„Fürstengräberweg Nr. 13“ – Großklein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

274 HM

4 h

Start:

Großklein

Hallstattzeitliches Museum  

Ende September gab es wunderbares Wanderwetter – nicht mehr zu warm und ein Himmel wie im Bilderbuch. Unser Ziel war Großklein in der Südweststeiermark. Der Ort war an diesem Wahltag sehr belebt. Lebhaft, bunt und fröhlich waren auch die Bilder, die an Häuserwänden zu finden waren. Der Rosarote Panther mit einem Kontrabass – ein Sulmtaler Hahn, der sich ein Achterl gönnt – ein übergroßes Kind, welches seinen kleinen Opa an der Hand führt. So gefällt mir moderne Kunst in diesem geschichtsträchtigen alten Ort.

Nicht weit vom „hamuG – Hallstattzeitliches Museum Großklein“ gibt es einen Parkplatz. Das Museum, welches Fundstücke aus fünfeinhalbtausend Jahren besitzt, hat sonntags leider geschlossen. Info Museum: www. archaeo-grossklein.com

Also marschierten wir zur Touristeninformation (die geöffnet hatte) und holten uns eine Wanderkarte. Dann ging es den Viktorsteig bergan zur Kirche. Die Kirche wird vom Friedhof umgeben, und dieser wiederum von einer wehrhaft hohen Mauer. Dieses Ensemble, das hoch über dem Ort thront, steht zu Recht unter Denkmalschutz. Auch das Kircheninnere ist originell: Zum Beispiel hat der Chor zwei Stockwerke. Doch besonders hatten es mir die Heiligenfiguren in alten Trachten angetan.

Wir verließen den sakralen Bereich und stiegen den Weg weiter bergan. Gleich hinter der hohen Friedhofsmauer grasten Freilandhennen zwischen alten Obstbäumen. Bald kamen wir in einen prächtigen Buchenwald mit stattlich großen Bäumen. Als wir den Wald verließen, hörten wir helles Bimmeln – eine Kuhweide. Ich mag den Klang von Kuhglocken, doch weiß ich nicht, ob die Kühe davon begeistert sind, Tag und Nacht bei jeder Bewegung das Läuten zu hören.

Stets ging es bergan – das Panorama rundum war einfach herrlich. Da sahen wir Sankt Georgen am Lukowitsch (siehe Wanderung Gleinstätten), die Goldhaube, Kitzeck, Berge mit Buchenwäldern und Wein. Und wir konnten auch auf der anderen Seite des Tales unser Hauptziel erkennen – den Grillkogel, auch Burgstallkogel genannt. Wir erreichten nun den höchsten Wanderwegpunkt auf diesem Hügel und haderten etwas mit der Erkenntnis, dass wir noch einen Berg erklimmen mussten (und im Gegensatz zu diesem Hügel würden wir ganz auf die Spitze des Burgstallkogels steigen müssen). Die Wegführung dieses Wanderwegs ist wirklich toll, fordert allerdings auch ein wenig Kondition.

Durch Weinberge und Wald ging es dann recht flott wieder ins Saggautal hinab, das wir überqueren mussten, um nach Kleinklein zu gelangen. Großklein – Kleinklein. Die Orte hier haben schon ganz skurrile Namen. Nicht klein waren die vier Fürstengräber von Kleinklein. Je bedeutender der Verstorbene war, desto größer war der Tumuli, der über seiner Urne aufgeschüttet wurde. Bis zu sieben Meter hoch konnte so ein Hügelgrab sein, mit einem Durchmesser von 49 Metern. Diese beachtlichen Hügel haben dann die Fantasie der Menschen angeregt. Attilas Grab sollte sich hier befinden. Der prominente Leichnam sollte in drei Särgen gebettet sein, wobei der innere aus Gold gewesen wäre. Diese Sage zog Glückritter an, die hofften, Schätze zu finden.

Gold und Silber gab es wohl nicht zu finden, und wenn, hätten es die Grabräuber wohl kaum abgegeben. Doch nicht nur Räuber schändeten die Gräber. Im 19. Jahrhundert motivierte das Antikenkabinett in Graz die Bauern der Umgebung, die Tumuli aufzugraben und die Fundgegenstände an das Joanneum zu verkaufen. Noch heute raufen sich die Archäologen die Haare wegen dieser zerstörerischen Vorgehensweise.

