„Rundweg über Schloss Wildbach – F3“ – Deutschlandsberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10,3 km

193 HM

3:30 h

Start:

Deutschlandsberg

Koralmstadion Deutschlands-berg  

Erzherzog Johann nannte einst das Gebiet um Deutschlandsberg „das Paradies der Steiermark“. Er hatte nicht ganz unrecht, immer wieder zieht es uns beim Wandern in diese Region. Sie ist wirklich ganz besonders, mit den Weingärten und den Bergen richtig lieblich.

Wir starteten diese Wanderung beim Deutschlandsberger Stadion (Koralmstadion), gleich war auch der Wegweiser F3 gefunden. Die Markierung des Weges ist übrigens vorbildlich. Wir verliefen uns bloß ein Mal, und das auch nur, weil ich mich zu sehr mit einer Katze beschäftigt hatte. 

Warum heißt eigentlich Deutschlandsberg so, wie es heißt? Ursprünglich hieß es „Lonsperch“. „Lons“ kam von der Laßnitz, „perch“ hieß Berg. Das „Deutsch“ kam zu Landsberg, als es dem Kreisamt von Marburg zugeteilt wurde. Und da gab es noch ein Landsberg – ein slowenisches. Daher gibt es jetzt ein Windisch Landsberg und ein Deutschlandsberg. Interessant! Doch eigentlich wollten wir ja wandern.

Also, zuerst mal die Norbert-Ehrlich-Siedlung entlang, bei der Kreuzung halb rechts, und schon erreichten wir den ersten Wald. Schön war es hier, viele alte Buchen, viele Laubhüttchen (von Kindern erbaut) und auch viele Katzen, was leider mein Verhängnis war. Statt direkt vor der Siedlung den Waldrand rechts hinunterzugehen, marschierte ich natürlich mit schwerem Rucksack die ganze Häuserreihe entlang. Also zurück zum Waldrand, kurz bergab, dann wieder bergauf, auf ein wunderbares Bauernhaus zu – dunkles Holz mit rot eingerahmten Fenstern. Die Fenster des Holzhauses waren klein, doch eines war noch viel, viel kleiner. Ein Arme-Seelen-Loch vielleicht? Davon hatte ich bei Karl Lukan schon gelesen. Die Seelen von Verstorbenen sollten durch diese kleine Luke ins Freie können, wenn ich mich noch recht erinnere.

Kurz wanderten wir eine Asphaltstraße entlang und dann wieder durch einen wunderbaren Laubwald, bis wir zu einer Wanderweggabelung kamen – „F3“ laut Karte und „F3 mit Weg 506“. Hier rechts abbiegen, raus aus dem Wald, die Wiese runter. Geipersdorf ist ein beschaulicher, ruhiger Ort mit sehr, sehr fleißigen Senioren. Ein betagter Herr stand auf einer Leiter und reparierte sein Dach. Beim nächsten Bauernhof gab es auch viele Aktivitäten. Die Hühner kletterten begeistert auf einem offensichtlich halbierten Misthaufen herum. Die andere Hälfte des Dungs wurde soeben auf einem Feld verteilt. Eine nette alte Frau erzählte uns ganz liebevoll von ihrem schönen Federvieh. Richtig glückliche Hühner seien sie, stellten wir fest. Das seien sie nicht immer gewesen, erklärte die Seniorbäuerin. „Die haben wir aus einem großen Mastbetrieb, arm und schirch waren sie. Hat lange gedauert, bis sie sich erholt haben.“

Wir wünschten dieser herzlichen Frau und ihren Hühnern alles Gute und marschierten weiter, neben Rübenfeldern vorbei, auf das Dorf Wildbach zu. Rechter Hand sahen wir einen Weinberg neben dem anderen. Wir waren im Dorf Wildbach angekommen, der Heimat des Schilchers – so glaubten Gregi und ich jedenfalls –, dieses herben hellrosa Weins, gekeltert aus der Wildbacher Traube. Eine Sorte, der nicht mal die Reblaus (aufgetreten 1880) etwas anhaben konnte. Eine besondere Traube – sie stammte angeblich auch nicht von den Römern, sondern von den Kelten.

Doch nicht nur Trauben sahen wir, sondern auch einen Nussbaum. Und auf diesem saß – was für eine Freude für uns Vogelliebhaber! – ein wunderschöner Eichelhäher. Neugierig spähte er ins Gras unter ihm, Ausschau haltend nach Essbarem. Fotosession der feinsten Art. Gregi und ich waren überglücklich, dem Vogel war es egal. Er ließ sich nicht stören. Er vermutete hier Walnüsse – der Baum mit seinen Früchten war vermutlich gleichzusetzen mit einem Haubenlokal. Wir hatten unsere Fotos, also ging es weiter.

