Vom Kanzianiberg zur Ruine Finkenstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

 

400 HM

4 h

Start:

Kanzianiberg Parkplatz Kletterpark  

Diese Wanderung haben wir in mehreren Wanderbüchern angefunden, und lustigerweise sind die Angaben zu den Höhenmetern etwas unterschiedlich. In einem Buch sind es 300 HM, im anderen 400 HM. Wie dem auch sei: Die Wanderung ist sehr gut und leicht zu schaffen, und man benötigt nicht allzu viel Kondition … nur ein Stück auf dem Sepplweg ist etwas abenteuerlich und abschüssig.

Die Wanderung startet beim Parkplatz für den Klettergarten (Tagesticket kostete 2025 EUR 6,00). Der Kanzianiberg ist der größte Klettergarten Kärntens – wir hätten die Zufahrt trotzdem beinahe nicht gefunden. Mehrmals mussten wir umkehren, bis wir endlich begriffen, dass eine extrem schmale Asphaltstraße in Richtung Altfinkenstein die richtige Wahl war.

Schroff und steil ist der Kanzianiberg, wenn man vom Wanderparkplatz die steilen Wände hochsieht. Dohlen umflattern ihn mit hohlem Krächzen, riesige Gesteinsbrocken liegen in der Gegend herum. Unheimlich war es hier … wie auf dem Weg zur Hölle. Als wir aus dem Auto ausstiegen, hatte es gerade einmal 4 Grad Celsius, und irgendwie wunderte ich mich nun nicht mehr, wieso wir so ziemlich die einzigen Gäste waren, die das wunderbare Hotel (Karnerhof in Drobollach – sehr empfehlenswert) freiwillig für eine Wanderung verließen.

Wir marschierten zwischen den hohen Felswänden, welche dunkle Schatten warfen, und der Straße den Wanderweg bergauf. Plötzlich wurde es heller, die Felswände wurden niedriger, wir querten eine geschotterte Fläche, und nun begann der Weg lieblich zu werden. Neben uns gab es eine Wiese, und von dieser Seite sah der Kanzianiberg nur mehr wie ein Hügel aus. Ein hübscher Hügel mit einer Kirche. Eindeutig – so gefallen mir Berge besser.

Bei der Wanderwegkreuzung entschlossen wir uns, zuerst den Kanzianiberg über den Wanderweg zu besteigen. Ich nehme an, dass auch die frühen Siedler des Kanzianiberges schon auf dieser Seite nach oben gegangen sind. Gut, ganz nach oben waren wir dem Wanderweg dann doch nicht gefolgt. Irgendwann wechselten wir auf den Kreuzweg. Dieser sah sehr idyllisch aus, war jedoch weitaus steiler als der normale Wanderweg. Unter der Bergkuppe gibt es ein Dorfmuseum, das leider geschlossen hatte. Danach wurde es auf dem Kreuzweg wirklich sehr steil, und das letzte Stück zur Kirche mussten wir fast kraxeln. Egal, von welcher Seite man den Kanzianiberg besteigt – das letzte Stück zur Kirche ist überall extrem steil.

Oftmals wundere ich mich, was in manchen Wanderbüchern steht. Der Autor eines Wanderführers überlegte doch tatsächlich, ob es sich überhaupt auszahle, auf den Kanzianiberg zu gehen. Die Kreuzwegstationen hätten die Läden zu, und die Kirche sei ohnehin geschlossen. Man könne nur durch einen Schlitz in der Tür ins Innere sehen.

Wir sahen durch den Schlitz in der Tür, wir sahen die steilen Treppen, welche zu einem noch steileren Pfad hinunterführten, wir sahen uns die verblassten Gemälde auf der Außenseite der Kirche an, die Reliefs, den Opfertisch neben der Eingangstür und den enorm hohen Turm. Wir waren mehr als beeindruckt. Wer um alles in der Welt hatte die Energie, auf diesem steilen Berg eine so große Kirche zu bauen? Und wer hatte das ganze Baumaterial hier heraufgeschafft?

