„Kulturwanderweg Hengist-Weitendorf-Kuketz-Runde“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg:

9,5 km

92 HM

3 h

Start:

Weitendorf

Kirche  

Manchmal muss man sich überwinden, bei kaltem und nassem Winterwetter ins Freie zu gehen. Aber ehrlich… immer wieder ist man froh darüber, den inneren Schweinehund besiegt zu haben.
Mitte Dezember – ein trüber, kühler Tag ohne Sonnenschein – da trifft man auf Wanderwegen kaum Passanten. Jedenfalls nicht in Weitendorf in der Nähe von Wildon. Schade eigentlich, denn dieser auf den ersten Blick nicht gerade aufregende Ort hat einige wirklich interessante Plätze, die es verdienen, entdeckt zu werden.
Wir parkten unser Auto vor dem Gemeindeamt von Weitendorf (welches unser Autonavi aus welchen Gründen auch immer einfach nicht finden wollte). Weitendorf gehört zu den Kulturgemeinden Hengist. Dieses Gebiet ist seit etwa 6000 Jahren von Menschen besiedelt (Hügelgräber und Urnenfelder aus verschiedensten Epochen). Doch nicht nur Menschen haben hier ihre Spuren hinterlassen: Funde bezeugen, dass es in dieser Gegend auch recht interessante Tiere gab – wie zum Beispiel Wollhaarmammuts. Doch dazu später.
Wir marschierten vom Gemeindeamt los, an der Kirche vorbei in Richtung Westen. Weitendorf war früher ein Rundangerdorf. Heute befinden sich die Häuser samt Ställen links und rechts der Asphaltstraße. Wo sich der „Anger“, der kreisförmig umbaut worden war, einst befand, konnte ich nicht mehr ausmachen.
Wir kamen an einem hübschen Dorfteich vorbei, bogen kurz darauf rechts in eine Siedlung ab und von dort erreichten wir den Waldrand des „Kaiserwaldes“. Im Schotter der „Kaiserwaldterrasse“ hat man etwas Altes und sehr Interessantes gefunden: den Backenzahn eines jungen Wollhaarmammuts. Wer den Film „Ice Age“ gesehen und sich an „Manny“ erinnern kann, hat in etwa eine Ahnung, wie so ein Wollhaarmammut ausgesehen haben mag (nur ohne exakten Scheitel und Lockentolle).
Unser nächstes Ziel war der Weitendorfer Basaltsteinbruch. International ist dieses Bergwerk bei Fachleuten wegen seiner außergewöhnlichen Mineralien berühmt … und auch wegen der Fossilien. Dieser Steinbruch hat es wirklich in sich. Wären wir vor etwa 15 Millionen Jahren hier unterwegs gewesen, hätten wir nicht wandern können, sondern hätten schwimmen müssen. Hier gab es ein Meer – besser gesagt, ein tropisches Flachmeer mit vielen Bewohnern. Über 100 verschiedene Meeresorganismen haben hier friedlich gelebt … bis vor etwa 14,5 Millionen Jahren aus den Erdritzen glutflüssiges Magma austrat. Dieses Magma bildete eine 10 km² große und etwa 30 m hohe Basaltdecke über dem Meeresboden.
Unter der Basaltdecke des Steinbruchs liegt nun dunkelgrauer Tonmergel. In diesem kann man die Fossilien dieser ehemaligen Meeresbewohner finden. Untersuchungen haben gezeigt, dass man heute die nächsten Verwandten dieser versteinerten Wasserwesen im Indischen Ozean und im Roten Meer antreffen kann.
Doch nicht nur das, was sich unter dem Basalt befindet, begeistert die Geologen. Auch die vulkanische Schicht ist für Mineraliensammler und Wissenschaftler höchst aufregend. In den Blasenhohlräumen des Vulkangesteins bildeten sich hübsche Mineralien aus. So wurden im Weitendorfer Steinbruch bereits Calcite in den verschiedensten Farben, Aragonite, Chalcedon, Achate, CT-Opale etc. gefunden.
Es ist verboten, dieses Bergwerk zu betreten. Daran hielten wir uns natürlich. Doch auch von der Straße aus hatten wir die Möglichkeit, ganz originelle Bilder von der ehemaligen Steinbrechanlage zu knipsen. Ein erstklassiger Lost Place. Die Außenfassade zur Straße hin war so interessant, dass wir hier sehr lange Zeit immer wieder außergewöhnliche Details ablichten konnten.
Danach wanderten wir weiter zur Kainach. Ich will nicht beurteilen, was das größte Highlight dieser Wanderung ist, aber die Wegstrecke zwischen Kainachbrücke und Faltikögerl steht ganz weit oben. Zwischen einem sehr großen Teich und dem noch recht naturbelassenen Fluss gibt es einen Weg, viel Wildnis und ganz viele Vögel. Das nasse Moos leuchtete in einem Sattgrün, das Eis des Teiches schimmerte im dunklen Türkis und bildete einen herrlichen Kontrast zu den orangen Blättern eines Strauchs.
Der Faltikögerl ist ein Hügel … ein sehr, sehr steiler Hügel … und er ist wahrscheinlich nicht von Natur aus so steil. In früheren Zeiten waren die Menschen auch recht fleißig und sie hatten den Wunsch, einigermaßen sicher zu leben. Daher hatten die Leute, die den Faltikögerl besiedelten, auf allen Seiten deutlich abgeböscht. Seit 2007 finden Grabungsarbeiten auf dem Faltikögerl statt. Drei Bau- und Siedlungsphasen konnten nachgewiesen werden – von der jüngeren Urnenfelderzeit bis zum Mittelalter. Keramikfragmente hat man gefunden, Spinnwirtel und Webstuhlgewichte, aber auch einen Fußboden. Wir statteten dem Faltikögerl einen Besuch ab. Ruhende Ausgrabungen sind nicht sonderlich spektakulär: eine Hütte, Zäune und Abdeckplanen. Der Ort selbst allerdings hat schon etwas, auch wenn das Plateau des Kögerls nicht allzu groß ist.
Und weiter ging unsere Wanderung. Über tief eingeschnittene Hohlwege stiegen wir stetig den Kuketz bergauf. Nur 399 Meter ist dieses Bergerl hoch, doch geologisch hat es trotzdem viel zu bieten. Neben Sanden und Mergel (die etwa 15 Millionen Jahre alt sind) gibt es hier auch sehr, sehr alte Gesteine, die stolze 400 Millionen Jahre auf dem Buckel haben. Und Eisenerz fand man hier auch. Auf dem Kuketz gab es früher Bergbautätigkeiten. Dazu waren allerdings keine Sprengungen nötig, nein, man musste nur die Erzbrocken ausbuddeln. Die Limonitknollen, welche einen Eisengehalt von bis zu 60 % hatten, fand man gleich unter der Erdoberfläche. Über 200 bis zu 2 Meter tiefe Mulden (Pingen), wo man diesen Brauneisenstein ausgegraben hat, kann man am Kuketz zählen.
Irgendwann kamen wir wieder ins Tal und zur Kainach. Die nächste Wegstrecke war leider nicht mehr so idyllisch und interessant. Zuerst ging es unter der Eisenbahnbrücke durch, dann kamen wir bei der Kompressorstation der Trans Austria Gasleitung vorbei. Dann noch unter der Autobahn durch und schon waren wir im Ort Lichendorf. Über Feldwege und kleine Asphaltstraßen erreichten wir Klein-Weitendorf, von dort wieder unter der Autobahn durch zum Ausgangspunkt.
Da wir in Weitendorf selbst kein offenes Restaurant fanden, beschlossen wir, einen Abstecher ins nahe gelegene Wildon zu machen. Direkt im Ort gibt es das Café/Pizzeria „Marktstüberl“. Dort bekamen wir am frühen Nachmittag ein gutes Mittagessen.
Anschließend spazierten wir über Treppen zur Kainach (das letzte Stückchen des Flusses, bevor sie in die Mur mündet) und weiter zum Badeteich, wo es im Dezember einen kleinen Adventmarkt gab. Hier war es (trotz des nicht gerade lauschigen Wetters) sehr belebt. Verkaufs- und Glühweinstände befanden sich auf der einen Seite. Für vorweihnachtliches Ambiente sorgten die Lichterketten in den Bäumen. Nicht schlecht. Und trotzdem bevorzugte ich die andere Seite. Die Badesee-Seite, wo zwei Eltern-Schwäne mit ihren drei Teenagerschwänen (graue Färbung) unterwegs waren. Dieser Familie hatte sich auch eine Ente angeschlossen, die sich ordentlich ins Zeug legen musste, um beim Tempo, welches die großen Schwäne vorlegten, mithalten zu können.
Doch richtig sensationell finde ich den Blick auf den Ort Wildon mit der hoch aufragenden Kirche und dem legendären Burgberg dahinter, den wir schon einmal auf einer früheren Wanderung erkundet hatten.

