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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg |
13,82 km |
173 HM |
4 h |
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Start: |
Grafendorf |
Kirche |









Im Freien war es heiß, so um die 30 Grad Celsius, und vernünftigerweise würde man sich bei diesen Temperaturen ins kühle Haus zurückziehen oder ins Schwimmbad gehen. Gut, die Berge gäbe es auch noch … doch wir hatten da andere Ideen. Wir wollten das „Formbacherland“ entdecken und hatten uns im Internet schon mal klug gemacht. Da gäbe es die 3-Schlösser-Wanderung, die sich zwar total interessant anhörte, aber uns mit ihren 21,7 km doch zu anstrengend vorkam. Den Weg von der idyllischen St. Prankraz Kapelle auf den Masenberg kannten wir bereits (eine tolle Wanderung). Wir googelten weiter und kamen schließlich zur „Heilbründl-Rundwanderung“, welche mit 13,82 Kilometern machbar wäre.
Voller Erwartungen stiegen wir ins Auto, fuhren nach Grafendorf (wo wir im Zentrum parkten) und sahen dort sehr, sehr viele Oldtimer herumflitzen. Alte Mopeds, alte Traktoren, alte Autos … Nostalgie pur. Das Oldtimertreffen wäre bestimmt sehr interessant – aber wir wollten noch Älteres sehen. Römersteine zum Beispiel oder Hügelgräber oder ein hübsches altes Schloss.
Also marschierten wir fest entschlossen am Festgelände vorbei, nicht jedoch, ohne uns vorher ein leckeres Tüteneis zu gönnen. Noch im Seibersdorfer Wohngebiet sahen wir dann das erste „Bründl“ der Heilbründl-Rundwanderung: das Hammerwaldbründl. Ein Auto parkte daneben, ein Mann stand mit zwei Kisten und ganz vielen leeren Wasserflaschen beim Brunnen und befüllte geduldig eine Flasche nach der anderen. „Das beste Wasser für die Kaffeemaschine. Da schmeckt der Kaffee besonders gut“, erklärte er uns, während aus dem benachbarten Haus eine Frau auf den Platz zusteuerte. Auch sie war mit vier leeren Wasserflaschen ausgerüstet. Das Wasser dieses Bründls hat einen sehr niedrigen Härtegrad. Hoffentlich erfährt meine geliebte Filterkaffeemaschine nicht, wie andere Leute ihre Kaffeezubereitungsgeräte verwöhnen.
Weiter ging es neben dem Bach, und dann sahen wir es: das echte Heilbründl mit seinem schön geschnitzten Brunnenaufbau. (Das Gesicht eines Wassergeistes grinste uns an.) Und obwohl dieses Gesicht sehr freundlich aussah, gab es hier keine Leute, die Wasser aus dieser Quelle holten. Das Nass floss ungehindert in den Bach ab. Wir folgten dem Wanderweg weiter und kamen zum ersten Brücklein. Hier in der Schlucht war es noch schattig und angenehm, doch hoch über uns in den Baumkronen brannte bereits die Sonne auf die Blätter. Schlanke Schatten konnten wir hinter dem hell erleuchteten Laub erkennen, kleine Köpfchen lugten über den Blatträndern zu uns herunter. Die Prachtlibellen fühlten sich da oben in der Sonne ausgesprochen wohl. Sobald sie losflogen, schillerten ihre Flügel in metallischem Blau.
Besonders interessant sind die vielen Informationstafeln, die von Geschichten und der Geschichte dieser Gegend berichten. Zum Beispiel auch über ein schlimmes Ereignis: dem Fememord. Zur Kurruzzenzeit wurden die Bauern zum Grenzdienst eingeteilt, während die herrschaftlichen Familien nach Graz flohen. Als Wolf Dietrich von Wurmbrand den Kurruzzen „Brandgeld“ zahlte, um von weiteren Zerstörungen verschont zu werden, interpretierten die Bauern das leider falsch und glaubten an eine Verschwörung. So kam es, dass man ihn am 7. August 1704 ermordete.
