„Voitsberger Ruinen“ – zwei Spaziergänge

 

Spaziergang

zur Burgruine Krems

Start:

Voitsberg Stadtteil Krems

P+R Parkplatz

Spaziergang

Burgruine Obervoitsberg und Kohlenbergbau Zangtal

Start:

Voitsberg Hauptplatz

       

Nach den üppigen Weihnachtsfeiern tut es mal so richtig gut, wieder ins Freie zu kommen. Weite, anstrengende Wanderungen wollten wir mit den angefutterten Weihnachtspfunden noch keine unternehmen, also gingen wir es gemütlicher an. Wir fuhren mit dem Auto nach Voitsberg – nicht ganz. Im Stadtteil Krems (beim Kreisverkehr) nahmen wir die Ausfahrt in Richtung Bahnhof, bogen noch vor dem Fluss links ab und parkten auf dem P+R-Parkplatz. Wir marschierten durch eine hübsche Siedlung und folgten immer den Schildern „Ruine Krems“. Ab dem Schranken ging es dann eine enge Asphaltstraße bergauf. Auf dem Holzgelände wuchs Moos, Eiskristalle schimmerten in der Sonne. So ging es gemütlich dahin und schon standen wir vor der richtig beeindruckenden Burgruine Krems. Leider kann man diese Ruine nur mit einer Führung (ab 10 Personen möglich) innen besichtigen – oder aber man kommt am Pfingstsonntag oder am Nationalfeiertag (bei Schönwetter). Dann hat sie auch geöffnet.
Ein hübscher Weg führt um die große und sehenswerte Ruine herum. Hier im Osten von Voitsberg, wo das Kainachtal sehr, sehr eng ist, bot sich dieser schmale Bergrücken richtiggehend an, darauf eine Wehrburg zu bauen. Der älteste Teil ist der Bergfried mit seinen fünf Stockwerken, der im 12. Jahrhundert gebaut wurde. Er steht auf einem sehr markanten Felsen, und wenn man außen unter diesem Felsen hindurchgeht, hat man schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl und hofft inständig, dass Turm und Felsen nicht gerade in diesem Moment abrutschen. Angeblich soll dieser Turm auf römischen Grundmauern aufgebaut worden sein. Also keine Angst, dieser Teil der Wehranlage scheint stabil zu sein. Was man leider von einigen Gemäuern im Südosten der Burg nicht behaupten kann. 1817 rutschte ein Teil des Schlosses ab. Burg – Schloss … was war die Ruine früher wirklich? Die ältesten Teile der Burg stammen aus dem 12. Jahrhundert, im 14. Jahrhundert wurde die Burg erweitert und im 16. Jahrhundert kam es zu einem großen Umbau. Ein prächtiges Schloss wurde unter der Herrschaft der Herbersteiner gebaut. Das Gebäude hatte viele Besitzer: Krems-Leonrode, Walseer, Montforter, Herberstein, Saurau … 1857 erwarb sie Erzherzog Johann. Heute gehört sie dem Verein „Licht im Leben“.
Wenn man die Ruine umrundet hat, bietet es sich noch an, den Waldweg neben der Burgbrücke ins Tal hinabzusteigen. Steil ist der Hügel (teilweise künstlich abgeböscht), große schwarze Felsen sind zu sehen. Wir marschierten bis zum ehemaligen Gewerkenhaus (in Krems gab es früher ein Hammer- und Eisenblechwerk). Bei unserem Spaziergang kehrten wir dort um und gingen den bereits bekannten Weg retour zum Auto.
Danach fuhren wir direkt ins Stadtzentrum. Vom Hauptplatz aus starteten wir unseren zweiten Spaziergang. Hübsch weihnachtlich geschmückt präsentierte sich Voitsberg. Der Weihnachtsbaum vor der Kirche war riesig, die Bäume im Zentrum trugen hübsche Kugeln, Tannenreisig schmückte die Straßenlaternen. Die Fassade des Rathauses sollte man sich näher ansehen. Der Künstler Prof. Arik Brauer hat sie gestaltet. Seit 2003 gibt es auch ein Glockenspiel. Und wir hatten das Vergnügen, eben dieses Glockenspiel zu hören. Am langgestreckten Hauptplatz gibt es noch einen Barbarabrunnen und eine Mariensäule erinnert an die Pest, die von 1713 bis 1716 in dieser Gegend wütete.
Wir schlenderten den Hauptplatz entlang, bis wir eine Art Keramiktor erreichten. Hier bogen wir rechts ab (gelbe Wanderwegweiser) und marschierten auf den Voitsberger Sagenberg zu. Beim Aufstieg auf den Sagenberg sollte man sich sehr viel Zeit lassen. Sonnig war es hier zur Mittagszeit (was am Stefanietag richtig angenehm war) und die Aussicht war grandios. Umso höher wir den Serpentinenweg hochstiegen, umso toller wurde das Panorama. Und da gab es dann auch noch die herrlichen Sagen, die von liederlichen Bergleuten, toten Spielmännern, wilden Frauen und vom Teufel (der um Seelen feilschte) berichteten. Hat man Obervoitsberg erklommen, erkennt man sofort, warum genau an dieser Stelle eine Burg errichtet wurde. Weit sieht man von hier: im Osten die Burgruine Krems, das Betriebsgelände der Berglandmilch, die Stadt selbst mit den Kirchtürmen, das Schloss Greißenegg, im Westen den Heiligen Berg, Schloss Piber dahinter Köflach und ganz hinten die Berge, die die West- von der Obersteiermark trennen.
