„K13 murauen.weg“ – Halbenrain

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

div. Abkürzungs-möglichkeiten

8 HM

4 h

Start:

Halbenrain

Bahnhof  

Anfang März zieht es uns immer in den Süden. Diesmal fuhren wir nach Halbenrain, um den Wanderweg K13 murauen.weg zu entdecken. Sonntags war der Parkplatz vor dem Gemeindeamt leer, also starteten wir unsere Wanderung hier, marschierten beim Gasthof-Restaurant Wagner vorbei und bogen gleich hinter den Schienen in den Feldweg ein. Die ersten Schmetterlinge waren zu sehen – Zitronenfalter und Kleiner Fuchs. Brettleben ist die Gegend, schnurgerade verläuft die Eisenbahnschiene durch die Felder. Sieht man nach rechts, kann man in einiger Entfernung die Weinhügel von Klöch oder Tieschen entdecken. Riesige Basaltfelsen mit kleinen Tafeln dienen als Wegweiser. Nach einer kurzen Wegstrecke kamen wir zu einem hübschen und farbenfrohen Bildstock. Nun mussten wir die Bundesstraße überqueren und … oh, es ist doch nicht ganz so eben, wie ich es mir vorhin noch gedacht hatte. Wieder einmal eine Geländekante – so wie wir sie schon in anderen Orten in der Nähe der Mur entdeckt hatten.

Der Bildstock vorhin war schon recht farbenfroh und freundlich, aber trotzdem nichts im Vergleich zur Fantasiewand des Sepp-Hofer-Platzes. Es war ein richtiges Vergnügen, diese besonders fröhlichen Graffiti anzusehen. Ebenso anregend war es, den munteren steinigen Bach zu betrachten, der an dieser Stelle eine 90-Grad-Wendung macht, kurzfristig mal als Kneippanlage dient, bevor er eine mit Osterhasen bevölkerte kleine Insel umspült. Hier gibt es Insektenhotels, geschnitzte Kunstwerke, einen Rennboliden aus Holz und das Mobil von Fred Feuerstein. Und darin saß Gregi bereits und krakeelte: „Wilma!“ Ich tat so, als ob ich ihn nicht kannte, nahm auf einer Bank Platz und holte meine Trinkflasche heraus. „Fred Feuerstein“ mutierte wieder zu Gregi, schnappte sich auch seinen Rucksack und untersuchte ihn auf die mitgebrachten kulinarischen Schätze.

Die weitere Wegstrecke verlief besonders bezaubernd neben dem Bach. Krokusse blühten auf der Wiese, Frühlingsknotenblumen waren zu sehen und – man sollte es nicht fassen – auch schon Veilchen. Auf dieser Wanderung entdeckten wir besonders viele Blumen: Schneeglöckchen, Winterlinge, Waldgelbstern, grüner Nieswurz, Lungenkraut und hohler Lerchensporn. Es wäre ein tolles Fotoshooting für Blümchen gewesen, hätte uns der starke Wind nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unsere Versuche, ein scharfes Blumenportrait zu knipsen, waren vergebens – und Frühlingsknotenblumen mit „Sportmodus“ abzulichten war uns dann doch zu blöd. Also marschierten wir weiter.

Besonders ungemütlich stark und kalt zeigte sich Blasius auf dem Murdamm und wir waren richtig froh, dass der Feldweg uns rechts nach unten und an einer Baumreihe entlangführte. Vier Rehe beobachteten uns kritisch. „Die beraten sich, ob sie noch weiter vor uns fliehen sollen“, überlegte ich. Offensichtlich kamen sie zum Schluss, dass wir harmlos waren. Bunte Kleidung heißt bei Rehen: „keine Jäger“. Also warteten sie gelassen ab und beobachteten uns weiterhin. In der Ferne sahen wir das stolze Schloss Oberradkersburg.

Unaufhörlich näherten wir uns der Mur und dem zweitgrößten geschlossenen Auwald in Österreich. Traurig sah es in diesem Biosphärenreservat aus, nachdem im Vorjahr der Sturm gewütet hatte. Viele Bäume wurden leider entwurzelt. Doch unter den liegenden Baumstämmen, da tat sich was. Schneeglöckchen wucherten und auch die zarten Blätter des Bärlauchs. Ganz grün war der Waldboden. Ein Tagpfauenauge kreuzte unseren Weg. Idyllisch war das Wegerl zur „Jagdhütte“. Links und rechts standen die Schneeglöckchen Spalier, dann (vielleicht weniger idyllisch, aber äußerst nützlich) ein Plumpsklo. Die „Jagdhütte“ ist eine Selbstbedienungshütte mit einer Kassa des Vertrauens. Radfahrer und andere Wanderer rasteten hier und zeigten uns ganz stolz den „Erdkeller“ des Lokals – zwei Betonröhren mit Deckeln. In einer stand eine Kiste mit Bier, in der anderen eine mit Limonaden.

