„Ramsar Rundweg“ – Güssing

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

mit Burgberg

5,08 km

7,5 km

20 HM

95 HM

1,5 h

2 h

Start:

Güssing

Zentrum  

Das Mündungsgebiet des Zickenbachs und Strembachs war stark versumpft, dahinter erhob sich ein stolzer Vulkankegel. Einfallsreich, wie Menschen nun mal sind, wussten sie, beide landschaftlichen Besonderheiten zu nutzen. Der Vulkankegel, der wie aus der Ebene gewachsen zu sein scheint, eignete sich bestens zur Verteidigung – daher wurde darauf eine Burg gebaut. Und auch ein Sumpfgebiet mit Wasserzulauf konnte bestens genutzt werden: Aufgestaut zu Teichen konnte man dort hervorragend Fische züchten.

Seit dem Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es zwei aufgestaute Teiche. Dann glaubte man, dass Ackerland wohl sinnvoller wäre, und begann, die Teiche aufzulassen und die Sümpfe zu drainieren. Erst 120 Jahre später, unter der Herrschaft der Familie Draskovich, wurden die Teiche wieder angelegt. Heute ist die Teichfläche etwa 50 Hektar groß, etwa 20 Hektar entfallen auf Röhricht- und Verlandungszonen.

Die Teiche sind sehr groß und auch sehr alt. Und die Vielfalt im und um diese Teiche ist einfach grandios. Gut, dass dieses Areal seit 2013 als Ramsar-Schutzgebiet ausgewiesen ist. Ramsar ist ein internationales Abkommen, das zum Schutz von Feuchtgebieten verpflichtet.

Wir starteten unsere Wanderung im Ortszentrum, über die Badstraße am Freibad vorbei und bogen dann in den Feldweg ein. Auf Infotafeln kann man lesen, dass der Teich sehr naturnah im Femelbetrieb bewirtschaftet wird. Hier leben die unterschiedlichsten Fischarten in allen Altersstufen nebeneinander. Es gibt die herkömmlichen Zuchtfische, doch auch recht seltene Fischarten wie zum Beispiel der Steinbeißer, der Schlammpeitzger und der Bitterling. Letzterer ist besonders interessant, weil er Großmuscheln benötigt, um sich fortpflanzen zu können (Eiablage direkt in Muscheln).

Der Weg ist gut beschildert, und man wandert bequem dahin. Ein Stichweg neben einem wasserführenden Graben führt zu einem besonderen Beobachtungsplätzchen. Als wir auf diesem Stichweg gingen, brach bei den Heuschrecken Panik aus. Noch nie in meinem Leben habe ich eine so große Dichte an Heuschreckenarten in verschiedenen Farben und Größen gesehen. Alle hüpften vor unseren Füßen kreuz und quer. Wir gingen langsam und vorsichtig, damit die kleinen Tierchen die Möglichkeit hatten, sich in Sicherheit zu bringen.

Doch auf dem Weg lauerten richtige Gefahren für die armen Heuschrecken: Frösche, die sich einen Heuschrecken-Snack gönnen wollten. Als wir kamen, vergaßen sie allerdings ihren Hunger und retteten sich selbst in den Wassergraben.

Im Gestrüpp des Sumpfes wiederum wartete der Feind der Frösche – ein Graureiher. Er war in eine missliche Lage geraten, denn er stand da zwischen den eng stehenden Büschen und konnte seine großen Flügel nicht ausbreiten, um davonfliegen zu können. Also sprang er zuerst etwas unbeholfen auf einen höher gelegenen Ast und versuchte, sich so gut wie möglich zu verstecken.

Am Teich angekommen, hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Burg – und dort stand auch eine Liege mit zwei großen Hörtrichtern. Im Teich schwammen mehrere Wassernüsse. Sie erinnerten mich an kleine Nilpferdköpfe. Eine Möwe kreiste über dem Teich, auch ein Reiher war nun in der Luft zu sehen. Ob es sich um das Individuum handelte, welches sich vorhin noch so hastig vor uns versteckt hatte, konnte ich nicht sagen.

Auf dem Rückweg bewunderte ich den Blutweiderich, der so üppig am Wassergraben wucherte. Viele kleine Vögel tummelten sich im Röhricht. Gregi entdeckte voller Begeisterung einen „Großen Wiesenknopf“, auf dem sich die Krabbenspinnen wohlfühlten. Kurz kamen wir auf eine Asphaltstraße, wo wir Radfahrern begegneten, und dann sahen wir im Acker eine Rehgeiß mit zwei Kitzen. Die Kleinen hatten einen gesegneten Appetit und langten kräftig beim Grünzeug zu, während die besorgte Mutter uns kritisch beobachtete.

Wir zweigten links in den Feldweg ein und hatten einen schönen Blick auf den Vulkanhügel samt Burg. Selbst an sonnigen und hellen Tagen wirkt die Wehranlage dunkel und düster. Die Burg war Teil des Verteidigungsrings im Westen von Ungarn. Wir Steirer hatten unseren Burgengürtel zur Verteidigung gegen mögliche Feinde aus dem Osten – die Ungarn hatten einen Verteidigungsring gegen mögliche Angriffe aus dem Westen. Und die Güssinger Burg war sehr wehrhaft – so leicht konnte sie nicht eingenommen werden. Das musste König Ottokar von Böhmen erfahren – auch die „Goldene Horde“ der Tataren musste sieglos wieder abziehen.