Über das Kainachtal gab es eine Straßenverbindung in die Obersteiermark, und diese Straße musste gesichert werden. Also wurde bereits 1170 die Burg Obervoitsberg errichtet (damals hieß sie „castrum voitseperch“). Als die Burg gebaut war, entstand unter ihr im Tal eine Siedlung. Diese wurde mit einer Wehrmauer umgeben, die bis zur Burg hochgezogen wurde. So entstand der Ort Voitsberg, der bereits 1245 Stadtrecht hatte. Im 13. Jahrhundert wohnte eine sehr interessante Frau in Obervoitsberg – Herzogin Gertrud, Markgräfin von Mähren und Baden (1226 bis 1288).
Gertrud war die Nichte von Friedrich II. (der Streitbare), und dieser war der letzte Babenberger im Mannesstamm. Friedrich hatte also keine Kinder, denen er sein immens großes Herrschaftsgebiet vermachen konnte. Daher war seine Nichte Gertrud eine richtig gute Partie. Das dachte sich auch der staufische Kaiser Friedrich II. Würde er Gertrud heiraten, so bekäme er auf diesem Wege die babenbergischen Länder. Doch Gertrud wollte den 55-jährigen Kaiser nicht heiraten und tat es auch nicht. Also hat auf der Burg Obervoitsberg eine Frau gelebt, die den Mut hatte, Kaiser Friedrich II. einen Korb zu geben.
Die Burg Obervoitsberg präsentiert sich heutzutage nicht allzu romantisch. Der Burggraben ist ein Parkplatz, die Festung selbst eine Bühne. Doch der Standort und die Aussicht sind einfach traumhaft. Da ich soeben noch von den Sagen erzählte: Über Obervoitsberg gibt es auch eine. In den Kellerräumen der Burg sollte ein Schatz versteckt gewesen sein und natürlich hatte ein sehr argloser, junger Mann das Glück, die Schatztruhe zu entdecken. Als er sie öffnete, war in der Truhe eine Schlange, die einen Schlüssel in ihrem Maul hielt. Der Jüngling bekam Angst, floh, und die Schlange klagte, dass sie als verwunschenes Burgfräulein nun wieder nicht erlöst worden wäre.
Als wir vor einigen Jahren die Wanderung „Auf der Sonnenseite der Stadt Voitsberg“ machten, kam ich – arglos wie ich bin – in einem Waldstück genau zwischen zwei Schlangen zu stehen. Groß und dick waren sie. Eine lag auf dem Wanderweg hinter mir (wie ich diese übersehen konnte, ist mir heute noch schleierhaft), eine sperrte mir den Weiterweg ab. Ich stand also hyperventilierend zwischen zwei furchteinflößenden Schlangen, während mein Göttergatte mit einer Freude ein Exemplar davon voller Genuss fotografierte (Nahaufnahme wohlgemerkt). Ich kann mich heute nicht mehr so genau erinnern, wie die Gegend auf dem Weiterweg aussah. Als ich nämlich den beiden Reptilien großräumig ausgewichen war, waren meine Blicke ausschließlich nur noch auf den Weg gerichtet. Ehrlich, ein Burgfräulein hätte auch ich mit bestem Willen nicht erlösen können – egal wie groß die Belohnung für diesen Dienst gewesen wäre.
Hinter dem Parkplatz von Obervoitsberg gibt es einen Naschgarten. Geht man rechts neben diesem Garten vorbei, kann man allerhand Kunstwerke aus Metall entdecken. Bei den Hochbeeten führt der Weg bergab. Neben dem Bogenparcours geht es dann zum ehemaligen Kohlenbergbau Zangtal. Von 1880 bis 1989 wurden hier 27,5 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut. Benannt wurde das Bergwerk nach dem Besitzer August Zang. August Zang war ein vielseitig interessierter Mann. Er war ein ehemaliger Offizier, gründete eine Zeitung, „Die Presse“, und war nebenher auch noch ein Bankier. Im ehemaligen Bergwerksgelände kann man noch Fördermaschinen bestaunen. Besonders „Leopold“, ein 560 Tonnen schwerer Schaufelradbagger, beeindruckt durch seine unglaubliche Größe. Das Förderband, das zum Teil noch zu sehen ist, stammte von der Gleisdorfer Firma Binder. 1986 wurde Leopold in Betrieb genommen … leider schloss das Bergwerk bereits 1989.
An einem ehemaligen Wagon der GKB vorbei wanderten wir neben der Straße nach Voitsberg zurück. Auch wenn wir keine extrem weite Wanderung absolviert und die Tage davor ausgiebig Süßes verzehrt hatten, gönnten wir uns im Stadtcafé am Hauptplatz einen Cappuccino mit Tiramisu.