Hier hätten wir eine Abkürzung zurück nach Halbenrain nehmen können. Taten wir zum Glück aber nicht. Heldenhaft dem Wind trotzend, folgten wir noch einem romantischen Wasserlauf, querten eine Brücke und kamen wieder auf den zugigen Murdamm. Durch den Wind gab es ganz besonders hübsche Wolkenformationen – pittoresk ist auch der Ausblick auf Straden – und besonders begeistert waren wir vom Anblick der beiden Störche, die hinter einem pflügenden Traktor auf Futtersuche gingen. Ihre Bewegungen waren beinahe synchron.

Inzwischen waren auch wir schon recht hungrig, also verließen wir den Damm und marschierten zielstrebig auf Dietzen zu. Ein Lokal würde es hier geben – ein geschlossenes, wie wir feststellten. Inzwischen bummelten wir nicht mehr in der Gegend herum, wild entschlossen hielten wir auf Halbenrain zu, wo es verheißungsvolle Gaststätten geben sollte.

Vor uns lag das Schloss Halbenrain, das im Laufe der Jahrhunderte sehr interessante Bewohner hatte. Erstmalig war Halbenrain 1244 urkundlich erwähnt worden. Zuerst hatte es hier eine Burg gegeben, die von Herzog Friedrich II. an seinen „Finanzminister“ namens Witigo und seinen Bruder Rüdiger übergeben worden war. Der Finanzminister war wohl nicht allzu beliebt, er wurde ermordet. Sein Bruder Rüdiger starb kinderlos und die Burg ging an den Burggrafen von Radkersburg. Dann folgte eine sehr turbulente Zeit, es gab sehr viele Überfälle und Plünderungen, bis eine tatkräftige Dame dieses Treiben beendete. Ursula von Emmersberg war die Besitzerin von Halbenrain und sie beantragte die „Hohe Gerichtsbarkeit“. 1452 wurde diese vom Kaiser bewilligt. Ich will mir nicht vorstellen, auf welche Weise man dazumal für „Ruhe“ sorgte – die „Hohe Gerichtsbarkeit“ erlaubte leider auch die Todesstrafe. Als Dank dafür, dass sie auf diese blutige Art für Recht und Ordnung sorgen konnte, vermachte Ursula von Emmersberg nach ihrem Tod die Burg dem Kaiser. Oder aber auch weil sie ihren Stiefsohn nicht leiden konnte, welcher sich erhofft hatte, an ihren Besitz zu kommen. Daraus wurde nichts. Der Kaiser war ein recht mächtiger Gegner, gegen den man kaum was ausrichten konnte, und das wusste Ursula sehr wohl.

Irgendwann im 17. Jahrhundert war die Burg dann zum Schloss umgebaut worden, ab 1724 war es in den Besitz der Familie Stürgkh gekommen. 1916 wurde der Schlossherr und k. u. k. Ministerpräsident, Karl Maria von Stürgkh, im Speisesaal des Hotels Meissl erschossen. Heute geht es im Schloss Halbenrain wesentlich friedlicher zu. Seit 1980 ist es im Besitz des Landes und dient als Schule (Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft).

Hübsch ist die Gartenansicht des Barockschlosses. Eine doppelläufige Treppe führt vom Park aus auf eine große Terrasse. Alte riesige Bäume wachsen im Park, dazwischen leuchten die weißen Köpfchen der Frühlingsknotenblumen. Architektonisch interessant ist auch der alte Kornspeicher des Schlosses und der Kräutergarten sollte sehenswert sein. Doch Anfang März würden wir darin kaum viel entdecken können, meinten wir. Das Magenknurren war auch nicht mehr zu überhören. Also beschlossen wir, ein Restaurant aufzusuchen – da war doch in der Nähe des Autos das Gasthaus Wagner. Wir waren natürlich zu spät. Also Plan B – Dorfschenke Pölzl. Diese Gaststätte sieht sehr schlicht aus, jedoch standen einige Autos auf dem Parkplatz. Wir betraten einen schummrigen Gang, standen vor der Tür der Gaststube und überlegten uns ernsthaft, ob es wirklich ratsam sei, hier einzukehren. Zum Glück siegte der Hunger und mutig stellten wir uns den kulinarischen Genüssen. Eine hervorragende vegetarische Salatschüssel mit sehr guten Käferbohnen, fein geschnittenem Chinakohl, knackigen Gurken und schmackhaften Tomaten. Darüber Frischkäse und Kernöl … zum Reinlegen. Und die Nachspeise erst! Gregi hat eine extrem gute Nusspotize bekommen und meine Straube war auch sehr, sehr lecker. Ein würdiger Abschluss eines wunderbaren Wandertages.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert