„Weg der Kunst“ ab Stainz bei Straden

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Weg der Kunst

9,4 km

250 HM

3:25 h

    

In drei Wanderbüchern habe ich diesen Weg gesehen, er muss also wirklich schön sein. Daher fahren wir im Spätherbst nach Stainz bei Straden, wo die Wanderung beim Haus der Vulkane startet. Auf den Wanderschildern ist eine Gehzeit von 2:20 h angegeben. (Da war wohl jemand mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Wir benötigen für diese Wanderung 158 Minuten reine Gehzeit. Noch nicht inkludiert ist da die Zeit, die man bei den Erlebnisstationen benötigt – man ist sicherlich über drei Stunden unterwegs.) Ansonsten ist die Beschilderung einwandfrei, ein Verirren ist unmöglich.

Stainz bei Straden ist ein interessantes Dorf. Da steht ein wunderschöner Bildstock. Der hat nicht nur seitlich eine Tür, sondern auch noch einen „ersten Stock“ mit Fenstern. Ob sich dahinter eine Glocke versteckt?

Wir wandern weiter über ein Brückerl auf die Straße und schrecken fünf Enten auf, die in einem mit Wasser gefüllten Straßengraben ein gepflegtes Bad genießen. Sich lauthals beschwerend, flattern sie die steile Böschung hinauf und laufen um die Zaunecke nach Hause, wo sich schon einige ihrer Genossen im Garten sonnen.

Nun erreichen wir den Sulzbach. Gregi bildet sich ein, das zarte Stimmchen eines Eisvogels vernommen zu haben. Ich widme mich inzwischen der ersten Erlebnisstation, den Summsteinen. Gregi betrachtet den Bach kritisch und ist nicht mehr ganz davon überzeugt, dass hier ein Eisvogel lebt. Diese brauchen klares Wasser. War wohl ein anderer Vogel mit hoher Stimmlage. Daher beschließen wir, zur nächsten Station zu gehen. Zum Blaurackenturm.

Diesen schönen Gesellen werden wir im Spätherbst sicherlich weder hören noch sehen – jedenfalls nicht in der Steiermark. Da ist er schon längst auf Reisen gegangen, auf Fernreise sozusagen. Die Blauracke überwintert im südlichen Afrika. Eine Strecke, für die sie angeblich zwei Monate benötigt. Bewundernswerte Tiere! Hoffentlich kommen sie im Frühjahr wieder.

Wir wandern weiter und erreichen eine Raststation. Strahlend gelb schimmert das Laub und bildet einen Teppich. Und mitten darin liegt ein Steinbrocken, eine Vulkanbombe. 15 Tonnen wiegt das gute Stück und kommt aus dem Basaltsteinbruch von Hochstraden. Daneben steht ein altes Holzschild. „Wohl bekomms“, steht darauf und ich überlege, wie mir dieser Riesenstein wohl bekommen sollte. Sarkasmus? Nein, darunter, sehr verschwommen, steht ja noch was: „Wasser ist kostbar.“ Und dann sehe ich erst die Wasserleitung, die aufgrund der Jahreszeit schon außer Betrieb ist.

Die nächste Station ist mehr als idyllisch. „Steinzeitklang“ wird sie bezeichnet und Gregi probiert voller Freude jedes einzelne „Instrument“. Ich lichte die wunderbare Pappelallee ab. Während sich Gregi noch beschwert, dass die Dinger nicht gestimmt sind, schnaufe ich den Berg hinauf und bin nach wie vor von der Allee begeistert – und auch vom Schatten, den sie wirft.

Die Aussicht wird immer besser. Wir sehen den Steinbruch von Hochstraden, den „Drachenrücken“ mit der Aussichtswarte und leider auch sehr, sehr viele Glashäuser. Es ist eben eine landwirtschaftlich genutzte Gegend. Vulkangebiete sind besonders fruchtbar.

Durch einen Wald geht es nun bergab. Wir sehen eine sandige Steilwand und ich entdecke sogar eine Bruthöhle. Leider nur eine einzige. Aber Grund genug zu spekulieren, welcher Vogel hier eventuell Junge aufzieht. Die nächste Zeit vergeht mit Diskussionen, ob das, was ich da fotografiert habe, überhaupt eine Bruthöhle ist, bis Gregi einen seltenen gelben Schmetterling entdeckt und das Thema augenblicklich fallen lässt. Ein wunderschöner Gelbling mit einer Acht auf dem Flügel.

Wir haben nun die Lorettokapelle erreicht und biegen in Richtung Pferdehof Lechner ab. Ein Weingarten – und hurraaa! –, da bewegt sich was. Tatsächlich, ein Schwarzspecht. Ich nütze schnell die Gelegenheit – es wird ein tolles Fotoshooting mit Woody Woodpecker –, während Gregi noch voller Begeisterung eine Libelle fotografiert. (12. November 2023 – November!!! Eine Libelle und ein Schmetterling. Was für ein Tag!)

Weiter geht es zum Klangwald. Ein Grünspecht flattert rasch davon, während die Meisen mich neugierig beobachten. Steil geht es bergauf, bald steigen wir den Hügel wieder hinab. Es wird nicht der letzte Hügel sein. Vor dem nächsten Anstieg wartet auch der nächste Erlebnispunkt auf uns. Eine grimmig dreinblickende begehbare Holzeule. Ich verstehe ihren Verdruss. Kalt ist ihr Standort – und dann sind da noch die Wanderer, die immer wieder ihre Köpfe frech aus ihren Augen stecken. Bitte lächeln – und klick! Schon geht es weiter, den nächsten Hügel hinauf.

Nun haben wir einen wunderbaren Blick auf Straden. Dieser Hügel vulkanischen Ursprungs mit seiner extrem hohen Kirchendichte – vier Stück an der Zahl! Straden und seine Umgebung waren schon in der vorchristlichen Zeit besiedelt. Es muss sich dort wohl ein besonderes Heiligtum befunden haben, wenn die Kirche diesen Ort so vehement überbaut hat.

Es geht wieder bergab, wir erreichen die Straße im Tal. Der Ausgangspunkt der Wanderung ist nicht mehr weit, das Gasthaus LiebEck im Haus der Vulkane auch nicht mehr. Wir sind hungrig, wir sind müde, wir freuen uns darauf. Dann die bittere Erkenntnis: Eine Bergwertung hat der Kunstweg für uns noch geplant. Ein richtiger „Wadlbeißer“, dieser letzte Anstieg, finden jedenfalls wir. Doch dann ist auch dies geschafft. Beinahe beschwingt laufen wir den Hügel wieder hinunter. Bald können wir uns den Magen vollschlagen. Mit den 17.138 Schritten, die ich bei dieser Wanderung gegangen bin, brauche ich auch nicht unbedingt auf Kalorien achten. Und dann das! Wir sind zu früh dran. Das LiebEck öffne sonntags ab 15.00 Uhr, steht auf der Tafel beim Eingang.

Also Plan B. Wir kehren bei der Konditorei Ertl ein. Die hat auch Leckeres für uns. Bei einem Marmeladencroissant lassen wir den wunderbaren Tag Revue passieren.

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