 

Neu Leonroth, Alt Leonroth und Teigitschklamm

 

Rundweg

Schritte

24.000

Dauer

5 h

 

Start:

 

Wanderparkplatz Teigitschklamm

Anfahrt: Richtung Voitsberg, direkt nach der Umfahrung Krottendorf-Gaisfeld im Kreisverkehr Ausfahrt Teigitschgraben, bei der Abzweigung Kraftwerk Arnstein gibt es einige, leider viel zu wenige Parkplätze. Man kann aber auch von der Langmannsperre (wo mehr Parkmöglichkeiten sind) in die Teigitschklamm absteigen.

Es war ein bitterkalter Jännertag und wir wollten eigentlich nur eine kurze Wanderung machen. „Die Ruine Neu-Leonroth könnten wir wieder einmal anschauen und ich hätte den Ehrgeiz, auch Alt-Leonroth zu finden“, schlug ich vor. „Kann ja nicht weit von Neu-Leonrod weg sein“, meinte ich noch. Dass das ein gewaltiger Irrtum war, wurde mir erst viel später bewusst. Doch nicht nur ich unterlag dieser Fehleinschätzung, auch Robert Baravalle, der Begründer der steirischen Burgenkunde, suchte Alt-Leonroth zuerst fälschlicherweise auf einem Felskopf unmittelbar westlich der Burg Neu-Leonroth.