1524 kam die Familie Batthyány zu Burg Güssing. Franz I. Batthyány war Mundschenk und Kämmerer am Wiener Hof und erhielt die Burg sowie die Herrschaft Güssing verliehen. Doch wie alles im Leben hatte auch diese Verleihung des Besitzes einen gewaltigen Haken. Ab nun musste er die Burg gegen die Türken verteidigen.

Wer den Burgberg hochsteigt (sehr empfehlenswert – tolle Sicht auf das Ramsar-Teichgebiet), wird sicherlich von den wehrhaft hohen Mauern und den tunnelartigen Toren begeistert sein. Unwillkürlich fragt man sich bei der enormen Menge von Ziegelsteinen, wie viele Menschen wie lange bei der Errichtung dieses gigantischen Wehrbaus beteiligt waren. Was fremde Heere und Feinde nicht schafften, das schaffte die josephinische Dachsteuer. Die Burg verfiel unaufhörlich bis 1870, als Fürst Philipp Batthyány-Strattmann glücklicherweise eine Stiftung zur Erhaltung der Burg gründete. Dadurch können wir heute noch dieses faszinierende Bauwerk bestaunen. Auch innen hat die Burg einiges zu bieten – besonders angetan hat es mir der Dachstuhl des Turms.

Doch zurück zu unserer Wanderung.

Da gab es eine feuchte Stelle auf dem Weg, dieser Fleck war ein richtiger Treffpunkt für die Scheckenfalter. Auch Libellen fühlten sich in diesem Bereich besonders wohl. 28 Libellenarten sollen im Güssinger Ramsar-Gebiet vorkommen.

Wir erreichten die Siedlung, dann führte ein Weg in Richtung Teich. Das Güssinger Spital hat eine erstklassig schöne Lage, noch besser ist die des Roten Kreuzes. Die Sanitäter müssen nur einen Wiesenweg queren, um zum Teich zu gelangen. Und dort – neben den Sanitätern, die auch immer wieder schwangere Frauen in die Geburtsklinik bringen – hat sich die Konkurrenz angesiedelt: Ein Storchennest. Hoch oben auf einem Mast residieren die beeindruckenden Vögel und beobachten skeptisch die Graureiher, die auf dem Weg zwischen den Teichen ihr Lager aufgeschlagen haben. Diesen Steg sollte man besser nicht betreten, ohne größte Vorsicht walten zu lassen, denn dieser Weg wird von den Schwänen als Toilette benutzt.

Die Güssinger Teiche sind als Brutplatz für Wasservögel von österreichweiter Bedeutung. 80 Vogelarten brüten in diesem Gebiet – 100 Vogelarten rasten während des Vogelzugs hier. Ich könnte mir vorstellen, dass es in Güssing in Zukunft ausgesprochen viele Ornithologen gibt. Der Kindergarten ist direkt neben dem Teich – Vogelbeobachtungen sind hier schon in jüngsten Jahren möglich.

Mein Tipp: Unbedingt die Burg auch besuchen. Sie ist noch so unverfälscht – der Dachstuhl des Turms ist ebenfalls außerordentlich sehenswert.

 

„Rund ums Moor“ – Themenweg Rohr im Burgenland

 

       

Rundweg

barrierefrei

1 – 2 Stunden Führungen werden angeboten
       

Barrierefreie Wanderung, die zirka 2 Stunden dauert.

Diese Wanderung stellt keine sportliche Herausforderung dar. Für die Fitness hat sie wenig zu bieten, dafür punktet sie mit ganz besonderen Naturerlebnissen.

Es war ein extrem heißer Junitag. Eine lange Regenperiode war endlich zu Ende gegangen, und wir wollten unbedingt wieder raus in die Natur.

„Weit mag ich heute bei der Hitze nicht gehen, und vor Waldspaziergängen wird noch gewarnt… was machen wir?“, überlegte ich. „Im Burgenland gibt es momentan sicherlich viele Schmetterlinge“, meinte Gregi. „Die mögen auch Temperaturen über 30 Grad.“

Also fuhren wir ins Burgenland. Gleich hinter der steirischen Grenze bei Burgau befindet sich Rohr. Und dort gibt es die artenreichen Auwiesen des Zickenbachtals, in denen seltene Insekten und auch Vögel beheimatet sind.

Rohr ist eine kleine Gemeinde. Dort wohnen keine 400 Personen, doch der Ortskern kann sich sehen lassen. Zwei Gasthäuser gibt es, eine Kirche und daneben der „Eingang zum Moor“. Wunderbar wurde er gestaltet, mit einem Teich (dort leben ganz viele muntere Frösche), farbenfrohen Blumengärten, der ersten Erlebnisstation für Kinder und neugierige Erwachsene sowie dem Hinweis, dass man unter der „Hearonymus-App“ vieles über das Moor erfahren kann.

Zwei umgedrehte Bäume mit den Wurzeln nach oben mussten wir durchschreiten, um in das größte Moor im pannonischen Raum zu gelangen. Neben dem Bach ging es auf einem schön gemähten Wiesenstreifen entlang, Weiden wuchsen am Ufer, und in einer davon entdeckten wir schon die ersten Vögel. Ein Teenager-Kleiber versuchte sehr vehement, seine Eltern dazu zu bringen, ihm gute Leckerbissen zuzustecken. Seine Bauchfedern waren noch ganz fluffig, die Schwanzfedern noch nicht richtig stattlich. Wir beobachteten ihn und seine „pädagogisch versierten“ Eltern. Unverdrossen ermutigten sie ihn, sich doch selbst sein Essen zu suchen.