Wir waren beim Aufstieg über den bequemeren Altweg ins Schwitzen gekommen, so steil und steinig war er. Ich stellte mir die Menschen vor, die das Material und das Werkzeug auf den Berg getragen hatten. Vor gar nicht langer Zeit musste wieder einmal jemand etwas Schweres heraufgetragen haben, überlegte ich mir (eine Zufahrt bis zur Kirche gibt es nicht), und betrachtete die Photovoltaikanlage, die aus dem Fenster des Turmes herauslugte. Es sah fast so aus, als würde der Turm dem Berg dahinter die Zunge zeigen.

Als ich meinem Vater von dieser Photovoltaikanlage erzählte, meinte er – klug, wie er ist: „Jetzt kann man doch alles mit Hubschraubern auf die Berge bringen – da braucht man nicht mehr schleppen.“ Vielleicht bin ich doch zu romantisch veranlagt. Doch damals, als man die Kirche baute, gab es diese Möglichkeit noch nicht. Und vor der Leistung dieser Menschen habe ich den allergrößten Respekt.

Wir stiegen dann noch weiter den Berg hinauf, sahen auf den Faaker See, nach Villach und auf die Karawanken. Später forschte ich auf der Landkarte nach, wie der Berg gleich hinter dem Kanzianiberg hieß. Dabei fiel mir etwas auf: Es gibt den Mittagskogel (den jeder an seiner Pyramidenform erkennt), aber auch den Kleinen Mittagskogel, den Mallestiger Mittagskogel, den Techantinger Mittagskogel und wahrscheinlich auch noch andere Mittagskögel. Jeder Ort hat wohl seinen Berg, über dem um 12.00 Uhr die Sonne am höchsten steht.

Doch zurück zum Kanzianiberg. Dieser war schon ganz, ganz früh besiedelt. Bereits in der Jungsteinzeit lebte man hier oben recht sicher. Die steilen Wände, welche heute als Klettergarten benutzt werden, schützten die Siedlung recht wirkungsvoll. Eigentlich ist der Berg nur von einer Seite zu begehen; darunter im Tal ist ein Morast. Ein Angriff von dieser Seite war auch nicht leicht. Und die Siedler haben ihre Spuren hinterlassen. Ein toller Fund war ein prähistorischer Tonstempel, der zum Auftragen von Farbe auf menschliche Körper benutzt wurde. Doch auch ein frühmittelalterliches Reliquienkästchen aus Elfenbein wurde gefunden – leider fehlte die dazugehörende Reliquie.

Gregi hat auf dem Kanzianiberg auch etwas gefunden – nämlich ein Geocache-Versteck (und das ohne Navigationsgerät und ohne gezielt nach einem Versteck zu suchen … alle Achtung!).

In Prospekten werden vor allem der Klettergarten, das Dorfmuseum und der Schaukalkofen beworben … doch die eigentliche Sehenswürdigkeit ist das Plateau auf dem Kanzianiberg mit seiner Kirche und dem alten Siedlungsplatz. Ein wunderbarer Ort, den man nur sehr ungern wieder verlässt.

Der Abstieg war anfangs wieder etwas steil, doch dann kamen wir auf den Wanderweg. Beim Wanderwegkreuz folgten wir nun den Pfeilen Richtung Altfinkenstein. Nun ging es durch den Wald, und links und rechts neben uns wuchsen hübsche Schneerosen. Die nächste Wegstrecke war weniger interessant, da sie auf der Straße verlief. Doch schon bald sahen wir sie, den nächsten Höhepunkt der Wanderung: die Ruine Altfinkenstein.

Vor der alten Festung gab es satte Wiesen und Bauernhöfe; sie selbst steht auf einem hohen, nackten Felsen. Wir hatten leider Pech: Das Burgstüberl war geschlossen, und die Ruine würde man erst ab Mai besichtigen können. Also weiter auf die Baumgartenhöhe über den Sepplweg.

Die Wiese war gekalkt, weiße Krokusse bildeten weitere helle Tupfer. Ein Steig führte dann den Berg hinauf, zuerst noch recht angenehm zu gehen, bis der Bach zu queren war. Jetzt wurde es richtig steil, und es gab keinen Weg mehr. Ein Teil des Pfades war wohl fortgeschwemmt worden. Dank Wurzeln konnten wir uns hochziehen, um wieder auf einen Wandersteig zu gelangen. Schließlich kamen wir auf eine Weide, die sehr abschüssig war. Doch auch diese Anstrengung schafften wir ohne zu murren, sahen wir doch eine Einkehrmöglichkeit – den Baumgartnerhof.

