„Leibnitz – Schloss Seggau – Frauenberg – Leibnitz“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13 km

150 HM

4 h

Start:

Leibnitz

Hauptplatz  

Ein Sonntag im Februar, die Wettervorhersage prognostizierte 13 Grad Celsius, die Pollen der Frühblüher waren extrem aktiv und wir beschlossen, in den steirischen Süden zu fahren – trotz blühender Haselbüsche, die mir in Gleisdorf schon sehr zu schaffen machten. Wir bummelten über den Hauptplatz bis zum Kapuzinerkloster, dann bogen wir in der Rudolf-Hans-Bartsch-Gasse ein (wobei wir einem nervösen Eichhörnchen begegneten, welches den Winterschlaf unterbrochen hatte) und marschierten an der Tennishalle und am Park vorbei in Richtung Sulmbrücke. Überall gab es noch verdichtete Schneereste und sogar der Bach im Park hatte noch eine Eisschicht. „Irgendwie haben wir in Gleisdorf ein anderes Klima“, bemerkte ich und fror leicht.

„Ich habe immer geglaubt, die Sulm fließt auf der anderen Seite des Berges“, überlegte ich, als wir den Fluss überquerten. Ein Blick auf die Landkarte und wir sahen: das tut sie auch. Sie schlängelt sich förmlich um den Berg, wobei sie bei Leibnitz durch die Laßnitz Verstärkung bekommt. Und dann ist da ja auch noch die Mur, die östlich an Leibnitz vorbeifließt. Ein fruchtbares, richtig breites Tal, ein Berglein, das von einem Fluss umspült wird, und Wein wächst da auch noch. Klar, dass sich da die Römer wohlgefühlt und in der Nähe die Stadt Flavia Solva gegründet hatten. Doch schon vor den Römern war der Hügel, den wir erklimmen wollten, bewohnt. Schon seit prähistorischer Zeit.

Von der Sulmbrücke aus gibt es zwei Gehwege zum Schloss Seggau. Der rechte Weg führt steil auf den Berg, dann kommt eine kleine Kapelle, kurz die Asphaltstraße hoch, dann rechts zum Schloss. Bei der zweiten Variante geht man von der Brücke aus ein kleines Stückchen nach links, um dann auf einen steilen Asphaltweg durch den Wald emporzusteigen. Beim Tennisplatz Frauenberg kommt man raus – hier sieht man schon das Schloss und kann sich nicht mehr verirren. So oder so … man kommt an Marterln vorbei. Eines kann ich schon mal vorwegnehmen. Hier gibt es eine enorm große Marterldichte und wie mir scheint auch sehr, sehr viele Tennisplätze. Thomas Muster lässt grüßen.

Schon sehr früh war der Bergrücken, auf dem jetzt das Schloss steht, an das Erzbistum Salzburg gekommen. Bereits im Jahre 860 war eine ältere Schenkung schriftlich bestätigt worden. Auf dem Berg entstanden drei getrennte Befestigungen. Ein Teil dieser Befestigungen wurde dann vom Salzburger Erzbischof an den Seckauer Bischof weitergegeben (das war im Jahr 1219). Im 15. Jahrhundert wurde Seggau zerstört, die Salzburger zogen sich zurück und verkauften ihren Teil den Seckauern. In jungen Jahren verwechselte ich gerne das obersteirische Seckau mit dem südsteirischen Seggau – die Namen sich ja doch sehr ähnlich und ich nehme an, dass das Seggau im Weinland seinen Namen vom bischöflichen Seckau hat.

Schloss Seggau hat eine beachtliche Römersteinsammlung – eine der größten in Europa, wenn man von Italien mal absieht. Als man diese Wehranlage baute, brauchte man natürlich viel Baumaterial. Eine aufgelassene Römerstadt mit bereits toll bearbeiteten Steinen war da eine richtige Fundgrube – Recycling funktionierte anno dazumal ganz prima. Doch nichts auf der Welt hält ewig – ein Turm des Schlosses musste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgetragen werden … und da kamen sie wieder zum Vorschein, die tollen alten Römersteine. Man erkannte den künstlerischen und geschichtlichen Wert der Steine und so kommt es, dass die teils recht lebensfrohen und durchaus auch freizügigen Denkmäler die Wände eines bischöflichen Schlosses schmücken. Mein Lieblingsplatz auf dem Schlossgelände ist die im Süden gelegene Wiese mit dem herrlichen Turm. Hier ist die Aussicht auf Leibnitz, zum Frauenberg, auf die Sulmseen, auf den Weinberg der Weinbauschule Silberberg und die Aussichtswarte auf den Kogelberg einfach wunderbar.