Die Schautafeln des Moors sind sehr informativ. Wir erfuhren, dass dieses Niedermoor 42 Hektar groß und somit das größte Moor im pannonischen Raum ist. Gewachsen ist es über etwa 10.000 Jahre – 13 Meter ist es mächtig.

Wir erreichten die erste Brücke, die uns zum Garten der Sinne leiten sollte. Wir sahen in den Bach hinunter, der noch vor kurzem einen sehr, sehr hohen Wasserstand gehabt haben musste. Mit größtem Entzücken entdeckten wir wahre Zauberwesen: Blaue – in der Sonne schillernde Flattertiere. Als sie sich auf das Schilfrohr setzten, erkannten wir die elfenhaften Tierchen: männliche Prachtlibellen. Die Flügel dieser Männchen sind prächtiger als jede Robe auf dem Opernball – garantiert. Dazu die haarigen Beinchen und die riesengroßen Augen, die seitlich vom Kopf hervortreten.

Im Garten der Sinne gab es zum Glück Schatten. Für Kinder sind tolle Erlebnisstationen eingerichtet, dazu Bänke, auf denen man sich ausruhen und die Natur beobachten kann. Wir beobachteten eine Elster, die bei einem Kirschbaum mit reifen Früchten ihren Bauch vollschlug.
Weiter ging es dann wieder dem Bach entlang. Kurzes Fotoshooting mit einem „Landkärtchen“ – einem wunderbaren Schmetterling. Die Sonne schien herrlich durch seine Flügel, die ein ganz klein wenig an gotische Maßwerksfenster erinnerten.

Im Moor sollten Galloway-Ochsen weiden und dieses vor der Verbuschung schützen. Bei unserer Wanderung hatten wir leider keine Moorochsen gesehen. Vielleicht waren sie einfach auf einer anderen Weide.
Wieder überquerten wir eine kleine Brücke, und das Auwald-Labyrinth erwartete uns. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Baumstämme mit Spechthöhlen nebeneinanderstehen sehen. Gut, wir befanden uns schließlich auch in einem Vogelschutzgebiet. Die Auwiesen des Zickenbachtals sind auch Natura 2000-Schutzgebiete. Den Laubtunnel, den man hier als Erlebnisstation für Kinder errichtet hatte, sparten wir uns.
Die nächste Erlebnisstation war auch nicht unbedingt nach unserem Geschmack – Moorschlamm waten. Auch wenn es hier angeblich Heilschlamm geben sollte. Für Kinder allerdings ist es sicherlich eine Riesengaudi, eine Schlammschlacht à la Takeshi’s Castle zu schlagen. Für fließendes Wasser zum Waschen danach ist jedenfalls gesorgt.

Wir schlenderten weiter – ein Auwald wartete wieder auf uns. Auf dem Knüppelweg war es ja noch recht angenehm zu gehen, doch dann kam er, der Gatsch. Als meine Schuhe fast im Moor stecken blieben, entschloss ich mich, doch umzukehren. Ein riesiges Heupferd flatterte in Richtung Bach. Ob es sich dabei um die seltene Sumpfschrecke handelte, die es in diesem Gebiet noch geben sollte, kann ich leider nicht beurteilen.

Nun besahen wir uns auch das Weidenlabyrinth. Die Gemeinde hält die Wiesenwege recht gut in Schuss, damit sie leicht zu begehen sind. Am Wegrand stehen Riesenbrennesseln. Und diesen Brennnesseln sollte man unbedingt genügend Aufmerksamkeit schenken. Auf ihnen findet man ganz interessante Tiere. Gregi hatte eine Raupe des Tagpfauenauges entdeckt. Diese schwarze Raupe muss sich nicht verstecken: Geschützt ist sie durch die Brennnesseln sowie durch ihre vielen, eigenen Stacheln.

Auf dem Rückweg trafen wir eine Frau, klugerweise war sie barfuß unterwegs. Sie erkundigte sich, wie der Weiterweg aussähe. Sie würde bald eine Gruppe Leute durch das Moor führen. Unter www.lust-auf-moor.at kann man Infos über die Programme für Kinder, Firmen, Familien etc. finden.

Beim Rückweg bogen wir rechts ab. Ein Weg führte uns über die Wiese hinauf zur Aussichtswarte. Und auf diesem Wiesenweg (bei einer Pfütze) die große Überraschung: Schmetterlinge, Schmetterlinge, Schmetterlinge. Einige zierliche Bläulinge hatten sich hier zur gemeinsamen Essensaufnahme versammelt. Daneben ein Großer Fuchs, viele Tagpfauenaugen, einige Landkärtchen, zwei Dickkopffalter … allesamt versammelt auf kleinstem Raum.

Wir genossen die Aussicht auf der Warte. Interessiert studierten wir die Gegend. Wo war hier wohl die Trasse der Römerstraße, die Sombathely mit Leibnitz verbunden hatte? Gregi suchte die Gegend mit seinem Feldstecher ab. Nicht die Römerstraße interessierte ihn, sondern vielmehr der Wiedehopf, der in dieser Gegend vorkommen sollte. Und wenn er auch keinen Wiedehopf zu sehen bekäme, wäre er auch mit einem Goldammer sehr zufrieden.

