| Spaziergang |
zur Burgruine Krems |
Start: |
Voitsberg Stadtteil Krems P+R Parkplatz |
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Spaziergang |
Burgruine Obervoitsberg und Kohlenbergbau Zangtal |
Start: |
Voitsberg Hauptplatz |













Nach den üppigen Weihnachtsfeiern tut es mal so richtig gut, wieder ins Freie zu kommen. Weite, anstrengende Wanderungen wollten wir mit den angefutterten Weihnachtspfunden noch keine unternehmen, also gingen wir es gemütlicher an. Wir fuhren mit dem Auto nach Voitsberg – nicht ganz. Im Stadtteil Krems (beim Kreisverkehr) nahmen wir die Ausfahrt in Richtung Bahnhof, bogen noch vor dem Fluss links ab und parkten auf dem P+R-Parkplatz. Wir marschierten durch eine hübsche Siedlung und folgten immer den Schildern „Ruine Krems“. Ab dem Schranken ging es dann eine enge Asphaltstraße bergauf. Auf dem Holzgelände wuchs Moos, Eiskristalle schimmerten in der Sonne. So ging es gemütlich dahin und schon standen wir vor der richtig beeindruckenden Burgruine Krems. Leider kann man diese Ruine nur mit einer Führung (ab 10 Personen möglich) innen besichtigen – oder aber man kommt am Pfingstsonntag oder am Nationalfeiertag (bei Schönwetter). Dann hat sie auch geöffnet.
Ein hübscher Weg führt um die große und sehenswerte Ruine herum. Hier im Osten von Voitsberg, wo das Kainachtal sehr, sehr eng ist, bot sich dieser schmale Bergrücken richtiggehend an, darauf eine Wehrburg zu bauen. Der älteste Teil ist der Bergfried mit seinen fünf Stockwerken, der im 12. Jahrhundert gebaut wurde. Er steht auf einem sehr markanten Felsen, und wenn man außen unter diesem Felsen hindurchgeht, hat man schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl und hofft inständig, dass Turm und Felsen nicht gerade in diesem Moment abrutschen. Angeblich soll dieser Turm auf römischen Grundmauern aufgebaut worden sein. Also keine Angst, dieser Teil der Wehranlage scheint stabil zu sein. Was man leider von einigen Gemäuern im Südosten der Burg nicht behaupten kann. 1817 rutschte ein Teil des Schlosses ab. Burg – Schloss … was war die Ruine früher wirklich? Die ältesten Teile der Burg stammen aus dem 12. Jahrhundert, im 14. Jahrhundert wurde die Burg erweitert und im 16. Jahrhundert kam es zu einem großen Umbau. Ein prächtiges Schloss wurde unter der Herrschaft der Herbersteiner gebaut. Das Gebäude hatte viele Besitzer: Krems-Leonrode, Walseer, Montforter, Herberstein, Saurau … 1857 erwarb sie Erzherzog Johann. Heute gehört sie dem Verein „Licht im Leben“.
Wenn man die Ruine umrundet hat, bietet es sich noch an, den Waldweg neben der Burgbrücke ins Tal hinabzusteigen. Steil ist der Hügel (teilweise künstlich abgeböscht), große schwarze Felsen sind zu sehen. Wir marschierten bis zum ehemaligen Gewerkenhaus (in Krems gab es früher ein Hammer- und Eisenblechwerk). Bei unserem Spaziergang kehrten wir dort um und gingen den bereits bekannten Weg retour zum Auto.
Danach fuhren wir direkt ins Stadtzentrum. Vom Hauptplatz aus starteten wir unseren zweiten Spaziergang. Hübsch weihnachtlich geschmückt präsentierte sich Voitsberg. Der Weihnachtsbaum vor der Kirche war riesig, die Bäume im Zentrum trugen hübsche Kugeln, Tannenreisig schmückte die Straßenlaternen. Die Fassade des Rathauses sollte man sich näher ansehen. Der Künstler Prof. Arik Brauer hat sie gestaltet. Seit 2003 gibt es auch ein Glockenspiel. Und wir hatten das Vergnügen, eben dieses Glockenspiel zu hören. Am langgestreckten Hauptplatz gibt es noch einen Barbarabrunnen und eine Mariensäule erinnert an die Pest, die von 1713 bis 1716 in dieser Gegend wütete.
Wir schlenderten den Hauptplatz entlang, bis wir eine Art Keramiktor erreichten. Hier bogen wir rechts ab (gelbe Wanderwegweiser) und marschierten auf den Voitsberger Sagenberg zu. Beim Aufstieg auf den Sagenberg sollte man sich sehr viel Zeit lassen. Sonnig war es hier zur Mittagszeit (was am Stefanietag richtig angenehm war) und die Aussicht war grandios. Umso höher wir den Serpentinenweg hochstiegen, umso toller wurde das Panorama. Und da gab es dann auch noch die herrlichen Sagen, die von liederlichen Bergleuten, toten Spielmännern, wilden Frauen und vom Teufel (der um Seelen feilschte) berichteten. Hat man Obervoitsberg erklommen, erkennt man sofort, warum genau an dieser Stelle eine Burg errichtet wurde. Weit sieht man von hier: im Osten die Burgruine Krems, das Betriebsgelände der Berglandmilch, die Stadt selbst mit den Kirchtürmen, das Schloss Greißenegg, im Westen den Heiligen Berg, Schloss Piber dahinter Köflach und ganz hinten die Berge, die die West- von der Obersteiermark trennen.
