Rundweg
Schritte
24.000
Dauer
5 h
Start:
Wanderparkplatz Teigitschklamm












Anfahrt: Richtung Voitsberg, direkt nach der Umfahrung Krottendorf-Gaisfeld im Kreisverkehr Ausfahrt Teigitschgraben, bei der Abzweigung Kraftwerk Arnstein gibt es einige, leider viel zu wenige Parkplätze. Man kann aber auch von der Langmannsperre (wo mehr Parkmöglichkeiten sind) in die Teigitschklamm absteigen.
Es war ein bitterkalter Jännertag und wir wollten eigentlich nur eine kurze Wanderung machen. „Die Ruine Neu-Leonroth könnten wir wieder einmal anschauen und ich hätte den Ehrgeiz, auch Alt-Leonroth zu finden“, schlug ich vor. „Kann ja nicht weit von Neu-Leonrod weg sein“, meinte ich noch. Dass das ein gewaltiger Irrtum war, wurde mir erst viel später bewusst. Doch nicht nur ich unterlag dieser Fehleinschätzung, auch Robert Baravalle, der Begründer der steirischen Burgenkunde, suchte Alt-Leonroth zuerst fälschlicherweise auf einem Felskopf unmittelbar westlich der Burg Neu-Leonroth.
Vom Wanderparkplatz Teigitschklamm folgt man vorerst einmal der Straße in Richtung Größnitzgraben. (Man könnte natürlich auch mit dem Auto die Straße weiterfahren, aber in diesem engen Tal sind Parkplätze wirklich rar.) Dieser Teil der Wanderung auf Asphalt ist der unspektakulärste Wegabschnitt. Im Größnitzgraben sieht man den ersten gelben Wanderwegweiser, der auf die Ruine Neu-Leonroth hinweist. Ein größerer Wegweiser macht auf ein Sägewerk aufmerksam. Hier biegt man links ab, über die Brücke und dann bei der Müllsammelstelle rechts hinauf in den Wald. Schon bald erreicht man die wunderbare riesengroße Ruine.
Das erste Mal hatte ich von Neu-Leonroth in einem deutschen Burgenbuch gelesen. Es gibt nur sehr wenige österreichische Wehranlagen, die es in dieses Buch geschafft haben. Daher war ich sehr neugierig gewesen, als ich im Jahre 2021 diese alte Wehranlage das erste Mal besichtigt hatte. Gregi und ich waren mehr als beeindruckt. Die Anlage musste riesengroß gewesen sein. Gewaltige Mauern sind zu sehen, aus Steinen, die nicht nur waagrecht, sondern auch schräg senkrecht angeordnet sind. Ein Weg führt durch den ehemaligen Graben – ich glaube zumindest, dass es ein Graben war. Ein gut erhaltener runder Turm, das romantische Eingangstor, ein weiteres Tor …
Bis kurz nach diesem zweiten Tor war ich 2021 gekommen, dann hatte ich ein Loch im Boden gefunden. Dazumal hatte ich umgedreht. Bei unserer letzten Jännerwanderung hätte ich mich wieder nicht weitergetraut – trotz der mächtigen Gemäuer dahinter, die wirklich verlockend aussahen. Doch bei Löchern in Böden bin ich halt mal etwas misstrauisch.
Dann kam eine Wandergruppe aus Bärnbach. Es waren sicherlich mindestens 20 Personen. Allesamt verschwanden durch das zweite Tor, um die übrigen Burgteile zu besichtigen. „Ich höre keine Hilferufe oder dergleichen“, bemerkte ich. „Sollen wir uns also auch trauen?“ Gregi fotografierte bereits die Reste des stattlichen Palais. Also machte ich mich auch daran, dieses Bauwerk aus der Gotik weiter zu erkunden. Um 1300 waren die ersten Teile von Neu-Leonroth errichtet worden, um die neue Straße, die auf die Pack führte, zu sichern. Davor hatte es eine andere Wegführung gegeben, für diese war Alt-Leonroth von den Herren von Krems errichtet worden. Ab 1196 hatte sich Otto von Krems das erste Mal auch „von Levenrode“ genannt.