Zurück gingen wir den bekannten Weg zum Schmetterlingstreffpunkt. Was für ein Glück, dass ich doch hatte: Jetzt war auch noch ein Schwalbenschwanz anwesend. An Schönheit ist dieser riesige Falter kaum zu übertreffen. Und er ist ein guter Flieger – richtig zielgerichtet und rasch ist er unterwegs. Mir kommt vor, dass jede Schmetterlingsart ihren ganz eigenen Flugstil hat. Einige taumeln in der Luft hin und her, manche sacken beim Fliegen immer wieder etwas ab und gewinnen dann wieder an Höhe, viele der Schmetterlinge wirken unentschlossen, als ob sie sich nicht so recht entscheiden könnten, wohin sie wollten. Allerdings nicht der Schwalbenschwanz … immer zielgerichtet. So wie wir jetzt. Wir hatten riesigen Durst und auch etwas Hunger – da waren ja zwei Gasthäuser im Ort. Nichts wie hin!

 

„Grenzerfahrungsweg“ – Bildein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

3,97 km

0 HM

1 h

Start:

Bildein

Kirche  

„In Bildein gibt es Bienenfresser – ich will dorthin“, beharrte Gregi, obwohl ich ihn darauf hinwies, dass die Temperaturen auf über 30 Grad klettern würden und ich daher eher einen Spaziergang im Wald vorziehen würde. „Bienenfresser“, kam nochmals als Argument und: „Ich bin heute um 5.00 Uhr aufgestanden, wir sind ja noch früh dran. Da werden wir nicht die ganz arge Hitze abbekommen.“

Gut, dann halt nach Bildein. Dorthin wollte ich schon länger, um den Grenzerfahrungsweg zu erkunden. Auch das burgenländische Geschichte(n)haus reizte mich. Also fuhren wir an die österreichisch-ungarische Grenze, nach Bildein.

Geparkt haben wir in der Nähe der Kirche. Das Ortszentrum gefiel mir ausgesprochen gut. Die Mariensäule mit den Weinranken, das Gemeindehaus, das Gotteshaus und die Platane, die daneben wuchs. Ein richtig hübsches Ensemble.

Von der Kirche gingen wir den Fußgängerweg in Richtung Friedhof, und dort gab es schon die erste Station: ein Labyrinth aus unzähligen weiß-roten Stangen. Ich muss ehrlich gestehen – ich habe das Zentrum des Labyrinths nicht erreicht. Irgendwie hat es mich wieder zum Ausgang geführt, obwohl ich es fast schon bis zur Mitte geschafft hatte. Einen zweiten Versuch wollte ich nicht wagen, immerhin hatten wir noch eine Wanderung vor uns, und es war schon recht warm. Also keine Zeit vertrödeln, dachte ich, während Gregi noch seelenruhig für lange Zeit im Labyrinth verschwunden blieb. Er fand das Zentrum, und ihm war es offensichtlich egal, dass es immer heißer und heißer wurde.

Als er es endlich auch wieder raus geschafft hatte, folgten wir dem Weg weiter bis zum Trafo, da mussten wir links abbiegen.

Bei der nächsten Station sahen wir einen sowjetischen Panzer, einen Schützengraben und einen originalen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Es ist empfehlenswert, die Informationstafeln aufmerksam zu lesen. Wie krank war doch das letzte Jahrhundert!

Von der Errichtung des Südostwalls wird berichtet, von den Todesmärschen der jüdischen Zwangsarbeiter, von der Ausbildung von „Arbeitsmaiden“ (die Männer waren ja an der Front, und die Frauen mussten sehen, dass sie die Wirtschaft und Landwirtschaft am Laufen hielten).

Dann kamen die Russen, und die Bevölkerung tat gut daran, so schnell wie möglich zu fliehen. Zwischen Bildein und Eberau gab es sogar einmal einen sowjetischen Militärflughafen.

Der Wanderweg führte uns bis zur Pinka. Unter der Staustufe badeten bereits Jugendliche. Wir haben es heute in Österreich richtig gut.

Vor der Pinka bogen wir rechts ab und folgten dem Fluss. Die Uferböschungen sehen naturbelassen aus – hier ist die Kinderstube von unzähligen Vögelchen. Emsig flatterten Schwalben in der Luft. Ein helles Zwitschern war zu hören. Gregi entdeckte sie zuerst. Fünf Schwalbenküken saßen auf einem Ast und wollten gefüttert werden. Keine leichte Aufgabe für die fürsorglichen Eltern.

Bildein gehört noch zum „Naturpark in der Weinidylle“. Es liegt zwar am Rand des Naturparks, in der Tiefebene. Aber wenn man am Ufer der Pinka entlanggeht, versteht man, dass diese Gegend wirklich schützenswert ist. In der Ferne sieht man Weinberge, Kirchtürme und Pappelalleen.

Und in der Nähe tummelten sich jede Menge Vögel. Zwei Bussarde kreisten in der Luft, ein Graureiher beschwerte sich lauthals, bevor er losflog. Eine blau schillernde Prachtlibelle sonnte sich auf einem Blatt, und auch Schmetterlinge waren unterwegs.

Zwei Kilometer östlich vom Ort Bildein verläuft die Grenze zu Ungarn. Und an dieser Grenze war es auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1989 nicht unbedingt harmlos. Ungarn gehörte zum Ostblock mit der Planwirtschaft. Der Westen mit seinen Freiheiten war verlockend… Doch Ungarn unternahm einiges, um seine Bürger daran zu hindern, nach Österreich auszuwandern. Bereits 1948 wurden vom ungarischen Staat auf 356 km Grenze erste technische Abriegelungssysteme eingerichtet. Beobachtungstürme, drei Meter hohe Stacheldrahtzäune und Minenfelder (Tretminen sowie Berührungsminen) sollten eine Flucht aus Ungarn verhindern.

1955 bis 1956 wurde die Grenze dann wieder entmint. 1956 kam es in Ungarn zu einem Aufstand. Große Teile der Bevölkerung erhoben sich gegen die kommunistische Diktatur. Zirka 180.000 Menschen flohen nach Westen.

1957 wurden wieder Tretminen verlegt. Diese blieben dann recht lange, bis man 1965 bis 1970 die Minen wieder räumte. Man hatte neue technische Möglichkeiten entdeckt: ein elektrisches Signalsystem wurde errichtet. Ein Entkommen aus dem kommunistischen Staat war immer noch nicht einfach. Erst 1989 beschloss das ungarische Politbüro, die technischen Grenzsperren abzubauen.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern einige Male nach Ungarn gefahren. Am ungarischen Grenzübergang gab es immer ganz viele schwer bewaffnete Grenzbeamte oder Soldaten – so genau weiß ich das nicht. Ein Visum musste ausgefüllt werden, die Autos wurden akribisch durchsucht. Der Anblick von Männern mit Gewehren (auch wenn es meistens hübsche und junge Soldaten waren) war unheimlich. Es ist gut, dass diese schlimmen Zeiten vorbei sind.

Eine Station, der Grenzwächterturm, erinnert noch an den Eisernen Vorhang. Bei unserer Wanderung saß ein junger Gartenrotschwanz auf dem Masten mit den Lautsprechern. Wir wanderten in den Ort zurück und sahen noch die „schwimmende Brücke“. Gregi fotografierte einen sehr fotogenen Wandergelbling (Schmetterling).

Dann besuchten wir die Konditorei „Lendl’s Backstube“ in der Hauptstraße 132. Der Kaffee und die Mehlspeisen waren köstlich – unbedingt einkehren!

Leider hatte das Geschichte(n)haus noch nicht geöffnet (sonntags erst ab 14.00 Uhr).

Der Grenzerfahrungsweg von Bildein ist besonders empfehlenswert.

Doch auch die Natur rund um Bildein hat einiges zu bieten. Gut, Bienenfresser, deretwegen wir nach Bildein gefahren sind, haben wir keine gesehen. Aber trotzdem ist mir dort das tollste Vogelfoto meiner Hobbyfotografinnenlaufbahn geglückt. Und seien wir ehrlich – kleine Schwalben sind ja auch sowas von süß.

 

 

 

„Clusius-Wanderweg“ – Güssing

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

14,8 km

59 HM

4 h

Start:

Güssing Schulstraße  

Die Bezirkshauptstadt Güssing ist schon eine ganz besondere Stadt. Ein Vulkankegel mit einer hochinteressanten Burg (diese werden wir ein andermal besuchen), riesige Teiche (RAMSAR-Schutzgebiet mit vielen Wasservögeln), Feuchtwiesen (die eine enorme Artenvielfalt bieten), ein Auswanderermuseum (insgesamt sind circa 62.000 BurgenländerInnen nach Amerika ausgewandert), das Schloss Daskovich, Burgfestspiele und ein hübsches Ortszentrum.

Eigentlich würde man die Wanderung in der Schulstraße beginnen. Gregi wollte aber unbedingt zuerst noch Wasservögel beim Teich beobachten, also wurde die ohnehin schon recht lange Wanderung noch ein klein bisschen verlängert. Wir standen auf dem Teichdamm, der von den Schwänen offensichtlich als Schlafplatz genutzt wird, und ich wunderte mich, wie riesig die Hinterlassenschaften dieser edlen Vögel sind. Vorsichtig tapsten wir zwischen den „Tretminen“ vorwärts, dann beschlossen wir, mit der richtigen Wanderung zu starten. Von der Badstraße ging es zur Hauptstraße, wo sich die Basilika und Klosterkirche Güssing befindet. Davor steht die Statue des 2003 seliggesprochenen Augenarztes Ladislaus Batthyány-Strattmann. Dieser hatte weder in Güssing gelebt noch hier als Armenarzt gewirkt, er war Nordburgenländer (Schloss Kittsee) gewesen. Aber seine sterblichen Überreste befinden sich in Güssing. Die Familiengruft der Batthyánys ist die zweitgrößte Familiengrablege in Österreich – die größte ist die Kapuzinergruft.

Also, ab zur Schulgasse – dem offiziellen Start der Wanderung. An den geparkten Bussen sowie an den Schulgebäuden vorbei marschierten wir zur Bundesstraße. Dort bogen wir links ab und dann gingen wir und gingen und gingen … Asphalt, Einkaufszentren … reizvoll ist was anderes. Meine Laune sank rasant. Wir hatschten an der Montecuccolikaserne vorbei. Raimondo Montecuccoli war einer der bedeutendsten Feldherren in Österreich gewesen. Die Schlacht bei Mogersdorf war durch ihn gewonnen worden – obwohl das Türkenheer doppelt so stark gewesen war.

Irgendwo nach der Kaserne müsste man laut Wegbeschreibung rechts abbiegen – Tankstellen, weitere Geschäfte. Ich wurde nervös und schielte auf die rechte Straßenseite, die keinen Gehsteig mehr hat. „Sollten wir nicht da drüben rein … schau, da sind schon Büsche“, schlug ich Gregi vor. „Du willst wirklich auf den Truppenübungsplatz?“, erkundigte sich Gregi erstaunt. Besser doch nicht. Gelbe Schilder, die vor Lebensgefahr warnten, hielten mich wirkungsvoll davon ab. Was sagte die Tracking-App? Wir müssten noch weiter. Endlich ein Wegweiser nach Ludwigshof. Wir gingen an einem Chinarestaurant vorbei, längs neben den Truppenübungsplatz entlang und schließlich kamen wir nach Ludwigshof und standen vor einer Kreuzung. Wohin jetzt? Im Nachhinein kann ich es sagen – in Richtung Wegweiser „Kinderärztin“. Links neben uns gab es eine Pferdekoppel, der Weg führte uns bergauf und wir erhaschten einen tollen Blick auf die Burg Güssing sowie auf einen Falken, der die Stromleitung als Sitz- und Aussichtsplatz nutzte.

Durch den ganzen Ort schlängelt sich die Asphaltstraße, dann mussten wir eine Landstraße überqueren und wir kamen an einen Waldrand. Wieder die Schilder „Vorsicht Lebensgefahr – Truppenübungsplatz“. Schöne Eichen säumten den Weg, es ging bergab und wir querten eine Brücke. Durch den Wald führte der Weg bequem bergauf, wir kamen an eine Kreuzung (rechts steht ein aufgelassenes Forsthaus). Wie weiter? Burgenland hat wirklich noch nicht allzu viel Erfahrung mit Wanderern und Wegbeschilderungen … oder wir sind einfach nur zu blöd. Wir entschlossen uns, gerade weiter zu gehen – eigentlich waren es die Schmetterlinge, denen wir folgten und die uns die Entscheidung damit abnahmen. Bei der nächsten Wegkreuzung sah ich dann wieder auf die Tracking-App und bemerkte, dass wir total falsch waren. Also zurück zum Forsthaus, wo wir ursprünglich rechts abbiegen hätten sollen. Jetzt begann die Wanderung herrlich zu werden – im Straßengraben gab es Wasser, und sobald wir daherkamen, hörten wir vor uns: platsch, platsch, platsch. Hier gab es noch viele Fröschlein, die eifrig ins Wasser sprangen, um sich vor uns in Sicherheit zu bringen. Schmetterlinge tanzten vor uns. „Zitronenfalter, Aurorafalter, gelbgeaderter Kohlweißling“, benannte Gregor sie nach der Reihe und war nur mehr schwer zum Weitergehen zu bewegen. Eine Libelle konnte er beim Schlüpfen beobachten – einer Vierfleck-Libelle. Ein kleiner Teich lag vor uns, Schilf, Wasserpflanzen und wieder: platsch, platsch, platsch … eine Fröschegroßfamilie.

Hier beginnt der Clusius-Erlebnispfad, der um die Urbersdorfer Stauseen sowie zu einem Wildtierpark führt. Die Urbersdorfer Seen sind sehr beliebt … auf der linken Seite, bei der wir dem Wanderweg folgten, waren die Fischer mit ihren Zelten, auf der rechten Seite (die weitaus idyllischer ist) fischte auch jemand – ein Graureiher. Er stand auf einem Baumstumpf und versuchte, dabei so harmlos wie möglich auszusehen. Ich schätzte, dass er wohl auch ebenso erfolgreich wie seine technisch bestens ausgerüsteten menschlichen Kollegen war.

Bei dieser Wanderung kamen wir leider nicht auf die andere Seeseite. Dort kann man die alten mächtigen „Urbersdorfer Eichen“ bewundern. Diese hatten wir bei einer Winterwanderung gesehen und wir waren von ihnen begeistert. Mein Tipp wäre (besonders wenn man nicht beinahe 15 km wandern möchte), direkt zu den Urbersdorfer Stauseen zu fahren, den Clusius-Lehrpfad zu erkunden und dann über den Urbersdorfer Kirchplatz zur Bundesstraße, diese zu überqueren und weiter über einen Feldweg zum Fluss Strem zu wandern (da gibt es ganz besonders tolle Wiesen mit einer riesigen Artenvielfalt).

Den Lehrpfad schafften wir nicht mehr, doch unsere Wanderung führte uns wie soeben beschrieben zu den großen Feuchtwiesen. Die Lichtnelken zauberten rosa Flächen ins Grün, Schwertlilien hübschten alles noch zusätzlich auf. Clusius hätte mit dieser Wiese eine Freude gehabt. Wer ist überhaupt dieser Clusius, nach dem diese Wanderung benannt wurde? Charles de L’Ecluse hatte von 1526 bis 1609 gelebt und aus Flandern gestammt. Carolus Clusius wurde er in Österreich genannt und er war Hofbotaniker am Hof Maximilians II. Als Maximilian starb und sein Sohn die Herrschaft übernahm, verlor Clusius seinen Job, weil er Protestant war. Was für ein Glück für Balthasar III. Batthyány, der sich für Botanik interessierte. Er holte Clusius nach Güssing und dieser erforschte die pannonischen Pflanzen. Sein Werk „Stirpium Nomenclator Pannonicus“ wurde 1583 in Güssing gedruckt (der Buchdruckmeister war Johannes Manlius. Er war ebenfalls ein Protestant). Dieses Buch war ein Standardwerk über Jahrhunderte.

Balthasar III. Batthyány interessierte sich nicht nur für Pflanzen, er sammelte auch seltene Exemplare. Und er hatte eine ganz besondere Quelle gefunden, um an ganz erlesene Blümchen zu kommen. Batthyány nützte die vornehmen türkischen Kriegsgefangenen als Zahlungsmittel – Kriegsgefangene gegen seltene Pflanzen aus den Gärten des Sultans von Konstantinopel. So waren zum Beispiel wertvolle Tulpen ins Burgenland gekommen (diese waren im 16. Jahrhundert teilweise wertvoller als Gold gewesen).

Als wir den Fluss Strem erreichten, gab es für uns wieder ein Highlight. Ein richtig stattlich-hübscher Storch war gnädig und gestattete uns ein Fotoshooting. Danach ging es am Ufer entlang zurück nach Güssing. Der Tag war heiß, wir hatten schon eine sehr weite Strecke hinter uns (vor allem weil wir zusätzliche Kilometer gemacht hatten, die so bei der Wanderung nicht vorgesehen waren). Die letzte Wegstrecke war ein reines Martyrium. Schade eigentlich, denn wir waren schon mal auf diesem Weg neben der Strem unterwegs gewesen und dazumal hatte es uns hier sehr gut gefallen. Damals hatten wir hier mehrere Braunkehlchen gesehen.

Wie froh war ich, als ich im Café Mokka ein großes eiskaltes Mineralwasser sowie einen guten Hauskaffee bekam. „Erste Hilfe für müde Wanderer“ nenne ich diese Kombination, welche mich auch nach der anstrengendsten Tour wieder fit macht.

 

„Wald- und Naturwanderweg Gerersdorf“ und Freilichtmuseum

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundwanderweg

8,8 km

120 HM

2:30 h

Start:

Freilichtmuseum

   

Der Erste Mai war ein wunderbarer Tag, nicht zu warm oder zu kalt, rundum stand alles in Blüte und ich hatte mir eigentlich ein Wanderziel in der Weststeiermark vorgenommen. Gregi wollte nicht, ihm sei die Richtung Güssing lieber, erklärte er, mit der neuen Autobahn sei man jetzt auch recht schnell da, fügte er noch hinzu.

Also suchte ich Rat in meinem neuen klugen Wanderbuch „Gehmütliches Burgenland“ von Anni und Alois Pötz sowie Johann Dormann und fand ein geeignetes Ausflugsziel: das Freilichtmuseum Gerersdorf. Ich sehe mir immer wieder gerne das wunderbare Freilichtmuseum in Stübing an und da habe ich ein absolutes Lieblingshaus. Nämlich das Burgenländerhaus, das gleich nach dem Eingang rechts auf dem Hügel liegt. Ich mag diese Häuser aus Holz, Stroh und Lehm mit ihren weichen Formen. Sie wirken so freundlich und auch ein bisschen märchenhaft.

Märchenhaft ist die richtige Beschreibung für das Freilichtmuseum Gerersdorf. Da standen wir inmitten der Kellerstöckln, Vorratshäuschen und Presshäuser mit den hübschen Strohdächern, den urigen massiven Holzbalken, den weiß getünchten Wänden, den kleinen Fenstern mit den dunkelroten Pelargonien davor und konnten uns gar nicht sattsehen. Neben den Gebäuden gibt es alte Obstbäume, einen Weingarten, wunderbare Kastanienbäume … und dann gibt es noch den Schankstadl, wo es köstliche handgefertigte Kekse gibt.

Gerersdorf hat einen sehr aktiven Museumsverein und es werden ganz tolle Kreativkurse angeboten: Möbelrestauration, Drechseln, Kunstschmieden, Korbflechten, Klöppeln, Federnschleißen etc. Im Freilichtmuseum tut sich was.

Doch das dieses Museum überhaupt existiert, ist einem Mann zu verdanken, Herrn Professor Kisser. Herr Kisser war Werbegrafiker. (Ein sehr begnadeter noch dazu, würde ich sagen. Jedenfalls bin ich von seinen ausgestellten Bildern sehr begeistert.) Zuerst wollte er ja nur ein Wochenendhaus im Südburgenland, dann begann er, hübsche alte Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu retten … und schließlich, 1976, wurde das Freilichtmuseum eröffnet. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie viele Wochenenden, Urlaubstage und Freizeitstunden mit schwerer Bautätigkeit nötig waren, um dieses kleine Paradies zu schaffen. Zudem musste es auch sehr mühsam gewesen sein. Häuser aufzubauen ist keine leichte Arbeit – sie abzutragen sicherlich auch nicht. Mich schaudert, wenn ich an den jahrhundertealten Schmutz denke, mit dem man bei dieser Plackerei in Berührung kommt. Herr Kisser muss schon ein großer Idealist sein und dazu noch eine sehr tolerante Familie haben. Gut, seine Kinder hat er schon etwas bestochen, dachte ich und betrachtete das liebliche „Kinderhaus“.

Doch jetzt zur Wanderung. Im Schankstadl gibt es Gratiswanderkarten und es ist sehr ratsam, eine mitzunehmen. Ich weiß nicht, ob es irgendwo im Burgenland diese tollen gelben Alpenvereinswanderschilder gibt – vielleicht stoßen wir ja bei einer weiteren Wanderung auf diese. Bei unserer Runde sehen wir kleine grüne quadratische Wanderschilder, spärlich sind sie und zuweilen auch ein bisschen verwirrend. Daher ist die Karte für die Orientierung wirklich notwendig.