Die Wanderung führte uns nun weiter (am Gasthaus Schlosskeller vorbei) zur „Akropolis der Südsteiermark“ – zum Frauenberg mit seiner Wallfahrtskirche und den archäologischen Ausgrabungen. Normalerweise würde man über den Kreuzweg dieses Ziel erreichen. Dieser war an diesem Februartag leider dermaßen vereist, dass wir die Straße vorzogen. Die Wallfahrtskirche sieht von außen nicht besonders hübsch aus, man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Innen ist sie sehr prächtig. Auf dem Frauenberg gab es die Marienwallfahrt und davor waren auf diesem „heiligen Berg“ vorwiegend Muttergottheiten verehrt worden. Übrigens gab es hier schon in der frühchristlichen Zeit – im 4. bis 5. Jahrhundert nach Christus, eine Kirche.

Das Museum war leider geschlossen – doch das Außengelände ist ganzjährig zu besichtigen. Das Tempelmuseum selbst ist ein kleines Häuschen, recht unscheinbar. Eine ehemalige Schule, gegründet im Jahre 1731. Die findigen Baumeister fanden ein tolles Fundament für ihre Schule. Sie stellten das Gebäude einfach auf die Reste einer ehemaligen antiken Säulenhalle. Die Schüler hatten wohl keine Ahnung, auf welchem heiligen Boden sie da unterrichtet wurden. Es wäre interessant zu erfahren, ob der Lernerfolg in dieser Schule außergewöhnlich war.

Die Römer waren nicht dumm gewesen. Sie wussten, wie heilig der Berg den ursprünglichen Steirern (Kelten) war, die hier eine Muttergottheit verehrten. Sie machten das, was später die Kirche auch so gerne praktiziert hatte: Sie übernahmen den heiligen Platz und bauten einen eigenen Tempel darauf. Auf dem Frauenberg bauten sie sogar zwei Tempel. Einen für die Muttergottheit Isis/Norea und einen für den Kriegsgott Mars/Latobius. Hier ist ein besonderer Platz, der angeblich eine ganz besondere Strahlung hat – ähnlich wie die Strahlung in der Kathedrale von Chartres. Ich kann das leider nicht bewerten, doch eines kann ich mit gutem Gewissen sagen: Wir haben den Aufenthalt auf diesem Gelände richtig genossen, saßen auf einem Bankerl in der Sonne und blickten in das Tal, wobei wir uns eine gute Jause gönnten. Wir haben uns pudelwohl gefühlt.

Dann wanderten wir weiter – an einem neuen Feuerwehrhaus vorbei, dann zum alten Feuerwehrhaus (hier rechts abbiegen zum Hotel/Gasthaus Hasenwirt), auf der Rückseite des Hotels vorbei (nicht die Straße nach unten gehen) bis zu einem Sackgassenschild. Den Greitbauerweg (Schild „Familie Adam“) folgen, bis man zu einer Straßenkehre kommt. Hier betritt man den Wald. Ein Waldweg führt nach unten, man erreicht eine Forststraße … und nun wird es interessant. Man quert diese Straße, kämpft sich durch das Gestrüpp und kommt wieder zu einem (leider recht verwahrlosten) Waldpfad. Diesem bergab folgen, bis man die Sulm und die Müllerkapelle (welche auf einem Grabhügel steht) erreicht. Hier zweigt man rechts ab und folgt dem Radweg in Richtung Sulmsee.

Als wir unterwegs waren, war der Weg eine einzige Eisplatte. Verständlicherweise waren wir alleine auf weiter Flur (zum Glück, denn teilweise war ich sicherheitshalber auf allen vieren unterwegs). War ich froh, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten! Jetzt erst konnte ich gelassen die dahinfließende Sulm beobachten, die Gänsesäger, die sich auf einem Baumstamm sonnten, die mindestens 30 Stockenten, die in einem Maisfeld, das nicht abgeerntet worden war, ein Festtagsmahl genossen. Bei der eisernen Brücke könnte man die Wanderung abkürzen, den Pfad in Richtung Seggauberg hochgehen und auf der anderen Seite nach Leibnitz absteigen. Wir entschlossen uns jedoch, der Sulm weiter zu folgen. Je näher wir dem Grottenhof kamen, umso belebter wurde es auf dem Weg. Familien mit und ohne Hunde, Radfahrer, junge und ältere Paare.

Wir erreichten eine tolle Allee und Gregi entdeckte einen wunderhübschen Kleinspecht und war nur mehr happy. Ich war auch recht froh, bald würden wir in das Kaffeehaus „Elefant“ einkehren. Doch zuvor mussten wir noch die Laßnitz überqueren (die ehemalige Eisenbahnbrücke ist ein echter Hingucker). Wahrscheinlich hätten wir gleich nach der Brücke den Pfad neben dem Fluss nehmen müssen. Nach unserem Erlebnis mit dem fürchterlich vereisten Radweg gingen wir nun auf Nummer sicher und kehrten entlang der Straße nach Leibnitz zurück. Circa 25 000 Schritte machte ich bei dieser Wanderung, waren doch Umwege zurückzulegen wegen vereister Passagen und einmal verliefen wir uns (beim Hotel Hasenwirt). In Leibnitz angekommen, war ich rechtschaffen müde, doch auch sehr zufrieden. Wir hatten einen wunderbaren Tag und konnten sehr schöne Eindrücke sammeln.

 

 

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