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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg |
10,64 km |
222 HM |
4 h |
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Start: |
Stadtschlaining |
Hauptplatz |






Gibt man ins Navi „Schlaining“ ein, wird man eventuell Pech haben und keinen Treffer landen. „Stadtschlaining“ ist die richtige Bezeichnung. Stadtschlaining gehört zu den kleinsten Städten in Österreich (mit knapp über 2000 Einwohnern), hat jedoch schon seit 1514 eine Stadtordnung.
In Stadtschlaining steht die Friedensburg. Sie wurde vorbildlich renoviert und ist richtig sehenswert. Als wir uns im Mai dazu entschlossen hatten, nach Stadtschlaining zu fahren, wussten wir nicht, dass an diesem Wochenende das Klangfrühlings-Fest sowie die Eröffnung der Ausstellung „Von der Wehrburg zur Friedensburg“ stattfand. Feuerwehrmänner wiesen uns einen Parkplatz zu, adrett gekleidete Personen stiegen neben uns aus. Wir hatten natürlich unsere Wanderklamotten an, schleppten schwere Rucksäcke und fielen auf wie bunte Hunde.
Vor der Burg stand eine große Limousine mit Chauffeur. Wir rätselten, ob man damit den Landeshauptmann transportiert hatte. Polizisten wachten vor der Burg und beobachteten uns kritisch, wie wir mit unseren vollgepackten Rucksäcken in Richtung Burggraben marschierten. Leider war dieser an diesem Tag gesperrt, was wir sehr bedauerten. Es ist immer wieder ein Erlebnis, unter den immens hohen und massiven Brückenpfeilern durchzugehen, die mächtige Burg zu umrunden und dann ins Tauchental abzusteigen. Also Plan B: Den offiziellen Start der Burgblick-Wanderung W30. Über den hübsch gepflasterten Hauptplatz in die Baumkirchner Gasse und dann in den Badweg.
Auch diese Variante ist sehr interessant, da man auf diesem Weg an der massiven Stadtmauer vorbeikommt. Als Bonus gibt es auch noch sehr tolle Schilder mit Infos über die Geschichte. Wir gingen beschwingt den (für burgenländische Verhältnisse recht steilen) Burgberg hinunter, ein Mountainbiker kam uns schnaufend entgegen. Radfahrer sind im Burgenland keine Seltenheit – Wanderer schon.
Im Talgrund mussten wir die Brücke überqueren, dann rechts abbiegen und ein kurzes Stück der Straße folgen. Auf der linken Seite führte der Wanderweg den Gegenhang bergauf, zuerst durch einen Wald (wo ein Bussard nistete), dann schlenderten wir an herrlich artenreichen Wiesen vorbei: Mohn, Kornblumen, Ackerstiefmütterchen, Wolfsmilch, Thymian, Wiesensalbei, Glockenblumen, Storchenschnabel. Wir stiegen weiter bergan, der Wind zauberte Wellen in ein Gerstenfeld. Wir konnten in der Ferne die Riegersburg und die Gleichenberger Kogel sehen … und natürlich hatten wir hier eine besonders feine Sicht auf die Friedensburg Schlaining.
Im Gegensatz zur Riegersburg, die auf der Kuppe eines markanten Vulkans errichtet wurde, duckt sich die Friedensburg Schlaining fast. Die Stadt liegt höher als die Burg, welche auf einer Felsnase gebaut wurde. Begonnen hatte man schon Mitte des 13. Jahrhunderts, die Burg zu errichten. Doch ein Mann ist für den Ausbau der Burg besonders bedeutend: Andreas Baumkirchner (1420 – 1471). Er war ein Söldnerführer und stand in der besonderen Gunst von Friedrich III. Er erhielt das Recht der eigenen Münzprägung und durfte neben seiner Burg eine Stadt gründen. Und das machte Baumkirchner dann auch: „Eine Burg für den Teufel, eine Stadt für die Welt und ein Kloster für das Himmelreich.“ Also die Burg Schlaining, die Stadt Stadtschlaining sowie ein Paulinerkloster.