Unsere Zungen hingen schon fast bis zum Kinn; wir freuten uns richtig auf ein gutes Essen und noch mehr auf ein tolles Erfrischungsgetränk … „Dienstags geschlossen“.

Von der Baumgartenhöhe führen viele Wanderwege weg. Ein Weitwanderweg sollte (laut Beschreibungen ab März) über die Berge nach Slowenien führen. Wir sind keine Berggeher, und auf den Karawanken lag zu diesem Zeitpunkt eine Schneehöhe von 1,5 Metern. Also wieder hinunter – diesmal über eine Skipiste. Von oben hatten wir wenigstens eine herrliche Aussicht auf die Burgruine (welche wir vorhin nicht erkunden konnten) und den See dahinter. Nach dem Wildgehege kamen wir wieder auf die Asphaltstraße und marschierten den bekannten Weg retour.

Schön und beeindruckend war der Kanzianiberg … toll wären auch die Burgruine und der Baumgartnerhof gewesen, wären sie nicht geschlossen gewesen. Nächstes Mal machen wir diesen Ausflug ab Mai und ab mittwochs – wenn möglich. Dann könnte man die Wanderung durchgehend genießen.

 

 

Mureck – Burg Obermureck – Auwald und Schiffmühle

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Wanderung beliebig erweiterbar

5 – 6 km

kein nennenswerter Höhenunterschied, nur beim Burgberg

mindestens 2 Stunden

       

Bei dieser Wanderung den Reisepass nicht vergessen!

Der erste Sonntag im März 2025 war ein ganz famoser Tag. Kalt war es in den vergangenen Tagen gewesen, feucht und nebelig … und dann dieser prächtige Frühlingstag.

Im Vorfrühling zieht es uns immer magisch in den Süden der Steiermark. Die Murauen sind nun mal zu dieser Jahreszeit besonders herrlich. Wir beschlossen also, nach Mureck zu fahren. Unsere Wanderung startete bei der Murecker Pfarrkirche zum „heiligen Bartholomäus“.

Wer war dieser Heilige, der Namensgeber für Bartholomew Simpson (besser bekannt als Bart Simpson) ist? Laut Wikipedia war er ein Jünger Christi, der ein ganz scheußliches Martyrium erlebte. Ihm soll bei lebendigem Leib die Haut abgezogen worden sein. Düster war auch die Bartholomäusnacht (23.–24. August 1572), in der ein Massenmord an französischen Protestanten stattgefunden hat.

Die Kirche selbst hat nichts Düsteres an sich. Hell und freundlich wirkt die Fassade, die durch den Turm geteilt wird. Hinein konnten wir leider nicht, da das Gotteshaus verschlossen war. Über den Kirchdamm gingen wir weiter, zweigten in eine Allee ein, wo wir einige emsige Kleiber beobachten konnten. Danach folgten wir einem schmalen Weg, der entlang einer alten Mauer führte. Auf der Mauer leuchtete das grüne Moos. Nach kurzer Zeit erreichten wir den Murecker Hauptplatz.

Dieser Hauptplatz hat es auch in sich. Lang ist er – ganze 350 Meter. Und direkt vor uns stand das Rathaus mit seinem besonders hübschen, sechsstöckigen Uhrturm. Lange besahen wir diesen Turm, der im 17. Jahrhundert erbaut worden war. Eine Büste des Grafen von Stubenberg, ein Porträt von Kaiser Leopold I., eine Madonna mit Mondsichel konnten wir erblicken. Doch besonders angetan war ich vom Erzengel Michael. Auf ihm thronte ein wunderhübscher Falke. Über dem Turm flogen heiser krächzend die Krähen. Ja, Mureck ist wirklich eine ganz besondere Stadt.

