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Rundweg |
barrierefrei |
1 – 2 Stunden | Führungen werden angeboten |











Barrierefreie Wanderung, die zirka 2 Stunden dauert.
Diese Wanderung stellt keine sportliche Herausforderung dar. Für die Fitness hat sie wenig zu bieten, dafür punktet sie mit ganz besonderen Naturerlebnissen.
Es war ein extrem heißer Junitag. Eine lange Regenperiode war endlich zu Ende gegangen, und wir wollten unbedingt wieder raus in die Natur.
„Weit mag ich heute bei der Hitze nicht gehen, und vor Waldspaziergängen wird noch gewarnt… was machen wir?“, überlegte ich. „Im Burgenland gibt es momentan sicherlich viele Schmetterlinge“, meinte Gregi. „Die mögen auch Temperaturen über 30 Grad.“
Also fuhren wir ins Burgenland. Gleich hinter der steirischen Grenze bei Burgau befindet sich Rohr. Und dort gibt es die artenreichen Auwiesen des Zickenbachtals, in denen seltene Insekten und auch Vögel beheimatet sind.
Rohr ist eine kleine Gemeinde. Dort wohnen keine 400 Personen, doch der Ortskern kann sich sehen lassen. Zwei Gasthäuser gibt es, eine Kirche und daneben der „Eingang zum Moor“. Wunderbar wurde er gestaltet, mit einem Teich (dort leben ganz viele muntere Frösche), farbenfrohen Blumengärten, der ersten Erlebnisstation für Kinder und neugierige Erwachsene sowie dem Hinweis, dass man unter der „Hearonymus-App“ vieles über das Moor erfahren kann.
Zwei umgedrehte Bäume mit den Wurzeln nach oben mussten wir durchschreiten, um in das größte Moor im pannonischen Raum zu gelangen. Neben dem Bach ging es auf einem schön gemähten Wiesenstreifen entlang, Weiden wuchsen am Ufer, und in einer davon entdeckten wir schon die ersten Vögel. Ein Teenager-Kleiber versuchte sehr vehement, seine Eltern dazu zu bringen, ihm gute Leckerbissen zuzustecken. Seine Bauchfedern waren noch ganz fluffig, die Schwanzfedern noch nicht richtig stattlich. Wir beobachteten ihn und seine „pädagogisch versierten“ Eltern. Unverdrossen ermutigten sie ihn, sich doch selbst sein Essen zu suchen.
Die Schautafeln des Moors sind sehr informativ. Wir erfuhren, dass dieses Niedermoor 42 Hektar groß und somit das größte Moor im pannonischen Raum ist. Gewachsen ist es über etwa 10.000 Jahre – 13 Meter ist es mächtig.
Wir erreichten die erste Brücke, die uns zum Garten der Sinne leiten sollte. Wir sahen in den Bach hinunter, der noch vor kurzem einen sehr, sehr hohen Wasserstand gehabt haben musste. Mit größtem Entzücken entdeckten wir wahre Zauberwesen: Blaue – in der Sonne schillernde Flattertiere. Als sie sich auf das Schilfrohr setzten, erkannten wir die elfenhaften Tierchen: männliche Prachtlibellen. Die Flügel dieser Männchen sind prächtiger als jede Robe auf dem Opernball – garantiert. Dazu die haarigen Beinchen und die riesengroßen Augen, die seitlich vom Kopf hervortreten.
Im Garten der Sinne gab es zum Glück Schatten. Für Kinder sind tolle Erlebnisstationen eingerichtet, dazu Bänke, auf denen man sich ausruhen und die Natur beobachten kann. Wir beobachteten eine Elster, die bei einem Kirschbaum mit reifen Früchten ihren Bauch vollschlug.
Weiter ging es dann wieder dem Bach entlang. Kurzes Fotoshooting mit einem „Landkärtchen“ – einem wunderbaren Schmetterling. Die Sonne schien herrlich durch seine Flügel, die ein ganz klein wenig an gotische Maßwerksfenster erinnerten.
Im Moor sollten Galloway-Ochsen weiden und dieses vor der Verbuschung schützen. Bei unserer Wanderung hatten wir leider keine Moorochsen gesehen. Vielleicht waren sie einfach auf einer anderen Weide.