„Wildon – Schlossberg – Buchkogel“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10 km

330 HM

3:15 h

Start:

Wildon

Schloss 

Die Hengistburg ist die älteste urkundlich erwähnte Burg in der Steiermark. Sie war in der späten Karolingerzeit eine Mittelpunktburg in der Mittelsteiermark. Soweit, so gut. Was wir heute nicht mehr so genau wissen, ist, wo sich diese legendäre Hengistburg befand. Darüber streiten sich die Experten, und einige von ihnen sind fest davon überzeugt, dass sich diese für die Steiermark so wichtige Festung auf dem Schlossberg von Wildon befunden hat. Möglich ist es. Am Wildoner Schlossberg hat man Fundstücke aus dem 8. bis 10. Jahrhundert gefunden. Und nicht nur das … Auf diesem Hügel standen im Hochmittelalter mindestens vier Burgen: die Burg Ful, die Burg Hengst, Altwildon (landesfürstlicher Besitz) sowie Neu-Wildon (erzbischöflich-salzburgischer Grund). Das macht neugierig…

Also fuhren wir an einem Sonntag im Spätherbst nach Wildon, um die Umgebung zu erkunden.
Der Ort Wildon ist sehr langgestreckt und liegt eingequetscht zwischen der Mündung der Kainach in die Mur und dem Schlossberg. Hier verlief eine alte Reichsstraße, die nach Triest führte. In Wildon gab es mautpflichtige Brücken über die Kainach und die Mur. Viel Platz gab es nicht auf der Straße; gingen Pferde durch, konnte es sehr gefährlich werden. Ein Grabstein, der in der Außenmauer der Wildoner Pfarrkirche eingemauert ist, bezeugt solch einen Unfall. 1757 geschah das Unglück und kostete dem Wirt Franziskus Hoffstötter das Leben. Das Relief zeigt sehr detailreich ein Pferd mit panisch aufgerissenen Augen und wehender Mähne, eine leere Kutsche und einen Mann, der auf dem Boden liegt.
Im Schloss Wildon befindet sich das Hengist-Museum, und vom Schloss Wildon aus führt ein Literaturpfad in Richtung Schlossberg. Herrand von Wildonie lebte im 13. Jahrhundert und war (so wie sein Schwiegervater Ulrich von Liechtenstein) ein Minnesänger. Kein schlechter, würde ich sagen. Immerhin hat er es geschafft, dass sein Werk in den Codex Manesse aufgenommen wurde (die berühmteste deutschsprachige Liederhandschrift des Mittelalters). Ein epischer Text von ihm handelt von einer Katze – besser gesagt von ihrem Mann, dem Kater. Dieser war mit seinem Leben absolut nicht zufrieden … er war ja ein außerordentlich toller Kater und unbedingt für Höheres bestimmt. Also zog er los, um sich eine ebenbürtige, besondere Braut zu suchen…
Die Geschichte ist einfach gut erzählt und die Illustration ist herzerwärmend. Wir folgten dem Literaturpfad (unteres Tor) der Straße entlang in Richtung Kirche, dann links auf den Schlossberg (die schmale Asphaltstraße hinauf). Hier gibt es die nächste Station des Literaturpfades. Dann kommt der wunderbare Wald mit seinem uralten Baumbestand und schon sieht man die ersten Ausgrabungsstätten.
Direkt bei diesen Ausgrabungen verließen wir den Literaturpfad und bogen links auf den Waldweg ab. Steil wie eine Mauer türmte sich der Schlossberg neben uns auf. Felsen lagen in der Gegend herum. Ein Zettel war an einem Baum geheftet: Man sollte den Weg nicht verlassen und Hunde an die Leine nehmen. Dieser Bitte sollte man unbedingt nachkommen.
„Ich glaub das nicht. Niemals hätte ich mir gedacht, dass ich heute Gämsen fotografieren könnte“, freute sich Gregi und war mehr als angetan von einem recht stattlichen Gamsbock, der stolz auf einem Felsen posierte. Auch junge Gämsen konnten wir entdecken – samt ihrer Mutter. Dabei waren wir noch keine zwanzig Minuten unterwegs. Wir passierten die Mauerreste der Burgruine Ful und die Gämsen beobachteten uns noch immer äußerst interessiert. Rechts gleich hinter der Mauer ging der Waldweg bergauf. Obwohl hier kein offiziell ausgeschildeter Weg ist, waren etliche Leute unterwegs … eine Familie mit Kindern, ein junges Paar und eine große Reitgruppe samt Pferden.
Den Berg hatten wir halb umrundet, der Gipfel mit seinen alten Gemäuern war nicht mehr weit. Das letzte Stück des Weges ging es durch einen Hohlweg … oder vielleicht war es der ehemalige Burggraben, der die Burgen Alt-Wildon und Neu-Wildon trennte. Wir wandten uns zuerst Alt-Wildon zu. Der „Römerturm“ sieht stattlich aus und wurde im Spätmittelalter gebaut. Es ist schon lustig … fast alles, was alt ist, wird mit den Römern in Verbindung gebracht. Obwohl es schon interessant ist, dass die Quader, welche die Ecken des Turmes verstärken, in Zweitverwendung – also recycelt – sind. Das heißt, sie wurden im Mittelalter bereits wieder benutzt. Zu welchem Bau gehörten sie vorher?
Zu Alt-Wildon gehört auch die Annakapelle. Wir standen auf diesem mystischen alten Platz und überlegten, ob hier einst die Hengistburg stand. Wie es wohl damals in der Umgebung aussah – gab es da Weiler und Dörfer? Heute wird der Bergrücken von einem Wald bedeckt, riesige rot-weiß gestreifte Schornsteine stehen im Tal, in der Nähe gibt es die Autobahn sowie die Kompressorstation für die Erdgasleitung. Holz war zu Herrands Zeiten wohl die wichtigste Energiequelle und der Schlossberg war in früheren Zeiten sicherlich kahl und hatte nicht so schöne Buchenbäume wie man sie hier heute sieht.