Einige Fundstücke aus Kleinklein sind wirklich sehr, sehr besonders. Die Gesichtsmaske aus Bronze sowie die Votivhände sind legendär, der Glockenpanzer eine Meisterleistung.

Rund um den Burgstallkogel gibt es mehr als 700 Grabhügel aus der Urnenfelderzeit/Hallstattzeit (es sollten mal 2000 gewesen sein). Man spricht von der Sulmtalnekropole, und ich wunderte mich, warum „Sulmtal“ – wir waren ja im Saggautal unterwegs. Klarheit hatte ich, sobald ich die Wanderkarte genauer betrachtete. Nördlich des Burgstallkogels fließt die Sulm. Saggau und Sulm fließen in der Nähe von Großklein zusammen. Ein sehr früh besiedelter Hügel zwischen zwei Flüssen nahe deren Zusammenfluss. Das hatten wir ja schon mal in Seggau – Frauenberg.

Die normalen Hügelgräber waren weitaus bescheidener als die pompösen Fürstengräber und beinhalteten auch nicht so wertvolle Grabbeigaben. Zerbrochene Keramikgefäße, kaputte Bronzegefäße sowie Lebensmittel wie Haselnüsse, Äpfel, Wacholder und Getreide gab es in den Gräbern dieser größten Nekropole (Totenstadt) des Ostalpenraums.

Bevor wir nach Kleinklein kamen, zweigte der Wanderweg in den Wald ab und führte uns steil den Hügel hinauf. Parasole und Bärentatzen wuchsen neben dem Hohlweg. Leider waren auch einige Bäume umgeknickt – zwei Wochen zuvor hatte es einen bösen Sturm gegeben.

Immer höher kletterten wir auf den Burgstallkogel hinauf. Besonders begeistert war ich von einem Schild vor dem Waldrand: Der Wald ist Zone des Denkmalgebiets. Dahinter wie Wellen die Hügelgräber. Auch dieses Gebiet ist Teil der größten hallstattzeitlichen Nekropole im Ostalpenraum.

Der Wanderweg verläuft oberhalb eines Steinbruchs. Wie viele Hügelgräber dem Bergbau zum Opfer gefallen waren, kann man wohl nicht sagen. Apropos Bergbau: Auch schon die Kelten haben auf den Burgstallkogel Eisen verhüttet. In der Gegend gibt es Hämatit und Limonit.

Fünf Hektar groß war das Siedlungsgebiet auf dem Burgstallkogel – somit war diese Siedlung neben Hallstatt und Hallein der bedeutendste Zentralort im Alpenraum. Das Wohnhaus, das Webhaus, der Vorratsspeicher sowie die Brotbackhütte, die man heutzutage auf dem Burgstallkogel ansehen kann, sind noch jung und wurden mit authentischen, historischen Werkzeugen und den Baumaterialien, die man in der Vergangenheit zur Verfügung hatte, errichtet. Experimentelle Archäologie nennt man das. Froh war ich, dass man nicht alle Gebäude strikt nach den alten Vorbildern aufgebaut hat – das funktionierende WC im Museumsgelände ist super. Ein bisschen moderner Komfort schadet nicht.

Apropos Webhaus: Auf dem Burgstallkogel wurden 120 Webstuhlgewichte eines Senkrechtwebstuhls aus der Hallstattzeit gefunden. Und dieser Webstuhl war ein Arbeitsgerät der Superlative – er hatte eine Breite von sage und schreibe 3,7 Metern. Stoffe in den Farben Schwarz, Blau und Rot konnte man nachweisen.

Auf der Bergkuppe hat man wieder eine einzigartige Aussicht. Irgendwie konnte ich es nachvollziehen, dass man auf diesem Berg einen Fürstensitz samt Siedlung errichtet hatte. Das Schloss Seggau war besonders schön angeleuchtet … gut, das gab es dazumal noch nicht. Vom Weingarten kamen wir auf eine steile, enge Asphaltstraße. Die Angreifer, die in der Vergangenheit den Burgstallkogel stürmen wollten, mussten wohl eine gute Kondition gehabt haben – egal, von welcher Richtung man den Gipfel erreichen will – steil ist es überall.

Über Kleinklein (Infotafel Fürstengräber) marschierten wir nach Großklein zurück. Gasthaus Steirerkeller, Gasthaus Wagner, Gasthaus Wrolli Edler … und eine Konditorei.

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