„W30 Burgblickweg“ – Stadtschlaining

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10,64 km

222 HM

4 h

Start:

Stadtschlaining

Hauptplatz  

Gibt man ins Navi „Schlaining“ ein, wird man eventuell Pech haben und keinen Treffer landen. „Stadtschlaining“ ist die richtige Bezeichnung. Stadtschlaining gehört zu den kleinsten Städten in Österreich (mit knapp über 2000 Einwohnern), hat jedoch schon seit 1514 eine Stadtordnung.

In Stadtschlaining steht die Friedensburg. Sie wurde vorbildlich renoviert und ist richtig sehenswert. Als wir uns im Mai dazu entschlossen hatten, nach Stadtschlaining zu fahren, wussten wir nicht, dass an diesem Wochenende das Klangfrühlings-Fest sowie die Eröffnung der Ausstellung „Von der Wehrburg zur Friedensburg“ stattfand. Feuerwehrmänner wiesen uns einen Parkplatz zu, adrett gekleidete Personen stiegen neben uns aus. Wir hatten natürlich unsere Wanderklamotten an, schleppten schwere Rucksäcke und fielen auf wie bunte Hunde.

Vor der Burg stand eine große Limousine mit Chauffeur. Wir rätselten, ob man damit den Landeshauptmann transportiert hatte. Polizisten wachten vor der Burg und beobachteten uns kritisch, wie wir mit unseren vollgepackten Rucksäcken in Richtung Burggraben marschierten. Leider war dieser an diesem Tag gesperrt, was wir sehr bedauerten. Es ist immer wieder ein Erlebnis, unter den immens hohen und massiven Brückenpfeilern durchzugehen, die mächtige Burg zu umrunden und dann ins Tauchental abzusteigen. Also Plan B: Den offiziellen Start der Burgblick-Wanderung W30. Über den hübsch gepflasterten Hauptplatz in die Baumkirchner Gasse und dann in den Badweg.

Auch diese Variante ist sehr interessant, da man auf diesem Weg an der massiven Stadtmauer vorbeikommt. Als Bonus gibt es auch noch sehr tolle Schilder mit Infos über die Geschichte. Wir gingen beschwingt den (für burgenländische Verhältnisse recht steilen) Burgberg hinunter, ein Mountainbiker kam uns schnaufend entgegen. Radfahrer sind im Burgenland keine Seltenheit – Wanderer schon.

Im Talgrund mussten wir die Brücke überqueren, dann rechts abbiegen und ein kurzes Stück der Straße folgen. Auf der linken Seite führte der Wanderweg den Gegenhang bergauf, zuerst durch einen Wald (wo ein Bussard nistete), dann schlenderten wir an herrlich artenreichen Wiesen vorbei: Mohn, Kornblumen, Ackerstiefmütterchen, Wolfsmilch, Thymian, Wiesensalbei, Glockenblumen, Storchenschnabel. Wir stiegen weiter bergan, der Wind zauberte Wellen in ein Gerstenfeld. Wir konnten in der Ferne die Riegersburg und die Gleichenberger Kogel sehen … und natürlich hatten wir hier eine besonders feine Sicht auf die Friedensburg Schlaining.

Im Gegensatz zur Riegersburg, die auf der Kuppe eines markanten Vulkans errichtet wurde, duckt sich die Friedensburg Schlaining fast. Die Stadt liegt höher als die Burg, welche auf einer Felsnase gebaut wurde. Begonnen hatte man schon Mitte des 13. Jahrhunderts, die Burg zu errichten. Doch ein Mann ist für den Ausbau der Burg besonders bedeutend: Andreas Baumkirchner (1420 – 1471). Er war ein Söldnerführer und stand in der besonderen Gunst von Friedrich III. Er erhielt das Recht der eigenen Münzprägung und durfte neben seiner Burg eine Stadt gründen. Und das machte Baumkirchner dann auch: „Eine Burg für den Teufel, eine Stadt für die Welt und ein Kloster für das Himmelreich.“ Also die Burg Schlaining, die Stadt Stadtschlaining sowie ein Paulinerkloster.