Wieder überquerten wir eine kleine Brücke, und das Auwald-Labyrinth erwartete uns. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Baumstämme mit Spechthöhlen nebeneinanderstehen sehen. Gut, wir befanden uns schließlich auch in einem Vogelschutzgebiet. Die Auwiesen des Zickenbachtals sind auch Natura 2000-Schutzgebiete. Den Laubtunnel, den man hier als Erlebnisstation für Kinder errichtet hatte, sparten wir uns.
Die nächste Erlebnisstation war auch nicht unbedingt nach unserem Geschmack – Moorschlamm waten. Auch wenn es hier angeblich Heilschlamm geben sollte. Für Kinder allerdings ist es sicherlich eine Riesengaudi, eine Schlammschlacht à la Takeshi’s Castle zu schlagen. Für fließendes Wasser zum Waschen danach ist jedenfalls gesorgt.
Wir schlenderten weiter – ein Auwald wartete wieder auf uns. Auf dem Knüppelweg war es ja noch recht angenehm zu gehen, doch dann kam er, der Gatsch. Als meine Schuhe fast im Moor stecken blieben, entschloss ich mich, doch umzukehren. Ein riesiges Heupferd flatterte in Richtung Bach. Ob es sich dabei um die seltene Sumpfschrecke handelte, die es in diesem Gebiet noch geben sollte, kann ich leider nicht beurteilen.
Nun besahen wir uns auch das Weidenlabyrinth. Die Gemeinde hält die Wiesenwege recht gut in Schuss, damit sie leicht zu begehen sind. Am Wegrand stehen Riesenbrennesseln. Und diesen Brennnesseln sollte man unbedingt genügend Aufmerksamkeit schenken. Auf ihnen findet man ganz interessante Tiere. Gregi hatte eine Raupe des Tagpfauenauges entdeckt. Diese schwarze Raupe muss sich nicht verstecken: Geschützt ist sie durch die Brennnesseln sowie durch ihre vielen, eigenen Stacheln.
Auf dem Rückweg trafen wir eine Frau, klugerweise war sie barfuß unterwegs. Sie erkundigte sich, wie der Weiterweg aussähe. Sie würde bald eine Gruppe Leute durch das Moor führen. Unter www.lust-auf-moor.at kann man Infos über die Programme für Kinder, Firmen, Familien etc. finden.
Beim Rückweg bogen wir rechts ab. Ein Weg führte uns über die Wiese hinauf zur Aussichtswarte. Und auf diesem Wiesenweg (bei einer Pfütze) die große Überraschung: Schmetterlinge, Schmetterlinge, Schmetterlinge. Einige zierliche Bläulinge hatten sich hier zur gemeinsamen Essensaufnahme versammelt. Daneben ein Großer Fuchs, viele Tagpfauenaugen, einige Landkärtchen, zwei Dickkopffalter … allesamt versammelt auf kleinstem Raum.
Wir genossen die Aussicht auf der Warte. Interessiert studierten wir die Gegend. Wo war hier wohl die Trasse der Römerstraße, die Sombathely mit Leibnitz verbunden hatte? Gregi suchte die Gegend mit seinem Feldstecher ab. Nicht die Römerstraße interessierte ihn, sondern vielmehr der Wiedehopf, der in dieser Gegend vorkommen sollte. Und wenn er auch keinen Wiedehopf zu sehen bekäme, wäre er auch mit einem Goldammer sehr zufrieden.
Zurück gingen wir den bekannten Weg zum Schmetterlingstreffpunkt. Was für ein Glück, dass ich doch hatte: Jetzt war auch noch ein Schwalbenschwanz anwesend. An Schönheit ist dieser riesige Falter kaum zu übertreffen. Und er ist ein guter Flieger – richtig zielgerichtet und rasch ist er unterwegs. Mir kommt vor, dass jede Schmetterlingsart ihren ganz eigenen Flugstil hat. Einige taumeln in der Luft hin und her, manche sacken beim Fliegen immer wieder etwas ab und gewinnen dann wieder an Höhe, viele der Schmetterlinge wirken unentschlossen, als ob sie sich nicht so recht entscheiden könnten, wohin sie wollten. Allerdings nicht der Schwalbenschwanz … immer zielgerichtet. So wie wir jetzt. Wir hatten riesigen Durst und auch etwas Hunger – da waren ja zwei Gasthäuser im Ort. Nichts wie hin!





