Als nächstes besuchten wir die Ruine Neu-Wildon. Eigentlich dürfte man die Ruinen nicht betreten … und jedes Mal, wenn wir auf dem Schlossberg von Wildon sind, treffen wir ganz, ganz viele Menschen … bei den Ruinen. Der Abhang hinter der Ruine Neu-Wildon ist besonders steil. Angreifer hatten es hier besonders schwer – im Gegensatz zu den Gämsen, die sich hier richtig wohlfühlen. In einem Buch las ich mal, dass auf dem Wildoner Schlossberg ein Burgengedränge herrschte. Das trifft die Sache ganz gut. Der Wildoner Schlossberg mit seiner sechstausendjährigen Siedlungsgeschichte gehört zu den bedeutendsten Fundplätzen in der Steiermark. Er ist ein ganz magischer Ort, der seinesgleichen sucht.
Wir verließen die Ruinen wieder über den Hohlweg und gingen jetzt rechts den Berg hinab … jedoch nicht weit. Links kann man zur Wilden-Mann-Höhle abbiegen, und das sollte man unbedingt machen. Riesig groß ist das Höhlenportal, kräftige Efeuranken hängen über dem Eingang. Hier ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, auf Kletterer zu treffen. Im Buch „Kraftorte in der Steiermark“ von Michael Reid wird die „Wilde-Mann-Höhle“ als eine der bemerkenswertesten Kulthöhlen in der Steiermark bezeichnet. Sie wird seit der Steinzeit aufgesucht. Die Höhle ist sehr groß und sehr beeindruckend. Leider haben Vandalen diesen einzigartigen Ort mit Farbspray verschandelt.
Weiter bergab kamen wir zur Station „Bewegungsrevolution Steiermark“. Etwas weiter noch trafen wir wieder auf den Literaturpfad. Die Illustration mit dem violinspielenden Kater, der seine Ohren ganz zerknirscht hängen lässt, ist wunderbar. Katzen gibt es hier in natura auch sehr viele. Sie sind fröhlich und lassen die Ohren bestimmt nicht hängen. Gut, sie haben es sich auch nicht zum Ziel gesetzt, den Nebel oder gar den Wind zu heiraten. Stattdessen haben sie sich katzenliebende Familien gesucht und sind erfolgreich dabei, ihre Menschen „abzurichten“, damit sie taugliche Dosenöffner und Katzenverwöhner werden.
Wieder führte uns der „Kulturwanderweg Hengist“ bergauf. Diesmal auf den Buchkogel, auch Wildoner Berg genannt. Im Mittelalter hatte er einen anderen Namen – Hengst. Auch auf dem Buchkogel gab es eine urzeitliche Höhensiedlung. 1924 fand ein Kind einen besonderen Schatz … einen späturnenfelderzeitlichen Depotfund. Der Buchkogel trennt das Grazer vom Leibnitzer Feld. Weit sieht man leider nicht vom Gipfel des Berges, doch einige Bänke stehen da und der Platz lädt richtig zum Verweilen ein.
Auch der Buchkogel ist bewaldet und immer wieder sehen wir große Mulden. Diese Dolinen entstanden durch Kohlensäureverwitterung. Der Buchkogel besteht aus Leithakalk. Man kann heute noch fossile Reste entdecken. Als wir vor einigen Jahren hier wanderten, hörten wir beim Abstieg nicht nur die Autobahn, sondern auch ein emsiges Hämmern. Vor dem aufgelassenen Steinbruch türmten sich riesige Steinmugel, und auf diesem frönte ein Freizeitgeologe seinem Hobby. Schon öfter hätte er hier Fossilien gefunden, erklärte er. Ich suchte nicht hammerschwingend nach Fossilien … begeistert lichtete ich dieses pittoreske Bergwerk mit seinem warmen und hellen Stein ab. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde von Wildon Baumaterial über die Mur in die Landeshauptstadt verschifft. Damit wurde unter anderem auch die Grazer Festung gebaut.
Wenn man nicht gerade sonntags unterwegs ist, kann man den Buschenschank Bockmoar besuchen. Wir waren vor einigen Jahren dort, uns hat er sehr gut gefallen. Doch dieses Mal war er leider geschlossen und so konnten wir nur über den „Weinbau am Hengist“ lesen. Ein kurzes Stückchen mussten wir den Weg zurückgehen, dann folgten wir dem Wanderweg links nach Wildon. Wieder marschierten wir durch einen herrlichen Buchenwald, die vielen bunten Blätter erinnerten an ein impressionistisches Gemälde.
Nach dem Wald kam eine Wiese mit einer Kastanienbaumreihe. Dort stolperten wir fast über die aufgewühlten Erdhaufen. Genau, irgendwo hatten wir ja gelesen, dass es in diesem Gebiet auch Wildschweine gebe. Auch wenn sie sicherlich tolle Fotomotive abgeben würden – treffen wollte ich diese Schweinderln nicht unbedingt.
Über die Siedlung Unterhaus kamen wir wieder zum Literaturpfad. Diesem folgten wir über die Asphaltstraße hinunter nach Wildon. Ein hübscher Platz in Wildon ist auch der Badeteich. Als wir die gepflegte Anlage im Spätherbst besuchten, waren viele Holzhütten aufgebaut. Hier am Seegelände wird es im Dezember einen Weihnachtsmarkt geben. Da das Seecafé geöffnet hatte, kehrten wir auf einen Cappuccino mit Tiramisu ein.
Als wir die Kainach überquerten, trauten wir fast unseren Augen nicht. Ein Reiher in der Abendsonne, der aussah, als ob er in der Yogastellung „der Krieger“ verharrte. Schön auf einem Bein … richtig kitschig und ein weiteres Highlight auf dieser besonderen Wanderung.
Was wir an diesem Tag nicht alles entdeckt hatten: Gämsen, Kulthöhlen, Ruinen, Ausgrabungen, Steinbrüche mit Fossilien, besondere Grabdenkmäler, eine herzerwärmende Geschichte von einem etwas größenwahnsinnigen Kater und dann noch ein Reiher im Abendlicht.
Diese Wanderung kann ich mit allerbesten Gewissen weiterempfehlen.