Blöderweise schuldete der Kaiser Baumkirchner Geld … sehr viel Geld angeblich. Und er war offensichtlich bei der Zahlung säumig. Das dürfte den Söldnerführer verärgert haben, denn plötzlich stand Baumkirchner im Dienst des ungarischen Königs Matthias Corvinus. Mit diesem organisierte er einen Aufstand des steirischen Adels gegen Friedrich III. Sie besetzten die steirischen Städte Hartberg, Fürstenfeld, Feldbach … sie kamen bis nach Marburg und auch ins Mürztal. Baumkirchner und seine Mitkämpfer waren sehr stark, und Friedrich III. war bereit, Baumkirchner völlige Amnestie zu gewähren sowie eine Zahlung von 14.000 Gulden zu versprechen. Versprochen hatte es der Kaiser – doch die Zahlung blieb aus. Also erhob sich Baumkirchner erneut gegen Friedrich III. Am 23. April 1471 sollte es zu Verhandlungen in Graz kommen. Baumkirchner sollte anreisen, ihm wurde ein freies Geleit zugesichert. Baumkirchner hätte klüger sein sollen und bereits wissen müssen, dass man auf die Zusagen von Friedrich III. nicht allzu viel geben durfte. Er begab sich nach Graz … und wurde dort hingerichtet.

Düstere Zeiten … düstere Geschichten. Gut, dass wir im 21. Jahrhundert unterwegs waren – nicht zu Verhandlungen, sondern um zu wandern und zu fotografieren. Ein hübscher Neuntöter saß auf einem gigantischen Holzstoß und präsentierte sich von der allerschönsten Seite. Mit dem schwarzen Streifen im Gesicht, der wie eine Augenbinde aussah, erinnerte mich der Neuntöter an Zorro. Gregi lauschte und behauptete, die lieblichen Stimmchen von Bienenfressern zu hören.

Wir erreichten den kleinen Weiler Schönau – der Name ist Programm. Wir beobachteten zwei Bussarde, die ihre Kreise zogen, durchwanderten einen Wald und kamen wieder an Feldern und Wiesen vorbei. Der Weg schlängelte sich kurvig dahin, wir mussten links abbiegen … vor uns war eine hübsche Kirche zu sehen. Die Wegmarkierung war hier leider sehr mangelhaft, doch mit der Tracking-App schafften wir es dann doch, den Weg nach Altschleining zu finden. (Rechts ins Tal absteigen, sobald der Wald aufhört.)

Altschlaining war die ursprüngliche Burgsiedlung. Hier wohnten nicht nur deutschsprachige Siedler, sondern auch Walachen, die Kroatisch sprachen. Beim Kriegerdenkmal bogen wir links ab und wanderten durch den Wald bergauf bis zum Waldrand. Hier hätten wir eigentlich links abbiegen müssen, den Waldrand entlang und dann am Feldrand bis zur Asphaltstraße hoch. Auf der schmalen, selten befahrenen Asphaltstraße gingen wir in Richtung Stadtschlaining zurück, wobei Gregi Schmetterlinge fotografierte und ich ein Neuntöterweibchen (ihre „Augenbinde“ ist eher blass) sah.

Vor der Bundesstraße bogen wir in den Radweg und folgten diesem zur Stadt zurück. Am Hauptplatz gibt es Gaststätten. Wir kehrten bei Mikes Café Pub ein. Hier waren wir schon vor Jahren mal. Es war zu Coronazeiten – kurz nach einem Lockdown. Damals waren wir es nicht mehr gewöhnt, in einem Gasthaus zu sitzen und es gab Personenbeschränkungen für die Tische. Wir saßen also alleine in der Wirtsstube und hatten dabei trotzdem ein leicht beklemmendes Gefühl. Solange, bis andere Personen die Gaststube betraten und behaupteten: „In xxx ist der Buschenschank xxx, von dort kommen wir gerade. Da sitzen gut 40 Leute an einem Tisch.“

Diese Zeiten haben wir zum Glück hinter uns gelassen. Jetzt kann man wieder ohne Angst ins Gasthaus gehen … oder Ausstellungen besichtigen. Sehr empfehlenswert ist die Besichtigung der frisch renovierten Friedensburg Schlaining. Wir hatten das Vergnügen, im Jahr 2023 diese Burg näher zu erkunden – wobei wir Zeuge einer erstklassigen spontanen Gesangseinlage eines Damenchors wurden. In der Burg befindet sich das Lokal „Das Kranich“, wo man bei einem wunderbaren Ambiente hervorragend speisen kann.

