„Wald- und Naturwanderweg Gerersdorf“ und Freilichtmuseum

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundwanderweg

8,8 km

120 HM

2:30 h

Start:

Freilichtmuseum

   

Der Erste Mai war ein wunderbarer Tag, nicht zu warm oder zu kalt, rundum stand alles in Blüte und ich hatte mir eigentlich ein Wanderziel in der Weststeiermark vorgenommen. Gregi wollte nicht, ihm sei die Richtung Güssing lieber, erklärte er, mit der neuen Autobahn sei man jetzt auch recht schnell da, fügte er noch hinzu.

Also suchte ich Rat in meinem neuen klugen Wanderbuch „Gehmütliches Burgenland“ von Anni und Alois Pötz sowie Johann Dormann und fand ein geeignetes Ausflugsziel: das Freilichtmuseum Gerersdorf. Ich sehe mir immer wieder gerne das wunderbare Freilichtmuseum in Stübing an und da habe ich ein absolutes Lieblingshaus. Nämlich das Burgenländerhaus, das gleich nach dem Eingang rechts auf dem Hügel liegt. Ich mag diese Häuser aus Holz, Stroh und Lehm mit ihren weichen Formen. Sie wirken so freundlich und auch ein bisschen märchenhaft.

Märchenhaft ist die richtige Beschreibung für das Freilichtmuseum Gerersdorf. Da standen wir inmitten der Kellerstöckln, Vorratshäuschen und Presshäuser mit den hübschen Strohdächern, den urigen massiven Holzbalken, den weiß getünchten Wänden, den kleinen Fenstern mit den dunkelroten Pelargonien davor und konnten uns gar nicht sattsehen. Neben den Gebäuden gibt es alte Obstbäume, einen Weingarten, wunderbare Kastanienbäume … und dann gibt es noch den Schankstadl, wo es köstliche handgefertigte Kekse gibt.

Gerersdorf hat einen sehr aktiven Museumsverein und es werden ganz tolle Kreativkurse angeboten: Möbelrestauration, Drechseln, Kunstschmieden, Korbflechten, Klöppeln, Federnschleißen etc. Im Freilichtmuseum tut sich was.

Doch das dieses Museum überhaupt existiert, ist einem Mann zu verdanken, Herrn Professor Kisser. Herr Kisser war Werbegrafiker. (Ein sehr begnadeter noch dazu, würde ich sagen. Jedenfalls bin ich von seinen ausgestellten Bildern sehr begeistert.) Zuerst wollte er ja nur ein Wochenendhaus im Südburgenland, dann begann er, hübsche alte Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu retten … und schließlich, 1976, wurde das Freilichtmuseum eröffnet. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie viele Wochenenden, Urlaubstage und Freizeitstunden mit schwerer Bautätigkeit nötig waren, um dieses kleine Paradies zu schaffen. Zudem musste es auch sehr mühsam gewesen sein. Häuser aufzubauen ist keine leichte Arbeit – sie abzutragen sicherlich auch nicht. Mich schaudert, wenn ich an den jahrhundertealten Schmutz denke, mit dem man bei dieser Plackerei in Berührung kommt. Herr Kisser muss schon ein großer Idealist sein und dazu noch eine sehr tolerante Familie haben. Gut, seine Kinder hat er schon etwas bestochen, dachte ich und betrachtete das liebliche „Kinderhaus“.

Doch jetzt zur Wanderung. Im Schankstadl gibt es Gratiswanderkarten und es ist sehr ratsam, eine mitzunehmen. Ich weiß nicht, ob es irgendwo im Burgenland diese tollen gelben Alpenvereinswanderschilder gibt – vielleicht stoßen wir ja bei einer weiteren Wanderung auf diese. Bei unserer Runde sehen wir kleine grüne quadratische Wanderschilder, spärlich sind sie und zuweilen auch ein bisschen verwirrend. Daher ist die Karte für die Orientierung wirklich notwendig.

Der Weg startet beim Museumseingang, führt steil den Hang hinunter, vorbei an einem alten Wohnhaus mit Lehmverputz (welches bis 1992 noch von zwei unverheirateten Schwestern bewohnt worden war) und hinein in den Wald. Der Weg war schön ausgemäht – blühende Büsche, taunasser Schachtelhalm, Bäume mit Bezeichnungstafeln und dann … eine riesengroße, uralte Kopfweide. Der dicke rissige alte Stamm ist gedreht – in den tiefen Spalten des Stammes könnten höhlenbrütende Vögel nisten, Fledermäuse würden hier ein Schlafquartier finden und Eichhörnchen wüssten sie als Vorratskammern zu nutzen, las ich auf einer Tafel, als ein leichtes Beben im Gras meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die Grasdecke wölbte sich, leises Knacken und Schmatzen war zu vernehmen. Minutenlang beobachtete ich, wie die Grasdecke mal hier und mal da eine Beule bekam, ohne auch nur ansatzweise ein Tierchen zu entdecken. Endlich – ein schwarzes Näschen, nur kurz war es zu sehen. Ein Maulwurf also. Ihm gefiel es hier bei diesem prächtigen Baum offensichtlich auch recht gut.