 

„Fürstengräberweg Nr. 13“ – Großklein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

274 HM

4 h

Start:

Großklein

Hallstattzeitliches Museum  

Ende September gab es wunderbares Wanderwetter – nicht mehr zu warm und ein Himmel wie im Bilderbuch. Unser Ziel war Großklein in der Südweststeiermark. Der Ort war an diesem Wahltag sehr belebt. Lebhaft, bunt und fröhlich waren auch die Bilder, die an Häuserwänden zu finden waren. Der Rosarote Panther mit einem Kontrabass – ein Sulmtaler Hahn, der sich ein Achterl gönnt – ein übergroßes Kind, welches seinen kleinen Opa an der Hand führt. So gefällt mir moderne Kunst in diesem geschichtsträchtigen alten Ort.

Nicht weit vom „hamuG – Hallstattzeitliches Museum Großklein“ gibt es einen Parkplatz. Das Museum, welches Fundstücke aus fünfeinhalbtausend Jahren besitzt, hat sonntags leider geschlossen. Info Museum: www. archaeo-grossklein.com

Also marschierten wir zur Touristeninformation (die geöffnet hatte) und holten uns eine Wanderkarte. Dann ging es den Viktorsteig bergan zur Kirche. Die Kirche wird vom Friedhof umgeben, und dieser wiederum von einer wehrhaft hohen Mauer. Dieses Ensemble, das hoch über dem Ort thront, steht zu Recht unter Denkmalschutz. Auch das Kircheninnere ist originell: Zum Beispiel hat der Chor zwei Stockwerke. Doch besonders hatten es mir die Heiligenfiguren in alten Trachten angetan.

Wir verließen den sakralen Bereich und stiegen den Weg weiter bergan. Gleich hinter der hohen Friedhofsmauer grasten Freilandhennen zwischen alten Obstbäumen. Bald kamen wir in einen prächtigen Buchenwald mit stattlich großen Bäumen. Als wir den Wald verließen, hörten wir helles Bimmeln – eine Kuhweide. Ich mag den Klang von Kuhglocken, doch weiß ich nicht, ob die Kühe davon begeistert sind, Tag und Nacht bei jeder Bewegung das Läuten zu hören.

Stets ging es bergan – das Panorama rundum war einfach herrlich. Da sahen wir Sankt Georgen am Lukowitsch (siehe Wanderung Gleinstätten), die Goldhaube, Kitzeck, Berge mit Buchenwäldern und Wein. Und wir konnten auch auf der anderen Seite des Tales unser Hauptziel erkennen – den Grillkogel, auch Burgstallkogel genannt. Wir erreichten nun den höchsten Wanderwegpunkt auf diesem Hügel und haderten etwas mit der Erkenntnis, dass wir noch einen Berg erklimmen mussten (und im Gegensatz zu diesem Hügel würden wir ganz auf die Spitze des Burgstallkogels steigen müssen). Die Wegführung dieses Wanderwegs ist wirklich toll, fordert allerdings auch ein wenig Kondition.