 

„W12 Panoramarunde“ – Bad Tatzmannsdorf nach Neustift

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

12 km

221 HM

4:05 h

Start:

Bad Tatz-mannsdorf

Joseph Haydn Platz  

Bad Tatzmannsdorf sieht eigentlich für einen Kurort recht unspektakulär aus. Die Häuser wirken noch alle recht jung. Keine K&K-Pracht wie in anderen respektablen Bädern. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen. Bad Tatzmannsdorf gehört zu den ältesten bekannten Kurorten in Europa. Unglücklicherweise wurde es noch kurz vor Kriegsende im Frühjahr 1945 zerstört.

Schon in der Bronzezeit war es besiedelt. Später, im 11. Jahrhundert, wohnten ungarische Grenzwächter in diesem Gebiet, welches der Familie „de Tarcsa“ gehörte. Da kann man sich schon vorstellen, woher der Name des größten burgenländischen Kurortes stammt.

Schon früh begann man hier mit Heilbehandlungen bei Herz- und Kreislauferkrankungen, Rheuma und Frauenleiden. Seit dem 14. Jahrhundert ist der Kurbetrieb nachgewiesen.

Der ungarische Hochadel schätzte den Kurort, der sich im Besitz der Familie Batthyány befand. Doch nicht nur blaublütige Kurgäste tummelten sich hier: Auch Künstler und Schriftsteller waren anzutreffen, um Trinkkuren zu machen. Einer von ihnen war Franz Grillparzer, der 1852 in Bad Tatzmannsdorf weilte und immer wieder gerne zitiert wird: „Ich war früh aufgestanden, hatte Wasser aus dem Sauerbrunnen getrunken, gebadet, darauf wieder einen Becher Wasser getrunken und ging in den Garten spazieren.“ Weniger gerne zitiert man den Ausschnitt aus einem Brief von Franz Grillparzer: „Der Ort selbst ist der langweiligste, den man sich denken kann.“

Ich weiß nicht, ob sein Urteil stimmte oder ob der Dichter einfach an diesem Tag nur schlecht gelaunt war. Heutzutage ist dieser Ort ganz bestimmt nicht langweilig. Neben einigen Museen (Freilichtmuseum, Brotmuseum, Kurmuseum), zahlreichen Kaffeehäusern und Gastrobetrieben, Thermalbädern, einem tollen Kurpark mit Veranstaltungsbühne sowie vielem Sportmöglichkeiten (Golf, Tennis …) gibt es auch Wanderwege. Und im Gegensatz zu den Wanderwegen anderer burgenländischer Orte sind diese auch bestens markiert.

Vor vielen Jahren (als die Burg Schlaining noch nicht so schön renoviert war) sind wir einmal am Neujahrstag bei kaltem und nebligem Wetter von Bad Tatzmannsdorf nach Stadtschlaining marschiert. Wir kehrten zu Mittag in Stadtschlaining in das einzige geöffnete Lokal ein und trafen dort noch auf „übergebliebene“ Silvestergäste, die durchgefeiert hatten. Gut, ein richtiges Mittagessen hatten wir in diesem Lokal dann auch nicht bekommen … aber das ist eine andere Geschichte.

Diesmal waren wir im August unterwegs, und es hatte wieder einmal über 30 Grad Celsius. Zahlreiche Gäste saßen in schattigen Gastgärten, und wir folgten dem Wanderweg W12. Zuerst kam der schweißtreibende Anstieg auf den Sulzriegel. Da es so ein heißer Tag war, nahmen wir zum Glück die Abkürzung W12a. Auf diese Weise fanden wir den traumhaft schönen Zyklamen-Waldhang.

„Vögel hört man, bevor man sie sieht – und Zyklamen riecht man vorher“, meinte Gregi und sog genüsslich Luft ein. Der Zyklamenduft ist einzigartig und besonders intensiv an sehr heißen Tagen. Ein einziges Stöcklein dieser besonderen Blumen sorgt schon für ein außergewöhnliches Dufterlebnis. Doch wenn der ganze Waldhang vor lauter Blümchen violett gefärbt ist, mag man sich von solch einem bezaubernden Ort fast nicht trennen. Also verweilten wir hier fotografierend und schnuppernd eine geraume Zeit. Vergessen war die Hitze.

Wenn ich so ein magisches Platzerl entdecke, überlege ich jedes Mal, ob ich es wohl weitererzählen darf. Allerdings glaube ich fest daran, dass meine LeserInnen diesen Plätzen auch Respekt zollen und keine Blumenstöcklein ausgraben und sich auch keinen Blumenstrauß pflücken. Einfach nur dastehen, sich der Blütenpracht erfreuen und den Duft inhalieren – das schadet nicht. Und vom Wegrand aus Fotos zu schießen auch nicht. Leider ist es mir nicht gelungen, die Pracht dieses Blütenmeers wirklichkeitsgetreu einzufangen.

Vom kühlen Wald gelangten wir dann auf eine Hochfläche mit wunderbarem Panorama. Doch die erbarmungslose Sonne sorgte dafür, dass wir uns sputeten, den nächsten Wald zu erreichen. Sobald man in den Schatten der Bäume eintaucht, ist selbst der heißeste Tag erträglich, und so überlege ich mir, ob es nicht am klügsten wäre, in den Gärten statt englischem Rasen Waldbäume zu setzen.

Sorgten noch in der letzten Waldpassage die Zyklamen für ein einmaliges Aroma, waren es nun die Nadelbäume, die uns mit ihrem Geruch verwöhnten. Unzählige Kiefernzapfen lagen auf dem mit Nadeln weich gepolsterten Wanderweg. Immer wieder kamen wir zu Lichtungen, wo Gregi nach Schmetterlingen Ausschau hielt. Schließlich ging es bergab, einem Bachlauf entlang – wir befanden uns in einer richtigen Schlucht. Diagonal rankten die Felsen aus dem Bachbett, und ich zweifelte beinahe, ob wir wirklich im Burgenland waren. In einem Bachtümpel schwammen kleine Fische – aber auch ein sehr großes Exemplar konnte ich entdecken.

Die ersten Häuser des Ortes Drumling waren zu sehen. Ein Mann war dabei, sein Haus zu sanieren. Im Juni gab es hier ein Hochwasser. Zwanzig Zentimeter hätte das Wasser in seiner Garage gestanden, erzählte uns der Mann. Auch erzählte er uns, dass er einen großen Karpfen gerettet hatte, der nach dem Hochwasser auf dem Weg lag. Er hätte ihn wieder in den Bach geworfen. Ob es sich bei diesem Karpfen um den großen Fisch gehandelt hat, den ich kurz davor im Tümpel gesehen hatte?

Im Ort Drumling ging es dann rechts, einen bewaldeten Hang hinauf, über Felder und wieder durch Wald. Schließlich erreichten wir das „Reiters Reserve“. Wir freuten uns aufrichtig, es zu sehen. Denn nun, das wussten wir, war es nicht mehr weit nach Bad Tatzmannsdorf. Die Hitze machte uns zu schaffen, und unsere Trinkflaschen waren inzwischen geleert. Wir freuten uns auf ein richtig kaltes Getränk – und Eis.

Im August 2024 war es in Bad Tatzmannsdorf überhaupt kein Problem, ein gutes Lokal zu finden. Allein auf der Gästeinformation waren 19 Gastrobetriebe eingezeichnet. Wir setzten uns im Zentrum in das Kaffeehaus und waren ein bisschen traurig, dass es die „Bio Vollwertbäckerei Gradwohl“ nicht mehr gab. Seine Getreidegerichte waren spitze und aus einer Zeit, wo man noch nicht dem Irrsinn verfallen war, alles Getreide zu verteufeln und mit Eiweißprodukten zu ersetzen.

Dabei verzehrten wir voller Genuss einen großen Becher Eisschokolade bzw. Eiskaffee und unsere trüb-nostalgische Stimmung hellte sich augenblicklich auf. Morgen würde ich etwas aus dem gesunden Kochbuch vom Gradwohl kochen – nahm ich mir vor. Vielleicht die leckeren Dinkeltascherln mit Lauch-Tofu-Füllung? Die waren immer ein Gedicht.

 

 

„Kienbergrunde W21“ – Bernstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

9 km

384 HM

3 h

Start:

Bernstein

Zentrum  

Bernstein ist der Ort, in dem sich die höchstgelegenste Burg des Burgenlandes befindet. Wir waren nach Bernstein gekommen, um wahres burgenländisches Gipfelglück zu suchen.

