„Erzherzog-Johann-Weg Rundweg Nr. 8“ – Vorau

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,34 km

156 HM

2:30 h

Start:

Vorau Stift  

Nach Vorau zieht es uns immer wieder. In Vorau gibt es ein beeindruckendes Stift (das als das turmreichste Kloster in Österreich gilt), und auch das liebevoll gestaltete Freilichtmuseum möchte ich erwähnen. Aber am geheimnisvollsten sind die vielen mystischen Erdställe, deren Errichtung und Zweck nach wie vor im Dunkeln liegen. Mögen die Wissenschaftler weiter rätseln, für mich steht fest, dass sich in Vorau eine Berufsschule für Zwerge befunden haben muss.
Wenn man von den Erdställen berichtet, darf man natürlich die tollen Lochsteine nicht vergessen (den Lochsteinwanderweg kann ich auch wärmstens empfehlen). Doch selbst wenn all diese interessanten Highlights (die ich gerade erwähnt habe) nicht wären, würde die idyllische Gegend zwischen Wechselmassiv und Masenberg immer noch genug Reize haben, um sie immer wieder gerne zu besuchen.
Der Wanderweg Nr. 8 startet beim Stiftsparkplatz. Mächtige alte Bäume sorgen für ein angenehmes Klima und sehen dazu noch herrlich aus. Wir gingen links an der klösterlichen Anlage vorbei. Die alte Wehrmauer rund um das Augustiner-Chorherrenstift bietet den Vögeln so manche Bruthöhle. Die alten Obstbäume, die davor wachsen, gefallen den Piepmatzen auch besonders gut, und so herrschte reges Treiben neben den geweihten Gemäuern. Wir wanderten stets bergab und blickten immer wieder gerne zurück. Schön ist sie, diese turmreiche Klosteranlage.
Plötzlich hörten wir in der Hecke neben uns hektische Kampfgeräusche. Zwei Goldammermännchen rauften im Flug. Goldammern sind seltene Vögel (sie sind Wiesenbrüter und haben nur selten ein geeignetes Habitat). Sie einmal zu sehen, ist schon eine Freude. Sie jedoch dabei zu beobachten, wie sie sich in der Luft gegenseitig mit ihren Flügeln verhauen, war schon ein ganz seltenes Erlebnis. Zum Glück gab es bei dieser Auseinandersetzung keine Verletzten.
Einige Meter weiter weideten Lamas. Diese Tiere gab es in Vorau sicherlich noch nicht, als man dieses Augustiner-Chorherrenstift im 12. Jahrhundert gründete. Stifter war der Traungauer Markgraf Otakar III. Das Mutterkloster war Seckau. Ursprünglich waren sicher Rodungsarbeiten wichtig, doch schon bald wurde ein Skriptorium (Schreibschule) eingerichtet. Die Bibliothek von Vorau ist riesig und kann mit ganz außergewöhnlichen Schriften aufwarten. Zu den größten Schätzen gehören die Schriften von „Frau Ava“ (lebte wahrscheinlich von 1060 bis 1127 in Melk oder Göttweig). Sie ist die erste namentlich bekannte Dichterin im deutschsprachigen Raum. Als Frau im 11. bzw. 12. Jahrhundert des Schreibens mächtig zu sein, war schon sehr außergewöhnlich. Noch dazu, wo sie nicht einmal eine Nonne war. Ihre religiösen Texte verfasste sie nicht in Latein, sondern in Frühmittelhochdeutsch. Ihr wurde in Vorau zu Recht ein Literaturpfad gewidmet.
Im 15. Jahrhundert drängten Türken in die Grenzregion, und das Stift wurde zu einer wahren Klosterburg ausgebaut. Im 16. Jahrhundert wäre es dann fast mit dem klösterlichen Leben vorbei gewesen. 1542 gab es im Vorauer Stift nur einen einzigen Personaleintrag. Wie sich das Stift danach wieder erholen konnte, weiß ich nicht. Zu Höchstform kam es allerdings im 17. Jahrhundert. Da erhielt es mehr oder weniger das Aussehen, wie wir es heute noch bewundern dürfen: Hochbarock der allerfeinsten Art. Eine Führung ist sehr zu empfehlen. Ich kann mich noch erinnern, als wir in der Volksschule mit den ehrwürdigen Dominikaner-Schwestern das Stift besichtigten. Wir Kinder standen in der Sakristei und besahen das berühmte Bild „Höllensturz“ von Cyriak Hackhofer. Es war richtig gruselig. Der Frosch, der ein Herz (welches in der Geldtruhe lag) verspeiste, blieb mir bestens in Erinnerung.