Durch Weinberge und Wald ging es dann recht flott wieder ins Saggautal hinab, das wir überqueren mussten, um nach Kleinklein zu gelangen. Großklein – Kleinklein. Die Orte hier haben schon ganz skurrile Namen. Nicht klein waren die vier Fürstengräber von Kleinklein. Je bedeutender der Verstorbene war, desto größer war der Tumuli, der über seiner Urne aufgeschüttet wurde. Bis zu sieben Meter hoch konnte so ein Hügelgrab sein, mit einem Durchmesser von 49 Metern. Diese beachtlichen Hügel haben dann die Fantasie der Menschen angeregt. Attilas Grab sollte sich hier befinden. Der prominente Leichnam sollte in drei Särgen gebettet sein, wobei der innere aus Gold gewesen wäre. Diese Sage zog Glückritter an, die hofften, Schätze zu finden.

Gold und Silber gab es wohl nicht zu finden, und wenn, hätten es die Grabräuber wohl kaum abgegeben. Doch nicht nur Räuber schändeten die Gräber. Im 19. Jahrhundert motivierte das Antikenkabinett in Graz die Bauern der Umgebung, die Tumuli aufzugraben und die Fundgegenstände an das Joanneum zu verkaufen. Noch heute raufen sich die Archäologen die Haare wegen dieser zerstörerischen Vorgehensweise.

Einige Fundstücke aus Kleinklein sind wirklich sehr, sehr besonders. Die Gesichtsmaske aus Bronze sowie die Votivhände sind legendär, der Glockenpanzer eine Meisterleistung.

Rund um den Burgstallkogel gibt es mehr als 700 Grabhügel aus der Urnenfelderzeit/Hallstattzeit (es sollten mal 2000 gewesen sein). Man spricht von der Sulmtalnekropole, und ich wunderte mich, warum „Sulmtal“ – wir waren ja im Saggautal unterwegs. Klarheit hatte ich, sobald ich die Wanderkarte genauer betrachtete. Nördlich des Burgstallkogels fließt die Sulm. Saggau und Sulm fließen in der Nähe von Großklein zusammen. Ein sehr früh besiedelter Hügel zwischen zwei Flüssen nahe deren Zusammenfluss. Das hatten wir ja schon mal in Seggau – Frauenberg.

Die normalen Hügelgräber waren weitaus bescheidener als die pompösen Fürstengräber und beinhalteten auch nicht so wertvolle Grabbeigaben. Zerbrochene Keramikgefäße, kaputte Bronzegefäße sowie Lebensmittel wie Haselnüsse, Äpfel, Wacholder und Getreide gab es in den Gräbern dieser größten Nekropole (Totenstadt) des Ostalpenraums.

Bevor wir nach Kleinklein kamen, zweigte der Wanderweg in den Wald ab und führte uns steil den Hügel hinauf. Parasole und Bärentatzen wuchsen neben dem Hohlweg. Leider waren auch einige Bäume umgeknickt – zwei Wochen zuvor hatte es einen bösen Sturm gegeben.

Immer höher kletterten wir auf den Burgstallkogel hinauf. Besonders begeistert war ich von einem Schild vor dem Waldrand: Der Wald ist Zone des Denkmalgebiets. Dahinter wie Wellen die Hügelgräber. Auch dieses Gebiet ist Teil der größten hallstattzeitlichen Nekropole im Ostalpenraum.

Der Wanderweg verläuft oberhalb eines Steinbruchs. Wie viele Hügelgräber dem Bergbau zum Opfer gefallen waren, kann man wohl nicht sagen. Apropos Bergbau: Auch schon die Kelten haben auf den Burgstallkogel Eisen verhüttet. In der Gegend gibt es Hämatit und Limonit.

Fünf Hektar groß war das Siedlungsgebiet auf dem Burgstallkogel – somit war diese Siedlung neben Hallstatt und Hallein der bedeutendste Zentralort im Alpenraum. Das Wohnhaus, das Webhaus, der Vorratsspeicher sowie die Brotbackhütte, die man heutzutage auf dem Burgstallkogel ansehen kann, sind noch jung und wurden mit authentischen, historischen Werkzeugen und den Baumaterialien, die man in der Vergangenheit zur Verfügung hatte, errichtet. Experimentelle Archäologie nennt man das. Froh war ich, dass man nicht alle Gebäude strikt nach den alten Vorbildern aufgebaut hat – das funktionierende WC im Museumsgelände ist super. Ein bisschen moderner Komfort schadet nicht.

Apropos Webhaus: Auf dem Burgstallkogel wurden 120 Webstuhlgewichte eines Senkrechtwebstuhls aus der Hallstattzeit gefunden. Und dieser Webstuhl war ein Arbeitsgerät der Superlative – er hatte eine Breite von sage und schreibe 3,7 Metern. Stoffe in den Farben Schwarz, Blau und Rot konnte man nachweisen.

Auf der Bergkuppe hat man wieder eine einzigartige Aussicht. Irgendwie konnte ich es nachvollziehen, dass man auf diesem Berg einen Fürstensitz samt Siedlung errichtet hatte. Das Schloss Seggau war besonders schön angeleuchtet … gut, das gab es dazumal noch nicht. Vom Weingarten kamen wir auf eine steile, enge Asphaltstraße. Die Angreifer, die in der Vergangenheit den Burgstallkogel stürmen wollten, mussten wohl eine gute Kondition gehabt haben – egal, von welcher Richtung man den Gipfel erreichen will – steil ist es überall.

Über Kleinklein (Infotafel Fürstengräber) marschierten wir nach Großklein zurück. Gasthaus Steirerkeller, Gasthaus Wagner, Gasthaus Wrolli Edler … und eine Konditorei.

„Leibnitz – Schloss Seggau – Frauenberg – Leibnitz“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13 km

150 HM

4 h

Start:

Leibnitz

Hauptplatz  

Ein Sonntag im Februar, die Wettervorhersage prognostizierte 13 Grad Celsius, die Pollen der Frühblüher waren extrem aktiv und wir beschlossen, in den steirischen Süden zu fahren – trotz blühender Haselbüsche, die mir in Gleisdorf schon sehr zu schaffen machten. Wir bummelten über den Hauptplatz bis zum Kapuzinerkloster, dann bogen wir in der Rudolf-Hans-Bartsch-Gasse ein (wobei wir einem nervösen Eichhörnchen begegneten, welches den Winterschlaf unterbrochen hatte) und marschierten an der Tennishalle und am Park vorbei in Richtung Sulmbrücke. Überall gab es noch verdichtete Schneereste und sogar der Bach im Park hatte noch eine Eisschicht. „Irgendwie haben wir in Gleisdorf ein anderes Klima“, bemerkte ich und fror leicht.

„Ich habe immer geglaubt, die Sulm fließt auf der anderen Seite des Berges“, überlegte ich, als wir den Fluss überquerten. Ein Blick auf die Landkarte und wir sahen: das tut sie auch. Sie schlängelt sich förmlich um den Berg, wobei sie bei Leibnitz durch die Laßnitz Verstärkung bekommt. Und dann ist da ja auch noch die Mur, die östlich an Leibnitz vorbeifließt. Ein fruchtbares, richtig breites Tal, ein Berglein, das von einem Fluss umspült wird, und Wein wächst da auch noch. Klar, dass sich da die Römer wohlgefühlt und in der Nähe die Stadt Flavia Solva gegründet hatten. Doch schon vor den Römern war der Hügel, den wir erklimmen wollten, bewohnt. Schon seit prähistorischer Zeit.

Von der Sulmbrücke aus gibt es zwei Gehwege zum Schloss Seggau. Der rechte Weg führt steil auf den Berg, dann kommt eine kleine Kapelle, kurz die Asphaltstraße hoch, dann rechts zum Schloss. Bei der zweiten Variante geht man von der Brücke aus ein kleines Stückchen nach links, um dann auf einen steilen Asphaltweg durch den Wald emporzusteigen. Beim Tennisplatz Frauenberg kommt man raus – hier sieht man schon das Schloss und kann sich nicht mehr verirren. So oder so … man kommt an Marterln vorbei. Eines kann ich schon mal vorwegnehmen. Hier gibt es eine enorm große Marterldichte und wie mir scheint auch sehr, sehr viele Tennisplätze. Thomas Muster lässt grüßen.

Schon sehr früh war der Bergrücken, auf dem jetzt das Schloss steht, an das Erzbistum Salzburg gekommen. Bereits im Jahre 860 war eine ältere Schenkung schriftlich bestätigt worden. Auf dem Berg entstanden drei getrennte Befestigungen. Ein Teil dieser Befestigungen wurde dann vom Salzburger Erzbischof an den Seckauer Bischof weitergegeben (das war im Jahr 1219). Im 15. Jahrhundert wurde Seggau zerstört, die Salzburger zogen sich zurück und verkauften ihren Teil den Seckauern. In jungen Jahren verwechselte ich gerne das obersteirische Seckau mit dem südsteirischen Seggau – die Namen sich ja doch sehr ähnlich und ich nehme an, dass das Seggau im Weinland seinen Namen vom bischöflichen Seckau hat.

Schloss Seggau hat eine beachtliche Römersteinsammlung – eine der größten in Europa, wenn man von Italien mal absieht. Als man diese Wehranlage baute, brauchte man natürlich viel Baumaterial. Eine aufgelassene Römerstadt mit bereits toll bearbeiteten Steinen war da eine richtige Fundgrube – Recycling funktionierte anno dazumal ganz prima. Doch nichts auf der Welt hält ewig – ein Turm des Schlosses musste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgetragen werden … und da kamen sie wieder zum Vorschein, die tollen alten Römersteine. Man erkannte den künstlerischen und geschichtlichen Wert der Steine und so kommt es, dass die teils recht lebensfrohen und durchaus auch freizügigen Denkmäler die Wände eines bischöflichen Schlosses schmücken. Mein Lieblingsplatz auf dem Schlossgelände ist die im Süden gelegene Wiese mit dem herrlichen Turm. Hier ist die Aussicht auf Leibnitz, zum Frauenberg, auf die Sulmseen, auf den Weinberg der Weinbauschule Silberberg und die Aussichtswarte auf den Kogelberg einfach wunderbar.

Die Wanderung führte uns nun weiter (am Gasthaus Schlosskeller vorbei) zur „Akropolis der Südsteiermark“ – zum Frauenberg mit seiner Wallfahrtskirche und den archäologischen Ausgrabungen. Normalerweise würde man über den Kreuzweg dieses Ziel erreichen. Dieser war an diesem Februartag leider dermaßen vereist, dass wir die Straße vorzogen. Die Wallfahrtskirche sieht von außen nicht besonders hübsch aus, man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Innen ist sie sehr prächtig. Auf dem Frauenberg gab es die Marienwallfahrt und davor waren auf diesem „heiligen Berg“ vorwiegend Muttergottheiten verehrt worden. Übrigens gab es hier schon in der frühchristlichen Zeit – im 4. bis 5. Jahrhundert nach Christus, eine Kirche.

Das Museum war leider geschlossen – doch das Außengelände ist ganzjährig zu besichtigen. Das Tempelmuseum selbst ist ein kleines Häuschen, recht unscheinbar. Eine ehemalige Schule, gegründet im Jahre 1731. Die findigen Baumeister fanden ein tolles Fundament für ihre Schule. Sie stellten das Gebäude einfach auf die Reste einer ehemaligen antiken Säulenhalle. Die Schüler hatten wohl keine Ahnung, auf welchem heiligen Boden sie da unterrichtet wurden. Es wäre interessant zu erfahren, ob der Lernerfolg in dieser Schule außergewöhnlich war.

Die Römer waren nicht dumm gewesen. Sie wussten, wie heilig der Berg den ursprünglichen Steirern (Kelten) war, die hier eine Muttergottheit verehrten. Sie machten das, was später die Kirche auch so gerne praktiziert hatte: Sie übernahmen den heiligen Platz und bauten einen eigenen Tempel darauf. Auf dem Frauenberg bauten sie sogar zwei Tempel. Einen für die Muttergottheit Isis/Norea und einen für den Kriegsgott Mars/Latobius. Hier ist ein besonderer Platz, der angeblich eine ganz besondere Strahlung hat – ähnlich wie die Strahlung in der Kathedrale von Chartres. Ich kann das leider nicht bewerten, doch eines kann ich mit gutem Gewissen sagen: Wir haben den Aufenthalt auf diesem Gelände richtig genossen, saßen auf einem Bankerl in der Sonne und blickten in das Tal, wobei wir uns eine gute Jause gönnten. Wir haben uns pudelwohl gefühlt.

Dann wanderten wir weiter – an einem neuen Feuerwehrhaus vorbei, dann zum alten Feuerwehrhaus (hier rechts abbiegen zum Hotel/Gasthaus Hasenwirt), auf der Rückseite des Hotels vorbei (nicht die Straße nach unten gehen) bis zu einem Sackgassenschild. Den Greitbauerweg (Schild „Familie Adam“) folgen, bis man zu einer Straßenkehre kommt. Hier betritt man den Wald. Ein Waldweg führt nach unten, man erreicht eine Forststraße … und nun wird es interessant. Man quert diese Straße, kämpft sich durch das Gestrüpp und kommt wieder zu einem (leider recht verwahrlosten) Waldpfad. Diesem bergab folgen, bis man die Sulm und die Müllerkapelle (welche auf einem Grabhügel steht) erreicht. Hier zweigt man rechts ab und folgt dem Radweg in Richtung Sulmsee.

Als wir unterwegs waren, war der Weg eine einzige Eisplatte. Verständlicherweise waren wir alleine auf weiter Flur (zum Glück, denn teilweise war ich sicherheitshalber auf allen vieren unterwegs). War ich froh, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten! Jetzt erst konnte ich gelassen die dahinfließende Sulm beobachten, die Gänsesäger, die sich auf einem Baumstamm sonnten, die mindestens 30 Stockenten, die in einem Maisfeld, das nicht abgeerntet worden war, ein Festtagsmahl genossen. Bei der eisernen Brücke könnte man die Wanderung abkürzen, den Pfad in Richtung Seggauberg hochgehen und auf der anderen Seite nach Leibnitz absteigen. Wir entschlossen uns jedoch, der Sulm weiter zu folgen. Je näher wir dem Grottenhof kamen, umso belebter wurde es auf dem Weg. Familien mit und ohne Hunde, Radfahrer, junge und ältere Paare.

Wir erreichten eine tolle Allee und Gregi entdeckte einen wunderhübschen Kleinspecht und war nur mehr happy. Ich war auch recht froh, bald würden wir in das Kaffeehaus „Elefant“ einkehren. Doch zuvor mussten wir noch die Laßnitz überqueren (die ehemalige Eisenbahnbrücke ist ein echter Hingucker). Wahrscheinlich hätten wir gleich nach der Brücke den Pfad neben dem Fluss nehmen müssen. Nach unserem Erlebnis mit dem fürchterlich vereisten Radweg gingen wir nun auf Nummer sicher und kehrten entlang der Straße nach Leibnitz zurück. Circa 25 000 Schritte machte ich bei dieser Wanderung, waren doch Umwege zurückzulegen wegen vereister Passagen und einmal verliefen wir uns (beim Hotel Hasenwirt). In Leibnitz angekommen, war ich rechtschaffen müde, doch auch sehr zufrieden. Wir hatten einen wunderbaren Tag und konnten sehr schöne Eindrücke sammeln.

 

 

Gleinstättner Runde – Variante 18a

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

12 km

129 HM

3:09 h

       

Start: Schloss Gleinstätten

Mitte April war es sehr heiß (Deutschlandsberg hatte an diesem Tag den Hitzerekord von Österreich mit 31,6 Grad) und wir hatten beschlossen, Gleinstätten einen Besuch abzustatten.

Von Gleinstätten aus gibt es mehrere tolle Wanderrouten. Eine führt zu den Fürstengräbern (diesen archäologischen Wanderweg wollen wir ein andermal gehen). An diesem Aprilsonntag nahmen wir uns die Gleinstättner Runde, Variante 18a, vor. Laut Bergfex und gelben Wegweisern führt die Route vom Schloss zum Literwirt, weiter zum Georgenberg, dann nach Prarath zum Landgasthaus Rath, zurück nach Gleinstätten (so ähnlich waren wir diese Runde auch schon mal im Oktober 2022 gegangen). Diesmal waren wir leider etwas kreativer unterwegs – im Nachhinein kann ich beurteilen, dass wir doch den Wegweisern folgen hätten sollen.

Wer nach Gleinstätten kommt, sollte unbedingt den Park mit seinem wunderbaren alten Baumbestand und den LandArt-Konstellationen besichtigen. Der Spiegel, der wie ein riesengroßer Gullydeckel halb geöffnet ist, hatte es mir angetan … und noch mehr die schrägen Tonvögel, die in einem Riesenbaum „abhingen“.

Das größte Kunstwerk in Gleinstätten befindet sich hinter dem Renaissanceschloss. Ein Wegerl mit rotem Schotter führt am Schloss vorbei zu diesem Traum von einem Aupark. Das Betätigungsfeld von wahrlich kompetenten GärtnerInnen. Die Böschung zwischen dem Schloss und dem ehemaligen Wehrbach (ein kurzer Seitenarm der Sulm) ist sehr steil und richtig kreativ bepflanzt. Stundenlang könnte man hier verweilen und schauen. Der Aupark ist wirklich pittoresk. Das fand auch eine junge Familie, die, hübsch in Trachten gekleidet, mit einem friedlichen Täufling in diesem versteckten Aupark ein Fotoshooting hatte.

Gleinstätten hieß früher einmal Micheldorf. Die Besitzer von Micheldorf waren die Freiherren von Gleinz. Sie durften „ihr Dorf“ ab 1523 Gleinzstätten nennen. So feudal geht es jetzt in dem hübschen Schloss mit seinen vier Zwiebeltürmen nicht mehr zu. Das Gemeindeamt sowie der Kindergarten sind darin untergebracht – hie und da kann man in diesem herrlichen Ambiente auch Konzerte hören.

Doch nun zu unserer Wanderung. Wir hatten ein neues Wanderbuch und darin fanden wir eine Flusswanderung an der Sulm, dieser Empfehlung wollten wir folgen. Wir ignorierten die gelben Wanderschilder und kamen am Naturbadesee mit seinem einladenden Seepavillon vorbei, auch an der Berufsschule, weiter ging es durch die Orte Haslach und Prarath. Am Ortsende von Prarath querten wir einen Bach und kamen schließlich über Gertis Mostschenke an die Sulm. Es war ein sehr heißer Tag, bis jetzt waren wir auf Asphalt unterwegs gewesen – durch Ortsgebiete und an Feldern vorbei. Vielleicht nicht die beste Entscheidung. 2022 folgten wir den Wegweisern und die Wegführung war entschieden toller.

Die Sulm (an dieser Stelle sind die weiße und die schwarze Sulm bereits vereint) entschädigte uns für die Anstrengungen. War der Fluss für sich schon schön, waren wir noch mehr vom Leben am Fluss begeistert. Eine Gebirgsstelze mit fröhlich funkelnden Augen und rundlichem gelbem Bäuchlein war unterwegs. Klar, dass sie so zufrieden aussah, hatte sie doch ein fettes Insekt im Schnabel. Schmetterlinge flatterten und waren leider viel zu schnell und unruhig, als dass man sie fotografieren hätte können. Wir marschierten flussabwärts auf einem Feldweg zum Teil der Sulm entlang, bis wir den Ort Haslach erreichten.

Im Ort Haslach bogen wir rechts ab, die Asphaltstraße den Berg hinauf. Hier gab es einen Wald, was bei dieser Temperatur schon angenehm war. Bei der Kreuzung folgten wir dann dem Hinweisschild „Buschenschank Pölzl Bernhardtkeller“, was sich als sehr gute Wahl herausstellte. Ein sehr gepflegter Gastbetrieb mit einer guten Jause und absolut rekordverdächtiger Aussichtsterrasse. Den großen Speikkogel mit der Goldhaube gab es da zu sehen, die Josefikirche von Schwanberg sowie die Burg Deutschlandsberg. Unter dem Buschenschank war eine Weide mit schwarzen Schafen, hinter dem Buschenschank gab es Kellerstöckel und blühende Apfelbäume. Wunderbar. Gregi war mehr als zufrieden: Erstens hatte er vorhin einen Schwalbenschwanz fotografiert und eine gute Mehlspeise hatte er auch noch bekommen.

Ein kurzes Stückerl (die Auffahrt vom Buschenschank) mussten wir zurückgehen, dann ging es einen steilen Schotterweg bergauf. Gregi fotografierte noch die Erdbeerblüten, während ich schon die Anhöhe erreicht hatte und voller Begeisterung in der Ferne die Kirche von Kitzeck entdeckte.

Unser nächstes Wanderziel war auch eine Kirche. Eine ganz besondere noch dazu. Die Wallfahrtskirche St. Georgen am Lukowitsch ist uralt – romanisch/gotisch – und man muss den Weg zwischen den blühenden Apfelbäumen schon suchen, um von der Straße zu ihr zu gelangen. Bei dieser Wanderung hatte ich die Kirche das zweite Mal gesehen, und wieder war ich begeistert. Steinerne Stufen führen zum Eingang, der Raum zwischen den zwei breiten Säulen und Kirchentür wirkte einladend. Eine einzigartige Kirche (um 1050 gebaut und somit eine der ältesten der Gegend) an einem mit Bedacht gewählten Ort.

Am Georgisonntag sollte es hier eine Pferdesegnung geben. Der heilige Georg gehört zu den vierzehn Nothelfern. Er wird gerne als Ritter mit Lanze auf einem Pferd dargestellt – ein Drache vervollständigt das Bild. Der Legende nach hatte er eine Jungfrau vor einem Drachen gerettet. Der heilige Georg ist schon tot und kann sich nicht mehr über dieses Lügenmärchen beschweren. Er konnte es sich auch nicht aussuchen, wem er als Schutzpatron dienen sollte. Im Mittelalter war seine Verehrung so groß, dass er zum Schutzpatron der Ritter wurde. Später machte er richtig Karriere als Schutzpatron von ganz England.

Gregi musste was Außergewöhnliches entdeckt haben … er lag in der Wiese mit einsatzbereitem Fotoapparat. Welches Insekt er denn fotografieren wolle, erkundigte ich mich. „Kein Insekt – die Kirche“, kam zur Antwort. Die Kirche ist groß und er hätte sie auch ganz kommod im Stehen fotografieren können. Wieso musste er also schon wieder eine Hose mit Grasflecken verunstalten?

Über ein steiles Treppchen kamen wir wieder auf die Gemeindestraße. Dieser folgten wir ganz kurz, dann war die Abzweigung zum „Kremser Keller“. Bierbänke standen unter Obstbäumen, wir gingen an diesem gut besuchten Buschenschank vorbei und zweigten noch im Parkplatzbereich in den Wald ab. Das Wegerl führte bergab, schließlich erreichten wir wieder die Gemeindestraße. Bei der Kreuzung (hölzernes Marterl) folgten wir nicht dem Wanderwegweiser 18, sondern wir bogen rechts in den Wald ab. Der Weg, der uns wieder ins Tal führte, zeigte den Wald von seiner schönsten Seite.

Wieder kamen wir nach Haslach. In mittelalterlichen italienischen Städten drängen sich „Geschlechtertürme“ auf engsten Raum und sorgen noch Jahrhunderte später dafür, dass sich Touristen an ihrem Anblick freuen. Die Silotürme in Haslach sind leider weniger hübsch. Die Kreuzung passierten wir schon mal, nur dass wir diesmal links abbogen, an einem Mostschank vorbei in Richtung Sulm. Die Brücke mussten wir queren, direkt neben dem Fluss gibt es einen bequemen Feldweg. An der Wehr badeten Jugendliche, Mutige sprangen in das aufgestaute Wasser. Kurz ging es noch die Sulm entlang, dann entlang eines Feldrains, schließlich zu einem Seitenarm der Sulm, über eine Brücke und wieder in den Ort Gleinstätten.

Wir waren weit gegangen an diesem heißen Tag, also hatten wir uns noch eine Belohnung verdient. Die Konditorei Kundlatsch mit ihrem wunderbaren Eisangebot kam uns da gerade recht.