Über das Kainachtal gab es eine Straßenverbindung in die Obersteiermark, und diese Straße musste gesichert werden. Also wurde bereits 1170 die Burg Obervoitsberg errichtet (damals hieß sie „castrum voitseperch“). Als die Burg gebaut war, entstand unter ihr im Tal eine Siedlung. Diese wurde mit einer Wehrmauer umgeben, die bis zur Burg hochgezogen wurde. So entstand der Ort Voitsberg, der bereits 1245 Stadtrecht hatte. Im 13. Jahrhundert wohnte eine sehr interessante Frau in Obervoitsberg – Herzogin Gertrud, Markgräfin von Mähren und Baden (1226 bis 1288).
Gertrud war die Nichte von Friedrich II. (der Streitbare), und dieser war der letzte Babenberger im Mannesstamm. Friedrich hatte also keine Kinder, denen er sein immens großes Herrschaftsgebiet vermachen konnte. Daher war seine Nichte Gertrud eine richtig gute Partie. Das dachte sich auch der staufische Kaiser Friedrich II. Würde er Gertrud heiraten, so bekäme er auf diesem Wege die babenbergischen Länder. Doch Gertrud wollte den 55-jährigen Kaiser nicht heiraten und tat es auch nicht. Also hat auf der Burg Obervoitsberg eine Frau gelebt, die den Mut hatte, Kaiser Friedrich II. einen Korb zu geben.
Die Burg Obervoitsberg präsentiert sich heutzutage nicht allzu romantisch. Der Burggraben ist ein Parkplatz, die Festung selbst eine Bühne. Doch der Standort und die Aussicht sind einfach traumhaft. Da ich soeben noch von den Sagen erzählte: Über Obervoitsberg gibt es auch eine. In den Kellerräumen der Burg sollte ein Schatz versteckt gewesen sein und natürlich hatte ein sehr argloser, junger Mann das Glück, die Schatztruhe zu entdecken. Als er sie öffnete, war in der Truhe eine Schlange, die einen Schlüssel in ihrem Maul hielt. Der Jüngling bekam Angst, floh, und die Schlange klagte, dass sie als verwunschenes Burgfräulein nun wieder nicht erlöst worden wäre.
Als wir vor einigen Jahren die Wanderung „Auf der Sonnenseite der Stadt Voitsberg“ machten, kam ich – arglos wie ich bin – in einem Waldstück genau zwischen zwei Schlangen zu stehen. Groß und dick waren sie. Eine lag auf dem Wanderweg hinter mir (wie ich diese übersehen konnte, ist mir heute noch schleierhaft), eine sperrte mir den Weiterweg ab. Ich stand also hyperventilierend zwischen zwei furchteinflößenden Schlangen, während mein Göttergatte mit einer Freude ein Exemplar davon voller Genuss fotografierte (Nahaufnahme wohlgemerkt). Ich kann mich heute nicht mehr so genau erinnern, wie die Gegend auf dem Weiterweg aussah. Als ich nämlich den beiden Reptilien großräumig ausgewichen war, waren meine Blicke ausschließlich nur noch auf den Weg gerichtet. Ehrlich, ein Burgfräulein hätte auch ich mit bestem Willen nicht erlösen können – egal wie groß die Belohnung für diesen Dienst gewesen wäre.
Hinter dem Parkplatz von Obervoitsberg gibt es einen Naschgarten. Geht man rechts neben diesem Garten vorbei, kann man allerhand Kunstwerke aus Metall entdecken. Bei den Hochbeeten führt der Weg bergab. Neben dem Bogenparcours geht es dann zum ehemaligen Kohlenbergbau Zangtal. Von 1880 bis 1989 wurden hier 27,5 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut. Benannt wurde das Bergwerk nach dem Besitzer August Zang. August Zang war ein vielseitig interessierter Mann. Er war ein ehemaliger Offizier, gründete eine Zeitung, „Die Presse“, und war nebenher auch noch ein Bankier. Im ehemaligen Bergwerksgelände kann man noch Fördermaschinen bestaunen. Besonders „Leopold“, ein 560 Tonnen schwerer Schaufelradbagger, beeindruckt durch seine unglaubliche Größe. Das Förderband, das zum Teil noch zu sehen ist, stammte von der Gleisdorfer Firma Binder. 1986 wurde Leopold in Betrieb genommen … leider schloss das Bergwerk bereits 1989.
An einem ehemaligen Wagon der GKB vorbei wanderten wir neben der Straße nach Voitsberg zurück. Auch wenn wir keine extrem weite Wanderung absolviert und die Tage davor ausgiebig Süßes verzehrt hatten, gönnten wir uns im Stadtcafé am Hauptplatz einen Cappuccino mit Tiramisu.

