Weniger gruselig war der nächste Teil der Wanderung … der Brühl. Ob am Hartberger Ringkogel, in Pöllau oder eben in Vorau – sobald ein Ortsteil „Brühl“ heißt, handelt es sich um einen künstlich angelegten, besonders idyllischen Bachlauf mit einem Gehweg daneben. In Vorau geht man zwischen dem seichten, beschaulichen Bächlein, welches wohl mal eine Mühle zur Energiegewinnung diente, und dem steinigen Voraubach. Wir genossen die herrliche Frische an dem heißen Sommertag.
Schließlich überquerten wir den Voraubach und stiegen einen Wald bergan (hier führt auch der Waldlehrpfad entlang). Wir waren im Reich der Pilze und Schwammerln gelandet. Hoch aufgewachsen stand ein Prachtexemplar eines Parasols vor mir, viele kleine gelbe Eierschwammerl lugten vorsichtig ins Freie. Und dann der Höhepunkt: Gregor fand einen richtig schönen Steinpilz. Ich nehme mal an, dass er beim Weitergehen schon von einer guten Steinpilzsuppe mit Einbrenn geträumt hat … und ja, am nächsten Tag hat er dann auch eine bekommen (leider mit kleinen Mehlklumpen – da muss ich wohl noch ein bisschen üben). Doch seit meinem letzten Pilzgericht mit selbst gesammelten Schwammerln habe ich schon sehr viel gelernt … zum Beispiel, dass man keine Gallenröhrlinge ins Gericht geben sollte.
Wir erreichten eine große Wiese mit hohem Gras und einen Trampelpfad, der uns zur Erzherzog-Johann-Höhe führte. Von der Aussichtsplattform mit Fernrohr konnten wir in Richtung Wechsel gucken, davor der Ort Vorau, zwischen Berg und Dorf verschiedene Felder. Ein herrlicher Fleckerlteppich. Das Gedenkkreuz auf der Erzherzog-Johann-Höhe erinnerte an die schreckliche Kriegszeit und an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. 1940 wurde das Stift enteignet, in der „Burg Vorau“ wurde eine Parteischule eingerichtet. Vorau wurde heftig umkämpft. 1945 musste ein ganz schlimmes Jahr gewesen sein. Am 16. April eroberten die Russen den Ort, am 23. April wurde er von den Deutschen zurückerobert, am 8. Mai war er wieder von Russen besetzt. Ich möchte mir nicht vorstellen, was die Bevölkerung da alles durchgemacht hat.
Tiere sind nicht so grausam wie Menschen, besonders Schmetterlinge nicht. Beim Weitergehen entdeckten wir einen besonders hübschen Zitronenfalter. Wir gingen an einer Weide vorbei und kamen zu einer Asphaltstraße. Achtung: Auch wenn das Schild in Richtung Wiesenweg zeigt – der Weg Nr. 8 geht die Asphaltstraße bergab. Und auch beim Gehen auf dem asphaltierten Gemeindeweg konnten wir vieles entdecken: einen Neuntöter in der Hecke, einen Lochstein am Wegrand und eine hübsche Kapelle. Ein Schotterweg führte in den Wald. Weg Nr. 8 zweigte von diesem Schotterweg ab. Wir kamen auf einen Hohlweg, der links und rechts mit Heidelbeerbüschen (samt Beeren) gesäumt war. Und immer wieder wuchsen Eierschwammerln direkt auf dem Weg. Leider endete dieser Wanderweg an einer kaputten Brücke, die durch das Hochwasser im Juni 2024 zerstört worden war. Wir waren gezwungen, umzudrehen. Daher unser Tipp: Den Schotterweg (Augustinerweg) weiter folgen – so kommt man sicher wieder zum Stift zurück.
Im Stiftshof kann man bequem unter alten Bäumen sitzen und sich kulinarisch verwöhnen lassen. Wir haben jedenfalls sehr gut gespeist.
An Führungen nahmen wir nach dieser Wanderung leider nicht mehr teil (es war ein extrem heißer Tag und wir waren müde und verschwitzt). Daher entschlossen wir uns, die Sakristei sowie die Bibliothek ein andermal zu besichtigen.
Infos zur Stiftsführung: www.stift-vorau.at
Infos zu Exkursionen in die mysteriöse Tunnelwelt von Vorau vom Verein „Sub Terra Vorau“: www.subterravorau.at
Das Heimatmuseum Vorau hat täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet (Stand 2024).

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