Vom Wanderparkplatz Teigitschklamm folgt man vorerst einmal der Straße in Richtung Größnitzgraben. (Man könnte natürlich auch mit dem Auto die Straße weiterfahren, aber in diesem engen Tal sind Parkplätze wirklich rar.) Dieser Teil der Wanderung auf Asphalt ist der unspektakulärste Wegabschnitt. Im Größnitzgraben sieht man den ersten gelben Wanderwegweiser, der auf die Ruine Neu-Leonroth hinweist. Ein größerer Wegweiser macht auf ein Sägewerk aufmerksam. Hier biegt man links ab, über die Brücke und dann bei der Müllsammelstelle rechts hinauf in den Wald. Schon bald erreicht man die wunderbare riesengroße Ruine.

Das erste Mal hatte ich von Neu-Leonroth in einem deutschen Burgenbuch gelesen. Es gibt nur sehr wenige österreichische Wehranlagen, die es in dieses Buch geschafft haben. Daher war ich sehr neugierig gewesen, als ich im Jahre 2021 diese alte Wehranlage das erste Mal besichtigt hatte. Gregi und ich waren mehr als beeindruckt. Die Anlage musste riesengroß gewesen sein. Gewaltige Mauern sind zu sehen, aus Steinen, die nicht nur waagrecht, sondern auch schräg senkrecht angeordnet sind. Ein Weg führt durch den ehemaligen Graben – ich glaube zumindest, dass es ein Graben war. Ein gut erhaltener runder Turm, das romantische Eingangstor, ein weiteres Tor …

Bis kurz nach diesem zweiten Tor war ich 2021 gekommen, dann hatte ich ein Loch im Boden gefunden. Dazumal hatte ich umgedreht. Bei unserer letzten Jännerwanderung hätte ich mich wieder nicht weitergetraut – trotz der mächtigen Gemäuer dahinter, die wirklich verlockend aussahen. Doch bei Löchern in Böden bin ich halt mal etwas misstrauisch.

Dann kam eine Wandergruppe aus Bärnbach. Es waren sicherlich mindestens 20 Personen. Allesamt verschwanden durch das zweite Tor, um die übrigen Burgteile zu besichtigen. „Ich höre keine Hilferufe oder dergleichen“, bemerkte ich. „Sollen wir uns also auch trauen?“ Gregi fotografierte bereits die Reste des stattlichen Palais. Also machte ich mich auch daran, dieses Bauwerk aus der Gotik weiter zu erkunden. Um 1300 waren die ersten Teile von Neu-Leonroth errichtet worden, um die neue Straße, die auf die Pack führte, zu sichern. Davor hatte es eine andere Wegführung gegeben, für diese war Alt-Leonroth von den Herren von Krems errichtet worden. Ab 1196 hatte sich Otto von Krems das erste Mal auch „von Levenrode“ genannt.