Aber auch weitaus angenehmere Geschichten kann man auf diesen Tafeln lesen: Zum Beispiel die Sage vom Masenberg, der angeblich hohl und mit Wasser gefüllt sein sollte. Im Grunde geht die Sage so: Einige (meines Erachtens sehr hinterhältige) Bauern fingen einen Zwerg (ein kleines, hilfloses Wesen). Von Gier getrieben, forderten sie in Mafiamanier von ihm Lösegeld. Der Zwerg war jedoch listiger (klüger) als die Wegelagerer und konnte entkommen – drohend, die Gegend überschwemmen zu lassen. Hohl ist der Masenberg wohl nicht. Aber wenn man bedenkt, wie viele Erdställe es im nicht allzu weit entfernten Vorau gibt – vielleicht ist da doch etwas Wahres dran, an der Zwergengeschichte?
Wer in Grafendorf bei Hartberg in die Erde gräbt, kann interessante Entdeckungen machen. Diese Gegend ist schon sehr, sehr lange besiedelt (auch wenn zwischendurch die Bevölkerungsdichte sehr schwankte). Daher stößt man immer wieder auf Überreste vergangener Epochen.
Wie zum Beispiel der Römerstein, der entdeckt wurde, als 1995 im Innenhof eines privaten Anwesens gegraben wurde. Ein weißer Pflasterstein wurde angehoben … und siehe da, auf dessen Unterseite befanden sich römische Inschriften. (Dieser Stein steht jetzt vor der Kirche in Grafendorf.)
Ein Jahr später machte man den nächsten sensationellen Fund. Im Lebenfeld wollte eine Familie ein Eigenheim errichten. Bei den Aushubarbeiten stieß man auf Mauern. Uralte Mauern, die zu einer römerzeitlichen Villa Rustica gehörten. Ein weiterer römerzeitlicher Gutshof wurde mittels geophysikalischer Prospektion entdeckt.
Doch schon vor den Römern war die Gegend besiedelt, eine Axt aus der Kupferzeit, ein Dolch und Keramik aus der Bronzezeit wurden gefunden. Der Ringkogel mit seiner ehemaligen keltischen Festung ist ja auch nicht allzu weit weg.
Wir gingen am Waldhof Mara vorbei, überquerten die Straße, marschierten auf einem Wiesenweg (wunderbare Aussicht auf den Masenberg und die Sankt Pankraz Kapelle), dann erreichten wir eine weitere Asphaltstraße, von welcher aus wir rechts abbogen. Nach einer Brücke führte der Wanderweg den Bach entlang.
Wir waren ins Reich der Schmetterlinge gelangt. Sogar einen Schwalbenschwanz konnten wir entdecken. Es reichen schon ein natürlicher Bachlauf mit Bäumen am Ufer, eine ungemähte Naturwiese sowie einige alte Obstbäume, und schon hat man eine enorme Artenvielfalt. Eine Treppe ging es dann bergauf, an einem Rain entlang, und dann erreichten wir die römerzeitlichen Hügelgräber. Wieder ging es durch einen Wald, dann am Waldrand entlang, bis wir zu den ersten Häusern kamen. An dieser Stelle verirrten wir uns und mussten umkehren. Bitte rechts abbiegen in Richtung Dorf. Wir mussten nicht lange auf der Asphaltstraße gehen, dann kam die Abzweigung nach links zum Fischteich. Hier hoppelten niedliche Kaninchen frei herum. Zwei Pfaue hockten auf einem Holzstoß im Wald. Wieder kamen wir zu einer Brücke. Auf ihr lag noch das Geröll des letzten Hochwassers.
Zwischendurch trafen wir dann eine ganz seltene Spezies: andere Wanderer. Eigentlich waren wir es schon gewohnt, bei dieser Hitze niemandem zu begegnen. Doch an diesem Tag trafen wir ein nettes Paar, welches sich den 60er-Roas-Wanderweg ansehen wollte.
Bald schon lag das Schloss Kirchberg vor uns. Seit 1925 ist im Schloss eine Landwirtschaftsschule untergebracht, anfangs wurden hier ganze neun Schüler unterrichtet. Das Schloss Kirchberg war früher einmal eine Ritterburg, die 1130 durch Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten errichtet wurde.