Zurück zu unserer Wanderung. Wir konnten die Burg sicher durchschreiten, dann kamen wir in einen wunderlichen Gang oder Graben. „Das muss die Stelle gewesen sein, wo das Baumaterial abgebaut wurde“, schloss ich. Über diesen Ganggraben betraten wir eine hübsche Wiese und dann ging es bergauf, immer den gelben Wegweisern „Alt-Leonroth“ nach. Wir näherten uns der Kuppe des Berges, Gregi merkte an, dass diese Kuppe eindeutig von Menschen bearbeitet und terrassiert worden war – wir wähnten uns unserem Ziel „Alt-Leonroth“ nahe. Dann die bittere Erkenntnis: nix da. Wir mussten links abbiegen, hinein in einen Wald – es ging bergab, wir hörten einen Bach rauschen. „Laut Wegweiser müssen wir über den Bach springen“, stellte ich entgeistert fest. „Und das ist kein kleines Rinnsal, sondern ein breiter Bach, wo wir über vereiste, glatte Steine steigen müssen.“ „Er ist aber nicht tief“, meinte Gregi gelassen und war mit seinen langen Beinen bereits auf der anderen Seite. Ich komme leider eher nach den Hobbits – also kurze Haxen und nicht unbedingt gämsengleich. An einem eisigen Jännertag einen Wildbach zu queren ist da schon eher purer Leichtsinn. Als ich endlich meine Todesangst überwunden und ebenfalls das andere Ufer erreicht hatte, wusste ich genau: Egal, wie lange die Wanderung noch dauern würde, zurückgehen war ausgeschlossen. Berg rauf … wieder bergab … wieder bergauf. „Siehst du schon eine Ruine?“, wollte Gregi wissen. „Ne“, antwortete ich. „Da gibt es einen Wegweiser – Teigitschklamm.“ „Rauf geht es zur Ruine“, meinte Gregi und wir stiegen bergan. „Wo rohe Kräfte sinnlos walten“, zitierte ich, als ich die Riesenbaustelle sah. Eine Forststraße wurde rund um die Ruine Alt-Leonroth errichtet. Ein riesiger Stapel Holzblöcke lag im Halsgraben – ein Zugang zur Kuppe, auf dem sich die spärlichen Mauerreste befanden, war nur sehr erschwert möglich. Dieser Platz lud eindeutig nicht zum Verweilen und Schauen ein. Also kehrten wir um und folgten dem Wanderweg, der uns zum unteren Ende der Teigitschklamm führte.
Die Teigitschklamm ist ein kleines Paradies. Wir waren sie einmal im Sommer durchwandert, ganz hinauf bis zur Langmannsperre. Die Teigitsch ist 42 km lang und durchfließt zwei Stauseen. Die Hierzmannsperre und die Langmannsperre. Bei unserer Jännerwanderung sahen wir nur ein kleines Stückchen der Klamm – dieses war allerdings extrem pittoresk. Steine, Eis, Holz, Schotter, Eiszapfen. Wunderbar. Die ersten Häuser waren erreicht, wir folgten der Teigitsch weiter bis zum Kraftwerk Arnstein. Wie ein französischer Edelsitz sieht das Kraftwerksgebäude aus. Anno 1922 wurde der Bau des Kraftwerks begonnen, 1925 wurde es eröffnet. Es war das größte Wasserkraftwerk in der Steiermark. Auch heute leistet es noch gute Dienste. Man benötigt nur wenige Minuten, um hier schnell Strom zu erzeugen, es deckt den Spitzenstrombedarf und verhindert damit Netzzusammenbrüche.
Zurück zum Auto überlegten wir uns, wo wir einkehren könnten. Die Gegend hier ist recht einsam – ein Gasthaus hatte ich nicht gesehen. Allerdings braucht man nur über einen Hügel fahren und schon ist man in Voitsberg. Dort gibt es kein Problem, einen geöffneten Gastronomiebetrieb zu finden.






