Zurück zu unserer Wanderung. Wir konnten die Burg sicher durchschreiten, dann kamen wir in einen wunderlichen Gang oder Graben. „Das muss die Stelle gewesen sein, wo das Baumaterial abgebaut wurde“, schloss ich. Über diesen Ganggraben betraten wir eine hübsche Wiese und dann ging es bergauf, immer den gelben Wegweisern „Alt-Leonroth“ nach. Wir näherten uns der Kuppe des Berges, Gregi merkte an, dass diese Kuppe eindeutig von Menschen bearbeitet und terrassiert worden war – wir wähnten uns unserem Ziel „Alt-Leonroth“ nahe. Dann die bittere Erkenntnis: nix da. Wir mussten links abbiegen, hinein in einen Wald – es ging bergab, wir hörten einen Bach rauschen. „Laut Wegweiser müssen wir über den Bach springen“, stellte ich entgeistert fest. „Und das ist kein kleines Rinnsal, sondern ein breiter Bach, wo wir über vereiste, glatte Steine steigen müssen.“ „Er ist aber nicht tief“, meinte Gregi gelassen und war mit seinen langen Beinen bereits auf der anderen Seite. Ich komme leider eher nach den Hobbits – also kurze Haxen und nicht unbedingt gämsengleich. An einem eisigen Jännertag einen Wildbach zu queren ist da schon eher purer Leichtsinn. Als ich endlich meine Todesangst überwunden und ebenfalls das andere Ufer erreicht hatte, wusste ich genau: Egal, wie lange die Wanderung noch dauern würde, zurückgehen war ausgeschlossen. Berg rauf … wieder bergab … wieder bergauf. „Siehst du schon eine Ruine?“, wollte Gregi wissen. „Ne“, antwortete ich. „Da gibt es einen Wegweiser – Teigitschklamm.“ „Rauf geht es zur Ruine“, meinte Gregi und wir stiegen bergan. „Wo rohe Kräfte sinnlos walten“, zitierte ich, als ich die Riesenbaustelle sah. Eine Forststraße wurde rund um die Ruine Alt-Leonroth errichtet. Ein riesiger Stapel Holzblöcke lag im Halsgraben – ein Zugang zur Kuppe, auf dem sich die spärlichen Mauerreste befanden, war nur sehr erschwert möglich. Dieser Platz lud eindeutig nicht zum Verweilen und Schauen ein. Also kehrten wir um und folgten dem Wanderweg, der uns zum unteren Ende der Teigitschklamm führte.

Die Teigitschklamm ist ein kleines Paradies. Wir waren sie einmal im Sommer durchwandert, ganz hinauf bis zur Langmannsperre. Die Teigitsch ist 42 km lang und durchfließt zwei Stauseen. Die Hierzmannsperre und die Langmannsperre. Bei unserer Jännerwanderung sahen wir nur ein kleines Stückchen der Klamm – dieses war allerdings extrem pittoresk. Steine, Eis, Holz, Schotter, Eiszapfen. Wunderbar. Die ersten Häuser waren erreicht, wir folgten der Teigitsch weiter bis zum Kraftwerk Arnstein. Wie ein französischer Edelsitz sieht das Kraftwerksgebäude aus. Anno 1922 wurde der Bau des Kraftwerks begonnen, 1925 wurde es eröffnet. Es war das größte Wasserkraftwerk in der Steiermark. Auch heute leistet es noch gute Dienste. Man benötigt nur wenige Minuten, um hier schnell Strom zu erzeugen, es deckt den Spitzenstrombedarf und verhindert damit Netzzusammenbrüche.

Zurück zum Auto überlegten wir uns, wo wir einkehren könnten. Die Gegend hier ist recht einsam – ein Gasthaus hatte ich nicht gesehen. Allerdings braucht man nur über einen Hügel fahren und schon ist man in Voitsberg. Dort gibt es kein Problem, einen geöffneten Gastronomiebetrieb zu finden.

„Keltenweg“ – Ligist

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Keltenweg kurz

Vogelstimmenweg

5,3 km

1,82 km

193 HM

30 HM

2 h

1 h

Start:

Ligist

Zentrum  

Der Name „Keltenweg“ klingt fast wie eine Verheißung. Dieses geheimnisvolle Volk, das für seine Kunstfertigkeit bekannt ist, fasziniert uns zu Recht. Der irische Tourismus wirbt ganz stolz mit dem keltischen Erbe der Insel. Doch auch bei uns waren diese findigen Menschen beheimatet. An einem goldenen Septembertag machten Gregi und ich uns auf den Weg, um einen Siedlungsplatz der Kelten zu besuchen.