Grafendorf und Kirchberg am Walde liegen im Lafnitztal – und die Lafnitz war seit 1043 eine Grenze. Eine gefährliche noch dazu. Die Siedler (u. a. Awaren, Slawen) hielten sich hier nicht lange, und im 12. Jahrhundert versuchte man wieder, Menschen in der Gegend anzusiedeln. Diesmal waren es deutsche Siedler. Die Grafen von Formbach-Pitten stammten ursprünglich aus Bayern. Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten zog 1158 mit Friedrich Barbarossa in den Krieg. Er fiel beim Sturm auf Mailand. Doch zuvor hatte er ein Testament gemacht, und so kam das Gebiet von Grafendorf in den Besitz des deutschen Klosters Formbach.
Das Schloss Kirchberg kann man von außen besichtigen. Es gibt einen Schaugarten, der terrassenartig über dem Lafnitztal liegt und eine wunderbare Aussicht bietet. Den ehemaligen Burggraben kann man heute begehen. Wir umrundeten das Schloss und das Internatsgebäude, bewunderten die neue gläserne Brücke über den Burggraben (was für ein besonderer Schulweg!) und marschierten schließlich an den Ställen vorbei in Richtung Allee, welche wir nun durchschritten, um nach Grafendorf zurückzugelangen.
Wir hatten an diesem heißen Tag die Wanderung abgekürzt. Laut Schrittzähler hatte ich ohnehin schon 19.000 Schritte gemacht. Über das Kirchberger Kreuz kamen wir nach Grafendorf zurück, wo wir uns noch den Kirchvorplatz mit seinen Römersteinen ansahen. In die Kreuzkapelle gingen wir nicht, da uns eine Aufbahrung daran hinderte. In ihr sollte es Fresken von Johann Cyriak Hackhofer geben, den originellen Stiftsmaler von Vorau, der auch die Festenburg so beeindruckend ausgeschmückt hat. Stattdessen bewunderten wir den artesischen Brunnen, der 1894 errichtet worden war. Hier holten einst die Schulkinder ihr Trinkwasser. Plastikflaschen gab es dazumal noch keine, kein Cola, keinen Almdudler und auch kein Dreh und Trink.
Der Brunnen plätscherte ruhig vor sich hin, und wir waren auch durstig geworden. Also beschlossen wir, das Kaffee MeLounge zu besuchen. (Eine sehr gute Wahl, der Kaffee schmeckte ausgezeichnet.)
Eine Woche später wollten wir die Runde dann vollenden … bei sehr, sehr heißem Wetter. Am Nachmittag sollte irgendwann Regen kommen – am späten Nachmittag gegen Abend, nahmen wir an. Wir waren optimistisch. Außerdem wussten wir inzwischen, wo wir das Auto am Parkplatz hinstellen mussten, um nachmittags optimalen Schatten zu haben. Vom Grafendorfer Zentrum aus steuerten wir Schloss Kirchberg zu. Wieder durch diese wunderbare Allee. Es wäre nicht schlecht, wenn wir wieder damit beginnen würden, links und rechts der Straßen Bäume zu setzen. Wir kamen erneut bei den glücklichen Hühnern und dem mobilen Hühnerstall vorbei. Das Federvieh war richtig tiefenentspannt. Tiefe, langgezogene Töne gaben sie von sich – richtig meditativ.
Zielstrebig marschierten wir am Schloss vorbei. Gut, bei einem blühenden Sommerflieder hielten wir und bewunderten die Schmetterlinge. Ein Admiral dinierte vorzüglich und ließ sich dabei fotografieren. Dieses Mal waren wir es, die zuerst die Geduld verloren und das Fotoshooting aufgaben. Wenn die Sonne auf einen herunterbrennt, hat man keine Nerven, lange auf dem Asphalt zu stehen und Fotos zu schießen. Also gingen wir weiter und sahen ein hübsches Häuschen – eine Kombination von Mauern und Holz. Davor surrte es gewaltig. Dann sahen wir die Ausflugschlitze im Holz: ein Bienenhaus der Extraklasse.