Vom Bernsteiner Felsenmuseum aus marschierten wir zur Raiffeisenbank und davor gab es – nahezu eine burgenländische Sensation – Wanderwegweiser! Der „Würfel“ zeigte uns, dass der Weg W21 bergab ins Tauchental führte. Also, nichts wie runter, an einem hübschen Gebäude mit viel blauem Dekor vorbei, und dann ging es wieder steil bergauf. Am Tennisplatz vorbei – wobei wir uns überlegten, ob extra für diesen Sportplatz Teile des Berges weggesprengt wurden oder ob man einfach einen ehemaligen Steinbruch umgestaltete – dann führte die Schotterstraße uns in den Wald.

Lauter Föhren wuchsen auf dem Hang, es war ein warmer Tag, und es roch herrlich. „Es riecht wie in Italien“, schwärmte Gregi. „Der Wald wirkt richtig mediterran.“ „Die Föhren tragen graue Hosen, orangebraune Hemden und grüne Hüte“, merkte ich an, weil die Stämme unten wirklich grau und im Mittelteil orangebraun waren, und die Kronen hatte natürlich grüne Nadeln.

Der Kienberg hat übrigens seinen Namen von den Föhren, die sehr harz-pechhaltig sind. „Kienspäne“ wurden als Beleuchtung in den alten Bauernhäusern verwendet. Und vom fossilen Harz, welches in der Ostsee an Land geschwemmt und in der Antike von dort bis nach Rom geliefert wurde, hat Bernstein seinen Namen. Ein Zweig der „Bernsteinstraße“ hat über das Tauchental bei Bernstein geführt. Die Bernsteinstraße war eine bedeutende Handelsroute, und der Weg war extrem weit. Eine Hardcore-Weitwanderung sozusagen. Dagegen ist der „Alpannonia Wanderweg“ mit seinen 120 km, der nördlich von Bernstein vom Semmering nach Koszeg führt, beinahe schon ein Spaziergang.

Auf dem Kienberg soll eine Hexe wohnen: die Kienberghexe. Nett war sie nicht, das könnte man nicht behaupten. Waren einsame Wanderer, beerensammelnde Kinder etc. unterwegs, konnte es ihnen passieren, dass die böse Hexe Steine nach ihnen schleuderte und sie tötete. Dann schleppte sie ihre „Beute“ zu einem Felsspalt (dem „Speckkammerl“).

Auch ein „Waldmännchen“ soll der Kienberg beherbergen, welches es so gar nicht leiden kann, wenn man über die Qualität des Holzes lästert. Wir lästerten bei unserer Wanderung nicht. Wir redeten kaum noch – schnaufend stiegen wir den steilen Hang bergauf. Dann endlich eine wunderbare Kuppe mit einer tollen Aussicht.

Nun war Gregi voll des Lobes über den Kienberg. Immerhin hatte er einen Mauerfuchs entdeckt, der sich fotografieren ließ. Auch ein Schwalbenschwanz zog seine Runden über der Bergkuppe und hielt sein Revier gut im Auge. Ich schätze, dieses Lob hätte dem Bergmännchen gut gefallen.

„Im Wanderbuch stand etwas von einem Gipfelkreuz und auch was von einer Bank“, maulte ich, denn ich war hungrig und müde. Immerhin war ich den steilen Berg hinaufgeklettert und hatte mir eine Rast auf einem bequemen Bankerl verdient (natürlich auch eine gute Jause). „Vielleicht waren Bank und Gipfelkreuz schon alt und sind kaputt geworden … und dann hat man sie nicht mehr ersetzt“, überlegte Gregi laut. „Andernfalls ist das noch nicht der Gipfel“, meinte ich, als wir den Grat etwas entlang gingen. Plötzlich führte uns der Wanderweg links steil durch den Wald bergab. Dabei mussten wir höllisch aufpassen, weil der Weg mit Föhrenzapfen „gepflastert“ war. Sobald man draufstieg, begannen sie zu rollen. Hatten wir etwa das Waldmännchen verärgert?

Dann kamen wir zu einem Schranken und einem Schild, welches uns darauf hinwies, dass wir das Steinbruchgelände nicht betreten dürften. Hier rechts dem Wanderpfad folgen! Begeistert sahen wir auf zu den Baumkronen, welche auf der Abbruchkante des Steinbruchs standen. Riesige Bussarde kreisten darüber.