Ligist ist ein alter Ort, seit 1464 besitzt er Marktrecht. Enge Straßen führen ins Zentrum, das mit einladender Gastronomie lockt. Im Gastgarten des Gasthauses Gangl hatten wir schon bei einer früheren Wanderung gesessen und sehr gut gespeist. Gegenüber liegt das Restaurant Wörgötter, das mit einer Haube ausgezeichnet und mit 14 Punkten im Gault&Millau bewertet ist. Doch nicht nur die Gastronomie bereichert den Hauptplatz; der kunstvoll gefertigte Brunnen kann sich ebenfalls sehen lassen. Überhaupt: Im Ort Ligist findet man immer wieder beeindruckende Steinskulpturen. Als wir am Sonntagmorgen ankamen, feierten hübsch in Trachten gekleidete Leute am Hauptplatz bei einem Glas Wein. Ligist ist das Tor zur Schilcherstraße.

Dem Weg Nr. 11 wollten wir folgen – hinauf zu den Kelten. Weit kamen wir jedoch nicht. Schon beim „Eckwirt“ kamen wir auf Abwege. „Vogelstimmenweg“, sagte Gregi begeistert und zeigte auf ein Wanderschild. „Schlosswald“, las ich mit leuchtenden Augen, und schon waren der Wanderweg Nr. 11 und die Kelten vorläufig vergessen. Der Weg hinauf zur Burgruine Ligist ist nicht anstrengend und richtig idyllisch. Die Aussicht auf den Ort ist wunderbar, rundum sind Hügel und Berge. Diese mussten überquert werden, um ins Aichfeld, nach Judenburg oder auch nach Kärnten zu gelangen. Und deswegen steht die Burg auch an dieser Stelle. „Dorf Lubgast“ war ein Zufahrtsort zum Herzogberg. Über ihn ging es dann weiter über die Pack. Wein, Getreide, Salz und Eisen sollten transportiert worden sein.

Wir transportierten nur unsere Rucksäcke sowie unsere Kameras, die nun zum Einsatz kamen. Wilder Salbei, Efeu (der Teile der Burgruine überwuchert hatte und bei den Bienen äußerst beliebt war), im Burggraben flatterten Schmetterlinge … einfach herrlich. Über die steinerne Bogenbrücke (die bis ins 17. Jahrhundert noch eine Zugbrücke war) gelangten wir in den Burghof. Der Bergfried war einst fünf Stockwerke hoch – den untersten Raum darf man betreten. Früher war der Eingang des Bergfrieds im ersten Stock. Alt ist sie, die Burg. Sie wurde im 12. Jahrhundert von den Wildoniern errichtet. Doch war sie als Ersatzburg gedacht für die noch viel ältere Dietenburg, die zu den ältesten Burgen der Steiermark zählte. 1066 wurde die karolingisch-ottonische Mittelpunktsburg bereits urkundlich erwähnt. Und die Dietenburg stand natürlich auf dem Dietenberg, den wir ja ursprünglich besuchen wollten.

Also verließen wir die Burgruine Ligist wieder, umrundeten sie noch einmal, stiegen dann ab zum Schloss Ligist (ebenso wie die Burgruine im Besitz des Malteser Ordens), marschierten bei einem verwunschen wirkenden, vom wilden Wein umwucherten Haus vorbei (ehemaliger Weinkeller) und weiter bis zur Bundesstraße. Hier hielten wir uns rechts, kamen bei der Leitinger Mühle vorbei, betrachteten ein besonders schönes Marterl und querten dann die Bundesstraße auf Höhe der Feuerwehr.

Bei dieser Kreuzung ist ein riesiger hölzerner Hammer zu sehen, der daran erinnern soll, dass am Ligistbach einst fünf Hammerwerke standen und für den Wohlstand des Ortes sorgten. Anker, Achsen, Pflüge, Krampen, Schaufeln, Hauen, Hacken, Hufeisen, Pfannen, Sensen, Nägel. Geräte für harte Ackerarbeit – hart war die Arbeit bei den Hammerwerken sicherlich auch.