Blöderweise schuldete der Kaiser Baumkirchner Geld … sehr viel Geld angeblich. Und er war offensichtlich bei der Zahlung säumig. Das dürfte den Söldnerführer verärgert haben, denn plötzlich stand Baumkirchner im Dienst des ungarischen Königs Matthias Corvinus. Mit diesem organisierte er einen Aufstand des steirischen Adels gegen Friedrich III. Sie besetzten die steirischen Städte Hartberg, Fürstenfeld, Feldbach … sie kamen bis nach Marburg und auch ins Mürztal. Baumkirchner und seine Mitkämpfer waren sehr stark, und Friedrich III. war bereit, Baumkirchner völlige Amnestie zu gewähren sowie eine Zahlung von 14.000 Gulden zu versprechen. Versprochen hatte es der Kaiser – doch die Zahlung blieb aus. Also erhob sich Baumkirchner erneut gegen Friedrich III. Am 23. April 1471 sollte es zu Verhandlungen in Graz kommen. Baumkirchner sollte anreisen, ihm wurde ein freies Geleit zugesichert. Baumkirchner hätte klüger sein sollen und bereits wissen müssen, dass man auf die Zusagen von Friedrich III. nicht allzu viel geben durfte. Er begab sich nach Graz … und wurde dort hingerichtet.
Düstere Zeiten … düstere Geschichten. Gut, dass wir im 21. Jahrhundert unterwegs waren – nicht zu Verhandlungen, sondern um zu wandern und zu fotografieren. Ein hübscher Neuntöter saß auf einem gigantischen Holzstoß und präsentierte sich von der allerschönsten Seite. Mit dem schwarzen Streifen im Gesicht, der wie eine Augenbinde aussah, erinnerte mich der Neuntöter an Zorro. Gregi lauschte und behauptete, die lieblichen Stimmchen von Bienenfressern zu hören.
Wir erreichten den kleinen Weiler Schönau – der Name ist Programm. Wir beobachteten zwei Bussarde, die ihre Kreise zogen, durchwanderten einen Wald und kamen wieder an Feldern und Wiesen vorbei. Der Weg schlängelte sich kurvig dahin, wir mussten links abbiegen … vor uns war eine hübsche Kirche zu sehen. Die Wegmarkierung war hier leider sehr mangelhaft, doch mit der Tracking-App schafften wir es dann doch, den Weg nach Altschleining zu finden. (Rechts ins Tal absteigen, sobald der Wald aufhört.)
Altschlaining war die ursprüngliche Burgsiedlung. Hier wohnten nicht nur deutschsprachige Siedler, sondern auch Walachen, die Kroatisch sprachen. Beim Kriegerdenkmal bogen wir links ab und wanderten durch den Wald bergauf bis zum Waldrand. Hier hätten wir eigentlich links abbiegen müssen, den Waldrand entlang und dann am Feldrand bis zur Asphaltstraße hoch. Auf der schmalen, selten befahrenen Asphaltstraße gingen wir in Richtung Stadtschlaining zurück, wobei Gregi Schmetterlinge fotografierte und ich ein Neuntöterweibchen (ihre „Augenbinde“ ist eher blass) sah.
Vor der Bundesstraße bogen wir in den Radweg und folgten diesem zur Stadt zurück. Am Hauptplatz gibt es Gaststätten. Wir kehrten bei Mikes Café Pub ein. Hier waren wir schon vor Jahren mal. Es war zu Coronazeiten – kurz nach einem Lockdown. Damals waren wir es nicht mehr gewöhnt, in einem Gasthaus zu sitzen und es gab Personenbeschränkungen für die Tische. Wir saßen also alleine in der Wirtsstube und hatten dabei trotzdem ein leicht beklemmendes Gefühl. Solange, bis andere Personen die Gaststube betraten und behaupteten: „In xxx ist der Buschenschank xxx, von dort kommen wir gerade. Da sitzen gut 40 Leute an einem Tisch.“
Diese Zeiten haben wir zum Glück hinter uns gelassen. Jetzt kann man wieder ohne Angst ins Gasthaus gehen … oder Ausstellungen besichtigen. Sehr empfehlenswert ist die Besichtigung der frisch renovierten Friedensburg Schlaining. Wir hatten das Vergnügen, im Jahr 2023 diese Burg näher zu erkunden – wobei wir Zeuge einer erstklassigen spontanen Gesangseinlage eines Damenchors wurden. In der Burg befindet sich das Lokal „Das Kranich“, wo man bei einem wunderbaren Ambiente hervorragend speisen kann.

