Gleich nach dem Bienenhaus führte uns der Wanderweg rechts hinab in eine Schlucht. Wie angenehm doch ein Wald ist. Ein reizender Wasserfall, dann steile Stufen bergauf und dann eine Bank für eine Trinkpause. Wir mussten die „Himmelsleiter“ erklimmen, und dann kamen wir zu den richtig großartigen Tafeln, welche uns den Bauernhimmel mit seinen nützlichen Heiligen auf recht bodenständiger Art erklären. Herrlich.
Das nächste Ziel war der Ort „Reibersdorf“. Hier hatten wir uns leider beim Weg geirrt und waren vorerst mal durch das hübsche Dorf marschiert. „Reibersdorf“ und „Seibersdorf“ liegen beide direkt neben Grafendorf. Wir sinnierten, ob es hier auch noch ein Leibersdorf oder ein Kleibersdorf oder ähnliche Ortsnamen geben könnte. Nebenbei betrachten wir die hübschen alten Kellerstöckl, die nun teils als Garagen dienen. Am Ende des Dorfes stand ein Marterl. Dort zogen wir die Wanderkarte zurate und kehrten wieder um. Also den ganzen Ort wieder zurück, bis zum Wiesenweg, wo wir von der Himmelsstiege rausgekommen waren. Dann die Asphaltstraße bergab, die zum Glück durch den Wald führte. Bei der Kreuzung stand ein Schild, welches uns darauf hinwies, dass man nur bis zu einem bestimmten Anwesen kommen konnte. Doch wir waren ja zu Fuß unterwegs, und dieser Hinweis würde ja nur die Autofahrer betreffen … dachten wir.
Der Wanderweg führte uns den Bach entlang. Hier musste es vor nicht allzu langer Zeit ein richtig arges Hochwasser gegeben haben. Riesige Sandhaufen waren neben dem Bach aufgetürmt, und wir wunderten uns, wo das Material hergekommen sein konnte. Und dann kam das erste Problem. „An dieser Stelle müsste es eigentlich eine Brücke geben“, bemerkte ich. „Der Bach ist seicht, es hat 30 Grad Celsius … wir waten durch den Bach“, beschlossen wir und entledigten uns der Wanderschuhe.
Auf der anderen Bachseite wieder Socken und Schuhe an und weiter. Doch nicht allzu weit, die nächste nicht vorhandene Brücke. Vorhanden war sie schon – jedoch spannte sie sich nicht über das Gewässer sondern lag am Rand der Wiese. Ich setzte mich auf die Brücke und konnte somit ganz bequem die Schuhe wieder ausziehen – wieder durch den Bach – Schuhe an und weiter durch den Wald. Bis zur nächsten nicht mehr vorhandenen Brücke. Nur da war die Böschung leider zu steil, um runterzuklettern. Wieder einmal kehrten wir um, suchten eine Stelle, an der wir in den Bach gelangen konnten, und dann marschierten wir längere Zeit im Wasser. Es war fast wie ein Badetag.
Endlich waren wir wieder auf dem regulären Wanderweg bei einer kleinen Siedlung. Asphaltstraße. Also keine Bachwanderungen mehr. Ein Blick zurück mahnte uns dafür zu Eile. Dunkle Wolken bauten sich bedrohlich auf. Auch diesmal würden wir den Heilbründlweg nicht fertig erkunden können. Unter der Bahnbrücke hindurch stiegen wir rasch den Hügel bergauf, an der Backhendlstation Heschl vorbei bis zum Hügelgrat. Beim Abstieg nach Grafendorf schüttete es wie aus Eimern. Auf der Asphaltstraße war eigentlich nicht weniger Wasser als im Bach. Platschnass kamen wir in Grafendorf an. Blitz und Donner ließen unser Tempo gewaltig beschleunigen. Wenigstens war es nun nicht mehr heiß.
Bei der Heimfahrt mussten wir die Heizung einschalten. Mit einer durchschnittlichen Fahrtgeschwindigkeit von zirka 50 km/h fuhren wir bei einem fürchterlichen Unwetter nach Hause.
