Wir überquerten eine Brücke und bogen sofort links ab. An einem Hundeabrichteplatz vorbei, ging es dann in den Wald. Steil führte der Steg bergauf. Als wir den Wald verließen, sahen wir die nächste Ruine. Diesmal war es kein Schloss, sondern ein verlassenes Wohnhaus. Als Kontrast dazu war etwas weiter oben ein hypermodernes, riesiges Anwesen errichtet worden. Eine traumhaft schöne Wiese mit Flockenblumen ließ uns wieder die Kameras zücken, dann ging es steil weiter die Asphaltstraße bergauf. Ein Wegweiser (der für uns nicht ganz eindeutig war) und ein Bankerl. Wir entschieden, dass der Wanderweg sicherlich in Richtung Bankerl führen würde (falsch). Wären wir links über den Weinberg gegangen, hätten wir die richtige Route erwischt. Aber ganz schlimm war dieser Irrtum auch nicht, wir erreichten unser Ziel auch so – halt nur von der anderen Seite.

Auf dem Dietenberg gibt es einen erstklassigen Buschenschank. Kremser heißt er. Und da der Kremser erst um 14.00 Uhr öffnete, entschlossen wir uns, zuerst noch das Siedlungsgebiet aus der Urnenfelderzeit sowie der La-Tène-Zeit zu besichtigen. Endlich würden wir die Überreste der keltischen Siedlung sehen. In den Siebzigerjahren gab es auf dem Dietenberg Ausgrabungsarbeiten. Siedlungsspuren bis ins 4. Jahrtausend vor Christus konnten nachgewiesen werden. Um ehrlich zu sein … man sieht gar nichts mehr. Die einzige Enttäuschung auf der ansonsten so wunderbaren Wanderung. Auch von der legendären Dietenburg konnten wir keine Überreste entdecken. Wo einst die Burg und die Kreidfeuerstelle waren, gibt es jetzt einen Hochbehälter des Wasserverbands Söding-Lieboch.

Andererseits hatten wir Glück, dass wir nicht zu viel Zeit bei der Ausgrabungsstätte vergeudeten. So kamen wir um 13.45 Uhr beim Buschenschank Kremser an (der eigentlich erst um 14.00 Uhr öffnete) und staunten nicht schlecht. Eine Viertelstunde vor der offiziellen Öffnungszeit waren die Bänke im Gastgarten schon ordentlich belegt. Wir hatten noch das Glück, uns ein angenehmes Plätzchen zu ergattern. Personen, die nur fünf Minuten nach uns eintrafen, mussten schon im Haus Platz nehmen. Nachdem wir bei allerfeinsten Panoramablick vorzüglich gespeist hatten, verstanden wir auch, wieso dieser Buschenschank so beliebt war.

Satt waren wir, warm war es … und wir waren etwas müde. Die große Keltenrunde, beschlossen wir, würden wir ein andermal gehen. Wir waren ja eh schon fleißig gewesen und hatten sogar einen Abstecher zur Burgruine gemacht … also trabten wir gemütlich die Asphaltstraße nach unten, immer den Blick auf den Ort Ligist gerichtet.

Bis zum Ersten Weltkrieg war Ligist ein beliebter Badeort. Und wie es scheint, kein ganz unbedeutender. Gäste aus der ganzen Monarchie, aus Italien und sogar aus dem fernen Russland waren zu Gast in der „Fichtenloh Warm- und Kaltwasseranstalt Ligist“. Es ist schon erstaunlich, was Ligist alles zu bieten hatte.

Vor der Heimfahrt wollten wir uns noch einen Kaffee genehmigen … doch leider hatten die Gasthäuser am Hauptplatz schon geschlossen.

Der Eckwirt, der direkt unter der Burgruine einen tollen Gastgarten hat, hatte noch offen. Die Gastwirtin ist eine freundliche Frau, liebt ihren Gastgarten und hat ihn richtig lieblich gestaltet. Unter einem schattigen Baum genossen wir den Kaffee und ließen den wunderbaren Tag Revue passieren.