Wir überquerten eine Asphaltstraße, gingen eine natürliche Hecke entlang, eine Brücke, und dann standen wir inmitten einer großen herrlichen Wiese. Die Gräser hatten es mir diesmal besonders angetan. Die Doldenstände standen in Blüte. Es sah aus, als ob die Gräser weiße und rote Bärte trügen. Gregi war ganz eifrig beim Ablichten von Blümchen. Er hockte im Gras und von ihm sah man nur mehr Kappe, Kopf und Kamera. Brettleben ist es hier, mit Ausnahme einer kleinen Erhebung – diese musste erkundet werden.

Der Taborhügel war künstlich aufgeschüttet worden, ist circa eineinhalb Meter hoch und hat eine Plattform mit einem Durchmesser von etwa 12 Metern. Groß ist das nicht, doch scheinbar ausreichend, darauf einen Wehrturm zu stellen – mit einem gemauerten Fundament und einem Holzgebäude darüber. Um den Taborhügel war noch ein Wassergraben angelegt worden. Diesen sieht man auch heute noch, gelbe Schwertlilien wachsen am Ufer. Von der Holzpalisadenwand, welche den Hügel samt Wassergraben umgab, kann man leider nichts mehr erkennen. Dieser kleine spätmittelalterliche Sitz war noch 1457 urkundlich erwähnt worden.

Mit etwas Glück könne man hier auch noch knollenförmige Eisenschlacke finden, las ich auf einer Tafel. In der Gegend war Eisen verhüttet worden – und zwar schon seit der Römerzeit. Allzu hochwertiges Eisen darf man sich da nicht vorstellen, aber immerhin hatte man schmiedefähiges Roheisen erzeugt. Die Wahrscheinlichkeit, knollenförmige Schlacke zu finden, würde ich eher gering einschätzen – eher würden wir auf rundes Leder stoßen. Der Weg führte links am Fußballplatz vorbei, über eine Brücke, und dann ging es schon zur nächsten Wiese. Diese war noch größer, Schmetterlinge tummelten sich vor unseren Beinen. Ein Kleiner Dukatenfalter, einige Aurorafalter, einige Kleine Perlfalter. Sie fühlten sich in dieser Feuchtwiese pudelwohl. Gut, dass der Burgenländische Naturschutzbund sich um dieses Naturparadies kümmert. Schön, dass hier noch diese wunderbaren riesigen Solitärbäume wachsen dürfen. Am Waldrand überlegten wir, wie die Route weitergehe. Laut Karte geht es geradeaus durch den Wald. Auf der linken Seite des Weges mäandert ein Bach, auf der rechten Seite sind einige Brunnenanlagen zu sehen. Ich spekulierte, dass es sich um Mineralwasserquellen handeln könnte – vor uns lag Sulz und das ehemalige Firmengelände des Güssinger Mineralwassers (welches leider 2019 in die Insolvenz geschlittert war).

Wir überquerten eine Holzbrücke und stapften den Hügel in Richtung Steingraben hinauf. Ein wunderbarer Blick auf die stolze große Burganlage Güssing, die auf einem markanten Vulkankegel steht. Am Fuße des Berges rundum die Bezirkshauptstadt. Was für ein Unterschied zum Taborhügel mit seinem einst hölzernen Wehrturm.

Steingraben liegt entgegen seinem Namen auf der Kuppe eines Hügels. Ein hoher Kirchturm ragt in die Höhe – zwei Straßen vor diesem Kirchturm führte der Wanderweg rechts aus dem Dorf. Wir strebten auf einer Schotterstraße entlang blühender Büsche dem nächsten Wald zu. Die Luft roch süß nach Honig, weiß leuchteten die Blüten der Robinen, die ein eigenes „Viertel“ im Wald bildeten. Den Waldweg ging es entlang, an Pfützen vorbei (Gregi fand eine Gelbbauchunke, die sich anstandslos fotografieren ließ) … und dann hatten wir sie endlich erreicht. Eine grandiose Traubeneiche, ein Naturdenkmal der feinsten Art. Wir rasteten auf dem Bankerl bei der Eiche und ließen die Magie des Platzes auf uns wirken. Ab jetzt mussten wir uns immer rechts halten, bis wir die Häuser vom Riegelberg erreichten. Vom Riegelberg hat man noch eine schöne Aussicht auf Gerersdorf, die Asphaltstraße geht es die Häuser entlang nach unten. Wieder eine Kreuzung – hier links halten (nicht zum Haus Eveline) – bald hatten wir den Ausgangspunkt erreicht.

 

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