1187 wurde Mureck erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort liegt nördlich der Mur, wo die Gegend brettleben ist. Die Burg Obermureck wurde südlich der Mur errichtet, auf dem Trattenberg, der sehr steil zum Fluss abfällt und daher ein richtig toller Burgstandort ist. Doch Mureck selbst hatte keinen natürlichen Geländeschutz. Der Marktrichter Bartlme Lorber wusste um diese Schwachstelle und setzte sich dafür ein, dass der Ort befestigt wurde. Ab 1664 wurden Gräben gezogen, Palisaden aufgestellt und Toranlagen errichtet. Diese wurden auch gebraucht, denn sowohl 1683 als auch 1704 war Mureck Stützpunkt im Verteidigungskampf gegen Türken und Kuruzzen.

Wir marschierten durch das Tor des Rathauses und kamen zum Lorberplatz. Hier gibt es einen Laden für regionale Produkte sowie ein öffentliches WC. Wir folgten der Straße weiter zum Campingplatz und von dort einem Pfad zum Auwald. Der Wegrand war violett gesäumt – so viele Krokusse wuchsen dort. Und hier tummelten sich bereits die ersten Bienen.

Im Wald angekommen, bogen wir vor der Brücke links ab und folgten dem Mühlbach. Weiße Teppiche von Schneeglöckchen – wunderbar anzusehen. Leider ist es mir bis jetzt noch nicht gelungen, diese Pracht naturgetreu auf ein Foto zu bringen. Dazu kamen noch die unzähligen Krokusse und einige Exemplare der Grünen Nieswurz. Rund um uns gab es das allerschönste Vogelkonzert. Auch die kleinen Piepmatze begrüßten den Frühling voller Enthusiasmus.

Über eine kleine Brücke führte uns der Weg, danach weiter flussabwärts. Unter der Murbrücke hindurch, zwischen Mur und Mühlbach, kamen wir dann auf den Radweg. Hier könnten wir den Weg weiter der Mur entlanggehen – zum Röcksee und weiter zum Murturm. Eine herrliche Wanderung!

Wir wollten diesmal jedoch das Schloss Obermureck besuchen. Also marschierten wir auf dem Radweg in Richtung Mureck zurück bis zum Haus der Grenzpolizei, danach über die Brücke nach Trate. Direkt gegenüber der Brücke geht neben einem Haus eine Treppe den Hang hinauf – an einem Backofen vorbei, und über einen urigen Weg schlängelt sich ein Pfad durch den Wald zum Schloss hoch. Das wussten wir leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Also gingen wir rechts die Straße entlang und bogen vor einer Ruine in einen Weg ein – und kamen auf diese Weise zum richtigen Waldpfad. Schneeglöckchen wuchsen auf dem ganzen steilen Hang, und es roch sehr intensiv nach Bärlauch, der hier üppig wucherte. Wir entdeckten einen besonderen Farn. Gregi behauptete, dass es sich dabei um den seltenen Hirschzungenfarn handelt. Dieser wurde im Mittelalter auch Hexenkraut genannt. Hexenkraut auf einem Burgberg – wie unheimlich.

Unheimlich dürfte es auf dem Schloss Obermureck (Grad Cmurek) im 20. Jahrhundert zugegangen sein. Dort war eine geschlossene psychiatrische Anstalt untergebracht. Heute gibt es auf dem Schloss ein Museum (Museum des Wahnsinns). Als wir den Tratenberg erklommen hatten, mussten wir leider feststellen, dass sowohl das Museum als auch das Schloss geschlossen waren. Da hätten wir besser vorher etwas recherchiert … aber egal. Wieder bergab und über die Brücke.

Von der Brücke aus sahen wir unser nächstes Ziel: die Schiffsmühle und das dazugehörende Restaurant. Diesmal folgten wir der Straße in Richtung Stadt, ein gelber Wegweiser ließ uns dann links abbiegen, und über einen schmalen Pfad kamen wir wieder in den Auwald. Diesmal gingen wir direkt an der Mur entlang flussaufwärts.

Opatija hat den Lungomare … die Steiermark hat den Wanderweg neben der Mur. Und ehrlich: Dieser Wanderweg steht dem weltberühmten kroatischen Panoramapfad um nichts nach. Blaues Wasser, helle Steine, kleine Wellen, die das Licht auf wunderbare Weise spiegeln. Dazu Gänsesäger, Stockenten und Schwäne, die hier nach Herzenslust badeten. Und über uns in den Baumkronen tummelten sich Scharen von kleineren Vögelchen.

Dass es auf diesem Weg besonders schön ist, wissen viele Leute. Und so kam es, dass an diesem ersten etwas wärmeren Sonntag im Vorfrühling sehr viele Spaziergänger unterwegs waren. Vor uns sahen wir verheißungsvolle rote Sonnenschirme … das Restaurant Mühlenhof hatte geöffnet.

Man hatte hier wohl nicht mit diesem enormen Ansturm gerechnet – ein Kellner und ganz, ganz viele Gäste, die bedient werden wollten. So beschlossen wir, uns nur die Schiffsmühle anzusehen, die 1997 nach dem Vorbild alter Schiffsmühlen errichtet wurde.

Wir hätten dem Fluss noch weiter in Richtung Weitersfeld folgen können, doch nun plagte uns der Hunger … also zurück nach Mureck, zum Café Mureckstüberl.

Das Café Mureckstüberl befindet sich in der Grazer Straße 2 (beim Rathaus die Straße überqueren, links den Hauptplatz hinuntergehen, beim letzten Haus um die Kurve … dort befindet sich das Kaffeehaus). Wir hatten Glück, noch einen Platz zu ergattern. So gut gefüllt war das Lokal. Und die meisten Besucher naschten Eis – was man sich nur zwei Tage davor sicherlich nicht hätte vorstellen können.

Zu Mureck muss ich noch etwas sagen. Jedes Mal, wenn ich in diesem Ort bin, komme ich total zur Ruhe. Ich weiß nicht, woran das liegt. Aber nach einer Wanderung an der Mur bin ich immer ganz tiefenentspannt. Und offenbar geht es nicht nur mir so. Die Bewohner dieser besonderen Stadt scheinen mir auch sehr gelassen und freundlich. Man grüßt und redet … und ist sofort per Du. Wir fühlten uns hier so wohl, dass wir beschlossen, schon bald wieder hierher zu kommen. Vielleicht im Sommer. Sehen, wie dann dieser Auendschungel aussieht.

 

Grafendorf Beisteinrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6,1 km

270 HM

2 h

       

Diese Wanderung haben wir in der Broschüre „Wandern – Unsere Wälder & Hügel im Garten Österreichs“ entdeckt. Diese Broschüre ist gratis und wurde vom Tourismusverband Oststeiermark herausgegeben.

Startpunkt der Wanderung ist das Hotel Wiesenhof. Laut Wanderführer würde man links neben dem Hotel vorbei der Asphaltstraße folgen … wir hatten jedoch zuvor die Hinweistafel „Beistein“ gesehen und marschierten daher gleich hinter dem Hotel den Feldweg bergauf. Die Aussicht war grandios – Grafendorf mit dem Schloss Kirchberg im Walde. Dahinter das steirische und burgenländische Hügelland.

Obwohl es Ende Jänner war, hatten wir ein angenehmes Wanderwetter: Sonnenschein und blauer Himmel. Immer wieder gab es Rastbänke auf Glücks- und Kraftplätzen. Einladend wirkten sie, besonders in Anbetracht des Panoramas … doch wir wollten weiter, zum Beistein.

Auch dieser Hügel war im Sommer nicht ganz vom Sturm verschont geblieben. Einige Bäume waren gefallen und wurden bereits aufgearbeitet. Trotzdem war es hier sehr schön … Rotföhren und Buchen wuchsen in diesem Wald. Der Boden war sehr trocken, hatte es doch schon lange nicht mehr geregnet, und Schnee gab es auch keinen. Eine Buche umklammerte ihren Nachbarn, kreisrunde Formen in der Rinde verliehen dem Baum ein Gesicht … und dieses sah äußerst erschrocken oder gar entsetzt aus. Gut, im Sommer waren hier einige ihrer Kollegen gefallen. Ich verstand den Baum.

Über uns in den Baumkronen waren die Vögel recht munter unterwegs. Sie genossen die beinahe frühlingshaften Temperaturen und sangen daher besonders schön. Der steile Anstieg und das erstaunlich warme Wetter sorgten dafür, dass ich zu schwitzen begann – also zog ich kurzerhand die Wanderjacke aus – wohlgemerkt, es war Ende Jänner.

Ein Wegweiser wies uns an, rechts abzubiegen, und plötzlich türmten sich vor uns große Felsen auf. Wir hatten den Beistein erreicht. Hier hätten die Kelten in Vollmondnächten gebetet und gefeiert.

Die Mondfeste der Kelten waren Samhain (Anfang November), Imbolc (Anfang Februar), Beltaine (Anfang Mai) und Lughnasadh (Anfang August). Wie sich die Kelten fühlten, wenn sie auf dem Beistein ihre Mondfeste feierten, kann ich mir heute nicht mehr vorstellen. Wenn man täglich mindestens sechs Stunden vor dem Computer sitzt, dann hat man die ganz starken Wurzeln zur Natur, welche unsere Urahnen noch hatten, verloren. Und wenn man die Lebensmittel bequem im Geschäft kaufen kann, kann man wohl auch nicht mehr von sich behaupten, sich in die kargen Verhältnisse der Vergangenheit hineinversetzen zu können.

Die Termine der keltischen Mondfeste hat die Kirche übernommen: Allerheiligen, Maria Lichtmess, die Walpurgisnacht und Erntedank. Apropos Walpurgisnacht – ich könnte mir vorstellen, dass sich die „Kleine Hexe“ mit ihren sieben Röcken und ihrem klugen Raben Abraxas auf dem Beistein richtig wohl gefühlt hätte. Die Gesteinsblöcke hätten eine gute Abflugrampe in Richtung Wechsel abgegeben. „Heissa, Walpurgisnacht!“

Eine Gesteinsplatte hat eine besondere Form – halbkreisförmig fehlt ein Stück. Ich glaube kaum, dass Mutter Natur diesen Halbkreis in den Gesteinsblock geschürft hat.

Auf dem Beistein gibt es gemütliche Bänke, und man kann diesen besonderen Platz auf 813 Höhenmetern richtig genießen.

Weiter führte der Weg über den Jägersteig. Heidelbeerbüsche wuchsen links und rechts des Wanderwegs, der über eine Kuppe führte. Weich marschierten wir über die Baumnadeln, es roch herrlich nach Harz. Wir hatten eine Stelle erreicht, an der noch Forstarbeiten stattfanden. Hier verließen wir den Wanderweg und marschierten am Waldrand weiter. Wieder hatten wir eine wunderbare Aussicht.

An der Wanderwegkreuzung ging es links im Wald bergab. Eine große Föhre war gefällt worden – besser gesagt, gefallen war sie nicht. Sie hatte sich in den Kronen der anderen Bäume festgekrallt. Die armen Forstarbeiter – hier weiterzuarbeiten war mehr als gefährlich.

Steil ging es nun den Weg bergab, und auf der Asphaltstraße war nicht ganz klar, wie es weiterging. Wir entschieden uns (zum Glück) richtig und zweigten wieder links ab. Die Bauernhöfe, die nun kamen, hatten eine wunderbare Lage mit traumhafter Aussicht.

Und hier entdeckte ich zu meiner Freude ein munteres, blaues Bällchen: eine Blaumeise. Blaumeisen sind ganz clevere Vögel. In den 1920er-Jahren wurden in England Milchflaschen mit Folienabdeckung bei den Häusern zugestellt – besser gesagt, sie wurden vor den Häusern abgestellt. Dort standen die Flaschen dann, bis die Konsumenten die Milch in die Wohnungen holten. Vögel sind keine Säugetiere, und trotzdem gab es da offensichtlich eine Meise, die auf den Geschmack gekommen war. Und nicht nur das, sie schaffte es auch, die dünne Folie zu öffnen. Das gewiefte Vögelchen teilte ihre Entdeckung ihren Kollegen mit, und bald schon rätselten die Leute, wieso die Folien auf den Milchflaschen durchlöchert waren. In den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts wussten wohl bereits alle Blaumeisen auf den Britischen Inseln, was man so alles mit Milchflaschen anstellen konnte.

Ich glaube, wir hätten die Asphaltstraße weitergehen können, doch ein Wegweiser wies links bergauf. Wir gingen recht unsicher durch den Hof eines Bauern, und schon entdeckten wir die Wandermarkierung G3, die uns durch eine Birkenallee und den Wald zu einem Aussichtsbankerl führte, welches wir beim Anstieg auf den Beistein schon einmal gesehen hatten.

