahrhundertelang Grenzfluss zu Ungarn. Vom frühen 15. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert wurde Neudau immer wieder von Ungarn, Türken, Haiducken und Kuruzzen verwüstet. Nach dem Ende der Kuruzzenkriege wurde das Schloss neugestaltet. Aus dem Wassergraben wurde ein Park.

Das zweite Gebäude, das einem sofort ins Auge springt, ist die ehemalige Garnfabrik. Karl Graf von Batthyany hatte vor, die erste industrielle Baumwollspinnerei der Monarchie zu gründen. Der einzige Haken an der Geschichte war, dass die Vorreiter der industriellen Revolution, die Engländer, ihr Know-how sehr vehement schützten. Technisches Wissen sollte nicht ins Ausland gelangen. Industriespionage wurde streng bestraft. Irgendwie ist es ihm dann doch gelungen, an dieses Wissen und an Maschinen zu gelangen. Die erste Spinnerei wurde in Burgau errichtet. Später wurde sie durch Georg Borkenstein nach Neudau verlegt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Fabrikstrakte im klassizistischen Stil errichtet – bis 2019 wurde darin auch produziert. Die alte, verlassene Fabrik und das Ledigenwohnheim haben einen leicht morbiden Charme.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite das komplette Gegenteil. Ein belebter Gastgarten, ein gepflegtes Restaurant (Gasthaus Central). Hier kehrten wir ein. Wir haben vorzüglich gegessen – Knoblauchcremesuppe, gegrilltes Gemüse, Krapfen mit Vanillesauce – alles 1a. Dieses Lokal kann ich mit bestem Gewissen weiterempfehlen.

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