Auf einer kleinen Anhöhe im Ort Wildbach steht ein bauliches Juwel, das Schloss. Ursprünglich hatte es hier einen Ansitz aus dem 14. Jahrhundert gegeben, der mit Mauer und Graben gesichert war. 1534 bis 1540 war dann ein Neubau mit vier Ecktürmen entstanden, 1730 war es umgestaltet worden. Seitdem ist die Fassade mit barocken Stuckaturen versehen. Auf einer Tafel lasen wir, dass Schubert 1827 drei Tage zu Gast gewesen war. Er hatte sich sicherlich auch den Bach unweit des Schlosses angesehen – den Wildbach. Er war namensgebend für den Ort, das Schloss und die Traube. Wir begutachteten diesen Bach auch, friedlich plätscherte er dahin. Sein klares Wasser war gar nicht wild.

Wir querten die Straße und lasen ein Schild: Buschenschank Orsl. Wir stellten fest: Es gibt ihn doch, den pawlowschen Effekt bei Menschen – jedenfalls bei uns. Ein Schild mit Aufschrift „Buschenschank“ verheißt ja Futter. Blöd nur, dass diese Buschenschank sonntags geschlossen hat.

Mit knurrenden Mägen wanderten wir weiter, rauf zum Wald, über eine Schafweide, kurz die Straße runter, dann die nächste Wiese hinauf, an einer Ölmühle vorbei, wieder bergab und zurück nach Geipersdorf. Hier mussten wir rechts abbiegen, in Richtung einer Teichanlage. Wir sahen den Hügel hinauf und entdeckten einen monströsen Riesenkürbis, der quasi über der Wiese schwebte. Wie war das mit dem Zweitaktgemisch der Steirer? „Kürbiskernöl und Schilcher.“ (Reinhard P. Gruber)

Wir wanderten durch den Wald mit seinem Raschellaub, kamen wieder zu der Wanderwegkreuzung mit den verwirrenden Schildern, nun ging es allerdings bergauf. Ein wunderbarer Weg. Farne in Grün, Farne in Gelb und Farne in Braun. Das gelbe Laub leuchtete in der Sonne und schon befanden wir uns wieder im Stadtgebiet von Deutschlandsberg. Wir sahen entzückt in die Stadt hinab, blinzelten gegen die Sonne, um das Wolfgangikircherl zu sehen, und bemerkten mit Begeisterung ein gut besuchtes Gasthaus. Wir studierten die ausgehängte Speisekarte und ich fand kein einziges vegetarisches Gericht. Ernsthaft? Also runter in die Stadt! Die letzten Meter der Wegführung gefielen uns besonders – treppab ging es in Richtung Stadion zurück. In der Innenstadt kehrten wir dann ins Restaurant Mediterran ein. Hier gab es Pizzen (so groß, dass sie über den Tellerrand hingen), Pastas und griechische Spezialitäten – alles zu sehr moderaten Preisen. Da können wir wieder mal einkehren. 

 

Laßnitzklamm (Deutschlandsberger Klause) sowie Burg

 

Rundwanderweg – Start: Parkplatz bei der Klause

 

Distanz

5,5 km

Höhenmeter

150 HM

Dauer

1:75 h

Sonntag war es, ein prachtvoller 1. Oktober, und wir waren voller Vorfreude. Die Deutschlandsberger Klause (Laßnitzklause) wollten wir uns ansehen. Wir wussten, dass es eine gemütliche Wanderung werden würde, und wir wussten auch, dass dieses Europaschutzgebiet in puncto Erlebnis, Natur und Schönheit kaum zu überbieten ist.

Rein also in die schmale Fels- und Waldschlucht. Die Laßnitz sah aus wie ein Goldstrom, so wunderbar spiegelte sich das Licht in ihr. Prächtige Pilze lugten unterm Laub hervor, Farne wuchsen zwischen moosigen Wurzeln – eine herrliche Wanderung! Ein breiter bequemer Weg führte sanft bergauf, zwischendurch machten wir immer wieder Abstecher hinunter zum Wasser. War da eine Wasseramsel? Sie war natürlich schneller als wir.

Auch egal. In dieser wildromantischen Umgebung mangelte es nicht an anderen Fotomotiven. Gigantisch hohe Buchen, moosüberzogene Steine und Wurzeln, tolle Felsformationen und ein munterer Fluss mit kleinen Kaskaden. Zugegeben, richtig wanderten wir hier nicht. Gregi war fast nicht dazu zu bewegen, weiterzugehen, so sehr war er mit seiner Kamera beschäftigt.

Ich war bereits über die nächste Brücke marschiert und entdeckte ein richtiges „Logenplatzerl“ am Ufer. Sollte sich Gregi nur Zeit lassen – ich würde hier auf dem gemütlichen Bankerl sitzen und meine Jause genießen. Doch – ich weiß nicht, wie er es macht – irgendwie kriegt er es immer mit, wenn es was zum Futtern gibt. Bald schon saß er fröhlich neben mir und verspeiste ebenso seinen mitgebrachten Kornspitz.