Also gingen wir den bekannten Weg wieder zurück und konnten dabei ein herrliches Panorama genießen.

 

Arzberg Montanlehrpfad

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

5 km

170 HM

1:30 h

       

Diesmal stelle ich eine Wanderung vor, die man auch an einem heißen Sommertag gut bewältigen kann: den Montanlehrpfad von Arzberg.

Arzberg ist ein kleiner, beschaulicher Ort am „oberen Ende“ der einzigartigen Raabklamm. Diese ist die längste Klamm Österreichs und als Ausflugsziel weithin bekannt. Wir wollten uns jedoch einen weniger prominenten Wanderweg ansehen – den Montanlehrpfad. Schon vorweg: Wir waren begeistert.

Das Dörfchen Arzberg besteht aus Kirche, Gasthaus, Fußballplatz, einem aufgelassenen Gasthaus, Gemeinde, Schule und Kindergarten, einem Friedhof und einigen Wohnhäusern. Ich glaube, damit habe ich alles aufgezählt. Früher sah es hier wohl etwas anders aus.

Im Bergwerk arbeiteten zu dessen Blütezeit im 18. Jahrhundert rund 130 Knappen. In den Stollen fand man silberhaltige Bleierze und Zinn. Doch nicht nur der Bergbau beschäftigte gut spezialisierte Arbeiter – im 19. Jahrhundert gab es hier etwa 40 Sensenschmiede. Die Arzberger Klingen sollen so hervorragend gewesen sein, dass sie sogar bis ins ferne Russland verkauft wurden.

Die jahrhundertealte Bergbautradition endete schließlich in den 1920er-Jahren. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1242 wurde der Ort „Aerzeperch“ genannt – schon damals wusste man, welche Schätze im Berg schlummerten.
Es gibt Annahmen, dass bereits Römer oder Slawen von den regionalen Bodenschätzen Kenntnis hatten. Gesichert ist, dass unter den Herren von Stubenberg seit dem Ende des 15. Jahrhunderts geschürft wurde.

Die Stubenberger waren es auch, die in der Nähe des Ortes die Burg Stubegg errichten ließen (erstmals erwähnt 1383 als „vest Stubekk“). Sie wurde zur Sicherung der Raabklamm erbaut. Ich vermute jedoch, dass auch das Erzvorkommen dazu motivierte, an dieser Stelle eine Festung zu errichten.

Zur Wanderung

Vom Wanderparkplatz aus querten wir eine blumengeschmückte Brücke. Rechts marschierten wir entlang eines hübschen Bachs mit kristallklarem Wasser. Gut – streng genommen war es kein Bach, sondern die junge Raab. Tafeln zeigten an, wo sich früher Stollen befanden. Die nächste Station war das alte Knappenhaus. Hier findet man heute einen wahren Goldschatz: den Stollenkäse aus dem Almenland, der regelmäßig Medaillen beim World Championship Cheese Contest abräumt. Führungen und Verkostungen sind möglich.
Nähere Infos: office@stollenkaese.at

Wir folgten der schmalen Asphaltstraße entlang der Raab weiter. Gregi hatte nur noch Augen für die hübschen weiß-orangefarbenen Apollofalter und übersah dabei den geschichtsträchtigen Pulverturm. Ein wunderbarer „Lost Place“ erwartete uns anschließend: die ehemalige Erzaufbereitungsanlage. Sie ist beeindruckend groß, und auf dem Turm sind noch die Initialen „HB“ (Haufenreither Bergbau) zu erkennen. Hier wurde das Gestein sortiert; das taube Material brachte man mit einer Feldbahn zu den Halden.

Beim Grillwirt macht der Wanderweg einen spitzen Haken, und es geht hinter den Knappenhäusern in den Wald und den Berg hinauf. Hier erfuhren wir, dass das Erz im Grün- oder Schwarzschiefer zu finden ist – jedoch nicht im Schöckelkalk. Wir suchten nicht nach Erzen, sondern bewunderten die Pflanzenvielfalt am Weg: Wald-Geißbart, Mandelblättrige Wolfsmilch, Himbeeren, Akelei, Teufelskralle und eine gelbe Distel, die Gregi später als „Klebkratzdistel“ identifizierte.