Bernstein ist ein historischer Bergbauort. Ende des 14. Jahrhunderts wurden zwei Schmelzhütten für Eisen erwähnt. Seit dem 16. Jahrhundert wurden Schwefel, Kupfervitriol, Kupfer, Gold und Silber gefördert. Später wurde Antimon abgebaut. Und seit zirka hundert Jahren wird im Steinbruch auf dem Kienberg der moosgrüne Edelserpentin gefördert. Zweitausend Kubikmeter Gestein muss abgebaut werden, um einen Kubikmeter des lichtdurchlässigen Edelserpentins zu erhalten. Dieser weiche Stein muss dann eine Weile gelagert werden, bevor man ihn bearbeiten darf.

Schließlich mussten wir rechts abbiegen, und es ging wieder steil bergauf. Und endlich erreichten wir den echten Gipfel des Kienberges. Auf 804 Metern Seehöhe steht das burgenländische Gipfelkreuz. Das hört sich nicht viel an, doch im Wanderbuch wird diese Tour immerhin als „etwas anspruchsvoll“ bezeichnet. Auf der Kuppe des Kienberges (auf dem Bankerl sitzend und die Jause genießend) lächelte ich noch über das „etwas anspruchsvoll“. Wieder konnten wir einen Schwalbenschwanz beobachten, und auch das Panorama war spitzenmäßig.

Der Abstieg war alles andere als lustig – sehr abschüssig und wieder diese vermaledeiten Föhrenzapfen. Endlich erreichten wir die Asphaltstraße (kurz nach links, überqueren und dann in den Waldweg einzweigen). Hier kamen wir rascher voran, folgten dem Forstweg bis zu einer Kuppe. ACHTUNG, hier rechts abzweigen! Und dann ging es bergab – bergab – bergab. „So viele Höhenmeter haben wir beim Aufstieg nicht überwunden“, bemerkte ich, als wir einen nassen Graben mit mehreren kleinen Gerinnen erreichten. Auch die Vegetation hatte sich geändert, statt Föhren wuchsen hier Buchen. Und recht hatte ich – plötzlich ging es wieder bergauf!

Wir verließen den Wald und wanderten eine Weile (immer ansteigend) auf einem Wegerl neben der Straße entlang. Heiß war es, unsere Wasserflaschen waren bereits leer, und wir waren schon rechtschaffen müde. Als wir die norisch-pannonischen Hügelgräber erreichten, lächelte ich nicht mehr über die Bemerkung von wegen „etwas anspruchsvoller Weg“. Inzwischen war ich der Meinung, dass dies sehr untertrieben war. Weiter ging es bei Hitze bergauf, der „Steinbruchblick“ mochte uns nicht mehr beeindrucken. Stattdessen hätten wir ein Königreich für eine kühle Erfrischung gegeben. Wir waren schon dankbar, dass der Weg nun wieder durch einen schattigen Wald führte – und dann kam der absolute Höhepunkt der Wanderung.

„Monis Imbiss“ auf der Panoramaplattform 1. „Sieht aus wie in Kroatien“, sagte Gregi zufrieden. „Fast wie im Urlaub“. „Kühle Getränke!!!“, frohlockte ich. So saßen wir vor dem Imbiss über dem Parkplatz und genossen herrliche Erfrischungen aus PET-Flaschen. Dabei sahen wir rüber nach Bernstein – auf den Ort und auf die Burg. So gestärkt war ich wieder in der Lage, an meine Kamera zu denken und Fotos zu machen. Auch mit dem Handy – um Linda den schönen Ausblick schicken zu können. „Seid ihr in Kroatien?“, kam als Reaktion auf das Foto.

Ich weiß bis jetzt nicht, wieso Vater und Tochter beide an Kroatien denken, wenn sie das Panorama von Bernstein sehen. Bei der grimmigen alten Burg denke ich eher an Geister … welche darin auch umgehen sollen. Der „Schlosshansl“ zum Beispiel ist ein nicht ganz freundlicher Geist in ritterlicher Kleidung und rotem Wams. Wohlgesonnen hingegen soll die „Weiße Frau“ sein, deren Erscheinung schon oftmals beschrieben wurde. Sogar russische Offiziere, die in Kriegsgefangenschaft geraten waren, konnten von ihr berichten. Angeblich erscheint sie vor bösen Katastrophen, um davor zu warnen.

Erfrischt wanderten wir vom Imbiss in den Ort, wo wir dann bei einem ausgezeichneten Schmankerlwirt einkehrten. Das Restaurant „Pannonia Roth“ war ein toller Abschluss einer etwas anspruchsvollen, aber tollen burgenländischen Gipfelwanderung.