Gleinstättner Runde – Variante 18a

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

12 km

129 HM

3:09 h

       

Start: Schloss Gleinstätten

Mitte April war es sehr heiß (Deutschlandsberg hatte an diesem Tag den Hitzerekord von Österreich mit 31,6 Grad) und wir hatten beschlossen, Gleinstätten einen Besuch abzustatten.

Von Gleinstätten aus gibt es mehrere tolle Wanderrouten. Eine führt zu den Fürstengräbern (diesen archäologischen Wanderweg wollen wir ein andermal gehen). An diesem Aprilsonntag nahmen wir uns die Gleinstättner Runde, Variante 18a, vor. Laut Bergfex und gelben Wegweisern führt die Route vom Schloss zum Literwirt, weiter zum Georgenberg, dann nach Prarath zum Landgasthaus Rath, zurück nach Gleinstätten (so ähnlich waren wir diese Runde auch schon mal im Oktober 2022 gegangen). Diesmal waren wir leider etwas kreativer unterwegs – im Nachhinein kann ich beurteilen, dass wir doch den Wegweisern folgen hätten sollen.

Wer nach Gleinstätten kommt, sollte unbedingt den Park mit seinem wunderbaren alten Baumbestand und den LandArt-Konstellationen besichtigen. Der Spiegel, der wie ein riesengroßer Gullydeckel halb geöffnet ist, hatte es mir angetan … und noch mehr die schrägen Tonvögel, die in einem Riesenbaum „abhingen“.

Das größte Kunstwerk in Gleinstätten befindet sich hinter dem Renaissanceschloss. Ein Wegerl mit rotem Schotter führt am Schloss vorbei zu diesem Traum von einem Aupark. Das Betätigungsfeld von wahrlich kompetenten GärtnerInnen. Die Böschung zwischen dem Schloss und dem ehemaligen Wehrbach (ein kurzer Seitenarm der Sulm) ist sehr steil und richtig kreativ bepflanzt. Stundenlang könnte man hier verweilen und schauen. Der Aupark ist wirklich pittoresk. Das fand auch eine junge Familie, die, hübsch in Trachten gekleidet, mit einem friedlichen Täufling in diesem versteckten Aupark ein Fotoshooting hatte.

Gleinstätten hieß früher einmal Micheldorf. Die Besitzer von Micheldorf waren die Freiherren von Gleinz. Sie durften „ihr Dorf“ ab 1523 Gleinzstätten nennen. So feudal geht es jetzt in dem hübschen Schloss mit seinen vier Zwiebeltürmen nicht mehr zu. Das Gemeindeamt sowie der Kindergarten sind darin untergebracht – hie und da kann man in diesem herrlichen Ambiente auch Konzerte hören.

Doch nun zu unserer Wanderung. Wir hatten ein neues Wanderbuch und darin fanden wir eine Flusswanderung an der Sulm, dieser Empfehlung wollten wir folgen. Wir ignorierten die gelben Wanderschilder und kamen am Naturbadesee mit seinem einladenden Seepavillon vorbei, auch an der Berufsschule, weiter ging es durch die Orte Haslach und Prarath. Am Ortsende von Prarath querten wir einen Bach und kamen schließlich über Gertis Mostschenke an die Sulm. Es war ein sehr heißer Tag, bis jetzt waren wir auf Asphalt unterwegs gewesen – durch Ortsgebiete und an Feldern vorbei. Vielleicht nicht die beste Entscheidung. 2022 folgten wir den Wegweisern und die Wegführung war entschieden toller.

Die Sulm (an dieser Stelle sind die weiße und die schwarze Sulm bereits vereint) entschädigte uns für die Anstrengungen. War der Fluss für sich schon schön, waren wir noch mehr vom Leben am Fluss begeistert. Eine Gebirgsstelze mit fröhlich funkelnden Augen und rundlichem gelbem Bäuchlein war unterwegs. Klar, dass sie so zufrieden aussah, hatte sie doch ein fettes Insekt im Schnabel. Schmetterlinge flatterten und waren leider viel zu schnell und unruhig, als dass man sie fotografieren hätte können. Wir marschierten flussabwärts auf einem Feldweg zum Teil der Sulm entlang, bis wir den Ort Haslach erreichten.