Der Weg startet beim Museumseingang, führt steil den Hang hinunter, vorbei an einem alten Wohnhaus mit Lehmverputz (welches bis 1992 noch von zwei unverheirateten Schwestern bewohnt worden war) und hinein in den Wald. Der Weg war schön ausgemäht – blühende Büsche, taunasser Schachtelhalm, Bäume mit Bezeichnungstafeln und dann … eine riesengroße, uralte Kopfweide. Der dicke rissige alte Stamm ist gedreht – in den tiefen Spalten des Stammes könnten höhlenbrütende Vögel nisten, Fledermäuse würden hier ein Schlafquartier finden und Eichhörnchen wüssten sie als Vorratskammern zu nutzen, las ich auf einer Tafel, als ein leichtes Beben im Gras meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die Grasdecke wölbte sich, leises Knacken und Schmatzen war zu vernehmen. Minutenlang beobachtete ich, wie die Grasdecke mal hier und mal da eine Beule bekam, ohne auch nur ansatzweise ein Tierchen zu entdecken. Endlich – ein schwarzes Näschen, nur kurz war es zu sehen. Ein Maulwurf also. Ihm gefiel es hier bei diesem prächtigen Baum offensichtlich auch recht gut.

Wir überquerten eine Asphaltstraße, gingen eine natürliche Hecke entlang, eine Brücke, und dann standen wir inmitten einer großen herrlichen Wiese. Die Gräser hatten es mir diesmal besonders angetan. Die Doldenstände standen in Blüte. Es sah aus, als ob die Gräser weiße und rote Bärte trügen. Gregi war ganz eifrig beim Ablichten von Blümchen. Er hockte im Gras und von ihm sah man nur mehr Kappe, Kopf und Kamera. Brettleben ist es hier, mit Ausnahme einer kleinen Erhebung – diese musste erkundet werden.

Der Taborhügel war künstlich aufgeschüttet worden, ist circa eineinhalb Meter hoch und hat eine Plattform mit einem Durchmesser von etwa 12 Metern. Groß ist das nicht, doch scheinbar ausreichend, darauf einen Wehrturm zu stellen – mit einem gemauerten Fundament und einem Holzgebäude darüber. Um den Taborhügel war noch ein Wassergraben angelegt worden. Diesen sieht man auch heute noch, gelbe Schwertlilien wachsen am Ufer. Von der Holzpalisadenwand, welche den Hügel samt Wassergraben umgab, kann man leider nichts mehr erkennen. Dieser kleine spätmittelalterliche Sitz war noch 1457 urkundlich erwähnt worden.

Mit etwas Glück könne man hier auch noch knollenförmige Eisenschlacke finden, las ich auf einer Tafel. In der Gegend war Eisen verhüttet worden – und zwar schon seit der Römerzeit. Allzu hochwertiges Eisen darf man sich da nicht vorstellen, aber immerhin hatte man schmiedefähiges Roheisen erzeugt. Die Wahrscheinlichkeit, knollenförmige Schlacke zu finden, würde ich eher gering einschätzen – eher würden wir auf rundes Leder stoßen. Der Weg führte links am Fußballplatz vorbei, über eine Brücke, und dann ging es schon zur nächsten Wiese. Diese war noch größer, Schmetterlinge tummelten sich vor unseren Beinen. Ein Kleiner Dukatenfalter, einige Aurorafalter, einige Kleine Perlfalter. Sie fühlten sich in dieser Feuchtwiese pudelwohl. Gut, dass der Burgenländische Naturschutzbund sich um dieses Naturparadies kümmert. Schön, dass hier noch diese wunderbaren riesigen Solitärbäume wachsen dürfen. Am Waldrand überlegten wir, wie die Route weitergehe. Laut Karte geht es geradeaus durch den Wald. Auf der linken Seite des Weges mäandert ein Bach, auf der rechten Seite sind einige Brunnenanlagen zu sehen. Ich spekulierte, dass es sich um Mineralwasserquellen handeln könnte – vor uns lag Sulz und das ehemalige Firmengelände des Güssinger Mineralwassers (welches leider 2019 in die Insolvenz geschlittert war).

Wir überquerten eine Holzbrücke und stapften den Hügel in Richtung Steingraben hinauf. Ein wunderbarer Blick auf die stolze große Burganlage Güssing, die auf einem markanten Vulkankegel steht. Am Fuße des Berges rundum die Bezirkshauptstadt. Was für ein Unterschied zum Taborhügel mit seinem einst hölzernen Wehrturm.

Steingraben liegt entgegen seinem Namen auf der Kuppe eines Hügels. Ein hoher Kirchturm ragt in die Höhe – zwei Straßen vor diesem Kirchturm führte der Wanderweg rechts aus dem Dorf. Wir strebten auf einer Schotterstraße entlang blühender Büsche dem nächsten Wald zu. Die Luft roch süß nach Honig, weiß leuchteten die Blüten der Robinen, die ein eigenes „Viertel“ im Wald bildeten. Den Waldweg ging es entlang, an Pfützen vorbei (Gregi fand eine Gelbbauchunke, die sich anstandslos fotografieren ließ) … und dann hatten wir sie endlich erreicht. Eine grandiose Traubeneiche, ein Naturdenkmal der feinsten Art. Wir rasteten auf dem Bankerl bei der Eiche und ließen die Magie des Platzes auf uns wirken. Ab jetzt mussten wir uns immer rechts halten, bis wir die Häuser vom Riegelberg erreichten. Vom Riegelberg hat man noch eine schöne Aussicht auf Gerersdorf, die Asphaltstraße geht es die Häuser entlang nach unten. Wieder eine Kreuzung – hier links halten (nicht zum Haus Eveline) – bald hatten wir den Ausgangspunkt erreicht.