Jetzt muss ich ehrlich gestehen: Gregi ist derjenige von uns, der Pflanzen benennen kann. Wenn ich auf eine Blüte zeige und sage: „Schau, was für eine schöne Blume“, merkt man sofort, dass ich keine ernst zu nehmende Botanikerin bin.

Zwischendurch durchschritten wir grüne, schattige Tunnel, die traumhaft nach Holunder dufteten. Dass wir auf einem „alten Weg“ unterwegs waren, den schon die Bergmänner benutzt hatten, erkannten wir an den Spurrinnen, die sich tief in den Schöckelkalk eingegraben haben.

Bei einem heimeligen alten Bauernhaus verließen wir den Waldweg, gingen bis zur Asphaltstraße und bogen dort im spitzen Winkel in eine Wiese ab, um bald wieder in den Wald einzutauchen. Zwischendurch bot sich ein schöner Blick auf Fladnitz und die Teichalpe.

Über uns müssten eigentlich die Gösser-Wände liegen, in denen sich nach alter Sage die „Silbernen Buben“ aufgehalten haben sollen. Ob es sich dabei um Zwerge oder Kobolde handelt, kann ich nicht sagen – vermutlich könnte das nur „Jakob“ beantworten. Er war ein armer Knabe, der diese Sagengestalten nachts bei Mondschein beobachtet haben soll.
Auf einer Lichtung hätten sie Erz gefördert und dabei trotz harter Arbeit noch genug Energie gehabt, um herumzutänzeln und sich gegenseitig mit Steinen zu bewerfen. Jakob suchte daraufhin an dieser Stelle nach Erz und wurde so reich, dass er – fromm wie er war – die Kirche von Arzberg bauen ließ.

Die Kirche von Arzberg ist dem heiligen Jakob dem Älteren geweiht, dem Schutzpatron der Pilger. Wie es sich für ein Gotteshaus eines Bergwerksortes gehört, ist sie in Grau gehalten. Erbaut wurde sie 1789; eine ältere, baufällige Kirche war zuvor abgetragen worden. Noch jünger ist ein wunderbarer Platz oberhalb des Friedhofs: eine hübsche Wiese mit einem schlanken, modernen Kreuz und einem Altar aus Metall – ein guter Ort zum Innehalten.

Zurück im Ort kann man unter der Friedhofsmauer verschiedene Gesteinsbrocken aus steirischen Steinbrüchen betrachten. Hier befindet sich auch der Kirchenwirt, bei dem wir gerne einkehrten. Beim Reingehen sah ich es sofort: ein Backblech mit einem riesigen, herrlich duftenden Apfelstrudel.
Er sei gerade frisch aus dem Ofen gekommen, erklärte uns die nette Seniorchefin. Der Strudel stamme aus ihrer eigenen Küche. Das war der Moment, in dem ich beschloss, keine Speisekarte mehr zu studieren – ich wusste genau, was ich essen wollte.

Das Gasthaus verfügt über einen Balkon mit Blick auf den Fußballplatz. Dort genoss ich meinen Apfelstrudel mit Kaffee. Besänftigt von dieser Köstlichkeit beobachtete ich sogar ohne Murren ein Fußballmatch, das auf dem angrenzenden Sportplatz ausgetragen wurde. Spielenden Kindern zuzusehen ist ja auch fein – ganz anders als lärmende Fernsehübertragungen.
Endergebnis: 2 : 2

Arzberg kann außerdem mit einem Schaubergwerk und einem Heimatmuseum aufwarten.
Infos: www.arzberg.at
(Abenteuerführungen und Schatzsuchen für Kinder sind ebenfalls möglich.)

Arzberg – so klein es auch scheinen mag – hat unglaublich viel zu bieten: preisgekrönten Stollenkäse, Schaubergwerk, Museum, Gastronomie, eine sportbegeisterte Jugend, das Naturjuwel Raabklamm sowie den wirklich interessanten Montanlehrpfad. Wir haben Blumen entdeckt, die wir zuvor noch nie gesehen hatten, und der Apollofalter ist ebenfalls keine alltägliche Erscheinung.
Diese Wanderung kann ich mit allerbestem Gewissen weiterempfehlen.