Gestärkt ging es weiter. Auf einem großen Steinmugel hatten sich Personen verewigt: Sebastian Hofer 1814, Walter (den Nachnamen konnte ich nicht mehr ganz entziffern) August 1933 … Was sie dazu veranlasst hat, ihre Namen gerade auf diesen Stein zu meißeln? Bei ihnen weiß ich es nicht, jedoch bei Josef Kyselak (1798 bis 1831) kennt man die Beweggründe, wieso er fast überall, wo er hingekommen war, seinen Namen als eine Art Graffiti hinterlassen hatte. Und er kam wirklich weit herum. Der Hofkammerbeamte Kyselak hatte laut Legende gewettet, dass er binnen drei Jahren in der ganzen Monarchie bekannt werden würde. Und der Schriftzug mit seinem Namen, angebracht an sehr, sehr vielen Plätzen im Kaisertum Österreich, machte ihn sogar so bekannt, dass er zum Kaiser zitiert wurde. Franz I. hätte ihm bei diesem Besuch verboten, je wieder seinen Namen irgendwohin zu schreiben – was der gute Mann auch brav gelobte. Als der „geläuterte“ Untertan und Hofkammerbeamte den Kaiser wieder verlassen hatte, fand der Monarch allerdings Kyselaks Namen und Datum in seinem Schreibtisch eingraviert. Ich liebe diese Geschichte. Und ist sie nicht wahr, ist sie zumindest gut erfunden.

Wir erreichten nun die „Einsiedelei“. Ab hier führte der Weg in einigen Kehren bergan. Etwas außer Puste, dafür voller Vorfreude, erreichten wir die Burg Deutschlandsberg. Ein wunderbares Panorama: die Weinberge und unterhalb die Stadt.

Dieser Ort ist besonders. Das wussten auch die Leute dazumal, in der Jungsteinzeit. Schon im 5. Jahrtausend (andere Quellen sprechen vom 4. Jahrtausend) vor Chr. hatten hier Menschen gewohnt. Und ihnen folgten weitere Personen, die auf diesem Hügel beheimatet waren. Man fand Siedlungsspuren aus der frühen Eisenzeit, aus der Keltenzeit … und dann auch noch aus dem 7. Jh. n. Christus.

Dann wird die Geschichte konkreter. Um 970 erhielt das Erzbistum Salzburg dieses Gebiet und im 11./12. Jahrhundert wurde die erste Burg gebaut. Diese darf man sich allerdings nicht allzu pompös vorstellen – war sie noch eine Turmburg aus Holz und Erde auf einem Trockenmauerfundament.

Im 15. Jh. wurde eine gotische Burganlage errichtet, im 16. Jh. kam ein weiterer Ausbau (und somit konnte sie auch nicht von den Türken unter Sultan Soliman eingenommen werden).

Unermüdlich baute man aus und zu … und dann kam das verhängnisvolle 19. Jahrhundert mit der verheerenden josephinischen Dachsteuer. Teile des Daches wurden abgedeckt, die Burg verfiel zusehends. 1927 wurden Teile des Burggebäudes gesprengt.

Einen großen Dank muss man der Stadtgemeinde Deutschlandsberg aussprechen, die 1932 die Burg kaufte und im Laufe der Jahrzehnte wieder zu einem wunderbaren Gebäude ausbaute. In der Burg befindet sich das Museum Archeo Norico – das Museum für Vor- und Frühgeschichte. Was man da nicht alles herausgeholt hat aus dem weststeirischen Boden! Die ostkeltische Totenmaske aus Goldblech lässt wohl kaum einen Besucher kalt. Gregi begeisterte sich – und da erkennt man eindeutig den Kaufmann – für die keltischen Münzen und ich konnte mich kaum bei den Gemmen (Schmuckstücken) aus Karneol mit den zierlichen Motiven sattsehen. Nicht verpassen sollte man den neu angelegten Rundgang durch die Altburg, vorbei an den Zisternen, durch schmale Lücken, durch dicke Mauerwerke … einfach herrlich! Irgendwann waren wir dann doch bereit, uns von den alten Gemäuern zu trennen.

Vom Burgberg ging es über die Jakobistiege den Weinberg bergab. Besonders lohnend war es, sich hin und wieder umzudrehen, um die Burg „von unten“ (von der Angriffsseite) zu betrachten. Wuchtig wirkten sie, die Wehrmauern. Und das mussten sie wohl auch sein. Allzu exponiert war die Lage der Burg ja nicht – dieser Hügel war wohl kaum ein Hindernis für einen feindlichen Haufen.

Unser Tipp: Kehren Sie nicht gleich zum Parkplatz zurück, sondern besichtigen Sie auch das pittoreske Zentrum von Deutschlandsberg.