Im Ort Haslach bogen wir rechts ab, die Asphaltstraße den Berg hinauf. Hier gab es einen Wald, was bei dieser Temperatur schon angenehm war. Bei der Kreuzung folgten wir dann dem Hinweisschild „Buschenschank Pölzl Bernhardtkeller“, was sich als sehr gute Wahl herausstellte. Ein sehr gepflegter Gastbetrieb mit einer guten Jause und absolut rekordverdächtiger Aussichtsterrasse. Den großen Speikkogel mit der Goldhaube gab es da zu sehen, die Josefikirche von Schwanberg sowie die Burg Deutschlandsberg. Unter dem Buschenschank war eine Weide mit schwarzen Schafen, hinter dem Buschenschank gab es Kellerstöckel und blühende Apfelbäume. Wunderbar. Gregi war mehr als zufrieden: Erstens hatte er vorhin einen Schwalbenschwanz fotografiert und eine gute Mehlspeise hatte er auch noch bekommen.

Ein kurzes Stückerl (die Auffahrt vom Buschenschank) mussten wir zurückgehen, dann ging es einen steilen Schotterweg bergauf. Gregi fotografierte noch die Erdbeerblüten, während ich schon die Anhöhe erreicht hatte und voller Begeisterung in der Ferne die Kirche von Kitzeck entdeckte.

Unser nächstes Wanderziel war auch eine Kirche. Eine ganz besondere noch dazu. Die Wallfahrtskirche St. Georgen am Lukowitsch ist uralt – romanisch/gotisch – und man muss den Weg zwischen den blühenden Apfelbäumen schon suchen, um von der Straße zu ihr zu gelangen. Bei dieser Wanderung hatte ich die Kirche das zweite Mal gesehen, und wieder war ich begeistert. Steinerne Stufen führen zum Eingang, der Raum zwischen den zwei breiten Säulen und Kirchentür wirkte einladend. Eine einzigartige Kirche (um 1050 gebaut und somit eine der ältesten der Gegend) an einem mit Bedacht gewählten Ort.

Am Georgisonntag sollte es hier eine Pferdesegnung geben. Der heilige Georg gehört zu den vierzehn Nothelfern. Er wird gerne als Ritter mit Lanze auf einem Pferd dargestellt – ein Drache vervollständigt das Bild. Der Legende nach hatte er eine Jungfrau vor einem Drachen gerettet. Der heilige Georg ist schon tot und kann sich nicht mehr über dieses Lügenmärchen beschweren. Er konnte es sich auch nicht aussuchen, wem er als Schutzpatron dienen sollte. Im Mittelalter war seine Verehrung so groß, dass er zum Schutzpatron der Ritter wurde. Später machte er richtig Karriere als Schutzpatron von ganz England.

Gregi musste was Außergewöhnliches entdeckt haben … er lag in der Wiese mit einsatzbereitem Fotoapparat. Welches Insekt er denn fotografieren wolle, erkundigte ich mich. „Kein Insekt – die Kirche“, kam zur Antwort. Die Kirche ist groß und er hätte sie auch ganz kommod im Stehen fotografieren können. Wieso musste er also schon wieder eine Hose mit Grasflecken verunstalten?

Über ein steiles Treppchen kamen wir wieder auf die Gemeindestraße. Dieser folgten wir ganz kurz, dann war die Abzweigung zum „Kremser Keller“. Bierbänke standen unter Obstbäumen, wir gingen an diesem gut besuchten Buschenschank vorbei und zweigten noch im Parkplatzbereich in den Wald ab. Das Wegerl führte bergab, schließlich erreichten wir wieder die Gemeindestraße. Bei der Kreuzung (hölzernes Marterl) folgten wir nicht dem Wanderwegweiser 18, sondern wir bogen rechts in den Wald ab. Der Weg, der uns wieder ins Tal führte, zeigte den Wald von seiner schönsten Seite.

Wieder kamen wir nach Haslach. In mittelalterlichen italienischen Städten drängen sich „Geschlechtertürme“ auf engsten Raum und sorgen noch Jahrhunderte später dafür, dass sich Touristen an ihrem Anblick freuen. Die Silotürme in Haslach sind leider weniger hübsch. Die Kreuzung passierten wir schon mal, nur dass wir diesmal links abbogen, an einem Mostschank vorbei in Richtung Sulm. Die Brücke mussten wir queren, direkt neben dem Fluss gibt es einen bequemen Feldweg. An der Wehr badeten Jugendliche, Mutige sprangen in das aufgestaute Wasser. Kurz ging es noch die Sulm entlang, dann entlang eines Feldrains, schließlich zu einem Seitenarm der Sulm, über eine Brücke und wieder in den Ort Gleinstätten.

Wir waren weit gegangen an diesem heißen Tag, also hatten wir uns noch eine Belohnung verdient. Die Konditorei Kundlatsch mit ihrem wunderbaren Eisangebot kam uns da gerade recht.

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